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Kommentare: 9 | Lesungen: 3239 | Bewertung: 7.07 | Kategorie: Sonstiges | veröffentlicht: 30.05.2012

Der Nonnenbunker oder Zum Pranger

von

Xenia

„Das ist der blödsinnigste und bescheuertste Auftrag, den jemals ein Journalist bekommen hat!“


Ich musste mir Luft machen, sonst würde ich platzten.


„Ich hasse diese schwachsinnige Mission und unseren obersten Boss Nisser sowieso. Und am meisten diese Schnepfe Andrea.“ Seit gefühlten Stunden versuchte ich, mich vor dem Spiegel herumhantierend, in eine halbwegs passable Nonne zu verwandeln. Die letzten Bartstoppeln waren einer gründlichen Rasur längst zum Opfer gefallen, doch die Schminke so aufzutragen, dass mein männlich herbes Gesicht dem einer gottesfürchtigen Nonne glich, und nicht einer Berufsmäßigen auf der Reeperbahn, erwies sich als nahezu unüberwindliche Schwierigkeit.

„Ach komm Elmar, so schlimm ist das doch nicht. Und die Andrea war doch mal deine Liebste - dass du sie hasst, kauf ich dir nicht ab.“


Tatsächlich, es gab einen neuen Kandidaten für den Spitzenplatz auf der Liste der hassenswerten Leute. Nichts ging mir mehr auf den Senkel als solch ein Gesülze, wenn ich wütend war. Dieser Christoph war ein Idiot. Natürlich hasste ich unsere Chefredakteurin Andrea nicht wirklich. Und doch ... diesen neuen und überaus bescheuerten Auftrag hatten wir hauptsächlich ihr zu verdanken.

„Quatsch keine Opern, sondern hilf mir mal mit dieser elenden Halskrause. Jedes Mal, wenn ich glaube, sie sitzt perfekt, ersticke ich fast, und wenn sie so sitzt, dass ich Luft bekomme, rutscht sie runter. Warum müssen Nonnen auch solch eine mittelalterliche Kluft tragen?“


Natürlich war Christoph keine Hilfe, sondern machte alles noch schlimmer, und als ich nach etlichen Erstickungsanfällen endlich halbwegs nach Nonne aussah, war ich derart schweißgebadet, dass die eben erst mühsam applizierte Schminke mir nur so vom Gesicht herablief. Ich hätte schreien können!

„Lass Papi mal machen“, glaubte Christoph, mich belehren zu müssen.


„Dieses Spendenskandälchen im Nonnenbunker werden wir Ruck Zuck aufgeklärt haben. Ich weiß gar nicht, warum du dich aufregst. Ist doch ein Klacks gegenüber deinem Eindringen in die nur für Frauen zugelassene Kölnarena beim Abspritzcontest. Als Frau! Wahnsinn!“


Ich selbst hatte niemals behauptet, als Frau verkleidet dort eingedrungen zu sein, das hatte unser allseits verhasster oberster Boss Nisser sich selbst ausgeknobelt und alsbald als Wahrheit verkündet. Eine Tatsache, die mir gelegen kam. Wenn heraus kommen würde, dass ich als einer der Sexathleten aufgetreten war …lieber nicht dran denken. Doch dass meine Kollegin Andrea uns beide, Christoph und mich, in Nonnenkleidern nach St. Claustrophobia schickte, um solch eine Bagatelle wie den bereits erwähnten Spendenskandal aufzudecken, resultierte aus meinem neuen Ruf als „Frauenheld“. Ach, die Welt war ungerecht, und Andrea ... ein Rabenaas. Denn sie, im Gegensatz zu Nisser, kannte meine wahre Rolle beim Abspritzcontest.

Die Kleider hatten wir in einem Laden für Verkleidungen erstanden, und die Tatsache, dass wir damit ein Loch in die Spesenkasse des laufenden Monats rissen, entschädigte mich in gewisser Weise für die Tatsache, mich in diese leicht nach Naphthalin riechenden Kleider zwängen zu müssen.


„Mensch Elmar, wie schaffen es die Nonnen nur, einen ganzen Tag in diesen wandelnden Brutkästen herumzulaufen?“, beklagte sich nun auch Christoph, und mein breites Grinsen angesichts der prekären Lage meines Leidensgenossen verriet mehr über meinen Charakter, als mir lieb war. Doch auch ich konnte nicht verstehen, wie man sich bei der herrschenden Hitze freiwillig solchermaßen kasteien konnte. Ob das der Heiligkeit zuträglich war? Doch ich machte mir keine Sorgen, diese Krankheit würde mich nicht befallen. Dagegen war ich durch und durch immun.

