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Kommentare: 10 | Lesungen: 19516 | Bewertung: 8.48 | Kategorie: BDSM | veröffentlicht: 24.07.2005

Der halbe Toni 1. Teil

von

Irgendwie war der September dieses Jahr zu warm – und Michael fühlte sich komplett neben der Spur. Der Job war nur noch anstrengend, die Freizeit schleppte sich dahin, und bei Regina und ihm war auch irgendwie der Wurm drin. Nicht dass sie sich nicht mehr verstanden oder gestritten hätten – es war eher, als hätte sich alles ein bisschen totgelaufen. Die wilden Zeiten, das Unterwegssein, die vollen Kalender – das war alles Vergangenheit. Jetzt war irgendwie Stillstand angesagt. Kein Drama, keine Krise – aber eben auch kein Knistern mehr. Und genau das machte ihm zu schaffen, ohne dass er es richtig greifen konnte.

Und genau das nagte an ihm.

Michael fühlte sich leer. Müde. Fast wie krank. War das diese vielzitierte Midlife-Crisis? Nach Jahren der Abendkurse, Weiterbildungen, dem Erklimmen der Karriereleiter war er nun an einem Punkt angelangt, an dem alles stillstand. Kein Projekt lockte, kein Ziel flackerte mehr verheißungsvoll am Horizont. Geld motivierte ihn nicht mehr, Anerkennung war abgefrühstückt – und eigentlich, ja eigentlich sollte man mit vierzig im Leben angekommen sein. Aber warum fühlte es sich dann so an, als wäre er längst wieder unterwegs – ins Nichts?

Er seufzte, rief im Büro an und meldete sich krank. Ohne Erklärung. Regina brauchte davon nichts zu wissen. Sie würde nachfragen, analysieren, beunruhigt sein – und er wollte einfach einmal mit seiner inneren Leere allein sein.

Mit einem flüchtigen Kuss verabschiedete er seine Frau, die bereits im Designer-Kostüm bereitstand.

„Bis heute Abend, Schatz. Du siehst gut aus.“

„Gefällt’s dir?“ fragte sie und drehte sich einmal kokett im Kreis.

„So elegant heute?“ fragte Michael mit leicht hochgezogener Braue.

„Natürlich für dich.“ Ihre Stimme klang fürsorglich – fast zu fürsorglich. Wie eine Krankenschwester kurz vor dem Griff zum schmerzhaften Eingriff.

Beide wussten, dass das nicht ganz stimmte. Aber beide nickten – in stiller Übereinkunft.

„Ich habe einen Termin. Außer Haus.“

„Außer Haus?“ wiederholte Michael.

„Ja. Du weißt doch – wir haben den Bauauftrag bekommen. Wir sehen uns das alte Gebäude an.“

„Verstehe“, murmelte er. Ganz überzeugt war er nicht.

Sie verließ das Haus in Eile, warf ihm noch ein kurzes Winken zu und stieg in ihren Rover. Als der Wagen um die Ecke bog, blieb Michael zurück. Und mit ihm ein Gefühl, das sich irgendwo zwischen Zweifel, Unruhe und Ahnungslosigkeit bewegte.

Ein altes Haus? Warum jetzt? Warum dort?

Noch nie hatte Regina Interesse an abzureißenden Gebäuden gezeigt – das war nie ihr Part. Sie arbeitete am Reißbrett, nicht auf Ruinen.

Wenig später saß Michael in seinem kleinen BMW, ziellos in den Süden fahrend. Er wollte raus, Luft, ein bisschen Abstand. Ein alter Studienfreund betrieb dort ein kleines Kino mit Kneipe – ein perfekter Ort, um in alten Zeiten zu schwelgen, dumme Sprüche zu hören und sich ein bisschen wie zwanzig zu fühlen. Doch kurz bevor er sein Ziel erreichte, fiel ihm ein Rover auf. Langsam, suchend, fremd in der Gegend – aber mit einem Nummernschild, das er nur zu gut kannte.

Sein Herz klopfte schneller.

Was machte Regina hier?

Das war nicht der Ort des Bauprojekts. Ganz im Gegenteil – diese Gegend war abgelegen, vernachlässigt, völlig unpassend. Hatte sie sich verfahren? Oder…?

Bevor er seinen Gedanken folgen konnte, bog der Rover in einen unscheinbaren, staubigen Weg ab, der sich einen bewaldeten Hügel hinaufwand. Michael zögerte nur kurz – dann lenkte er seinen Wagen hinterher. Kein Hupen, kein Signal – er wollte erst sehen, was los war.

Was tat er da? Seiner Frau folgen? Spionieren?

Und doch konnte er nicht anders.

Vor dem unscheinbaren Lokal kam der Rover langsam zum Stehen. Regina zögerte – erst nach einigen Sekunden öffnete sie die Fahrertür, als müsse sie sich zu jedem Handgriff zwingen. Michael, der seinem Instinkt folgend diskret Abstand gehalten hatte, beobachtete die Szene aus sicherer Entfernung. Er war angespannt, aber konzentriert – sein Puls hämmerte, doch er zwang sich zur Ruhe. Bisher hatte Regina ihn nicht bemerkt.

Als sie durch die schmale Eingangstür verschwand, setzte Michael sich in Bewegung. Mit einer Mischung aus Nervosität und Entschlossenheit schlich er über den kiesbedeckten Boden, näherte sich dem Gebäude, versuchte durch die vergitterten Fenster einen Blick ins Innere zu erhaschen. Er stellte sich auf die Fußballen, streckte sich, spähte hinein.

Durch das getrübte Glas erkannte er schemenhaft die Silhouette seiner Frau – das elegante Kostüm, das sie heute Morgen getragen hatte, hob sich deutlich vom dämmrigen Inneren des Lokals ab.

Michael umkreiste flach atmend das kleine Haus. Seine Knie zitterten, sein Magen rebellierte. Er war längst in etwas hineingeraten, das sich größer anfühlte als nur ein Moment des Zweifels.

Plötzlich – ein offenes Fenster. Gedämpfte Stimmen drangen hinaus. Und ja – dort war sie. Regina. Ihr Profil schälte sich aus dem Halbdunkel. Sie sprach mit jemandem.

Michael duckte sich blitzschnell und verharrte direkt unter dem Fenster. Sein Rücken drückte gegen die feuchte Hauswand, und er rang darum, seinen eigenen Herzschlag nicht zu laut zu hören. So vorsichtig wie möglich hob er den Kopf, bis seine Augen über die Fensterbank spähten. Schatten. Licht. Und zwei Gestalten.

Drinnen saß ein kleiner, alter Mann auf einem einfachen Holzstuhl – kaum größer als die Lehne, an die er sich lehnte. Sein Gesicht aufgedunsen, die Augen blassgrau und starr. Sie fixierten Regina mit einer Mischung aus Gier und Verachtung. Michael erschrak. Der Blick dieses Mannes wirkte kalt und gefährlich, wie der eines Raubtiers in zu kleinem Käfig.

„Toni hat gesagt, du bist verheiratet?“ Die Stimme des Zwerges war kreischend, scharf, fast komisch – wäre sie nicht so beunruhigend gewesen.

Regina antwortete ruhig, fast nüchtern: „Das ist richtig.“

„Du bist nicht mehr die Jüngste … achtunddreißig, stimmt’s?“

„Ja.“

„Ja, verehrter Herr,“ wiederholte er, diesmal lauter, drohend.

Regina senkte den Blick.

„Ja, verehrter Herr“, sagte sie, leise.

„Weiß dein Ehemann, dass du hier bist?“

Regina zögerte. Dann kam die knappe Antwort: „Nein.“

„Du brauchst Geld?“

„Nein.“

„Und trotzdem stehst du vor mir … zurechtgemacht wie eine billige Nutte.“

Ein Schnitt durch die Luft. Ein Satz, der traf wie eine Ohrfeige – und doch wich sie nicht zurück.

„Du bist still … willst du deinem verehrten Herrn nicht antworten?“

„Doch … natürlich.“

„Es ist schwer, sich selbst zu erkennen, nicht wahr?“

Regina schwieg.

„Sag mir“, fuhr er fort, „was siehst du, wenn du morgens in den Spiegel schaust?“

Reginas Blick hob sich. Ihre Stimme war kühl: „Eine erfolgreiche Architektin.“

Der Zwerg lächelte verächtlich. „Ist das alles?“

Sie schwankte, innerlich. „Nein, ich …“

„Ich weiß“, sagte er. „Ich kenne dich. Ich hab dich nicht ohne Grund gewählt. Auch wenn du beim ersten Mal davongelaufen bist, mit deinem vornehmen Getue.“

Er lehnte sich vor, seine kleinen Augen glänzten. „Und jetzt bist du zurückgekommen. Aus freien Stücken. Obwohl du mich einen perversen Zwerg genannt hast.“

Regina wirkte wie jemand, der in einem inneren Sturm stand, unfähig sich zu orientieren. Michael, der draußen kniete, erkannte sie kaum wieder. Ihre Miene, ihre Körperhaltung – alles schien ihm fremd, fremd und gleichzeitig schmerzhaft vertraut.

„Du kannst deine Natur nicht verleugnen“, sagte der Mann ruhig. „Nicht nach all den Jahren der Enthaltsamkeit. Du weißt genau, was du hier suchst, nicht wahr … mein kleines Eheweibchen?“

Regina schloss kurz die Augen. Ihre Lippen bebten. Dann drehte sie das Gesicht zur Seite, voller bitterer Scham.

Der Zwerg stieg langsam von seinem Stuhl. Seine kleinen Beine spannten sich, seine Haltung war grotesk, beinahe würdevoll. Er stellte sich direkt vor sie, stützte die Fäuste gegen die Hüften, hob den Blick.

„Auf die Knie.“

Ein Flackern ging durch Reginas Augen – kaum wahrnehmbar, aber er sah es.

Michael spürte den Schweiß auf seinem Rücken kleben. Er atmete flach, wie jemand, der in einem Albtraum wach geworden war – und doch nicht gehen konnte. Nicht eingreifen. Etwas hielt ihn zurück, etwas Dunkles, das nicht nur aus dem Raum, sondern auch aus ihm selbst kam.

Er sah, wie Regina zögerte, wie sie dennoch vor dem Mann in die Knie ging. Langsam, fast wie in einem Ritual. Der Ausdruck in ihrem Gesicht – erschöpft, schamvoll, aber nicht gebrochen – ließ ihm das Herz stocken.

