An der Mühle
von sandracord
Es war ein Samstag im Hochsommer in Brandenburg, dieses tiefe, satte 28-Grad-Sommer-Wetter, in dem die Luft schon nach Ferien riecht. An so einem Tag hängt über allem dieses Gefühl von ‚Nichts muss, alles darf‘.
Mein Freund hatte diese Idee:
‚Lust auf eine kleine Runde? So… ohne Ziel?‘
Und wenn er das sagt, meint er Vespa.
Ich also in ein leichtes Sommerkleid – knielang, hell, mit einem Muster, das ich noch nie wirklich benennen konnte. Er im Polo-Shirt und kurzer Hose, die Haare leicht vom Wind zerzaust, schon halb im Wochenendmodus.
Wir fuhren also los, wir rollten einen kleinen asphaltierten Landweg runter, vorbei an Feldern, die im August immer so aussehen, als würden sie selber schläfrig werden. Ich genoss das Gefühl, wenn der Fahrtwind unter das Kleid fährt – nicht wie im Film dramatisch, sondern einfach… lebendig.
Wir fuhren durch kleine Dörfer, die meisten Häuser aus gelben Ziegeln, Apfelbäume am Straßenrand, irgendwo roch es nach frisch Gegrilltem.
Und es war dieser Moment, wo man merkt: Man fährt nicht zu einem Ziel – man fährt in eine Stimmung hinein.
Ich hatte die Hände fest um seine Taille gelegt. Und irgendwie lag in der Luft dieses ‚Heute passiert nichts Besonderes, aber wir werden uns später erinnern‘.
Wir fuhren also immer weiter, über diese kleinen brandenburgischen Wirtschaftsstreifen, wo manchmal der Asphalt so warm ist, dass die Luft flirrt. Ab und zu überquerten wir eine größere Straße.
Zwischendurch drehte er den Kopf ein bisschen zur Seite, so ein halber Blick nach hinten, und sagte:
‚Alles okay da hinten?‘
Und ich musste lachen, weil… natürlich war alles okay.
Mehr als das.
Wir kamen an einem Feldweg vorbei, der halb im Schatten lag.
Er setzte spontan den Blinker und fuhr auf einen kleinen Feldweg. ‚Wir gucken mal, wohin der führt‘, meinte er.
Und das ist genau dieses Ding, weshalb ich ihn liebe: Er folgt Stimmungen, nicht Karten.
Der Weg führte an ein Stück Wiese, ein kleiner Hügel, von dem aus man den See zwischen den Kiefern glitzern sah. Keine Menschen. Nur Wind. Und Sommer.
Er hatte den Motor ausgemacht, und für einen Moment war es so ruhig, dass man nur den Wind durch das Gras hörte. Wir setzten die Helme ab. Ich saß noch auf der Vespa, er stand seitlich neben mir, eine Hand an meinem Bein, die andere an meiner Hüfte – ganz selbstverständlich. Wir küssten uns — warm, unaufgeregt, ohne Eile, dann leidenschaftlicher. Ich spürte seine Hand auf meiner Brust und seine Härte an meinem Oberschenkel. Es fühlte sich alles so perfekt an. Am liebsten hätte ich mich mit ihm auf die Wiese gelegt.
Doch irgendwann meinte er:
‚Komm, lass uns noch ein Stück fahren.‘
Und obwohl ich bleiben wollte, war die Vorstellung, mit ihm weiter durch den Sommer zu gleiten, noch schöner. Der Motor brummte, die Luft war warm, mein Kleid flatterte, und der Weg führte weiter zwischen Wiesen und Feldern hindurch. Meine rechte Hand glitt von der Taille auf seinen Schenkel, dort spürte ich, wie erregt er noch immer war. Ich ließ meine Hand dort, bewegte sie leicht und wusste, dass er es genießt.
Nach einigen Minuten taucht dieser Hügel auf. Mit einer alten Windmühle, die so wirkt, als hätte sie schon immer dort gestanden. Der Hügel ist nicht hoch, aber er hebt die Mühle aus der Landschaft heraus, als würde sie ein bisschen über allem wachen.
Rundherum stehen hohe Hecken, die schon seit Jahren niemand mehr geschnitten hat. Und dahinter — zwei schwere Holztische mit jeweils zwei Bänken, verwittert, schön, als hätte jemand sie absichtlich dort hingestellt für Menschen, die Sommer mögen.
Kein Mensch weit und breit.
Nur Wind, warmes Holz, dieser Moment, der sich gleichzeitig zufällig und vollkommen richtig anfühlt.
Wir gingen zu einem der Picknicktische — der, der ein bisschen schief stand und in der Sonne lag.
Ich lehnte mich mit dem Po an die Stirnseite, er stellte sich vor mich, und… wir machten einfach da weiter, wo wir in der Wiese aufgehört hatten.
Diese Art von Kuss, die sich langsam steigert. Erst warm, vertraut, dann intensiver.
Zeit verliert irgendwie ihren Takt, wenn Nähe plötzlich so selbstverständlich wird.
Es wurde enger, körperlicher, vertrauter, leidenschaftlicher. Ich öffnete seine Hose und sein Phallus sprang mir entgegen und duftete männlich. Seine Hände waren längst unter meinem Kleid, das er mir dann auch auszog – genauso wie meinen String. Bevor ich sein Shirt ausziehen konnte, zog er mich wieder an sich. Ich rutschte ein kleines Stück auf dem Tisch nach vorn, so dass er endlich seinen Schwanz in meine überfließende Muschi stecken konnte.
In diesem Moment hörten wir plötzlich Stimmen. Nicht weit weg. Nicht: ‚Oh, da hinten irgendwo jemand.‘
Sondern: Nah. Viel zu nah.
Das raschelnde Geräusch, wenn Menschen sich durch Hecken schieben.
Eine Familie, wie wir sahen — wohl auf der Suche nach einem netten Picknickplatz.
Natürlich.
Genau da.
Genau jetzt.
Wir schauten uns an und hatten denselben Gedanken:
‚Bitte lass die Sekunden reichen.‘
Und wir wurden gerade so wieder vorzeigbar, als die ersten durch die Hecke traten. Meinen String hat mein Freund noch schnell in seine Tasche gesteckt.
Die Familie schaute uns kurz an, freundlich, arglos, so wie man eben schaut, wenn man nicht die geringste Ahnung hat, wie knapp sie eine… sagen wir: intensivere Stimmung verpasst hat.
Wir verabschiedeten uns mit einem völlig unschuldigen Lächeln.
Und auf dem Weg zur Vespa mussten wir beide gleichzeitig lachen — dieses Lachen, das man nicht aufhalten kann, weil es aus Erleichterung, Schalk und diesem ‚Wir zwei gegen die Welt‘ besteht.
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