Das Hotel, in dem wir ein Zimmer gemietet hatten, befand sich ganz in der Nähe des Nonnenbunkers und so hatten wir, nachdem wir uns die Hintertreppe hinuntergeschlichen hatten, nicht weit zu gehen.


„Na, unterwegs zur Verkleidungsparty?“, vermutete der Angestellte, der unsere Koffer nach oben getragen hatte und nun plötzlich vor uns stand.


„Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs!“, gab Christoph schlagfertig zurück und meine freundlichen Gefühle für ihn machten wieder einige Punkte gut. Vielleicht war er ja doch nicht so doof, wie der ihm vorauseilende Ruf mich glauben ließ.

Mit Trippelschritten, die uns der Kleidung und unserem jetzigen Stand angemessen schienen, näherten wir uns dem großen Eingansportal. Mir war so was von beschissen zumute! Wie, um des Himmels willen, benahmen sich Nonnen? Beteten sie ununterbrochen? Oder taten wenigstens so? Ich hatte nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung. Doch lieber wollte ich über- als untertreiben, und so faltete ich die Hände wie zum Gebet, als wir die Pforte überschritten, und Christoph tat es mir nach. Warum konnte er sich nichts Eigenes ausdenken? So sahen wir aus wie Karikaturen unserer selbst. Zum Glück hielt uns niemand auf, sodass wir uns schon dem Haupthaus näherten, bevor jemand auf uns aufmerksam wurde.

Einen wirklichen Plan, wie wir an relevante Informationen herankommen wollten, existierte schlichtweg nicht.


„Wir lassen es auf uns zukommen“, hatte ich Christoph entgegnet, als er mein geplantes Vorgehen erfragte.


„Du spinnst doch, ohne einen Plan geh’ ich dort nicht rein!“, war seine Antwort gewesen.


„Mir wird schon im gegebenen Moment etwas einfallen, so wie beim Abspritzcontest, da hat das ja auch geklappt“, log ich ihm die Hucke voll, während mir mindestens genau so mulmig war wie ihm. Doch einer muss immer den Helden spielen, das verlangt die Choreografie des Lebens.

„Guten Tag“, sprach uns die junge Frau an, die von links aus einer von Bäumen bestandenen Allee gekommen war und nun mit uns auf die große Eichentür zuhielt, die wie von Riesenhand gemacht schien. „Zu wem wollen Sie?“


„Zu niemand Bestimmtem“, flüsterte ich in meinem höchsten Diskant, „wir sind auf einer Pilgerreise und wollen nur eine Zwischenrast einlegen. Man hat uns Clau... eh ... das Internat als sehr gastfreundlich empfohlen.“


„Oh, Sie sind aber ziemlich heiser“, diagnostizierte die Hobbyärztin, „wenn Sie wollen, kann ich Ihnen einen Lindenblütentee brauen. Kommen Sie doch mit auf mein Zimmer, die Äbtissin können Sie später noch besuchen.“


„Das ist lieb, mein Kind, wir sind müde vom Wandern und ein Tässchen Tee wird uns gut tun.“

Wow, verdammt schnuckelig war diese Schülerin. Stand sicher kurz vor dem Abitur und verdrehte den Lehrern den Kopf. Mit diesem kurzen Röckchen und den braun gebrannten Schenkeln darunter sorgte sie dafür, dass mir die Nonnenkluft noch heißer und unerträglicher wurde. Die Haube, die anzulegen uns Schweißausbrüche gekostet hatte, engte das Sichtfeld ein, doch als die Kleine vor uns herging, war der Ausblick immerhin so gut, dass ich froh über die Weite der Kutte war, die meinen heranwachsenden Lüstling verdeckte. Ein Gutes hatte diese Verkleidung mithin.


Während die Süße vor uns munter drauflos plapperte und wir ihr schweigend folgten, stiegen wir über großzügig geschwungene Treppen in den zweiten Stock. Unterwegs begegneten wir mehreren Schülerinnen, die alle höflich grüßten und unsere Führerin mit Xenia anredeten. Ein seltener Name, doch bei ihrem Aussehen brauchte sie genau einen solchen Vornamen.

Endlich waren wir in ihrem Zimmer angekommen, ohne unterwegs einer Nonne zu begegnen. Was uns ganz recht war, denn so konnten wir vielleicht zuerst die junge Frau aushorchen und uns ein erstes Bild machen.


