Das Rauschen der Woche
von Raven Mirel
Das Badezimmer ist in dichten, warmen Nebel gehüllt. Nur das gleichmäßige, beruhigende Prasseln der großen Regendusche durchbricht die Stille des Samstags. Das Wasser fällt wie ein warmer Sommerregen herab, beleuchtet von den sanften Farben der LED-Leuchten in der Decke, die das Wasser mal in beruhigendes Blau, mal in leidenschaftliches Rot tauchen.
Er
Ich atme tief ein. Die Luft ist schwer und feucht, gesättigt mit dem Duft von Sandelholz und wilder Orange – unser Duschbad. Als ich das Wasser auf meiner Haut spüre, merke ich erst, wie viel Spannung in meinen Schultern sitzt. Die Woche war lang, laut und fordernd. Aber jetzt, hier mit ihr, beginnt die Welt draußen zu verblassen.
Ich nehme den Massageschwamm. Er ist rau, aber angenehm griffig. Ich sehe sie an. Mit 47 ist sie schöner denn je; ihre Haut glänzt im Schein der Lichter, Wassertropfen perlen an ihrem Nacken ab.
„Lass mich dir helfen“, flüstere ich, auch wenn das Rauschen meine Worte fast verschluckt. Aber sie versteht mich. Sie dreht sich um.
Ich setze den Schwamm an ihren Schultern an. Langsame, kreisende Bewegungen. Ich spüre, wie sie unter meiner Berührung ausatmet, wie ihre Schultern sinken. Meine Gedanken sind nur bei ihr. Ich liebe diese Kurven, die ich seit Jahren in- und auswendig kenne.
Langsam arbeite ich mich tiefer. Über die Wölbung ihrer Wirbelsäule, hinunter zu ihrem Hintern. Ich liebe diesen Anblick. Ich drücke den Schwamm etwas fester auf, lasse den Schaum über ihre Rundungen gleiten, bevor ich den Schwamm zur Seite lege und meine Hände benutze. Haut auf Haut. Glatt, nass, warm.
Sie
Seine Hände sind mein Anker. Die Rauheit des Schwamms war herrlich belebend, wie ein Weckruf für meine müden Nerven, aber seine Hände... sie sind das Versprechen von Sicherheit. Ich rieche das herbe Duschgel auf seiner Haut, vermischt mit dem metallischen Geruch des Wassers.
Als er mich umdreht, sehe ich das Verlangen in seinen Augen, das selbst nach all den Jahren nicht gedimmt ist. Er tritt ganz nah an mich heran. Das Wasser prasselt nun auf uns beide gleichzeitig, schließt uns in einen Kokon aus Wärme ein.
Er seift meine Vorderseite ein. Seine Finger sind fordernd und doch zärtlich. Als er meine Brüste umschließt, entfährt mir ein leises Seufzen, das im Dampf der Dusche verhallt. Seine Daumen kreisen, und ich spüre ein Ziehen tief in meinem Bauch. Dann gleitet seine Hand tiefer, über meinen Bauchnabel, bis in meinen Schritt. Er kennt jeden Winkel, weiß genau, wie er mich berühren muss, um die Last der Woche gegen pures Verlangen zu tauschen. Ich schließe die Augen und konzentriere mich nur auf das Gefühl seiner Finger und das heiße Wasser, das über mein Gesicht läuft.
Er
Sie zu berühren, ist wie nach Hause kommen. Aber jetzt übernimmt sie die Führung. Sie nimmt mir den Schwamm aus der Hand. Ihre Augen funkeln schelmisch und liebevoll zugleich.
„Jetzt du“, sagt sie leise.
Sie drückt mich sanft herum. Ich spüre den Schwamm auf meinem Rücken, fester als ich es bei ihr getan habe. Sie weiß, dass ich diesen Druck brauche, um locker zu lassen. Sie schrubbt den Stress regelrecht weg. Dann ihre Hände an meinem Gesäß – ein kurzes, fast freches Kneifen, das mich lächeln lässt.
Doch als sie nach vorne kommt und in die Knie geht, verändert sich mein Atemrhythmus schlagartig.
Sie widmet sich meinen Oberschenkelinnenseiten. Ganz langsam. Sie lässt sich Zeit. Jeder Strich mit dem eingeseiften Schwamm ist eine Qual und eine Wohltat zugleich. Mein Herzschlag hämmert in meinen Ohren und übertönt fast das Wasser.