Sie kniete.

Der Mann betrachtete sie wie ein Sammler seine teuerste Trophäe. Seine Zunge fuhr über seine Lippen.

„Toni, mein geschäftstüchtiger Bruder, verlangt eine Menge Geld für dich“, sagte er leise.

Regina antwortete, ohne aufzublicken: „Von solchen Dingen erfahre ich nichts.“

Der Zwerg kicherte. „Ja, du hast andere Dinge in deinem schönen Kopf. Ich wette du hast keine Nacht ein Auge zugetan, seitdem ich dir von den kleinen Dingen erzählt habe, die ich mit den anderen Fotzen treibe.“ Wie beiläufig streckte er dabei seine kleinen Arme aus und zerrte die Kostümjacke an ihren Armen herunter. Die leichte Bluse wurde danach Knopf um Knopf geöffnet, dann nahm er die beiden Stoffteile mit einer gewissen Neugier auseinander.

Michael wollte schlucken, wollte sich aus seiner Umklammerung befreien ... beides gelang mitnichten ... alles in ihm versagte.

„Nette Ware, ich muss mich durchaus bei Toni bedanken.“

Michael unternahm einen weiteren Versuch, wollte durch das Fenster springen und dem Zwerg eine in die Schnauze hauen – aber ... nichts ging mehr.

„Du willst also zu meinen Fotzen gehören?“

Regina presste die Lippen fest aufeinander, zwang sich zur Ruhe. Ihr Blick blieb auf dem unverhältnismäßig großen Kopf des kleinen Mannes haften, doch Worte wollten ihr nicht über die Lippen kommen. Er jedoch verlor keine Zeit. Mit einer kleinen Bewegung streckte er sich, beugte sich vor, öffnete seine Lippen – und berührte flüchtig, beinahe prüfend, ihren Mund mit seiner Zungenspitze. Dann wich er zurück, als sei nichts geschehen.

„Du bist ausgehungert, ja?“ Seine Stimme war nicht laut, aber sie schnitt durch die Stille.

Ein unwillkürliches Stöhnen entfuhr Regina.

„Komm her... hol es dir.“

Langsam wich er zurück, Schritt für Schritt, bis zum Stuhl und auf Knien folgte ihm Regina – eine Geste, die in ihrem bisherigen Leben keinen Platz gehabt hatte, doch sie leistete keinen Widerstand.

Er setzte sich behäbig, fast theatralisch, und griff nach ihrer Jacke. Mit einem plötzlichen Ruck glitt das Kleidungsstück von ihren Armen.

„Zieh das aus“, sagte er heiser und zeigte auf ihre Bluse.

„Ja...Herr“, antwortete sie leise.

Sie öffnete die letzten Knöpfe und streifte den hellen Stoff ab, der geräuschlos zu Boden glitt.

„Noch näher“, verlangte er, mit dieser merkwürdig hellen Stimme, die nicht zu seiner Erscheinung passen wollte.

Der Boden war kalt und hart, und das feine Material ihrer Strümpfe war für diese Bewegung nicht gemacht. Es kratzte, rieb, irritierte – ein Gefühl, an das sie nicht gewöhnt war.

„Du darfst jetzt mein Hemd öffnen“, sagte er, beinahe feierlich, und seine Augen glänzten vor Erwartung.

Mit behutsamer Unruhe bewegten sich ihre Finger über die Knöpfe seines Hemdes. Die Berührungen waren vorsichtig, fast zärtlich, aber die Spannung war greifbar. Ein leichtes Zittern ging von ihr aus und übertrug sich auf seine Haut. Er lächelte – breit, zufrieden.

„Kannst es nicht erwarten, was, Fotze?“

Reginas Atem ging schwer. Sie blickte ihm in die Augen – grau, durchdringend, fast unmenschlich ruhig. Er sprach mit einer verstörenden Sicherheit.

Ihre Finger, nervös und ungeschickt, schafften es schließlich, die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen. Der Stoff wich zur Seite und gab die dunkle, lederartige Haut des kleinen Mannes preis. Etwas an seinem Körper wirkte fremd – unförmig, weich, mit einer dunklen, hässlichen Erhebung auf der Brust.

„Saug mein Eheweibchen.“

Wie in Trance beugte sie sich vor. Ihre Lippen berührten den dünnen Stachel, zögernd zuerst, dann mit wachsender Intensität. Es war ein widersprüchlicher Moment: Ekel und Verlangen, Demütigung und Hingabe – alles vermischte sich zu einem Gefühl, das sie nicht benennen konnte. Warum nur ließ sie es zu?

Er lächelte – ein dünnes, zufriedenes Grinsen, das nicht zu seinem Gesicht passte. Dann zog er das Hemd weiter auseinander und offenbarte ihr den zweiten Stachel.

„Nimm ihn dir.“

Regina wandte sich leicht ab, ihre Züge angespannt, fast gequält. In ihrem Gesicht lag eine Mischung aus innerem Schmerz und äußerer Fassungslosigkeit. Doch sie gehorchte. Leise, kaum hörbar, sagte sie:

„Ja, Herr...“

Schließlich hatte er genug, legte die Hand in ihr Haar und zog ihren Kopf zu sich. „Küss mich... und sag mir, wem du gehörst.“

„Ihnen“, flüsterte sie. Ihre Lippen berührten die seinen.

Er ließ sie nicht los, hielt sie weiter fest.

„Ich will es hören, bist du mein Eigentum?“

„Ja... ja...“, hauchte sie. Dann schloss sie die Augen, als müsse sie den Schmerz in sich selbst ersticken. „Sie wissen es doch längst...“

Er nickte kaum merklich. „Bald werde ich es wissen, zieh dich an.“

Michael hockte am Fenster, die Stirn gegen das kalte Glas gelehnt. Was sich vor ihm abspielte, wirkte wie ein Film – surreal, fremdartig, nicht von dieser Welt. Er war hineingeraten in etwas, das seine bisherige Realität nicht nur erschütterte, sondern in Trümmer legte. Und mitten in diesem Chaos: seine Frau. Regina. Die Frau, die er geliebt und geheiratet hatte, aus einer Familie, in der Anstand und Zurückhaltung die höchsten Tugenden waren – wo ein salopper Witz von ihm schon als Grenzüberschreitung galt.

Jetzt sah er sie mit eigenen Augen – in einer Rolle, die ihm alles entgleiten ließ. Als Hauptfigur. Seine Schultern sanken herab. Er rutschte langsam an der Wand hinunter, ließ sich zu Boden gleiten. Hinter dieser Mauer geschah etwas, das ihn zerstörte. Und zugleich – und das war das Verstörendste – war er nicht imstande, sich völlig abzuwenden. Etwas hielt ihn fest, etwas in ihm brannte. Wut, Scham – aber auch ein unheimliches Ziehen, das sich nicht benennen ließ.

Sein Körper reagierte, wie abgespalten von seinem Geist. Das machte alles nur noch schlimmer. Verwirrung fraß an ihm, und in seinem Kopf tobte ein Sturm aus Schuld, Eifersucht, Sehnsucht und verletztem Stolz.

Dann hörte er wieder diese Stimme. Ruhig, befehlend – der Mann, den er hasste, der ihm alles nahm, was ihm wichtig war. Plötzlich spürte Michael etwas wie Klarheit. Nein, er konnte seine Frau nicht alleinlassen. Nicht jetzt. Nicht hier, wo alles zerfiel. Er musste... irgendetwas tun.

Er erhob sich, leise, konzentriert. Wie im Rausch schlich er um das Gebäude, fand wieder Sichtkontakt. Regina trat gerade aus dem Haus, der kleine Mann folgte ihr, leicht hinkend, aber zielstrebig – wie eine Ente, dachte Michael seltsam entrückt, nur dass an ihm nichts Harmloses war.

Er folgte den beiden, unbemerkt, versteckt im Schatten. Regina ging mit aufrechter Haltung, beinahe stolz – ihr Gang durch die Trümmerlandschaft hatte etwas Würdevolles. Das Kostüm saß wieder tadellos. Kein Staub, kein Schatten lag auf ihrem Äußeren. Nur in ihrem Gesicht: Stille. Und etwas, das wie Schwermut aussah.

Sie erreichten eine kleinere Halle, in der sich drei Männer lümmelten – abgerissen, müde, leer. Alte Möbel, ein flimmernder Fernseher, ein abgenutztes Videogerät. Irgendein Film lief, bedeutungslos und rauschhaft. Ein Paket wechselte den Besitzer. Worte wurden getauscht. Der Zwerg bedankte sich bei ihnen, offenbar für irgendeinen Dienst. Die Reaktion? Gleichgültigkeit. Selbst Regina schien sie kaum zu beeindrucken. Offenbar war das nichts Neues für sie.

Alltag.

Michael kauerte sich neben eine zerbrochene Glasfront, seine Hände zitterten leicht, die Stirn war schweißnass. Er fühlte sich wie ein Fremder im eigenen Leben – gefangen zwischen Beobachter und Beteiligter. Noch konnte er eingreifen. Er sagte sich das immer wieder. Aber vorerst blieb er still. Beobachtete.

Der Zwerg wandte sich zu den drei Männern, die sich kaum von ihm abwendeten.

„Ich habe hier noch etwas zu erledigen. Ihr braucht euch nicht weiter darum zu kümmern“, sagte er gelassen.

Der größte der Männer drehte sich kurz um, mit träg-lächelnder Miene.

„Schon wieder eins deiner kleinen Spiele, was?“

„Wie gesagt, das soll euch nicht weiter kümmern, klar?“

„Ja, ja, Mann ...“

Regina wurde von dem Zwerg umrundet. Dann blieb er hinter ihr stehen und packte sie an den Hüften. Die plötzliche Berührung ließ sie aufschrecken und einen der Kerle zu ihr herübersehen. Der grinste nur blöde und schüttelte den Kopf.

„Sschschsch ...“ flüsterte die Stimme hinter ihrem Ohr. „Du bleibst genau so stehen. Keine Bewegung, verstanden?“

„Ja ... ja ...“

Seine kleinen Finger glitten an den Saum des Kostümrocks und schoben den Stoff nach oben. Millimeter für Millimeter wurde immer mehr vom dunklen Nylon sichtbar, immer mehr entfernte sich der Rock von den geröteten Knien und immer bedrohlicher wurde die Gewissheit, dass sich in kürzester Zeit die Strapsklammern zeigen würden.

