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Kommentare: 10 | Lesungen: 8127 | Bewertung: 7.3 | Kategorie: Partner | veröffentlicht: 21.01.2006

Der Seitensprung

von Mondstern

Copyright liegt bei mir, Anja M. (mondstern70)

Nervös und angespannt lief er den Flur auf und ab. Er war vollkommen in seinen Gedanken versunken. Hatte sie eine Affäre? Einen Geliebten oder vögelte sie nur so in der Gegend rum? Seine Gefühle wechselten zwischen Enttäuschung, Ungewissheit und Wut hin und her.

Vor drei Wochen hatte er diesen Bericht in dieser Illustrierten gelesen. Über die Anzeichen und Gründe des Fremdgehens. Besonders den Teil über die Gründe, wieso „frau“ fremdgeht. Geborgenheit suchen sie, Liebe und Anerkennung, keinen schnellen Sex, wie die meisten Männer. Das machte ihm Angst! Hatte sie sich nicht erst vor kurzem ein neues Kleid gekauft? Neue Schuhe und ihre Haare etwas kürzen lassen. Die Haare auf die er immer so stolz war? Ihre lockige Mähne! Seine Mähne? Sie hörte sich immer seine Sorgen und Probleme an und selbst, wenn es sie nicht so interessierte, gab sie ihm doch das Gefühl für ihn da zu sein. Und er? Hatte er sie die letzten Monate nicht ein wenig vernachlässigt? Themen, die ihr wichtig waren, ins Lächerliche gezogen? Ihre Sorgen nicht ernst genommen? Wenn sie etwas erzählen wollte, sie auf später vertröstet. Er beschloss, das zu ändern. Sie war und ist seine Jugendliebe! Sie und die Kinder sind sein Leben. Was gibt es da schon Wichtigeres?

Und dann dieser Zufall mit der Tasche! Das zweite Badezimmer, das im Erdgeschoss, in der auch die Waschmaschine steht, das er nur selten benutzte. Ihre Sporttasche hatte darin gestanden und er hatte sich gewundert, dass sie, entgegen ihrer Gewohnheit, die Tasche nicht gleich ausgeräumt hatte. Die verschwitzen Sportkleider und die Handtücher, die sie nach dem Fitnesstraining für den Saunagang benötigt. Alles hatte unbenutzt in der Tasche gelegen. „Wie war’s heute beim Training?“, hatte er sie später beiläufig gefragt! „Gut wie immer“, hatte sie ihn angelacht. Er hatte sich nicht anmerken lassen, aber es war wie ein Schlag in den Magen. Wieso belog sie ihn? Sie, die das Lügen so sehr hasste?

Wie lange ging das schon? Normalerweise gingen sie den Winter über, wenn es draußen kalt wurde, zusammen zum Fitness Center. Er musste schmunzeln. Sie fror ja dauernd, trotz Thermosportdress. Aber schlagartig änderte sich seine Gefühlsregung wieder. Sie schlug in Wut um und er hämmerte mit der Faust gegen den Türrahmen. Verdammt Anja! Wieso tust du mir das an? Genüge ich dir nicht mehr? Liebst du mich nicht mehr? Was läuft da?

Er griff zum wiederholten Male zum Telefon, tippte die Nummer ein, um gleich wieder aufzulegen. Fieberhaft suchte er einen plausiblen Grund, um anzurufen. Was sollte er fragen? Hallo, ich bin’s. Ist Anja da? Der Angestellte im Center würde sie aus dem Aerobic Kurs holen – und dann fragt er, ob sie weiß, wo seine lange Hose ist? Lächerlich! Das fällt ja gar nicht auf. Und was wäre, wenn sie nicht da ist? Nein, das ist alles Blödsinn, er musste selbst hinfahren. Aber was sollte er seinen Eltern sagen? Er musste es ihnen sagen, die Kinder schliefen zwar normalerweise tief und fest, aber …. sie alleine lassen? Nein das konnte und wollte er nicht verantworten.