„So, da wären wir“, flötete Xenia mit ihrer lieblichen Stimme und wies uns in der kleinen, aber fein eingerichteten Stube zwei Sessel zu. „Der Tee ist im Nu fertig, ich muss nur schnell den Tauchsieder suchen.“


Gott im Himmel, das Mädchen suchte im Sideboard im untersten Fach, beugte sich dabei extrem nach vorne, wodurch ihr Rock hinten hochrutschte und ihre Beine bis dorthin freilegte, wo normalerweise ein Höschen zu sehen war. In diesem Fall konnte es sich dabei höchstens um einen Ministringtanga handeln, denn ich konnte beim besten Willen nichts davon entdecken. Die Sünde pur stand nicht mal zwei Meter von mir entfernt und ich hoffte, dass der Tauchsieder längst den Weg alles Irdischen gegangen war, sodass sie noch recht lange nach ihm suchen musste.

Natürlich ging der Wunsch nicht in Erfüllung. Solche Sehnsüchte in Nonnenkleidern haben einfach keine Lobby beim Gott der Sexualität.


Wieder plapperte sie drauflos, erzählte von ihren Lieblingsfächern Erdkunde und Geschichte, die mir als die bestgehassten aus meiner Schulzeit in Erinnerung geblieben waren, während sie das heiße Wasser für den Tee bereitete.

Irgendwoher zauberte das Mädel ein paar Kekse, und während wir uns daran verlustierten, hielt Xenia plötzlich mit ihrem fröhlichen Gequassel inne und fragte uns mit ernster Stimme.


„Sicher haben Sie schon vermutet, dass ich etwas auf dem Herzen habe, oder?“


Wenn ich ehrlich war, so hatte ich keinen blassen Schimmer davon gehabt. So gut kannte ich mich bei Mädchen ihres Alters nicht aus, und ich hatte ihre Fröhlichkeit durchaus als echt interpretiert.


„Natürlich“, lispelte ich anmaßend, „Frauen merken so etwas.“

„Bevor ich Ihnen allerdings mein Herz ausschütte, interessiert mich, woher Sie kommen, was Sie vorhaben und wieso Sie in dieser Kluft unterwegs sind. Sie beide sehen vertrauenswürdig aus, doch was ich zu sagen habe, fällt mir unendlich schwer und ich muss mir sicher sein, dass kein Wort davon nach außen dringt.“


„Pinguine sind verschwiegen, das weiß doch jedes Kind.“ Dieser Christoph war wirklich der Vollpfosten, für den ihn alle hielten. Am besten klebte ich ihm den Mund mit Leukoplast zu. Solch ein Hirni!

„Schwester Zölestina hat einen seltsamen Humor, mein Kind, daran darfst du dich nicht stören“, versuchte ich wieder Boden gut zu machen und stieß unter dem Tisch mit aller Kraft gegen Christophs Knöchel. Zum Glück bemerkte Xenia sein schmerzverzerrtes Gesicht nicht, weil sie jetzt an meinen Lippen hing.


„Natürlich will ich alle deine Fragen beantworten, auch wenn mir das Sprechen ein wenig schwer fällt. Ich habe nämlich gerade eine Bronchitis hinter mir“, versuchte ich meine zusehends heiserer werdende Stimme zu erklären.


„Wir sind vom Orden der Sancta Agatha und unterwegs zum Billen-Kreuz auf dem Ferschweiler Plateau in der Südeifel. Da du uns vertraust, vertrauen wir dir auch. Wir haben dort einen Geheimauftrag zu erledigen, der mit verschwundenen Spendengeldern zu tun hat.“


Christophs große, ungläubige Augen belustigten mich.


„Sind Sie deshalb in diesem komischen Aufzug unterwegs? Weil es um eine Geheimsache geht?“


„Ja, sozusagen. Wir müssen uns als Pilger ausgeben und kommen in dieser Kleidung ohne Probleme im dortigen Urselinenkloster unter.“


„Das leuchtet ein. Das klingt wirklich aufregend.“

Genau in diesem Moment plumpste Christophs Kamera zu Boden. Eine halbe Stunde hatte er gebraucht, um sie unter seinem Rock zwischen den Beinen zu befestigen. Und nun verlor dieser Hornochse sie sogar im Sitzen.


„Was war das?“, fragte Xenia, die nicht sofort verstand, was da passiert war.


