Mädelsabend
von Wolfram W Tann
Vorbemerkung
Hinweis für meine Leser*innen: Ich konnte einfach nicht anders, als die Mitte einer Geschichte zuerst zu erzählen – diese Einfälle konnten unmöglich warten, bis der ganze Anfang aufgeschrieben ist.
Mädelsabend ist das Herzstück einer umfangreichen Idee, die in mir wächst. Aber keine Sorge: Niemand muss die Vorgeschichte kennen, um sofort mittendrin zu sein. Meine Figuren tragen ihre Vergangenheit mit sich. In kleinen Rückblicken und Erinnerungen lassen sie am Anfang immer wieder durchblicken, was sie an diesen Punkt gebracht hat.
Viel Spaß mittendrin!
„Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.“ — Johann Wolfgang von Goethe — (Wahlverwandschaften)
Mädelsabend
Das Telefonat am Freitagmorgen war kurz und seltsam atemlos gewesen. Ralf und Alexander waren bereits mit den Kindern auf dem Weg zur Kanutour, die Route perfekt geplant, das Ungesagte fest verzurrt.
Ralfs Stimme beim Abschied hallte noch in Nicoles Ohren nach: „Macht euch einen schönen Mädelsabend und sprecht euch mal richtig aus, wie es für euch war.“ Es war keine Empfehlung gewesen; es war wie ein Befehl, ausgesprochen mit der Sicherheit eines Mannes, der glaubt, die Emotionen seiner Frau durch eine verordnete Aussprache kanalisieren zu können.
Nicole hielt das Handy noch einen Moment fest, als die Leitung schon tot war. Ein flüchtiger, brennender Gedanke schoss ihr durch den Kopf.
Sie erinnerte sich an jenen Abend vor kurzem, als Ralf sie zur Einstimmung plötzlich übers Knie gelegt und ihr den Hintern versohlt hatte. Sie hatte nicht gewusst, wie ihr geschah, die Überraschung war absolut gewesen – aber die Erregung danach war gewaltig, der Sex so intensiv wie seit Jahren nicht mehr.
Für einen winzigen Sekundenbruchteil überlegte sie, ob sie heute Abend einfach ungehorsam sein sollte, kein Mädelsabend, keine Aussprache mit Laura. Nur damit Ralf sie bei seiner Rückkehr wieder so hart rannahm. Damit er ihr zeigte, wer das Sagen hatte, anstatt ihr nur „Befehle“ am Telefon zu erteilen. Doch dann schüttelte sie den Kopf.
Nicht jetzt. Jetzt war sie dran.
Sie wählte Lauras Nummer, doch es war besetzt. Erst beim dritten Versuch kam sie durch.
„Wollte Alex dich auch gerade 'instruieren'?“, fragte Nicole, ohne eine Begrüßung abzuwarten.
„Ja“, antwortete Laura leise. „Er hat es mir gerade gesagt. 'Von Mann zu Mann' wollen sie reden. Wir sollen das Erlebte auch 'sacken lassen'.“
„Dann lass es uns sacken lassen“, sagte Nicole mit einer plötzlichen Entschlossenheit. „Aber nicht bei einem Tee in der Küche. Wir gehen ins Bahnhofsviertel. Wir machen das, was wir früher getan haben, bevor wir ... ordentlich wurden. Wir suchen uns etwas zum Anziehen, das uns daran erinnert, wer wir eigentlich sind, wenn unsere Männer nicht zusehen.“
Zwei Stunden später standen sie in der Stadt, getrieben von einem nervösen Tatendrang.
Sie mieden die vertrauten Geschäfte der Vorstadt und steuerten direkt auf die Boutique zu, die für ihre gewagten Schnitte und feinen Stoffe bekannt war.
Es war die Vorbereitung auf ihren Perspektivwechsel.
Nicole betrachtete ihr Spiegelbild in der engen Kabine der Boutique. Die weiße Seidenbluse war so fein, dass sie fast wie ein Hauch von nichts auf ihrer Haut lag.
Sie verzichtete bewusst auf den BH.
Während Laura in der Nachbarkabine mit ihrer zierlicheren Figur in der Bluse beinahe verloren wirkte, füllte Nicoles deutlich üppigere Brust – gut zwei Körbchengrößen mehr als bei ihrer Freundin – den Stoff prall aus. Bei jeder Bewegung spannte sich die Seide provokant über ihre Kurven.