Und dann, die Strapsklammern müssten jetzt sichtbar sein – doch keine Notiz der Männer, und der Zwerg hinter ihr hörte nicht auf, weiter wurde der Stoff nach oben bewegt, bis nun auch das Höschen freiliegen musste. Ihr Dreieck war bereits zu sehen? Sie stand tapfer da und ließ den Mann hinter ihr gewähren, ließ ihn machen, ließ sich von ihm bloßstellen ... Welch ein Gedanke. Sie stöhnte nicht wahrnehmbar auf. Welche Demütigung.

Der Raum aber nahm keine Notiz davon. Kein Kommentar. Keine Bewegung. Als wäre alles, was geschah, längst nichts Besonderes mehr.

Ein letztes Rucken, dann war der Stoff oberhalb ihrer Taille. Er fixierte ihn mit ruhiger Hand. Seine Stimme kam von vorne, sein Blick wanderte nach oben – prüfend, fast analytisch.

„Gute Haltung... gute Ware“, murmelte er. „Besser, als ich dachte.“

„Alter, wo findest du immer so versauten Weiber?“

„Du musst nur die Augen offenhalten, so einfach ist das.“

Die beiden lachten.

„Wer ist sie?“

„Eine Architektin aus der Innenstadt.“

„Echt?“ Der Lange stand auf und gesellte sich zum Liliputaner, der normalerweise nicht gerne über seine Beute erzählte.

„Ja, verheiratet, gutes Einkommen, hat Karriere gemacht die Fotze.“

„Steht da wie eine Eins ... in ihrem lächerlichen Kostümchen.“

Reginas Lippen öffneten sich etwas, ihr Herz raste wie verrückt, die Männer sprachen über sie als ob sie nicht anwesend wäre, als ob sie über einen unbedeutenden Gegenstand sprachen. Es war im Grunde nicht zu ertragen – und dennoch, es war genau das, was sie wollte, was sie brauchte, nach etwas was sie sich seit langem sehnte ...

„Was geschieht jetzt mir ihr?“

„Vor euch wird sie entweiht, das kleine Eheweibchen, sie sehnt sich danach zu meiner Hure zu werden.“

Regina konnte ihre Lust nicht mehr kontrollieren, oder verbergen, der kleine Mann hatte ganze Arbeit geleistet, der Gedanke seine Hure zu sein war so abscheulich, so erschreckend, dass ihr Atem aussetzte.

„Sieh dir die Kerle an, sie wissen was du bist, und wer du bist ... eine Architektin? Das ich nicht lache. Eine Hure bist du geworden, meine Hure, verstehst du das?“

Sie wand sich wie unter Peitschenhieben, ihre unnatürliche Geilheit entehrte alles für das sie bis zum heutigen Tag stand, ihre Ehe, ihr Beruf, alles war wie weggewischt, hatte sich aufgelöst, sie lebte nur mehr im Jetzt, sie lebte nur für ihn.

Er lachte. „Ja, du gehörst mir. Seit unserer ersten Begegnung begehrst du mich, du hast dich gefragt ob du die Hure eines Krüppels sein möchtest. Ganze Nächte bist du wachgelegen und hast es dir vorgestellt.“

Regina hechelte vor Wollust ... der Bastard hatte sie genau dort wo er sie haben wollte.

„Eine winzige Berührung an ihrer Spalte und sie kommt wie eine Jungfrau.“

„Brings zu Ende, wir haben noch etwas vor.“ Der Lange sah gelangweilt auf die Frau. Für ihn nichts Besonderes mehr.

„Jo, bist nicht du dran?“

Der Junge mit dem Milchgesicht am Fernseher blickte sich um.

„Was ist?“

„Die Alte ist so weit.“

„Gut, schick sie her ... ich habe zu tun wie du siehst.“

Der Zwerg nickte. „OK, beeil dich“ und gab Regina eine wegwerfende Andeutung. Dann drehten sich die Beiden um und schlenderten zum anderen Typen, der sich auf die Couch schlafen gelegt hatte.

„Na du Saftnase, wovon kannst du schon müde sein?“

„Können wir gehen?“

„Geduld, wir haben es gleich.“

„Du immer mit deinen Huren.“

Michael durchlebte die Hölle. Nichts war in seinem Leben so schlimm gewesen wie das was er bislang mit ansehen musste. Seine Sinne durchlitten ein Hochbad der Gefühle, ein Wellental, eine Woge des Bizarren traf ihn und lies ihn den Reißverschluss seiner Hose öffnen und sein Gemächt herausholen. Ehe er es sich versah, wichste er und spritzte gegen die Wand, und sein Orgasmus wollte nicht abebben, sein Saft wollte nicht versiegen ... bis er wieder zu sich kam, der Verzweiflung nahe ...

Wie eine verbrannte Hülle fühlte sich Regina. Der Weg zur Erlösung war nicht weit, dann stand sie endlich vor ihm.

„Bereit?“ fragte er mit dünner Stimme. Regina erschauerte. Der Junge war vielleicht halb so alt wie sie.

„Ficken werde ich dich aber nicht.“

Ihre Augen schlossen sich für einen Augenblick.

„Fass mich an ...“ hauchte sie.

„Was soll ich?“

„Fass mich an, bitte ...“

„Aber mach, wir wollen noch in den Club.“

Ein stummer Schrei folgte ... Regina explodierte auf der Stelle.

Michael bekam dies nicht mehr mit. Nachdem ihn seine teuflische Erregung verlassen hatte und er sich in Grund und Boden geniert hatte, flüchtete er und trat den Rückzug an.

Als seine Frau am Abend nach Hause kam, war alles beim Alten.

„Schönen Tag gehabt?“

„Wie immer.“

„Ja. Wie immer.“

Regina blickte ihn seltsam an und ging unter die Dusche.

Zwei Tage waren ins Land gezogen, und Michaels Alpträume schienen allmählich an Intensität zu verlieren. Die seltsame Erregung, die ihn in den letzten Tagen übermannt hatte, war fast vollständig verflogen. Der Alltag hatte das Ehepaar wieder fest im Griff, und Michael empfand fast ein wenig Bedauern darüber. In den vergangenen zwei Tagen hatte er immer wieder den Drang verspürt, mit Regina zu sprechen, sie zur Rede zu stellen und ihr seine Gedanken zu offenbaren. Doch das merkwürdige Gefühl in seiner Magengegend hielt ihn zurück. Wäre es nicht das Ende? Würde er nicht die Möglichkeit weiterer Abenteuer begraben müssen? Bei dem Gedanken daran überkam ihn ein Schaudern. Was war nur in ihm vorgegangen, dass solche abwegigen Gedanken in seinem Kopf umherirrten? War es Langeweile? Monotonie? Michael trank seinen Kaffee in einem Zug und schnappte sich seine Tasche. Der Morgen war wieder angebrochen, und seine „Krankheit“ hatte offiziell ein Ende gefunden. Seine Sekretärin war bereits informiert, und in einer Viertelstunde würde er in seinem Büro sitzen und sich langweilen. „Schatz, ich gehe jetzt!“ rief er. Regina steckte ihren Kopf aus dem Badezimmer und formte mit den Lippen ein Kusszeichen.

„Kuss ...“ Sanft drückte Michael seine Lippen auf die ihren und nahm den schweren Duft ihres Parfüms wahr, das sie normalerweise nur zu besonderen Anlässen trug. Sofort war er hellwach. Kein Kaffee konnte so eine Wirkung entfalten wie die plötzliche Vorahnung, die ihn überkam. Das Gefühl von vor zwei Tagen war wie ein Blitz zurück und seine Gedanken überschlugen sich. Sein Puls raste. Er wartete mit seinem BMW hinter dem Nachbarhaus und telefonierte aufgeregt mit seiner Sekretärin, als Regina hastig das Haus verließ und in ihren eleganten Rover stieg.

„Ich komme etwas später, Sylvia ... ja, mir geht es gut, mach dir keine Sorgen ...“ Er schmunzelte, seine Sekretärin war wirklich nett. „Bis dann.“ Michael beendete das Gespräch und warf sein Mobiltelefon ins Handschuhfach. Rasch konzentrierte er sich und folgte mit einem gewissen Abstand seiner Frau, die abbog und die Schnellstraße in die Stadt nahm. „Dieses Luder,“ dachte er, „das teuerste Kleid hat sie sich für den Kerl ausgesucht.“ Er war sich sicher, dass sie so niemals zur Arbeit fahren würde und dass sie wohl erneut ein riskantes Spiel spielte. Regina blickte nicht zurück, sondern fuhr stur geradeaus. Sie schien in Gedanken versunken zu sein, doch für Michael war es ein Leichtes, ihr unbemerkt zu folgen und ihre plötzlichen Richtungswechsel nachzuvollziehen, als er bemerkte, dass sie telefonierte. Jetzt wurde ihm alles klar. Sie erhielt Anweisungen. Nach zehn Minuten unruhiger Fahrt musste Michael plötzlich scharf abbremsen und in einer engen Einfahrt Deckung suchen. Beinahe hätte die Stoßstange Bekanntschaft mit einem Betonpfeiler gemacht, und sein Herz rutschte ihm in die Hose. Der kleine Mann stand urplötzlich an einer Stopptafel mitten in der Stadt und winkte Regina zu sich heran, bevor er einstieg. Michael musste sich jetzt beeilen. Er stieß den BMW scharf zurück und hielt wieder etwas Abstand. Sein Kreislauf tobte, das Adrenalin jagte ihm durch die Adern, und das beklemmende Gefühl zwischen seinen Beinen kehrte mit bekannter Fremdheit zurück – ein widerwärtiges Echo seiner Erregung, das er nicht verstand und nicht abschütteln konnte. Zwei Wagen hinter dem Rover zum Stehen gekommen, reckte Michael sich vor, versuchte durch die getönten Scheiben zu spähen. Und da war es: Der Zwerg hatte sich zu Regina hinübergebeugt – eng, vertraut – sie küssten sich, ihre Zungen verschmolzen. Michael fror ein. Sein Mund öffnete sich, doch was herauskam, war kein Schrei – nur ein krächzender Laut, rau und leer, wie aus einem Körper, der nicht mehr wusste, wohin mit sich. Dann setzte sich die Kolonne in Bewegung, riss ihn förmlich mit. Mit fahriger Präzision folgte er weiter, lenkte in eine schmale Seitenstraße und schob seinen Wagen hinter einen abgestellten Stadt-LKW. Schutz. Deckung. Zeit zum Atmen. Regina parkte ein paar Meter weiter – direkt vor dem alten Gymnasium, das Michael allzu gut kannte. Ein Jahr hatte er es dort ausgehalten, bevor er die Sinnlosigkeit dieser Bildungsform für sich erkannt und die Flucht auf die Handelsschule angetreten hatte. Er war längst kein Amateur mehr im Verfolgen. Mit routiniertem Abstand schlich er hinter dem Paar her, durch das stille Schulgebäude, vorbei an leergefegten Fluren und offenen Türen. Ein leeres Klassenzimmer – verlassen, die Schüler offenbar im Sportunterricht. Perfekte Kulisse. Regina zögerte im Türrahmen, warf dem Zwerg einen verstörten Blick zu. In ihrem Gesicht lag Unsicherheit.