Christoph versuchte, mit seinem linken Fuß, die Kamera unter seinen Rock zu schieben, doch es war schon zu spät, Xenia hatte sie erspäht.


„Wo kommt die denn her?“, wollte sie natürlich wissen. Und ich auch!


„Ähm, weißt du ...“ Das wurde nichts, ich musste eingreifen.


„Das gehört zu unserem konspirativen Plan. Wir müssen die Beweise fotografieren, doch Nonnen schleppen keine Kameras mit sich herum, deshalb hat Schwester Zölestina sie unter dem Rock befestigt. Nur leider nicht gut genug“, zischte ich in Christophs Richtung.

„Oh, wie spannend. Ich kann ja helfen, sie wieder zu befestigen.“ Bei diesen Worten machte sie sich daran, Christophs Kutte hochzuraffen.


„Nein!“, schrien wir wie aus einem Mund. Nur das nicht. Christophs stachelige Beine waren das Letzte, was Xenia sehen durfte.


„Warum, was ist?“


„Nonnen dürfen sich nie und unter keinen Umständen unter ihre Tracht schauen lassen. Das wäre ein großes Sakrileg. Schwester Zölestina wird das auf der Toilette wieder richten“, drängte ich den Depp neben mir in Richtung Klo.

Als er endlich weg war, ermutigte ich Xenia, frei und offen zu reden.


„Ich suche schon lange nach einer Gelegenheit, mich auszusprechen. Mit jemandem, der mich nicht kennt und dem ich trotzdem vertrauen kann. So ähnlich wie ein Beichtvater eben, nur dass ich von Männern in dieser Rolle die Nase gestrichen voll habe.“


„Warum, mein Kind?“


„Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass die sich dran aufgeilen, wenn ich etwas über mich erzähle. Das war schon als Kind eklig. Damals kam es mir nur seltsam vor, dass der Pfarrer nach immer neuen Details fragte. Ob ich mich selbst berühre, und wie genau ich das anstelle. Und noch mehr interessierte ihn, mit wem ich sexuellen Kontakt hatte und was dabei vor sich ging. Da hörte die Fragerei gar nicht mehr auf, und das zu einem Zeitpunkt, wo ich noch keine Ahnung hatte, was damit überhaupt gemeint war.“


„Eine Schweinerei!“, rutschte es mir ehrlich empört heraus. Ich wusste, dass es das gab, kirchlicher Missbrauch war mittlerweile kein Randthema mehr. Doch das änderte nichts an der Verwerflichkeit, ein junges Mädchen derart zu drangsalieren.

„In meinem Elternhaus war Sexualität kein Thema. Es wurde immer so getan, als gebe es so etwas überhaupt nicht. Selbst noch so harmlose Berührungen waren verpönt. Seit ich acht war, haben meine Eltern mich nicht mehr nackt gesehen, und ich sie ... sowieso nie. Das wäre einem Sakrileg gleichgekommen.“


„Ziemlich puritanisch also“, warf ich ein, damit das Mädel sich nicht als Alleinunterhalterin vorkam. Doch mittlerweile war sie so in Fahrt, dass es dessen gar nicht bedurft hätte.

„Als ich zum ersten Mal einen Jungen mit nach Hause brachte, durfte er nicht mal mit auf mein Zimmer. Und wenn ich ihn vor meinen Eltern geküsst hätte, wäre die Welt untergegangen. Jedenfalls die meiner Eltern. Ist das zu glauben, in unserer Zeit?“


„Unglaublich!“ Unisono bestätigten Christoph, der inzwischen zurückgekommen war, und ich ihre Einschätzung.


„Und was erzählt mir dann meine beste Freundin? Dass mein ach so sexualitätsfeindlicher Herr Papa sie angegrapscht hat. Hat ihr einfach an den Busen gelangt. Erst wollte ich es nicht glauben, aber sie hat es geschworen, und warum sollte sie auch so was erfinden? Zu uns ins Haus wollte sie nicht mehr kommen, dafür wollte sie sich nicht hergeben.“


„Das hat dir sicher wehgetan“, versuchte ich es auf die psychologische Tour.


„Seitdem ist es mir ziemlich egal, was er zum Besten gibt. Aber leider bin ich total abhängig von ihm. Und er hat mir schon mehrfach angedroht, wenn ich sitzen bleibe, muss ich runter von der Schule, dann kann ich das Abitur vergessen.


’Du bist gut genug, wenn du es nicht schaffst, warst du zu faul. Und das will ich nicht belohnen’, bekomme ich ständig zu hören.“

„Oh je, da läuft aber einiges schief bei euch zu Hause“, warf ich ein.