„Wie sieht es aus?“, fragte Laura und trat heraus. Nicole sah ihre Freundin an. Lauras Brustwarzen zeichneten sich deutlich unter dem dünnen Stoff ab; sie schienen sich, wie so oft, nie ganz zurückzuziehen, als stünden sie in einem permanenten Zustand der Erwartung.
„Wir sehen aus wie früher“, flüsterte Nicole. In diesem Moment schoss ihr das Bild von Alexanders Praxis in den Kopf. Sie spürte wieder den kühlen Druck seiner Finger, als er ihre Brust abgetastet hatte – jene medizinische Routine bei Alexander von Ritter, die sie mit diesem einen, alles verändernden Kuss gesprengt hatte.
Dieser Kuss war der Ursprung des Partnertausches gewesen, das Beben, dessen Nachwirkungen sie heute Abend endlich besprechen mussten.
Ralf hatte ihnen am Grillabend keine Wahl gelassen. Sein Schlag auf den Tisch, die analoge Landkarte und die Ansage der Kanutour hatten Fakten geschaffen. Für die Männer!
„Ihr solltet einen Mädelsabend machen, wie früher und euch austauschen, wie es für euch war“, hatte er gesagt; es hörte sich jedoch an wie ein Befehl.
Ralf wollte, dass sie redeten. Er wollte, dass sie das Erlebte sacken ließen, während er mit Alex „von Mann zu Mann“ ins Reine kam.
„Lass uns die weißen Seidenblusen mit dem kurzen Ärmel nehmen“, sagte Laura entschlossen. „Keine Ausreden mehr. Wenn unsere Männer im Wald hocken und damit prahlen, wie toll die Frau des anderen war, dann haben wir das Recht, heute herauszufinden, wer wir ohne sie sind.“
„Dann nehmen wir diese dazu“, entschied Nicole und zog zwei identische, tiefschwarze Röcke vom Ständer. Sie waren aus einem leichten, fließenden Viskosestoff, der bei jeder Bewegung keck mitschwang.
Angezogen wurde die Provokation perfekt: Die Säume endeten weit oberhalb der Knie, viel kürzer, als sie es in der Vorstadt jemals gewagt hätten.
„Der bedeckt ja gerade etwas mehr als meinen Po“, stellte Laura fest, während sie im Spiegel beobachtete, wie der Rock ihre Hüften umschmeichelte. „Alexander würde die Krise bekommen. Er hält uns für seine 'braven Mädchen', die zu Hause den Haushalt führen.“
Nicole strich den Stoff an ihren Oberschenkeln glatt. „Sie wollten, dass wir wie früher sind. Das hier... das ist so 'früher', wie es nur geht. Nur heute wissen wir, was wir tun.“
Um es zu beweisen, holten beide Schwung. Immer schneller, wie zwei Teenager, die sich unbändig freuten, drehten sie sich lachend vor dem großen Spiegel der Boutique, bis die Röcke hoch aufwirbelten. Für mehrere Sekunden gab er nicht nur den Blick auf ihre Schenkel frei, sondern entblößte ungeniert den hellen Stoff ihrer Alltagsslips.
Atemlos hielten sie inne. Das Lachen erstarb in einem plötzlichen, heißen Prickeln, als sie ihre Spiegelbilder fixierten.
„Das geht so nicht“, flüsterte Laura und sah an sich herab. „Wenn wir uns heute Abend bewegen, sieht man alles. Unsere Slips sind viel zu normal. Da sieht doch gleich jeder, wie bürgerlich brav wir sind.“
Nicole strich ihren Rock glatt, ihre Augen glänzten.
„Dann werden wir nachbessern. Slips aus schwarzer Seide mit feiner Spitze oder gleich zwei Tangas? Wenn schon Provokation, dann richtig. Ein kleines schwarzes Dreieck für mein Dreieck und deine feine Linie“, kicherte Nicole. „Schließlich wollen wir heute Abend die Blicke aller Männer auf uns ziehen.“
Der Kontrast zwischen der provokanten, weißen Seide oben und der schwarzen, knappen Kürze unten verwandelte Nicole und Laura endgültig.