„Rein mit dir.“ Die Worte kamen hart, fast beiläufig. Er stieß sie hinein, zeigte auf den nächstbesten Tisch. „Knie dich da rauf. Wir haben nicht viel Zeit.“ Der Zwerg selbst stellte sich zur Tafel. Michael stand still. Regungslos. Die Tür stand sperrangelweit offen. Er wagte einen Blick um die Ecke, hielt den Atem an. Regina hatte gehorcht. Sie kniete auf dem Tisch, stützte sich mit beiden Händen an der Kante ab, wie ein Tier. „Wie eine verdammte Hündin“, schoss es Michael durch den Kopf. Sein Zorn pochte wie Hammerschläge gegen die Schädeldecke.

Der Zwerg war fertig, und auf der Tafel stand mit feiner Schrift: „Freiheit.“

„Siehst du das?“ Der Zwerg lehnte sich scheinbar beiläufig an den Tisch, auf dem Regina kniete. Seine kurzen Arme verschränkten sich vor der Brust, als wäre dies eine alltägliche Szene.

Regina hob den Blick, las das eine, einzelne Wort, das mit weißer Kreide auf die Tafel geschrieben war. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch:

„Ja …“

Der Druck in ihrer Brust wuchs. Ihre Augen flackerten zur Tür. Jederzeit könnten die Schüler zurückkehren … sie würden sie so sehen – auf dem Tisch, wie erstarrt in einer Pose, die mehr verriet, als sie wollte.

Sie senkte den Kopf, schloss für einen Moment die Augen. Nichts. Kein Geräusch. Nur ihr eigener Atem, kurz und flach. Was tat sie hier?

„Schieb dein Kleid hoch. Ich will dein Höschen sehen.“

Stille.

Regina rührte sich nicht.

Langsam, beinahe genießerisch, sprach er weiter.

„Ich werde dich züchtigen …“

Seine Stimme bekam einen messerscharfen Klang, seine Augen glänzten unnatürlich – wie Glas.

„Ich werde dich schlagen, bis dein verfluchter Stolz sich in Pisse verwandelt hat und in deinem Höschen zerfließt.“

Er stieß ein kehliges Lachen aus, dumpf und ohne Freude, während er quer durch den Raum ging. Mit einem Ruck entnahm er den langen Zeigestab aus der Halterung neben der Tafel. Der Bambus schnitt mit einem Zischen durch die Luft – ein Klang, der das Herz in der Brust einfrieren ließ.

Reginas Augen waren weit aufgerissen, Tränen schossen unkontrolliert hervor, liefen über ihre Wangen und verschwanden im Stoff ihrer Bluse. Sie hatte sich den Vormittag frei genommen, was sie noch nie getan hatte. Einfach so. Für ihn. Damit sie seine Hure sein konnte. Tat so etwas eine anständige Frau?

Der Zwerg stand nun dicht vor ihr.

„Es muss ein Fluch sein, so verdammt geil zu sein, dass nicht einmal eine Tracht Prügel dich davon abhält, zu bleiben …“ Seine Stimme wurde leiser. „Hier, in diesem Zimmer … haben sie gelacht. Mich gedemütigt. Die Mädchen. Die Schönen. Die Grausamen.“ Sein Blick wurde starr, der Zorn in ihm erwachte wie ein alter Dämon. „Genau hier … an dieser Stelle … haben sie mich verspottet. Und du … bist eine von ihnen. Eine von denen.“

„Nimm also den Rock hoch ...“

Regina blinzelte.

„Ich werde es allen Weibern heimzahlen ... vergelten ... werde mich revanchieren ...“

Reginas Kiefer spannte sich. In ihr tobten Gefühle die sich nicht haben durfte. „Nein, bitte ... bitte nicht auf diese Art ...“ Ihre linke Hand schob sich aber langsam zurück ... den Saum des Rocks suchend ...Was tat sie nur.

„Du wirst die Schmerzen niemals vergessen können, die ich dir zufügen werde ... deine nasse Fotze wird sich jede Nacht nach meinem Stock verzehren.“

Regina keuchte ... diese Worte so unerträglich sie auch waren ... sie lockten ... verführten ... verschlangen.

Endlich hatte sie den Saum in ihre Finger bekommen - der Rock sperrte sich etwas, verhakte, aber der Stoff glitt doch nach oben, über ihren Po hinweg, über ihr Höschen, dass sich nun in seinem zarten violett zeigte.

Michaels Fingernägel krallten sich in den Putz der weißen Mauer. Seine Sinne konnten nicht alles zu gleicher Zeit aufnehmen ... wie in Zeitlupe musste der Mann die Dinge aufnehmen, die er sich nicht hätte träumen lassen, die er auch nicht verarbeiten konnte ... denn der kleine Zwerg tat etwas, das in Michaels bisherigen Welt keinen Platz gehabt hatte.

Vor seinem eigenen Wahn tummelten sich all die grausamen Mädchen, die ihn hier an diesem Ort verhöhnt hatten – immer wieder – in den Pausen, am Gang, am Nachhauseweg. Und sein vor ihm kniendes Opfer würde ihm heute Genugtuung verschaffen. Dieses Wesen. Die stolze Architektin. Dieses Weib, dass er sich hörig gemacht hatte und die nicht anders konnte als zu bleiben und ihrem eigenen Stolz trotze.

„Lies was ich geschrieben habe, Du hast die Freiheit zu gehen, wann immer du willst.“

Regina nahm ihren Blick hinunter, ihr Höschen war nun gut zu sehen, ihre Schenkel entblößt.

„Ja, Herr,“ ihre Antwort vibrierte vor Furcht und war nicht mehr als ein Hauch.

Energisch schlug er zu. Hart. Unnachgiebig. Die grausamen Bilder seiner Jugend vor Augen.

Das Geräusch das der Hieb auf ihren Schenkel verursachte war Musik für ihn. Der darauffolgende Laut aus ihrem Mund noch vielmehr. Seine Augen leuchteten, sahen ...

Regina verdrehte ihre Augen und ihr Kopf beugte sich in den Nacken. Sie wollte ausbrechen, entfliehen ... aber etwas war stärker als sie selbst ... etwas kam tief aus ihrem Inneren an die Oberfläche und fesselte sie an diese Bank, und ließ den Mann seine Rache nehmen ... nur der Bambusstab zählte jetzt, der auf ihr nun wild tanzte, und ihr davon erzählte, zu was sie geworden war.

Verspätet merkte sie, dass der Tanz seit einiger Zeit aufgehört hatte. Der Zwerg stand wie beiläufig vor ihr und er wartete bis sie wieder ins Leben zurückgefunden hatte. Das Teil hatte er sorgfältig zurückgehängt.

Wie harmlos der Stab jetzt wieder an der Wand hing. Michaels Frau betrachtete den kleinen Mann der ihr dies alles antat. Sie kniete noch immer wie zu Beginn da. Stolz war sie wie ein Fels in der Brandung am Tisch verblieben und hatte den Stock entgegengenommen, wie heftig er auch kam. Den Stock der Wahrheit.

Der Zwerg sah lächerlich aus, in seinem kleinen Anzug, seinen kleinen Schuhen ... sie empfand Ekel für diesen Mann ... und gleichzeitig steckte diese perverse Geilheit in ihrem Körper fest. Die Schläge hatten sie in ihrer vollen Pracht befeuert, sie umfänglich entstehen lassen und auf eine neue Stufe gehoben.

Sein Gesicht schob sich heran, er schien zu wissen, sie spürte seinen Atem. „Küss mich.“ Er öffnete seinen Mund und ließ seine kleine Zunge herausgleiten. Reginas Lippen schnappten nach der Zunge, umfassten sie und saugten daran ... aus ihrer Kehle knurrte ein Appetit, den Andere nicht verstehen konnten.

Und dann brach er ab. „Bist du meine Hure?“

„Ja, Herr, das bin ich.“ Ihr ergebener Ton war nicht gespielt.

„Dann sag es.“

„Ich bin ihre Hure, Herr.“

„Keine Architektin oder Ehefrau?“

„Nein, Herr, ich will nur ihre Hure sein. Für immer.“

„Dann darfst du herunterkommen.“ Der Zwerg sagte es im belanglosen Ton. Nebenbei.

Regina trottete hinter ihm her. Ergeben. Willig. Süchtig.

Michael taumelte die Stufen hinab. Rechtzeitig verdrückte er sich in eine hintere Ecke, wo eine sehr kleine und dann eine große Person an ihm vorbeizog. Er schwitze, ihm war übel, und seine gesamte Welt war nun gänzlich eingestürzt. Niemals mehr wieder würde er seiner Gattin in die Augen blicken können. Niemals.

Regina hatte drei Tage Zeit um ihre neue Situation gründlich zu überdenken und ihren geschundenen Körper zu pflegen. Zum Glück hatte sie den lang umkämpften Auftrag erhalten, das neue Gebäude nach ihren Vorstellungen errichten zu können, der ihr genügend Gelegenheit gab sich abzulenken. Und nicht nur sie sollte abgelenkt werden. Nein, auch ihr Mann, den sie seit Tagen nicht mehr richtig zu Gesicht bekam, musste ferngehalten werden. Zu sehr hatte sie sich verstrickt, verheddert ... zu sehr nagte das schlechte Gewissen, die Angst, die Furcht, dass alles ans Licht kommen könnte machte ihr zu schaffen.