Sie
Ich knie vor ihm. Das Wasser trifft meinen Rücken, läuft an meinen Flanken herab. Vor mir sehe ich ihn – stark, vertraut und vollkommen mir ausgeliefert. Der Geruch von Männlichkeit und Seife ist hier unten intensiver.
Ich lege den Schwamm weg. Ich will ihn spüren. Ich greife nach dem Penisring, den wir griffbereit auf der Ablage haben. Das Silikon ist kühl, ein starker Kontrast zu seiner heißen Haut und dem warmen Wasser.
Vorsichtig, aber bestimmt lege ich ihn an, platziere ihn an der Wurzel und um seinen Hodensack. Ich spüre, wie er zuckt, wie sein ganzer Körper sich spannt. Ich liebe diese Macht, ihm Gutes zu tun.
Ich nehme ihn in den Mund. Er schmeckt salzig und sauber. Ich spüre, wie er seine Hände in meine nassen Haare krallt, höre sein tiefes Stöhnen, das aus seiner Brust vibriert. Ich verwöhne ihn mit allem, was ich habe, sauge den Stress aus ihm heraus, bis er nur noch Lust ist. Ich will, dass er alles vergisst: die Arbeit, die Termine, die Pflichten. Nur wir. Hier. Jetzt.
Er
Ich bin kurz davor, den Verstand zu verlieren. Das Gefühl ihres warmen Mundes, verstärkt durch den Druck des Rings, ist überwältigend. Das Wasser rauscht, mein Blut rauscht. Ich muss sie stoppen, bevor es zu spät ist.
Ich greife nach ihren Armen und ziehe sie hoch. Sie kommt mir entgegen, nass und wunderschön.
Wir prallen fast aufeinander. Unsere Lippen finden sich hungrig. Der Kuss ist wild, fast verzweifelt. Wir schmecken das Wasser, den Atem des anderen. Es ist ein Kuss, der heißer brennt als das Wasser, das unaufhörlich auf uns niedergeht. Unsere Zungen tanzen denselben Rhythmus, den unsere Körper gleich finden werden.
Sie
Er dreht mich wieder um, aber diesmal ist es anders. Es ist dringender. Ich stütze mich mit beiden Händen am kühlen Wannenrand ab, beuge mich kopfüber nach vorn. Das Wasser trifft jetzt meinen unteren Rücken, während mein Gesicht fast die kühlen Fliesen berührt.
Ich spüre ihn hinter mir. Seine Brust drückt gegen meinen Rücken, sein Atem heiß an meinem Ohr. Er ist riesig, hart und bereit.
Als er in mich eindringt, entfährt mir ein lauter Schrei, der sich mit dem Rauschen der Dusche mischt. Er füllt mich vollkommen aus. Es ist das Gefühl von absoluter Einheit. Endlich. Die Leere der Woche wird gefüllt mit seiner Wärme.
Er
Ich habe nun beide Hände frei für ihre Körpermitte. Ich umfasse ihre Hüften, ziehe sie fest gegen mich. Der Winkel ist perfekt. Ich kann tief in sie eindringen, genau so, wie sie es braucht, um loszulassen.
Meine Hände gleiten nach vorn, verwöhnen ihre Klitoris, spielen mit ihr im Takt meiner Stöße. Ich höre ihr atemloses Keuchen, spüre, wie ihre inneren Muskeln mich umschließen, mich massieren.
Das Klatschen unserer nassen Haut aufeinander ist ein fast obszöner, herrlicher Rhythmus. Alles ist glitschig, reibungslos, intensiv. Ich sehe, wie das Wasser über ihren Rücken läuft, genau dorthin, wo wir eins sind.
Ich spüre, wie sie sich unter meinen Händen anspannt, wie sie dem Höhepunkt entgegenfiebert.
„Lass los“, raune ich ihr ins Ohr, beiße zärtlich in ihre Schulter. „Lass alles los.“
In diesem Moment, unter dem Regenbogenlicht und dem endlosen Strom warmen Wassers, waschen wir nicht nur unsere Körper rein, sondern auch unsere Seelen. Wir sind eins. Und die Woche ist vergessen.
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