Sie zahlten und verließen die Boutique mit einem Hochgefühl, das beide seit langem nicht mehr gespürt hatten. Es war der Aufbruch auf ihren ganz eigenen, gemeinsamen Kriegspfad der Verführung.
Sie brauchten keine Aussprache.
Und schon gar keine, die sie von ihren Männern verordnet bekommen hatten – sie wollten das Wagnis eines echten Seitensprungs. Der Partnertausch hatte Appetit auf mehr gemacht, und dieses nächste Abenteuer wollten sie als verschworenes Team Seite an Seite erleben.
Die Stunden bis zur Dämmerung vergingen in einem Zustand zwischen Vorfreude, Nervenkitzel und der nervösen Ahnung, eine Grenze zu überschreiten.
In Nicoles Wohnung verwandelte sich das Badezimmer in eine geschützte Schleuse zu dieser neuen Welt. Die dicke Luft war erfüllt vom Duft von Jasmin-Parfüm, Haarspray und der feuchten Wärme der Dusche.
Es war ein uraltes, vertrautes Ritual unter besten Freundinnen, sich für das Ausgehen fertig zu machen – und doch war heute alles anders. Jede bürgerliche Distanz, jede restliche Scham blätterte hier, zwischen den hellen Fliesen, Schicht für Schicht von ihnen ab.
Nachdem sie die neuen, hauchdünnen Tangas übergestreift hatten, traten sie gemeinsam vor den großen, leicht beschlagenen Spiegel. Der Kontrast zwischen ihren Körpern war unübersehbar.
Nicole betrachtete Lauras zierliche, feingliedrige Gestalt, die Brüste, die kaum eine Handvoll waren, aber von großen, dunklen Warzenhöfen und permanent steil aufragenden Nippeln gekrönt wurden, und Lauras fest gefügte, eng geschlossene Vulva.
Laura sah im Spiegel Nicoles reife, schwere Brüste, die die Weiblichkeit zweier Schwangerschaften und der Stillzeit in sich trugen, stolz und ungebändigt. Ihr Blick wanderte im Glas weiter nach unten zu Nicoles Vagina, die durch die natürlichen Geburten etwas weicher wirkte und die inneren Schamlippen sowie die Eichel der Klitoris unter dem schmalen Steg des Höschens erahnen ließ.
Doch der extrem knappe Schnitt der schwarzen Seide verzieh keine Nachlässigkeit.
„Dreh dich mal zu mir“, sagte Laura, nahm den Rasierer vom Rand des Waschbeckens und kniete sich vor ihre Freundin. Nicoles dunkles Schamhaardreieck saß zwar bereits kompakt auf dem Venushügel, doch Laura säuberte zuerst die oberen Linien mit kurzen, präzisen Zügen der Klinge, um die Form perfekt auf den Tanga abzustimmen. Danach schob sie den schmalen Seidensteg im Schritt zur Seite, denn auch weiter unten, dort wo die äußeren Schamlippen verliefen, verlangte das knappe Höschen nach absoluter Makellosigkeit.
Nicole legte eine Hand auf Lauras Schulter, um das Gleichgewicht zu halten, und atmete flach ein. Sie spürte das kühle Metall und kurz darauf den warmen Rasierschaum. Mit unendlicher Vorsicht und der Präzision einer Chirurgin zog Laura die weiche Haut an den äußeren Schamlippen mit zwei Fingern straff, damit die Klinge ungehindert gleiten konnte. Kein Wort fiel. Das leise, schabende Geräusch der Klinge war das einzige Versprechen in der Stille – eine stumme Verschwörung, die sie auf der nackten Haut besiegelten.
Als Laura aufstand, reichte sie Nicole den Rasierer. Laura war bis auf einen hauchdünnen Strich komplett rasiert, doch die nachgewachsenen, feinen Stoppeln direkt daneben mussten peinlich genau weichen, um die feine Linie messerscharf zur Geltung zu bringen. Nicole kniete sich vor ihre Freundin. Sie spürte die warme, ebenmäßige Glätte von Lauras Haut und führte die Klinge mit einer sanften aber auch unerbittlichen Gewissenhaftigkeit, bis alles seidenweich und makellos war.