Sie stürzte sich regelrecht in die Arbeit, ließ in diesen Tagen nichts aus und versuchte gründlich zu sein. Ihre malträtierte Haut heilte. Nicht besonders schnell, einige blaue Flecken würden noch einige Zeit benötigen, doch die hellen Striemen des Stockes waren rasch verschwunden. Sie arbeitete wie ein Berserker. Versuchte ihrem Mann nicht zu begegnen was ihr am meisten leid tat, und kam spät nach Hause. Selbstschutz. Den scharfen Stich im Nierenbereich konnte sie nicht so einfach loswerden, der Stich war unnachgiebig, verschönte nichts, vernebelte die nahen Geschehnisse mitnichten im dunklen Vergessen. Wenn ihre Gedanken abschweiften, sie einmal nicht so konzentriert ans Werk ging, dann war der Stich da. Wie ein mahnender Fingerzeig, ein erhobener Zeigefinger ... schmerzhaft, gefährlich. Er brachte die Geschehnisse wieder in ihre Gedanken. Zu dem widerlichen Zwerg. Wie sie ihn hasste und wie sie sich gleichzeitig zu ihm hingezogen fühlte. Seine Gedanken, seine Worte, sein Benehmen ... sie schauderte, wenn sie an ihn dachte. Dieser lächerliche Mensch, diese Kröte, besaß sie. Sie blickte sich um. Ihr Büro war leer. Draußen war ebenfalls Stille eingekehrt. Mittagspause. Sie verspürte keinen Hunger, und dann, dann telefonierte sie. Sie hatte keine Wahl.

Der Zwerg saß eine Stunde später gemütlos auf dem Besucherstuhl und beobachtete sie eindringlich. Er liebte es nicht von seinen Huren kontaktiert zu werden, nur er allein sollte das Heft in der Hand behalten. Er sezierte sie, ihre Gedanken, die sich ohnehin nur um ihn kreisten. Er war nur aus einem einzigen Grund gekommen, weil er ohnehin etwas mit ihr zu besprechen gehabt hätte. Niemals hätte er sonst ihrer Bitte entsprochen.

„Du willst mich.“ flüsterte er. Nicht als Frage.

Regina stöhnte auf. Sie erhob sich, trat vor und kniete sich vor dem Zwerg hin, breitbeinig, wie eine billige Dirne.

„Spritz in meinen Mund.“ Hörte sie sich sagen. „Bitte ...“ Ihr flehender Blick erreichte den Mann, der nach unten sah und kalt zurückblickte. Was musste sich dieser Widerling denken. Es war für sie nicht mehr von Belang. „Ich werde alles trinken ...“

„Heute um 2000 Uhr wirst du im Restaurant Vier Jahreszeiten erscheinen. Businesslook. Ich erwarte zwei Geschäftsfreunde.“

Dann erhob er sich grußlos. Regina blieb unbefriedigt zurück.

Michael war nicht Zuhause. Er hatte etwas von einem späten Termin erzählt, dass ihr gut passte. Keine Lügen, keine Erklärungen waren nötig, die so oder so auf wackeligen Füßen gestanden wären. Regina bedauerte die Situation, aber es ließ sich nicht ändern und sie ließ sich ein Bad ein, auf das sie sich bereits den ganzen Tag gefreut hatte. Allein. Die Wärme tat gut, das Öl im Wasser wirkte, sie lehnte sich zurück und schloss die Augen. Es waren traumlose Momente, die ihr Kraft gaben und aus der sie Abstand gewinnen konnte.

Knapp vor 2000 Uhr war sie fertig. Ihr Nadelstreif-Kostüm passte wie angegossen, ihre Nylons passten perfekt und die Pumps hatte sie erst vorgestern in einer Auslage in der City gesehen und sofort gekauft. Aber sie machte sich Sorgen. Zwei Geschäftspartner hatte der Zwerg gesagt. Was hatte das zu bedeuten? Pünktlich traf sie im Restaurant ein.

Man kannte sie dort ganz gut, ihre gelegentlichen Geschäftsessen und Abschlüsse wurden hin und wieder auch in diesem 3-Hauben-Lokal zelebriert, da es ein angenehmes Ambiente und zuvorkommende Kellner besaß, wodurch für Geschäftsverhandlungen oft eine ganz entspannte Wirkung erzielbar war.

Nervös ging sie hinter dem Mann mit dem makellos weißem Jackett hinterher und gelangte an ihrem Tisch. Der Zwerg war bereits eingetroffen und saß mit zwei Männern um den Tisch herum und unterhielt sich angeregt. Sie kannte die beiden Herren. Ihre härtesten Konkurrenten. Regina stieg es warm hoch. Ihre Wangen glühten auf einmal. „Guten Abend.“ Ihre Begrüßung fiel unsicher aus. Man gab sich die Hände. Der Zwerg war überfreundlich und zuvorkommend und schob ihren Stuhl zurecht. „Sie kennen sich ja. Nicht wahr?“ Der Zwerg erntete Zustimmung. Regina nickte verhalten. Die beiden Männer stammten aus dem größten Architektenbüro des Landes, die in der Branche als berüchtigt galten – wegen dubioser Methoden und dreckiger Tricksereien.

Harttberg, der Inhaber war um die sechzig, kahl, bullig – ein schwitzender, widerlicher Klotz mit fleischigem Gesicht und hässlich in der Erscheinung. Sein Ruf: knallhart. Ein brutaler Unsympath dem man besser aus dem Weg ging. Sein Partner, Stöger, war zwar etwas jünger, aber nicht weniger einschüchternd. Muskelbepackt, mit dem Blick eines Mannes, der Probleme lieber mit den Fäusten als mit Verträgen löste. Seine Augen suchten ruhelos den Raum ab, huschten zwischen dem Zwerg und Regina hin und her – doch sobald sich ihre Blicke trafen, wich er aus.

„Wir haben einiges zu besprechen und wie gesagt meine Herren, sie können ganz offen sein.“

Ein Kellner unterbrach die Ansprache, brachte den vorbestellten Wein und schenkte ein. Ruhe am Tisch. Regina blickte sich etwas gereizt um und konnte am Gesicht des Zwergs nicht das geringste erkennen. Es war glatt wie ein Fisch. Dann verließ sie der Kellner mit einer knappen Verbeugung und der Zwerg fuhr fort.

„Ich habe sie kontaktiert, weil ich durch meine eigenen Geschäftstätigkeiten weiß, dass ihnen diese Architektin einige Male den Rang abgelaufen hat. Im Baugewerbe entgeht einem nichts, und sie meine Herren, sollten sich das nicht bieten lassen.“

Die beiden Männer nickten.

„Ein Weib kommt mir nicht in die Quere.“ Harttbergs Finger zeigte auf Regina. „Wie bitte?“ Ihre Stimme blieb sachlich, aber kühl und entschlossen. Der Zwerg aber hob seine Hand wie ein Richter. „Diese Herren hier, ich habe sie eingeladen, damit sie dir zeigen wo dein Platz ist.“

Das saß, andere Regeln galten hier. Regina wurde blass.

„Wir werden ihnen heute Abend das überhebliche Grinsen aus dem Gesicht reißen. Ich lasse mir das Geschäft nicht von einer dahergelaufenen Modepuppe kaputt machen.“ Die Worte von Harttberg sprühten vor Gift, vor Entschlossenheit und Hass. Die Stimmung am Tisch hatte sich grundlegend geändert. Regina verschlug es für einen Moment die Sprache. Sie blickte sich um.

„Wage es nicht ...“ Der Zwerg stand auf. „Du wirst dich den Männern fügen. Hast du das verstanden. Du gehörst mir, und du wirst tun was ich verlange.“

Die sich ausbreitende Gänsehaut ließ Regina nicht sofort antworten.

„Ich muss jetzt gehen. Andere Geschäfte warten,“ fuhr der Zwerg fort und seine Hand wanderte auf einen ihrer Schenkel, packte hart zu und er beugte sich nahe zu ihrem Ohr hin und flüsterte ganz leise zum Abschied das Ungeheuerliche: „Sie werden dich binden, du wirst vor ihnen knien und ihre Pisse trinken. Und wenn du bezahlst dann wirst du bei alledem immer an mich denken und dich daran erinnern, wer dein Herr ist.“

Sein leises kichern war hässlich.

„Meinen Herren, sie gehört heute Abend ihnen ...“

Regina hörte den Zwerg plötzlich nur noch von Weitem. Alles war plötzlich unendlich weit weg, ihre Ohren schienen mit Watte verstopft zu sein. Ihr Kreislauf schwankte und sie schloss voller Unglauben die Augen. Als sie den leisen Luftzug spürte als der Zwerg an ihr vorüberschritt, begann der innere Widerstreit. Der Gedanke war sofort da. Flucht. Augenblicklich. Weg von diesen Männern. Es waren keine ehrbaren Geschäftsmänner, wer sonst hätte sich sonst zu so etwas mit dem Zwerg eingelassen. Harttberg nahm einen Schluck Wein. „Sehen sie mich an.“ Seine Stimme gewann an Härte. „Wir haben viel von ihnen gehört.“ Die Architektin starrte ihn leer an. „Ich frage sie, wie verdammt noch mal kommt man in die Hände von so einem Zwerg?“ Er lachte nicht. „Ich will das sie mir gut zuhören. Damit sie mich nie vergessen, werden wir sie bestrafen, und danach werden sie sich aus meinen Ausschreibungen raushalten und mir nie wieder das Geschäft ruinieren.“

Reginas Atem beschleunigte sich. Diesen Männern traute sie alles zu. Kurz sah sie sich um und sie beschloss aufzustehen und dem Spiel ein Ende zu bereiten.

„Nehmen sie ihre Beine auseinander.“

Reginas Vorsatz aufzustehen wurde unterbrochen. Der runde Tisch war ziemlich groß, er wurde von einem gewaltig großen, weiß gewirkten Tischtuch überzogen das bis knapp über dem Boden an dem Tisch herunterhing. Ihre Beine befanden sich darunter, niemand würde sehen können, was sie tat. Die Worte schnitten beängstigend direkt in ihre Seele. Welche Anmaßung. Aber sie trafen genau dort, wo sie treffen sollten. Harttberg blieb ruhig. Er wusste, dass sie ihn genau gehört hatte und dass er nichts zu überstürzen brauchte. Stöger wusste ebenfalls Bescheid und ließ sich in die Zuseherrolle zurückfallen. Alles war so, wie es der Zwerg versprochen hatte, denn Regina blieb wie angewurzelt sitzen. Harttberg bewies Geduld.