“Das kann man laut sagen! Und damit bin ich nach dem langen Auftakt bei dem, was ich eigentlich sagen wollte. Ihr werdet sehen, dass ich das unmöglich bei einem Mann beichten kann. Deshalb war ich so froh, als ich euch gesehen habe. Das ist auch der eigentliche Grund, warum ich euch mit hierher genommen habe. Wenn ihr schwört, keiner Menschenseele etwas zu verraten, werde ich euch erzählen, was mich belastet. Ich muss es endlich loswerden, sonst platze ich noch.“

„Ja, mein Kind, wir werden schweigen“, beteiligte sich jetzt auch Christoph am Gespräch. Seine säuselnde Stimme beeindruckt mich. Klang deutlich echter als meine. An ihm war ein Stimmenimitator verloren gegangen.


„Schwören Sie es bei Gott und allen Heiligen!“


„Ja, das tun wir“, beruhigte ich Xenia und wir lauschten gespannt, was sie uns zu erzählen hatte. Auch wenn wir hier nichts über die verschwundenen Spendengelder erfahren sollten, die inneren Nöte des jungen Mädchens waren vielleicht genauso wichtig.

„Ich schäme mich unendlich, für das, was ich getan habe, das müsst ihr mir glauben. Also, am besten fang ich mit meinen schulischen Leistungen an. Die sind nämlich nicht besonders, und als es um die Versetzung in die Dreizehnte ging, hing alles am seidenen Faden. Vor allem in Englisch ging es Spitz auf Knopf zu. Wenn ich da im Mündlichen eine Fünf bekam, war ich weg vom Fenster.“


„Oh ja, solche Sorgen hatte ich auch“, beteuerte ich, „nur war das in Mathematik.“


„Was eine Nichtversetzung bei meinem Vater bedeutet hätte, hab ich ja schon erzählt. Also können Sie sich vorstellen, wie mir zumute war.


Einige Tage vor der Versetzungskonferenz bestellte mich Herr Schwarz zu sich aufs Zimmer und machte mir völlig unverblümt einen Vorschlag, wie ich meine Noten aufpolieren könnte.“


„Was?!“, riefen Christoph und ich wie aus einem Mund, und ich war froh, dass wenigstens Christophs Stimme einigermaßen weiblich geklungen hatte. Mir hatte es vor Zorn nicht mehr zur Verstellung gereicht.

„Ja, Sie haben richtig gehört. Ich weiß nur nicht, wie ich jetzt weitererzählen soll. Es ist so ... unendlich peinlich.“ Tränen stiegen in ihre Augen und sie sah erbärmlich aus. „Oh, wenn das doch alles nie passiert wäre!“


Ihr Ausruf war von tiefer Verzweiflung geprägt. Das Kind musste Einiges erlebt haben.


„Du bist doch unschuldig, dieser Herr Schwarz ist der Übeltäter!“, versuchte ich die Tatsachen zurechtzurücken.

„Er ist der Vizedirektor“, schluchzte Xenia, „und er schlug mir vor, bei einem kleinen Filmchen mitzuwirken, den ein Freund von ihm drehen würde. Außer der gesicherten Versetzung winkten mir 2000 Euro bar auf die Kralle, wie er sich ausdrückte.“


„Verdammt!“, war alles, was ich herausbrachte.


„Ich habe ihn um Bedenkzeit gebeten, doch er bestand darauf, dass ich mich hier und jetzt entscheiden müsse. Ein verlorenes Jahr oder die Versetzung in die Dreizehnte und 2000 Euro. Das waren die Alternativen.“


Das Schluchzen erreichte neue Dimensionen. Statt tröstender Worte nahm ich sie in den Arm, vorsichtig natürlich, damit meine nicht vorhandenen Brüste nicht auffielen.

Endlich hatte sie sich beruhigt und konnte fortfahren.


„Ich muss gestehen, dass ich schwach wurde. Ich habe mich für gute Noten und Geld verkauft.“


Wieder brach sie in Tränen aus und schlug die Hände vors Gesicht. Tröstend drückte ich sie an mich. Armes Kind! Jetzt tat es mir leid, dass ich mich gerade eben noch durch ihr erwachsenes Aussehen hatte irritieren lassen, sie war immer noch ein junges Mädchen, auch wenn sie bereits 18 oder 19 war.