Spätestens jetzt, als jeweils das kleine schwarze Dreieck des Tangas wieder perfekt auf der frisch rasierten, warmen Haut lag, wurde aus dem Spiel Ernst. Sie waren keine Vorstadtfrauen mehr. Sie waren Komplizinnen.
Als dann die feine Seide der Blusen über die nackte Haut glitt und die kurzen Röcke zurechtgezupft waren, hatten beide ein rauschhaftes Gefühl von lange vermisster Freiheit.
Als sie schließlich das Taxi verließen und am Rand des Bahnhofsviertels standen, fühlte sich die kühle Abendluft auf ihren unbedeckten Dekolletés wie eine erste, fremde Berührung an. Die dahindämmernde Vorstadt lag meilenweit hinter ihnen.
Sie gingen tiefer hinein in die Gassen hinter dem Hauptbahnhof.
Der Geruch nach billigem Frittierfett, abgestandener Luft und dem süßlichen Duft von Haschisch schwebte wie ein Schleier über ihnen. Aus den offenen Türen der Sex-Schuppen drang aggressives Gegröle; Neonlichter in schreiendem Pink und Giftgrün warfen bizarre Schatten auf das Pflaster.
Ein stämmiger Türsteher mit Goldkette trat ihnen in den Weg, sein Blick glitt taxierend über Nicoles Outfit und auf die großen Brüste, die dieses Nichts von Bluse spannten.
„Na, Mädels? Wollt ihr mal sehen, was richtige Männer können?“, raunte er, fixierte Laura mit einem schmierigen Grinsen: „Da zeichnet sich ja schon ab, worauf du wartest. Lass da mal meine Finger ran, ich würde es dir besorgen, wie du es zu Hause noch nie erlebt hast“, tönte er und formte mit Zeigefinger und Daumen seiner linken Hand einen Kreis, indem er den Zeigefinger seiner rechten Hand verschwinden ließ und wieder hervor zog. Ein paar Mal nacheinander. Eine Geste, die keine Fragen offenließ.
Laura wich angewidert aus, ihr Herz hämmerte bis zum Hals. Nicht nur vor Schreck. Die vulgären Worte des Fremden trafen sie wie ein Schlag, denn sie rissen ein Bild in ihr auf, das sie tief in sich verschlossen geglaubt hatte.
„Er wird einfach hart zupacken, ausdauernd, bis ich meinen Namen vergesse.“ Genau das hatte sie Alexander ins Gesicht geschleudert, als sie von Ralfs schwieligen Händen träumte.
Dass ausgerechnet dieser schmierige Kerl im Bahnhofsviertel nun ihre geheimste Sehnsucht als billige Anmache vor sie hinspuckte, ließ sie erschaudern.
Nicole hielt dem Blick des Mannes stand. Ein gefährliches Lächeln umspielte ihre Lippen, während ihre Augen fasziniert zu den Frauen am Bordstein wanderten, die in ihren kniehohen Stiefeln und den knappen Röcken rauchend auf Kundschaft warteten.
Diese offenkundige, käufliche Sexualität war eine Welt, die sie nur aus Filmen kannte – und die sie in diesem Moment seltsam berauschte.
Es war die reine, ungeschminkte Wahrheit des Begehrens, die sie hier anstarrte, frei von jedem bürgerlichen Schein. Und anstatt zurückzuweichen, suchte Nicole insgeheim die Herausforderung dieser rohen Atmosphäre.
„Widerlich“, zischte Laura nachdem sie sich wieder etwas gefangen hatte, griff nach Nicoles Hand und beschleunigte ihren Schritt.
„Lass uns ein Taxi nach Hause nehmen.“ Sie wollte nur noch weg, zurück in ihre vertraute Vorstadt.
„Warte“, sagte Nicole ruhig. Sie blieb vor einem unscheinbaren Backsteingebäude stehen. Im Gegensatz zu den schreienden Reklamen in der Umgebung war hier nur ein einziges, elegantes Leuchtschild angebracht: fast goldene, geschwungene Schrift auf tiefrotem, pulsierendem Grund.