„Muss kurz weg, mal sehen ob meine Frau mich verarscht!“ Klasse! „Ich muss tanken!“ Auch blöd, das Auto ist voll und die Abbuchung vom Konto würde ihn verraten. Seiner Frau könnte es auffallen, dass er vor drei Tagen erst getankt hatte. Also was tun? Trotzdem zur Tankstelle, eine Flasche Wein holen, wo sein Vater den ganzen Keller vollstehen hat? CinZano! Genau, ihren Lieblingssekt, so ein Zuckerwasser hätte sein Vater nie und nimmer auf Halde liegen.

Zufrieden grinste er über seinen Einfall, schlüpfte in die Birkenstock und nahm seinen Autoschlüssel. Ein letzter Blick in die Kinderzimmer. Die Mädchen schliefen tief und ruhig. Den im unteren Stock wohnenden Eltern schnell bescheid gesagt und schon saß er im Auto. Wenige Minuten später war er am Ziel. Er stellte den Wagen in eine dunkle Seitenstrasse und schlich sich auf den Parkplatz des Klubs. Sie parkte immer dort, am liebsten in der Nähe des beleuchteten Eingangs, weil sie Angst im Dunklen hatte. Aber er konnte ihr Auto nirgends entdecken. Nach und nach suchte er alle Möglichkeiten ab und fuhr in seinem Auto noch einige Runden um den Block. Der Wut war Verzweiflung gewichen. Traurig gab er die Suche auf und fuhr nachdenklich nach Hause.

Er saß vor dem Ferneseher und „zappte“ die Programme durch. Seine Gedanken waren meilenweit weg. Kurz nach 23 Uhr kam sie nach Hause. Sie begrüßte ihn und fiel ihm um den Hals. Doch er zog seinen Körper zurück und wollte die Berührung nicht! Was er denn hätte, fragte sie ihn? Nichts! Kopfweh! „Wie war’s heute beim Training?“, fragte er sie, und ihre Antwort tat ihm so unsagbar weh! „Wie immer Schatz!“
Verdammt Anja, verdammt! Dein Auto hast du wohl mit rein genommen? Oder habt ihr es gleich im Wald getrieben? Wenn er mit ihr in den Wald gefahren war, dann lag sie immer auf dem Beifahrersitz. Wie ist es, Mal zur Abwechslung auf dem Fahrersitz gefickt zu werden? Oder lässt du den Typen auch noch mit deinem Auto fahren? Sollte er ihr eine Szene machen? Nein, dazu war er nicht der Typ. Beweise brauchte er, unwiderlegbare, unmissverständliche Beweise – nur wie?

Die Woche verging wie im Flug. Er lenkte sich mit Arbeit ab und ging früh zu Bett. Er wies jede Annäherung von ihr zurück und schob alles auf den harten Arbeitstag und den Druck, den er zurzeit hatte. Sie schien ihm zu glauben und versuchte, ihn so gut sie konnte zu unterstützen. An diesem Donnerstag kam er früher heim. Wie immer verabschiedete sie sich von ihm und er wünschte ihr viel Spaß. Zum Glück bemerkte sie seinen zynischen Unterton nicht. Oder doch? Ihr Blick war anders wie sonst! Sie wollte etwas sagen, ließ es aber und verabschiedete sich nur knapp von ihm. Offenbar merkte sie doch, dass er sich recht seltsam benahm. Am liebsten würde er sie begleiten, aber dies war zu ungewöhnlich. Diese Uhrzeit fanden Donnerstags nur die Frauenkurse statt und auch die Saunaanlage war nur den Damen zugänglich. Dies wurde eingeführt, als sich einige der Ladys von zu neugierigen Männeraugen belästigt gefühlt hatten. Aber er hatte vorgesorgt. Die 900er Kawasaki seines Kumpels stand in der Garage und mit dem Helm und dem dunklen Visier würde ihn niemand erkennen. Schnell hatte er den Wagen seiner Frau eingeholt.

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Kommentare


Mondstern
(AutorIn)
dabei seit: Sep '04
Kommentare: 326
Mondstern
schrieb am 24.01.2006:
»Hi "Fans",

Hat mir Spaß gemacht, das aus der Sichtweise eines Mannes zu schreiben. Nur schade, dass sie nicht so bei den Lesern ankommt - was sinkene "Vote" Zahlen belegen!