„Schon am nächsten Tag brachte er mich nach Köln, wo wir an einem alten Fabrikgebäude hielten. Am Eingang hing ein Schild: „DoT.com“ stand dort, doch ich konnte mir keinen Reim darauf machen.“


„DoT.com? Hat das nicht irgendwas mit dem Internet zu tun?“, warf Christoph ein.


„Keine Ahnung, doch in den Mauern dieser alten Fabrik habe ich schreckliche Dinge erlebt und getan. Zwei Tage lang wurde ich von mehreren Männern gef... Entschuldigung, mir fällt kein anderes Wort ein. Und das Schlimmste ist ...“


„Ja, was?“, wollte ich wissen.


„Ich kann es nicht sagen, es ist so ...“


„Du kannst uns alles sagen, du weißt ja, wir sind wie Beichtmütter“, warf Christoph ein.


„Ich vertraue Ihnen ja, aber es ist so ... peinlich. Sie müssen mir noch einmal versprechen, es niemandem zu erzählen. Wenn mein Vater ...“


„Er wird es nicht erfahren. So wahr uns Gott helfe“, zitierte ich eine Formel, die mir hier zu passen schien und einer Nonne zustand. Glaubte ich jedenfalls.

„Das Schlimmste war ... ich fand es gar nicht so schlimm. Ich hatte ja vorher schon ... Geschlechtsverkehr gehabt und die Männer ... waren alle gut gebaut, und ... wahnsinnig nett und ... Könner auf ihrem Gebiet, die hatten eine Ausdauer, dass mir die Möse qual... - Scheiße, aber ich will da wieder raus.“

„Wieso wieder raus? War das denn keine einmalige Angelegenheit?“


„Nein, bei DoT.com war ich zwar seither nicht mehr, doch ich habe mich für mehr Geld und weitere gute Noten auch noch in einem BDSM-Keller anheuern lassen. Er heißt bezeichnenderweise ‚Zum Pranger’. Dort arbeitet manchmal auch Frau Weiß, die Sekretärin von Herrn Schwarz. Ich glaube, den beiden gehört der Laden. Die Arbeit dort ist entwürdigend, eklig, ätzend ...“


„Wieso denn, mein Kind?“, unterbrach Christoph ihre Ausführungen, doch zum Glück ließ sie sich nicht aufhalten.


„... obwohl ich meine Beliebtheit bei den Kunden auch wiederum toll finde. Aber ich will Schluss damit machen, unbedingt, nur weiß ich nicht, wie ich wieder zu einem normalen Leben zurückfinden kann. Wenn ich hinschmeiße, ist mein Abi futsch und das kann ich mir nicht leisten, mein Vater schlägt mich tot.“

Wieder flossen die Tränen und ich hatte Schluckbeschwerden. Verdammt, verdammt, verdammt! Worauf waren wir da gestoßen? Da wurde die Unterschlagungsstory zur Nebensächlichkeit.

„Wir werden dich da rausholen“, versprach ich Xenia und war gewillt, dieses Versprechen unter allen Umständen zu halten, auch wenn wir als Zeitung diese Sensation natürlich ausschlachten mussten.


„Nein!“, schrie Xenia auf, „Sie haben doch versprochen, mit niemandem darüber zu reden. Wie wollen Sie mir denn dann helfen?“


„Wir werden die Sache selbst in die Hand nehmen und ich verspreche dir, dass dein Name dabei nicht zur Sprache kommen wird. Niemand wird einen Zusammenhang vermuten“


„Ich habe Angst ... eine Heidenangst“.

Während der nächsten Minuten waren wir damit beschäftigt, Xenia zu beruhigen und als sie endlich ruhig wurde und ihr Gesicht gerichtet hatte, hielt ich es für das Beste, zu verschwinden, damit wir nicht aus Zufall dem ominösen Herrn Schwarz über den Weg liefen. Wir hatten Informationen genug.

„Kannst du uns nach draußen begleiten, Xenia? Ich glaube, wir können auf die Äbtissin heute verzichten. Du hast uns so gut bewirtet, und wir müssen etwas gegen diesen Herrn Schwarz in die Wege leiten.“


„Gerne, kommen Sie mit, ich bringe Sie zum Hintereingang.“

Kaum waren wir vor die Tür getreten, stand plötzlich eine Frau in mittlerem Alter vor uns, die hübsch aussah, streng nach hinten gekämmte, dunkle Haare hatte und uns aus erstaunten Augen musterte.