„L’ENTRE“ — die eleganten Buchstaben schienen im Rhythmus eines schlagenden Herzens zu leuchten und tauchten ihre hellen Blusen in ein tiefes, verfängliches Karminrot. „Tanzen ohne Tabu“, las Nicole leise vor, und ein unsicheres Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Es klang nach einer Erlaubnis, nach einem Ort, an dem die Enge ihrer Vorstadt-Moral keine Gültigkeit besaß.
„Vielleicht ist das genau das, was wir brauchen, Laura. Keine grölenden Typen, keine plumpe Anmache auf niedrigem Niveau. Wenn wir uns dieses Wagnis holen, dann zu unseren Bedingungen. An einem Ort, an dem wir uns nehmen können, was wir wollen – und wo uns niemand als Mutter oder Ehefrau katalogisiert.“
Laura zögerte, doch das elegante Design des Schildes beruhigte ihre bürgerlichen Instinkte; es sah teuer aus, exklusiv und vor allem sicher.
„Einmal tanzen“, pflichtete sie bei und rückte den Saum ihres kurzen Rockes zurecht, während sie den Blick fest auf den Eingang richtete. „Nur tanzen und alles vergessen, was in der Tauschnacht passiert ist.“
Sie stiegen die Treppe hinunter, und mit jeder Stufe wurde das Licht dunkler, schwerer, violetter. Als sie den Hauptraum des L'ENTRE betraten, schlug ihnen eine Atmosphäre entgegen, die so gar nichts mit dem harten, schmutzigen Gegröle der Straße zu tun hatte. Hier drinnen war alles ästhetisch, gedämpft und von einer fast sakralen Freizügigkeit.
Nicole und Laura blieben am Rand der Tanzfläche stehen, unschlüssig, wo sie hingehören sollten. Ihr Blick blieb sofort an der Mitte des Raumes hängen. Dort bewegten sich Männer, deren Körper wie aus Marmor gemeißelt schienen. Einer von ihnen trug nichts als einen schwarzen Lederharnisch, der seine muskulöse Brust betonte. Seine Bewegungen waren geschmeidig, kraftvoll und völlig losgelöst von der Welt um ihn herum.
Direkt daneben tanzten Frauen miteinander, versunken in den harten Rhythmus der Bässe.
Nicole bemerkte, dass fast alle von ihnen enge Halsbänder aus Leder oder Lack trugen. Manche waren schmal und zierlich, andere breit und massiv, besetzt mit schweren, silbernen Ringen an der Vorderseite, die im Stroboskoplicht aufblitzten.
Ein paar wenige Frauen trugen Bänder ohne jeden Schmuck, bewegten sich mit einer stolzen, fast unnahbaren Eleganz.
Nicole und Laura verstanden die Bedeutung dieser Zeichen nicht, aber die offenkundige Vertrautheit und die autarke Lust dieser Frauen übten eine seltsame Faszination auf sie aus.
„Sieh dir den mit dem Schlangentattoo auf dem Bizeps an“, flüsterte Laura mit einem Zittern in ihrer Stimme. „Er ist ... ist doch perfekt. Perfekt für unseren ersten Dreier.“
Sie beobachteten ihn fasziniert. Es war eine neue Art von Voyeurismus: Diese Männer waren jung, durchtrainiert und strahlten eine archaische Männlichkeit aus – doch sie blickten an Nicole und Laura vorbei, als wären sie aus Glas. Männer zu Männern. Frauen zu Frauen. In ihren Augen existierte nichts anderes.
„Sie sehen uns gar nicht“, hauchte Nicole, und ein Stich von Enttäuschung mischte sich in ihre Erregung. „Wir könnten nackt hier stehen, und sie würden sich nicht einmal umdrehen. So knackig ... und so vollkommen unerreichbar für uns.“
***
Jennifer genoss die kühle Frische ihres alkoholfreien Drinks und beobachtete das Treiben auf der Tanzfläche von ihrem Logenplatz an der Galeriebar aus.
Sie hatte längst registriert, wie eine blutjunge Frau mit dem schmalen Sklavenhalsband der Anfängerinnen seit gut zwanzig Minuten um sie herumschwänzelte. Wie ein scheues Tier, das sich nicht an die Tränke traute.
Ein vertrautes, leises Amüsement stieg in Jennifer auf. Sie war nicht abgeneigt, das Spielchen mitzuspielen – bis ihr Blick zur Treppe wanderte.