Ich finde sie aber trotzdem gut - (grins)

@ Zine: Das glaube ich dir gern, aber das zu schreiben überlasse ich den "Experten"

LG Anja

«

Sadisimo
dabei seit: Dez '00
Kommentare: 64
schrieb am 22.01.2006:
»Hallo Anja,
die Geschichte ist sehr temporeich erzählt. Daddurch bleibt die Spannung lange erhalten. Und das du mal die Sichtweise eines Mannes einnimmst ist auch intetressant.
Gruß
Thomas«

XXX-Zine
dabei seit: Apr '01
Kommentare: 130
Der XXX-Zine
schrieb am 23.01.2006:
»Schön, wie du es geschaft hast, in die Gedankenwelt von uns Männern hineinzugleiten.

Aber glaube es mir, wir Männer können durchaus noch derbere Gedanken in solchen Situationen entwickeln :-)«

Strangerboy
dabei seit: Nov '04
Kommentare: 31
schrieb am 25.01.2006:
»Hi Anja,

ich finde die geschichte sehr schön, weil sie die weite deines horizontes zeigt. Du zeigst immer wieder das Erotik eben oftmals tiefer liegt als in purem Sex. Lächel
Bussi
Tom«

sw_6
dabei seit: Dez '01
Kommentare: 20
Steppenwolf
schrieb am 06.03.2006:
»Und wieder eine sehr schöne Geschichte von meiner momentanen Lieblingsautorin - ich kann sinkende Bewertungsquoten überhaupt nicht nachvollziehen. Für mich sind alle Deine Geschichten hier absolute Lichtblicke, damit machst Du Deinem Sternennamen,liebe "mondstern70", alle Ehre, ganz bestimmt.
Steppenwolf«

Eoos
dabei seit: Okt '04
Kommentare: 160
Sinige
schrieb am 24.07.2006:
»Wie von nem Mondstern, sinnlich anregend.«

guuhome
dabei seit: Nov '00
Kommentare: 34
schrieb am 05.10.2006:
»Hallo,
komisch, ich denke diese Geschichte habe ich real so in etwa erlebt....
Ich wollte meine Frau gegen 16 Uhr von der Arbeit abholen und ihr Kollege meinte, sie wäre was besorgen...
Also wartete ich und wartete, aber sie kam nicht.
Ich beschloss dann mit der S-Bahn nach hause zu fahren und wartete zuhause bis 22 Uhr, als sie dann kam.
In dieser Zeit habe mir die verrücktesten Phantasien den Kopf verdreht und ich dachte das meine Frau fremdgehen könnte, obwohl es einerseits nicht ihre Art ist und sie andererseits keinen Alleinausgänge macht...
So war diese Situation höchst unüblich und nährte meine Phantasien... zumal ich während meiner 1.Exehe in dieser Hinsicht negativ vorbelastet war.

Aber meine Frau kam dann mit einem Welpen auf den Arm nach hause, ein Weihnachtsgeschenk für mich...
Und dass es so spät wurde, lag daran, dass sie während der Fahrt vom Blitzeis überrascht wurde, dass sich damals gegen 17 Uhr ereignete und sie deswegen nur sehr langsam und vorsichtig fahren konnte.
Ich habe vorsichtshalber mein damals noch neues Auto stehen gelassen und bin mit der S-Bahn gefahren...
bzw. deswegen habe ich sie auch abholen wollen um gemeinsam mit der S-Bahn zu fahren...

Das wollte ich hier mal zum Besten geben...

Aber lest mal meine Geschichte "Ein Urlaubsabend auf Teneriffa" - eine Geschichte die aus meiner Phantasie entstammte und irgendwie auch dieses Thema berührt...

Nette Grüße guuhome@gmx.de«

skipp20
dabei seit: Apr '03
Kommentare: 40
skipp20
schrieb am 10.07.2007:
»Klasse! Frei nach dem Motto "Denn erstens kommt es anders als zweitens man sich's denkt". Wirklich lesenswert!
Skipp «

-Faith-
dabei seit: Okt '02
Kommentare: 92
Faith
schrieb am 25.07.2007:
»Hallo Anja,

die Geschichte ist ja richtig spannend *oh schreck* ;-))
hat mir sehr gefallen.

lg

uwe27
dabei seit: Jan '05
Kommentare: 10
schrieb am 09.01.2010:
»Einfach wunderschön...so stell ich mir Liebe vor.«



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