„Hallo? Xenia, wen hast du denn da zu Besuch?“


„Zwei Nonnen aus Süddeutschland, Frau Äbtissin“, antwortete die Angesprochene und nun war es an mir, erstaunt zu gucken. Wo war ihre Tracht? Wieso stand sie in normalen Straßenkleidern vor uns? Sollte Andrea uns da reingelegt haben, dieses irrwitzige Luder? Oh, wenn ich sie wieder in die Hände bekam! Kleinholz, zentimetergroß, mehr würde von ihr nicht übrig bleiben! Doch es blieb mir keine Zeit, meiner plötzlichen, omnipotenten Wut nachzuhängen.


„Guten Tag erst mal“, wandte sich die Äbtissin nämlich nun an uns beide und wir flöteten höflich einen Gruß zurück.


„Was führt Sie hierher?“, wollte sie verständlicherweise wissen.

„Öhem, ... Ahem, ...“, stotterte Christoph los und ich sprang schnell in die Bresche.


„Wir sind auf einer Pilgerschaft und wollen zum Billen-Kreuz auf dem Ferschweiler Plateau“, wiederholte ich die bereits bewährte Ausrede.


„Unser Gelübde verpflichtet uns, unterwegs Unterschlupf in den Armenvierteln der Städte zu suchen und so bescheiden zu leben wie die Ärmsten der Armen.“


„Doch was wollten Sie dann hier bei uns?“


„Wir wollten in der Klosterkirche beten, doch dann hat uns diese Schülerin zu einem Tee eingeladen. Doch ich bitte um Entschuldigung, gemäß unseres Gelübdes dürfen wir nur eine Stunde am Tag reden, und die Zeit ist gerade eben vorbei.“ Ich schaute auf die Uhr. „In genau dieser Sekunde.“

Es war derart anstrengend, mit der erforderlichen Fistelstimme zu reden, dass mir schon der Schweiß ausbrach. Wenn die Stimme plötzlich kippte, dann ...


„Oh, einem Gelübde muss man Folge leisten“, bestätigte die Äbtissin. „Folgen Sie mir bitte, ich bringe Sie zur Kirche.“


Oh verflixt, warum war mir nur keine bessere Ausrede eingefallen. Jetzt mussten wir unter öffentlicher Beobachtung unsere Frömmigkeit beweisen. Dabei wusste ich nicht mal, wie herum man das Kreuz schlug. Da blieb nur eins ... genau beobachten.

Die Finger in Weihwasser tunken, niederknien, aufstehen, bekreuzigen, Hände falten, so tun als bete man, fromm dreinschauen, niederknien, aufstehen ... es wurde die längste halbe Stunde meines Lebens. Meine Gedanken waren bei Andrea und ihrer fiesen Gesinnung. Alle anwesenden Nonnen waren weltlich gekleidet. Keine einzige Ordenstracht weit und breit als unsere. Während die Nonnen wie verkündet für mein und Christophs Seelenheil beteten, wälzte ich schwarze Gedanken der Rache. Das würde ich ihr heimzahlen, dieser falschen Schlange.

Endlich, nachdem ich einen nachhaltigen Eindruck von Ewigkeit bekommen hatte, verabschiedeten wir uns wortlos von der Äbtissin, den anderen Nonnen und insbesondere von Xenia. Wir würden sie wiedersehen, das waren wir ihr schuldig, nach allem, was sie mitgemacht hatte.

„Ich bringe sie um!“, explodierte Christoph, als wir endlich außer Hörweite waren, und riss sich die Haube vom Kopf.


„Wieso“, fragte ich scheinheilig und stürzte mich kopfüber in die Sünde einer Mount Everest Lüge, „ich hab mich inzwischen daran gewöhnt.“

„Sag mal, ist das da vorne nicht die Lokalität, von der Xenia gesprochen hat? Der BDSM-Keller? Der hieß doch ‚Zum Pranger’, oder nicht?“, unterbrach mich Christoph, und ich musste ihm recht geben. Wir standen vor Xenias Keller der Leiden.


„Sollen wir mal einen Blick hineinwerfen?“, schlug ich vor. Schaden konnte das sicher nicht, je mehr Informationen wir bekamen, desto besser.

***

Zum Pranger

„Bist du sicher, dass wir da reinwollen?“, fragte Christoph und grinste mich schief an.


„Hier wurde Xenia an Männer verhökert, und keineswegs freiwillig. Zumindest anschauen sollten wir uns den Laden.“


„Da schau mal, der Türklopfer!“, kicherte mein Partner nervös.