Dort stiegen zwei Frauen in die violett ausgeleuchtete Tiefe des Clubs hinab.
Der Kontrast hätte nicht größer sein können. Die weiße Seide der Blusen, der teure, aber dezente Schmuck, die Eheringe, die Art, wie sie die Handtaschen fast wie Schutzschilde vor sich hertragen: Das ist die pure, ungebrochene Hetero-Vorstadt.
„Verzeihen Sie die Störung...“, begann in diesem Moment eine leicht zitternde Stimme neben ihr. Die Fremde hatte endlich den Mut gefasst und war an sie herangetreten, den Blick demütig gesenkt, und im fahlen Clublicht schimmerte der kleine, silberne Ring an ihrem schmalen Halsband. „Sind Sie nicht ... Seductrix?“
Jennifer wandte den Kopf nicht um. Ihr Blick blieb fest auf die beiden Neulinge unten am Rand der Tanzfläche geheftet. „Wer will das wissen? Kenne ich dich?“
„Ich ... ich habe Sie und Ihre Sklavin Favea kürzlich bei einer Vorführung im OCCULTUM gesehen“, stammelte die Frau, unfähig, den Blick von Jennifers Dominahalsband zu wenden. „Das hat mir unglaublich gefallen. Ich würde Sie gerne näher kennenlernen.“
Ein schmales Lächeln stahl sich auf Jennifers Lippen. „Hier und heute bin ich privat hier. Und ich habe den Eindruck, dass du es darauf anlegst, bei mir im Bett zu landen.“ Sie drehte sich langsam um, fixierte die Fremde mit ihren grünen Augen.
„Hast du denn im OCCULTUM nicht aufgepasst? Ich verlange absoluten Gehorsam.“
„Ich werde Ihnen gerne gehorchen!“, hauchte die Frau atemlos. „Sagen Sie mir, was ich tun soll.“
„Gut. Dann kannst du deinen ersten Gehorsam mir gegenüber genau jetzt beweisen.“ Jennifer deutete mit einer minimalen Kinnbewegung nach unten.
„Siehst du die beiden Frauen dort unten in den weißen Seidenblusen? Das ist mein Wild, das ich heute erlegen werde. Du wirst mir heute nicht mehr unter die Augen kommen, verstanden?“
Jennifer trat einen Schritt näher, sodass ihr Atem die Wange der Fremden streifte.
„Komm morgen Nacht ins OCCULTUM. Solch ein Event lasse ich mir nicht entgehen. Du wirst mich ansprechen – ich erlaube es dir ausdrücklich. Und du wirst mir exakt folgenden Satz sagen: Herrin Seductrix, ich habe Sie gestern unaufgefordert angesprochen. Ich erwarte nun meine Strafe für dieses ungebührliche Verhalten. Hast du das verstanden?“
Die Fremde schluckte, unfähig, den Blick aus Jennifers grünen Augen zu lösen. „J... ja, Herrin Seductrix.“
„Jetzt verschwinde — ich werde jagen!“
Sie verneigte sich demütig und trat wortlos den Rückzug an.
Jennifer sah ihr nicht nach. Sie stellte ihr Glas ab.
Ich liebe diese Momente.
Gut, dass ich diesen Platz gewählt habe und so die beiden Frauen beobachten konnte, seit sie zögerlich die violett ausgeleuchtete Treppe hinabgestiegen sind.
Diese beiden, die ihr Leben vermutlich in wohlgeordneten Bahnen verbringen, in Betten, die nach Weichspüler riechen, und an der Seite von Männern, deren Begehren so vorhersehbar geworden ist wie der wöchentliche Einkaufszettel.
„Sie spielen Kriegspfad“, denke ich, und ein vertrautes, heißes Prickeln breitete sich auf meiner Haut aus.
Ich sehe es an der aufrechten Haltung der Dunkelhaarigen, an dem herausfordernden, fast schon trotzigen Blick, mit dem sie den Raum taxiert.
Die beiden sind heute Nacht ausgezogen, um zu jagen. In ihren unschuldig weißen, halb durchsichtigen Seidenblusen wollen sie sich nehmen, was ihnen zusteht, wollen die Funken einer Männlichkeit spüren, die sie in ihrem Alltag vermissen.