„Nehmen sie ihre Beine auseinander.“ Die Stimme wirkte zurückhaltend, aber sie führte direkt in ihren Mittelpunkt hinein. Ihr Körper fuhr zusammen und sie schloss für einen Moment die Augen. Etwas stimmte nicht. Ihr Atem wurde schneller, ihre Hände begannen zu zittern und stützten sich auf den Tisch. Was war aus ihrer Flucht geworden? Etwas war ganz und gar nicht in Ordnung. Sie blieb sitzen, verfing sich in den bösen Augen des Mannes ... verfing sich in ihren beschämenden Gefühlen, die hochkrochen und in ihren Kopf eindrangen wie Einbrecher in der Nacht. Alles reduzierte sich plötzlich auf diesen Mann, einen Konkurrenten, der sich nicht zu schade war mit dem Zwerg zu kooperieren um sie loszuwerden. Der verdammte Zwerg hatte sie hier zurückgelassen, sie übergeben, wie man ein unartiges Kind seinem Erzieher übergibt. Wie konnte er es wagen. Sie stöhnte auf. Im Hintergrund Tellerklappern. Gedämpfte Atmosphäre mit leiser Hintergrundmusik, Gemurmel der Gäste ... Gasthausidylle.

„Wir wissen was der Zwerg aus ihnen gemacht hat.“

Regina zuckte zusammen. Die Worte bissen zu wie die Hiebe einer Gerte.

„Heute werden sie unsere Hure sein.“

„Nein...bitte…“ Ihre Schenkel öffneten sich und teilten sich langsam unter dem Tisch auseinander. Ein ihr bisher unbekanntes, bizarres Gefühl stellte sich ein. Ihr Kreislauf blieb mehr oder weniger für Sekunden einfach stehen. Sie lehnte jetzt mit dem Rücken am Stuhl, klammerte sich wie um Hilfe suchend an der Tischkante fest und drückte unter dem Tischtuch ihre Beine nochmals gegen den Rock – wieder kam als Antwort der Schub an bizarrer Energie. Ihre Pumps wanderten unter dem Tisch mit und stellten sich breitbeinig auf. Das bizarre Gefühl blieb und erfüllte sie.

Keine Antwort der Männer.

Schweigen.

Reginas Atem konnten die Männer deutlich hören. Ihr Brustkorb hob und senkte sich, als ob sie ersticken würde.

„Ihnen muss gesagt werden, wo es langgeht, nicht wahr?“

Keine Antwort. Verzweiflung.

„Antworten Sie.“

„Ja.“ Es war eine Qual.

„Der Zwerg sagt ihnen, wo es langgeht?“

„Ja, ja.“ Die Antwort kam beinahe gereizt, ungewollt, erzwungen.

„Und heute Abend?“

Regina drückte sich in den Sessel. Es wurde unerträglich. „Sie sagen, wo es langgeht ...“ Wie konnte es nur soweit kommen.

„Dann stehen sie auf.“

Langsam erhob sie sich und strich ihren Rock glatt. Unsicher blieb sie stehen, ihren Blick auf die Tischplatte gerichtet, wo noch immer der Wein stand und beinahe unberührt geblieben war.

„Warten sie in der ersten Kabine der Herrentoilette auf uns.“

Die Architektin blieb stehen. Kälte. Furcht. Abscheu. Sie schwankte als sie das fühlte. Wenige Augenblicke später schloss sie die Kabinentür der zum Glück leeren Herrentoilette hinter sich zu. Der Uringeruch schwebte unmerklich und kaum wahrnehmbar durch den großzügigen Raum und wie es in einem solchen Restaurant üblich war, strotzte alles vor Sauberkeit. Es vergingen vielleicht Sekunden, dann schwang die Tür erneut lautlos auf und die beiden Männer kamen wortlos dazu. Stöger drückte sich ohne zu zögern an ihr vorbei, drehte sie, packte von hinten ihre Arme und verschränkte die Handgelenke auf ihrem Rücken. Eine dünne Schnur, die sie sich wohlweislich organisiert hatten, wickelte sich bemerkenswert rasch um die Gelenke und ließen ihr keine Chance. Stöger blieb hinter ihr und drückte ihre Schultern zurück, Harttberg öffnete ihre Bluse bis ihr dunkelschwarzer BH zum Vorschein kam, fasste danach und entblößte ihren Busen. Der Stoff wurde unterhalb der beiden Hügel geschoben und behielt dort seine Position. Das Schnurknäuel wurde entwirrt und um die erste Brust gewickelt. Von Harttberg zog scharf zu. Dann wurde die Schnur ein zweites Mal umgelegt, wieder kräftig angezurrt und unter Spannung wurde zur zweiten Brust übergewechselt, so dass beiden Brüste durch die verschlungene Schnur hervorquollen. Sie standen nun schräg nach oben, wobei die wie Rosendornen spitz hervorstechenden Warzen den Abschluss bildeten. Stöger wurde ein Zeichen gegeben und er drückte ihre Handgelenke ein wenig nach unten. Der improvisierte Seilzug funktionierte und die Schnur straffte sich dergestalt über die Schulter hinweg zu den Brüsten, dass sich die Schlingen am Busen zuzogen. Stöger behielt die Handgelenke in seiner Hand und drückte sie soweit es ging noch weiter nach unten. Die beiden Dornen stellten sich noch steiler auf und das Fleisch quoll noch praller, noch üppiger aus den Schnüren heraus. Harttberg schloss rasch die Bluse und machte die Architektin wieder zurecht. Bis auf die Schnur um die Handgelenke, die sich kaum sichtbar um die zarten Glieder spannte, sollte nichts von ihrer Aktion sichtbar sein. Stöger ließ nun die Architektin los und drängte sich wieder an ihr vorbei. Keine Hände mehr. Kein Atem der Männer mehr.

Sie werden dich binden. Der Zwerg hatte es vorausgesagt.

„Gehen wir.“

Die Tür wurde ihr aufgemacht. Stöger ging vor ihr, Harttberg hinter ihr. Ein seltsamer Zug durchmaß das Lokal, aber niemand nahm Notiz.

„Gut das wir rasch zum Ende gekommen sind, sonst wäre es ihr noch ins Höschen gegangen. Sowas geiles hätte ich auch gerne Zuhause.“ Harttberg besprach sich mit Stöger, wie wenn sie über eines ihrer Bauprojekte sprechen würden, sie lachten.

Regina biss auf ihre Lippen.

Seine erhobene Hand winkte in das vordere Lokal und machte einen Kellner aufmerksam. Der nickte. Er hatte verstanden, die Herrschaften wollten zahlen.

Regina saß daraufhin in der Limousine Harttbergs und hatte vorne neben ihm Platz genommen. Es sollte eine sehr kurze Fahrt werden. Man hatte sie so drapiert, dass ihre gebundenen Handgelenke hinter dem Ledersitz ins liegen kamen und sie damit auch bewegungsunfähig war. Die Schnur spannte sich und die Brüste wurden abgeschnürt. Die verdammte Wollust war nicht mehr zu ertragen. Knapp nach der Abfahrt nahm sie den Atem von Stöger wahr und sie spürte den Druck an der Schnur. Sofort zogen sich die beiden Schlingen um den Busen weiter zu. Sie öffnete ihre Lippen, stöhnte ... der Druck nahm noch weiter zu ... Regina warf ihren Kopf auf die eine Seite. Dann auf die andere. Stöger drückte nach, die Schlingen konnten nun nicht mehr weiter. Die Grenze war erreicht. Regina verdrehte ihre Augen und rüttelte hart an ihrem Stuhl. Sie war einem Orgasmus nahe. Dann war der Druck weg.

„Noch nicht Süße.“

Sie lachten.

Der Wagen kam wenig später in bekannte Gefilde, und spät bemerkte sie, dass sie bei ihr Zuhause angelangt waren.

„Wir sind da ...“ erklärte Stöger und stieg aus.

Er holte sie aus dem Wagen und nestelte aus ihrer Handtasche die Schlüssel heraus. Dann gingen sie gemeinsam in das Haus, hinauf in den ersten Stock in ihr Schlafzimmer.

Alles war leer. Ruhig. Michael war nicht Zuhause, wie vom Zwerg geplant.

Harttberg schubste sie tief in den Raum und baute sich vor ihr auf und blickte ihr prüfend in die Augen. „Es ist so weit. Du wirst jetzt bezahlen.“

„Bitte nicht ...“ hauchte sie. Doch es war zu spät. Stöger packte ihre Schulter und fasste nach der Schnur, sofort hatten sie die Frau wieder in ihrer Gewalt, er setzte sich auf ihr Bett, holte seinen kleinen Penis hervor und schob seine Vorhaut vor und zurück. Regina ging auf die Knie, die Gier war schmerzhaft wie Gift in ihrem Leib, und diese Gier zwang sie sich mit den gefesselten Händen so gut es ging zu ihm hinzubewegen, dann öffnete sie vor seiner Penisspitze den Mund. Stöger lachte. Und dann spürte sie die warme Flüssigkeit, zunächst an ihrer Bluse, an ihren Schultern, sie kroch hoch, an ihr Kinn, in ihr Gesicht ... die duftende Schärfe war dann in ihrem Mund, sie kostete, stöhnte ... die Pisse floss an ihrer Zunge entlang und strömte aus den Mundwinkel wieder heraus ...

Stöger saugte die Szene auf, er würde sie niemals mehr vergessen.

Harttberg ließ sie dann auf das Bett kommen. Er traf mit seiner Pisse ihre Schenkel, ihre Scham, ihre Beine ... das Bett.

Dann fasste er nach ihren Beinen, drückte sie weit auseinander, legte sich mit seinem schweren Gewicht auf sie und fickte sie in ihrem eigenen Ehebett.

Woher das Messer kam bekam die Architektin nicht mit. Die Handgelenke glitten befreit auseinander, die Schnur wurde entfernt. Sie war wieder frei. Aber war sie das? Regina wartete bis die Männer grußlos verschwanden, dann überzog sie das Bett neu und ließ die feuchten Lacken in der Waschmaschine verschwinden. Sorgen machte sie sich um Michael. Wo war er? Das Handy läutete. Michael? Nein der Zwerg, Harttberg hatte Bescheid gegeben das sie fertig waren. „Mein Bruder hat mich gebeten dich zu verlassen, aus Gründen die ich dir nicht sagen kann. Leb wohl.“ Das Klicken des aufgelegten Telefons besiegelte dieses Kapitel als ob es niemals stattgefunden hatte.