Es gab keine Klingel, sondern nur diesen, einen riesigen schwarzen Klopfer, der einen erigierten Penis darstellte. Man musste ihn bei den Eiern packen, hochheben und dann fallen lassen. Beherzt ergriff ich das edle Teil und pochte damit gegen die bereits ein wenig vom Gebrauch ausgehöhlte Holzplatte. Ein dumpfes Geräusch ertönte, und erst in diesem Moment fiel mir ein, dass wir in ziemlich ungewöhnlicher Gewandung vor der Tür standen. Verfluchter Übereifer, doch jetzt war es zu spät, denn ein Türchen in Augenhöhe, vor dem sich ein Gitter befand, wurde aufgerissen und zwei tief liegende dunkle Augen, in einem groben Gesicht unsymmetrisch untergebracht, musterten uns.

„Wir geben keine Almosen, meine Damen. Es sei denn, sie halten uns ihre Döschen hin und wir füllen sie auf unsere Art.“


Das dröhnende Gelächter war sich

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Kommentare


Auden_James
dabei seit: Aug '10
Kommentare: 86
Auden James
schrieb am 30.05.2012:
»Füllwörtergehalt: 7,7 Prozent.«

EviAngel
dabei seit: Feb '05
Kommentare: 121
EviAngel
schrieb am 31.05.2012:
»Gut und munter geschrieben.

Gruß Evi«

Coy
dabei seit: Jul '04
Kommentare: 156
Kojote
schrieb am 31.05.2012:
»Es ist nicht ganz mein Ding, das muss ich ehrlich sagen.
Thematisch eine Episode, für die mir teilweise das Hintergrundwissen fehlt, auch wenn ich den Contest kenne, auf den Bezug genommen wird. Unglücklich finde ich, dass die Episode keinen Abschluss beinhaltet. Es gibt kein eigentliches 'Ende'.
Stilistisch hast du auf jeden Fall die Linie gehalten und die Anspielungen und der Wortwitz sind mir durchaus aufgefallen, lagen aber bei mir leider unterhalb der Schmunzelgrenze. Und Erotik habe ich ehrlich gesagt keine gefunden. Außerdem erschien mir die Herleitung des Kontaktes mit Xenia leider wirklich fadenscheinig.

Du hast deinen Stil und bist darin auch sattelfest. Und ich liege wohl einfach nicht in der passenden Geschmacksgruppe.
Sorry...«

LadyMacKenzie
dabei seit: Feb '12
Kommentare: 35
Lady MacKenzie
schrieb am 31.05.2012:
»Ich mag die Thematik nicht und Erotik, die dieses Thema ja nicht automatisch ausschließt, konnte ich leider keine entdecken. Ich habe wenig Ahnung von diesen Spielarten der Sexualität und ich würde meinen Kopf verwetten, du auch nicht... das wird ziemlich deutlich.

Die Selbstbetrachtungen und die Ironie hat mir im Prinzip gefallen, aber nicht in diesem Zusammenhang.

Mir scheint das Ganze ein wenig undurchdacht, naiv und unrealistisch. Vor allem, warum hat die Geschichte kein Ende?«

mondstern70
dabei seit: Sep '04
Kommentare: 440
Mondstern
schrieb am 03.06.2012:
»Ich hätte jetzt gern noch weitergelesen ... :-) Teil eins der Story durchaus ernst und zeitgemäß, Teil zwei mit einem ordentlichen Schuss Zynismus. Schwer, das in der Kürze beides unterzubringen, finde es aber dennoch gelungen.
Die Selbstironie des Ich-Erzählers fand ich hervorragend umgesetzt und die Story ist sehr bildhaft geschrieben.
Gelungener Beitrag zum Thema
LG Mondstern«

cosmos
dabei seit: Feb '01
Kommentare: 24
schrieb am 11.06.2012:
»Na ja, wers mag.«

raun7543
dabei seit: Jan '01
Kommentare: 53
schrieb am 24.06.2012:
»Sicherlich nett zu lesen.
Aber weitere davon zu lesen, interessieren uns wirklich nicht.«

haribo50
dabei seit: Mar '03
Kommentare: 10
schrieb am 22.08.2012:
»gut geschrieben, was es nicht alles gibt.«

69peter69
dabei seit: Sep '13
Kommentare: 14
schrieb am 20.01.2014:
»dafuer muss einer einen bis zwei im tee haben. Sogar grammatisch ist nichts auszusetzen!
Recherschiere weiter«



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