Tag 1 nach dem Zwerg – Montag

Regina sitzt am Frühstückstisch und blättert mechanisch durch eine Bauzeichnung auf ihrem Tablet. Michael reicht ihr die Kaffeetasse, sie lächelt – flüchtig, geübt. Er sagt: „Du hast heute das große Meeting, oder?“

Sie nickt, wirft ihm einen Blick zu, der vielleicht Dank bedeutet. Vielleicht Müdigkeit. Die Uhr tickt laut. Zu laut. Als sie die Tür hinter sich schließt, bleibt ein Rest ihres Parfums in der Luft. Michael atmet ihn ein. Er liebt sie.

Trotz allem, die Liebe ging nicht weg.

Tag 2 – Dienstag

Abends sitzt sie auf dem Sofa, ein Glas Wein in der Hand. Die Pumps achtlos abgestreift, der Kopf zurückgelehnt. Michael setzt sich neben sie, nah, aber nicht zu nah. „Du redest kaum noch mit mir,“ sagt er leise. Regina sieht ihn an. Lange. „Ich hab Angst, was ich sagen würde.“ Er nimmt ihre Hand. Sie lässt es zu. Da ist noch etwas zwischen ihnen – zart, verletzlich, wie ein eingerolltes Tier, das sich nicht zeigen will.

Sie schweigen zusammen. Es ist kein schlechtes Schweigen.

Tag 3 – Mittwoch

Der Tag beginnt im Grau. Der Regen an den Fenstern klingt wie ein heimlicher Taktgeber für das, was unausgesprochen bleibt. Michael findet in ihrer Schreibtischschublade einen Brief. Ungeöffnet. An ihn adressiert.

Handschriftlich. Er legt ihn zurück. Fragt nichts. Als Regina später in der Tür steht, sieht sie ihn an – lange, durchdringend. Dann sagt sie leise: „Ich wünschte, ich könnte dir alles erzählen.“ Er antwortet nicht. Aber er nimmt sie in den Arm. Und für einen Moment hält die Zeit den Atem an.

Tag 4 – Donnerstag

Sie schafft es nicht mehr, die Dämonen haben die Überhand gewonnen. Ein leises, knappes Telefonat. Es war spät.

Sie richtete sich her, langsam, mit Bedacht. Das enge, tief ausgeschnittene Businesskostüm wirkte wie eine Rüstung aus Reizen, kühl, kalkuliert, verführerisch. Dann streckte sie den Kopf durch die Tür zu Michaels Büro. „Ich bin kurz weg.“ Keine Erklärung, kein Raum für Nachfragen. Ihre Stimme war ruhig, aber endgültig. Michael sah auf, sein Blick voll traurigem Wissen. Er sagte nichts. Regina wandte sich ab, ohne einen weiteren Blick, und verließ das Haus. Sie fuhr zielsicher, kein zögern. Der Ort war einer, den sie nie hätte aufsuchen dürfen. Als sie den Wagen vor dem grauen Haus stoppte, trat ein Mann heraus. Er hatte den Rover erkannt. Ohne Worte stieg er ein. Im Wagen war es still. Sein Körper roch nach Schweiß und abgestandenem Bier. Kein Versuch, das zu verbergen. Er war genau das, was er zu sein schien: roh, schmutzig, ein Mann, den andere Frauen abstoßend fanden – aus Ekel, aus Angst. Ein widerlicher, dreckiger Mensch. Ein Schänder. Zuerst sah er sie an mit einer Art misstrauischer Vorsicht – als rechne er damit, dass sie ihm eine Falle stellte, ihm ein Messer zwischen die Rippen rammte. Aber was er sah, ließ ihn erstarren. Ihre Augen – sie hassten ihn. Sie wollten ihn tot sehen. Tot, nackt, liegend im Dreck. Und doch war da etwas in ihrem Gesicht, das ihn verstörte: Verlangen. Gier. Eine hässliche Lust, die wie eine Krankheit aus ihr tropfte. Ein Widerspruch, der ihn sprachlos machte.

„Wissen sie eigentlich,“ sagte sie leise, ohne ihn anzusehen, „…, dass ich sie hätte anzeigen können?“ Ihre Stimme vibrierte. Er schwieg. Nur sein Kiefer spannte sich. Sie lächelte. Ein schmaler, gefährlicher Zug ihrer Lippen und dann drehte sie sich zu ihm. Sah ihn an. Ihr Blick war nicht klar. Er war krank vor Verlangen. „Du Schwein“, sagte sie. Dann küsste sie ihn. Hart. Kein Zögern. Ihre Lippen pressten sich gegen seine. Er tat nichts. Ihre Hände glitten über seinen Körper, sie wollte alles. Seinen Ekel. Seinen Geruch. Er schloss verwirrt die Augen. Sie blickte an ihm hinab, der Reißverschluss zwischen seinen Beinen erzeugte eine magische Anziehungskraft und mit einer energischen Bewegung öffnete sie ihn, sein schlaffes Glied kam hervor. Ihre Finger glitten über das Fleisch, so dass die Hoden hin und her geschoben wurden. Regina beugte sich hinab, öffnete ihren Mund und die feuchten Lippen umschlossen seine Eichel. Der Geschmack war salzig, erdig, männlich ... Das Gefühl den Schwanz des Mannes in ihrem Mund zu spüren der sie noch vor ein paar Tagen gedemütigt hatte war überwältigend. Dann kam sie hoch, ihre Zungen fanden schnell zueinander, wirbelten, ihre Finger zogen das Höschen von den Beinen, sie kam zu ihm rüber, ihre Schenkel offen, sie setzte sich auf ihn, noch immer ihre Zunge in seinem Mund. Dann setzte sie sich auf das Glied und ließ ihn eindringen, sie keuchte, sie begann langsam zu reiten, zu stöhnen.

„Fick mich du Schwein.“ Die Sitze knarrten unter der Bewegung, dann begann sie sein Hemd zu öffnen, sie berührte mit beiden Händen seinen widerlichen, nackten Oberkörper, beugte sich vor und legte die Lippen an seinen Hals. Dann richtete sie sich wieder auf, zog ihr eigenes Oberteil aus und zog ihren BH von den Brüsten ab bis sie blank vor ihm lagen. Sie ritt ihn mit weiteren, harten Bewegungen, ihre Brüste sprangen dabei auf und ab, bis sich seine Finger in das Fleisch vergruben, daraufhin dass er sie anfasste schlug sie ihm ins Gesicht, er lachte auf, fasste härter zu, sie stöhnte dabei auf wie eine Hure. Sie küsste ihn erneut, ohne jegliche Zärtlichkeit, ihre Fingernägel krallten sich in seine Schulter, ihre Augen geschlossen, ein noch härterer Ritt. Dann kam das Ende. Sie spürte seine Feuchtigkeit, ein kurzes aufstöhnen und nichts hartes mehr. Ihr Körper glitt zu seinem Schwanz hinunter, sie schmeckte hungrig das bittere Sperma, leckte an seinen Hoden, sie weidete sich am Ekel, an der Erniedrigung, die sie wieder lebendig werden ließ.

Regina kam schließlich nach der kurzen Fahrt erschöpft zurück in die Wohnung, ihre Schritte schwer, der Körper müde. Michael saß am Küchentisch. Ohne ein Wort deutete er auf den Sessel. Sie setzte sich, ohne ihn anzusehen. „Ich liebe dich, Regina.“ Die Worte trafen sie wie ein Schlag. In ihren Augen stand alles geschrieben – Schuld, Zweifel, Unsicherheit. Sie wollte ihm etwas entgegnen, doch er hielt sie mit einer Handbewegung zurück. „Ich habe die letzten Tage gebraucht, um zu verstehen, was du geworden bist, was deine Natur ist und was du mir nie sagen wolltest. Aber ich gebe dich nicht auf. Ich habe dich von Toni zurückgekauft, mit allem, was ich hatte.“ Regina brach innerlich zusammen. Michael wusste es also – er wusste es schon längst. „Ich werde mich darum kümmern, wenn du mich lässt.“

Regina sah ihn lange an. Sie verstand. „Ich liebe dich auch,“ sagte sie in einem Anflug tiefster Erleichterung.

Das Ehepaar fand zueinander und es entwickelte sich ein tiefes Verständnis für die gegenseitigen Neigungen und Bedürfnisse. Michael fand in langen Gesprächen die Natur seiner Frau, er konnte Einschätzen was es benötigte und was nicht. Und auch Regina lernte, sie lernte ihren Mann neu kennen, ihn neu lieben, ihn neu schätzen. Einige Abenteuer lagen bereits hinter ihnen, als Michael sie zu einem Wochenende der besonderen Art einlud. Er hatte sich viel Mühe gegeben, organisiert, viele Menschen eingewiesen und viele Einladungen ausgesprochen.

„Du wirst es genießen,“ versprach er, und sie wusste, dass er nicht zu viel versprach.

Schließlich war der Tag gekommen. Michael bog wortlos in eine enge, dunkle Seitenstraße ein – der Asphalt riss auf, das Licht war schmutzig, und Regina wusste mit einem Mal, dass sie diesen Ort nie zuvor betreten hatte, weil er nicht für Menschen wie sie gemacht war.

Sie checkten in ein heruntergekommenes Hotel ein – der Geruch nach kaltem Rauch, Billigparfum und abgestandener Hoffnung schlug ihr entgegen. Doch er brachte sie nicht aufs Zimmer. Stattdessen führte er sie durch einen schmalen Durchgang in den Hinterhof.

Drei Frauen warteten dort. Asiatisch, hager, leblos in den Augen. Regina erkannte sofort, was sie waren. Wer sie waren. „Sie gehört euch“, sagte Michael. Fast beiläufig. Als ginge es um eine Tasche, die man verleiht.

Regina drehte sich zu ihm um. Suchte seinen Blick. Aber er war nicht mehr da – nur sein Körper stand noch da, regungslos, fremd. Zwei der Frauen kamen näher, griffen sie wortlos. Je ein Arm. Die dritte – die größte – trat aus dem Schatten. Ihre Stimme war brüchig und rau: „Du bist Architektin, ja?“ Regina nickte. Oder glaubte zu nicken. Ihr Herz raste. Der Blick zu Michael, der nichts sagte. Nichts tat. „Du willst mit uns arbeiten?“

„Nein“, flüsterte sie. Zu schnell. Zu ehrlich. Die Ohrfeige kam ohne Vorwarnung – ohne Emotion. Nur die scharfe, flache Bewegung einer, die gelernt hat, genau dort zu treffen, wo es mehr als nur wehtut. Regina wankte. Ein dumpfes Brausen stieg ihr in die Ohren. Die Frau an ihrem Arm zog sie wieder aufrecht – wie man eine Schaufensterfigur neu ausrichtet.

Dann kam der nächste Schlag. Härter. Ernster. „Du bist keine Architektin“, sagte die Stimme kalt. „Michael hat gesagt, du bist nichts weiter als eine von denen, die die Fotzenlöcher reicher Weiber lecken, um sich die Miete zu sparen.“ Lachen. Trocken, bösartig, klirrend. Die beiden anderen kicherten, aber es war kein Humor darin – nur Spott, Häme, ein Hauch von Hass. Ihre Blicke glitten über Regina wie über eine schöne Vase, die man gleich vom Sockel stößt. Zu edel für diesen Ort. „Musst du auch für sie tanzen?“ fragte eine. Die Stimme war nüchtern, beinahe interessiert. Regina wand den Kopf weg. Ihre Wange brannte, und die Angst kletterte ihr langsam die Wirbelsäule hoch. Michael war verschwunden. „Tanz für uns“, sagte die Größte. Keine Regung im Gesicht. Niemand lachte mehr. Regina stand da wie eingefroren. Ihr Herz pochte hart gegen ihre Rippen. Alles in ihr schrie Nein. Aber ihr Körper bewegte sich. Erst zögerlich. Mechanisch. Als wäre sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ihre Beine gehorchten. Langsam. Die ersten Bewegungen waren stockend, hilflos, beinahe grotesk – ein erbärmlicher Versuch, das zu tun, was sie nie hatte tun sollen. Die drei Frauen begannen zu lachen. Ein gieriges, kleines Kichern, das sich in der Enge des Hofes wie Schimmel ausbreitete. Doch Regina hörte es kaum noch. Etwas in ihr hatte sich gelöst – oder verschoben. Das Zittern ihrer Glieder vermischte sich mit einer seltsamen Hitze, die sich unter ihrer Haut ausbreitete. Es war Entfremdung. Sie spürte, wie ihre Hüften sich bewegten, wie der Stoff ihrer Kleidung an ihr zu leben begann, wie der Blick der Frauen sich veränderte – von Spott zu Gier. Dann kamen die Hände. Eine streifte ihre Seite. Die andere griff an ihr Bein, fuhr tastend, prüfend, wertend daran entlang. Regina sog scharf die Luft ein. Sie wollte stehen bleiben, wollte aufhören – aber ihr Körper tanzte weiter, als hätte er einen eigenen Willen, losgelöst von ihr selbst. Lachen wieder. Hände an ihrer Hüfte. An ihren Armen. An ihrem Rücken. Sie waren überall. Regina schloss die Augen. Und irgendwo, ganz leise, lachte Michael. Die Hände aber wurden noch zahlreicher. Tastend, drückend, fordernd – sie erkundeten Regina, als wäre sie ein Gegenstand, den man teilen durfte. Ein verlorenes Ding, das nun allen gehörte. Und doch… Etwas in ihr begann sich zu regen. Kein Widerstand. Sondern eine Wärme. Tief. Dreckig. Verboten. Mit jeder Berührung, jedem Griff, jedem keuchenden Laut aus den Kehlen der Frauen, wuchs eine Erregung in ihr, die sie erschreckte. Sie bewegte sich flüssiger jetzt. Ihre Hüften kreisten nicht mehr nur aus Zwang – sondern weil es sich gut anfühlte. Schamlos gut. Die Frauen bemerkten es. „Ja, tanz so“, keuchte eine. „Zeig, was du wirklich bist“, zischte die andere und fuhr mit der Hand unter Reginas Shirt. Lachen. Wieder dieses Kichern, aber jetzt hungriger. Gieriger. Sie feuerten sie an wie Tiere, die Blut gerochen hatten. „Michael hat recht gehabt… Du bist keine Architektin. Du bist eine von uns.“ Regina hörte sie, aber ihre Gedanken waren wie Nebel. Sie fühlte den Schweiß auf ihrer Haut, die Finger auf ihrer nackten Taille, das pochende Zittern zwischen ihren Beinen. Ihre Bewegungen wurden lasziv, der Schock wich einer düsteren Lust. Eine der Frauen hielt sie dann an der Hüfte, die andere griff nach ihrem Arm. Gemeinsam führten sie sie durch einen schmalen Flur, vorbei an abgeplatzten Wänden, Türen mit Kratzspuren, der Luft voll von Schweiß, Rauch und alter Hoffnungslosigkeit. Irgendwo lief ein Fernseher. Irgendein Lachen drang hindurch. Völlig deplatziert. Dann eine Tür. Sie ging auf – knarrend, zögerlich. Ein Zimmer. Karg. Ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch, eine nackte Glühbirne, die wie ein müdes Auge von der Decke hing. Die Matratze schien alt, zu weich, von zu vielen Körpern geformt. Regina wurde wie eine Ware hineingeführt. Eine der Frauen legte ihr eine Hand in den Nacken, die andere drückte auf das Bett. Sie spürte den Stoff unter sich, das leichte Nachgeben der Federung. Ihre Arme sanken neben ihren Körper, ihr Blick starrte zur Decke. Die Glühbirne über ihr flackerte. Vielleicht würde sie bald verlöschen. Regina schloss die Augen. Dann war ein warmer Atem da, bevor sie die Lippen spürte – fest, verlangend. Der Kuss kam nicht zärtlich, aber auch nicht hart. Regina zögerte – doch ihre Lippen öffneten sich. Die Zunge der Frau glitt in sie hinein – tief, suchend, langsam kreisend, wie eine Flamme, die wissen wollte, was von ihr noch übrig war. Regina gab nach. Ihre Finger krallten sich in das Laken unter ihr, während der Kuss nicht endete, sondern sich wie ein dunkles Band um ihren Kopf legte. Dann zog sich die erste zurück. Ohne Worte trat die zweite Frau vor. Kleiner, jünger vielleicht. Ihre Augen glänzten. Sie beugte sich hinab, lächelte schief – und küsste Regina, schneller, verspielter. Ihre Lippen tanzten. Ihre Zunge war ungeduldiger, ein Wirbeln, ein Tropfen Öl auf brennender Haut. Regina keuchte leise. Ihre Augen waren geöffnet, doch sie sah nichts mehr. Dann die Dritte. Still, kalt, beinahe mechanisch. Ihr Kuss war kein Kuss, sondern ein Eindringen. Hart, präzise, leer. Als wollte sie nichts fühlen – sondern nur nehmen. „Sie ist so weit,“ hörte sie eine sagen. Die Worte hatten etwas Grausames. Sie spürte wie ihre Schenkel geöffnet wurden, wie etwas, das sie gänzlich ausfüllte, in ihr eindrang, sie hörte ihre eigenen Schreie, die gegen die kahle Wand flogen und nicht mehr aufhören sollten. Es gab keine Zeugen, nur die Huren der Straße, die um sie würfelten damit sie schneller drankamen. Immer zwei aber manchmal auch drei Frauen auf einmal waren um sie herum, manche der Frauen hatten noch von ihren Freiern den Samen im Leib und ließen sich von ihrer Zunge säubern, andere bevorzugten sie zu ficken, wie sie sonst selbst gefickt wurden, andere wiederum suchten etwas Zärtlichkeit und küssten sie auf den Mund. Manchmal hörte sie schmutzigen Zurufe, die teils auf chinesisch gesprochen wurden. Kleine Pausen waren dazu da um sie zu reinigen, etwas zu essen, zu trinken, auf die Toilette zu gehen. An Schlaf war nicht zu denken.

Am dritten Morgen öffnete sich die Tür – leise, fast ehrfürchtig. Michael trat ein, roch die abgestandene Luft und sah sie dort sitzen, in ein Laken gehüllt, das Gesicht zum Fenster gewandt.

„Guten Morgen, Liebste.“

Regina wandte sich langsam um. Ihre Augen waren müde, aber da war dieses Lächeln – klein, seltsam friedlich.

„Alles Gute zum Hochzeitstag“, sagte er.

Sie nickte.

„War es schön?“

Das Lächeln, das sie ihm schenkte, war das Schönste, was er je gesehen hatte. Und er wusste, sie liebte ihn.

Kommentare


dersensei
dabei seit: Nov '04
Kommentare: 4
schrieb am 25.07.2005:
»whouw, mehr davon!«

sveeeni
dabei seit: Jan '01
Kommentare: 3
schrieb am 25.07.2005:
»Hallo Dark Angel,

deine Storys faszinieren mich immer wieder aufs neue.
Ich bin sehr auf die Fortsetzung gespannt.«

playtom
dabei seit: Sep '04
Kommentare: 10
schrieb am 25.07.2005:
»traumhaft - was soll ich mehr sagen«

Rolf76
dabei seit: Sep '01
Kommentare: 6
schrieb am 25.07.2005:
»Das schreit ja förmlich nach einer Fortsetzung!«

siedeverdom
dabei seit: Dez '04
Kommentare: 1
schrieb am 25.07.2005:
»Hallo Dark Angel!

Ich bin immer wieder begeistert was von dir zu lesen. Auch diesmal wieder eine tolle Geschichte. Hoffentlich gibt es eine Fortsetzung.

Gruß
Wolfgang«

Pandu
dabei seit: Jan '01
Kommentare: 171
schrieb am 25.07.2005:
»Selten, dass mich "so eine" Geschchte gefangen hält! Diese... hat es getan!«

Luzia
dabei seit: Apr '02
Kommentare: 111
schrieb am 26.07.2005:
»guter anfang mehr davon«

Dora44
dabei seit: Jan '01
Kommentare: 69
schrieb am 26.07.2005:
»Eine Top-Story, gratuliere, eine Fortsetzung würde mich freuen.

Gruß Dora«

nicole_1
dabei seit: Dez '03
Kommentare: 1
schrieb am 01.08.2005:
»Bravo! Eine der besten BDSM-Stories, die wir seit langem gelesen haben. Bestehen Aussichten, dass uns der Autor demnächst wieder mit etwas Neuem beglückt - wäre toll.«

Lunedi
dabei seit: Feb '12
Kommentare: 27
schrieb am 10.02.2012:
»Tolle Idee,mehr davon.«


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