Doch sie haben keine Ahnung, wie man die Waffen führt. Ihre Strategie ist plump, veraltet, geschmiedet aus den Klischees der Vorstadt, und hier drinnen vollkommen wirkungslos.
Sie haben sich mit viel zu rotem Lippenstift und kräftigem Rouge maskiert, und die kleine, einsame rote Strähne in dem blonden Haar der einen wirkt auf mich wie ein rührendes, stilles Hilfesignal. Sie wollen gefährlich wirken, aber sie haben sich nur als Beute verkleidet, die darauf wartet, erlegt zu werden.
Ein amüsiertes Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen, während ich beobachte, wie die beiden Jägerinnen an der unnahbaren Welt dieser Männer hier in der Tanzbar zerschellen. Sie suchen nach Blicken, die ihnen nicht gehören, und nach einer Bestätigung, die sie hier niemals finden werden. Genau das ist mein Moment!
Sie glauben, sie wären heute die Jägerinnen, und ahnen nicht, dass das wahre Raubtier dieser Nacht ganz friedlich an seinem Drink nippt und sie nicht aus den Augen lässt.
Ich werde diese vermeintlichen Jägerinnen in ihre eigene Falle tappen lassen – ich werde sie erobern. Ich werde ihr Begehren umlenken, ihre Koordinaten völlig neu ausrichten und ihnen zeigen, wie schutzlos sie wirklich sind, wenn man die Regeln des Spiels beherrscht.
Ich nippe an meinem Drink und spüre, wie die vertraute Jagdlust in mir erwacht.
Eine Frau zu verführen, die ohnehin Frauen liebt?
Langweilig. Das ist Alltag, das ist Routine. Das hätte ich eben locker haben können.
Da gibt es keinen Widerstand, kein echtes Wagnis.
Meine wahre Befriedigung, der eigentliche Rausch meines Lebens, liegt im Einbruch in das Unbekannte. Ich werde die Festungen stürmen, selbst wenn sie sich für uneinnehmbar halten.
Ich werde es auskosten und mit jeder Faser genießen, wie diese beiden Heterofrauen unter dem Druck meiner Blicke und Worte sich selbst verlieren und mir freudig geben, was ich fordere – und sei es der totale Verrat an allem, was ihnen bisher heilig war.
Ich werde ihre Grenzen austesten. Wird es das feine, berechnende Spiel sanfter Streicheleinheiten sein müssen, das sie gefügig macht, oder braucht es die unerbittliche Strenge der Peitsche?
Ich werde spüren, wie das feine Frösteln der Verunsicherung über ihre nackten Arme kriecht, während sich unter der hauchdünnen Seide ihrer Blusen die Hitze der Scham und des heimlichen Begehrens staut.
Ich werde sehen, wie sich ihre Kehlen verengen, wenn sie nach Luft schnappen, die plötzlich schwer von einer Faszination wird, die sie nicht begreifen können.
Ich werde ihre Psyche sezieren, jede verborgene Sehnsucht ausloten und das feine Netz aus Lust und psychischem Schmerz so meisterhaft spannen, bis ich mich an ihrer bedingungslosen Unterwerfung weiden kann.
Ihr bürgerliches Fundament wird Risse bekommen, und die mühsam kontrollierte Fassade wird in Flammen aufgehen.
Ich beobachte, wie die Blonde den Atem anhält, während ihr Blick an dem Tänzer im Lederharness und dem Schlangentattoo auf seinem Bizeps klebt. Sie stecken die Köpfe zusammen, flüstern sich etwas zu, und für einen flüchtigen Moment gleiten ihre Zungen fast synchron über die trocken gewordenen Lippen.
Ein gieriger, unbewusster Reflex, den sie selbst gar nicht bemerken.
Ein spöttisches, fast zärtliches Lächeln legt sich auf meine Lippen. Diese Signale sind unmissverständlich.
Ich sehe das verräterische Zittern in den Schultern der Blonden, während sich die Dunkelhaarige mit einer fahrigen, kecken Bewegung eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht.
Ihr Blick flackert unruhig, während ihre eisigen Finger das Glas umklammern, an dem das Kondenswasser nervös abperlt.
Die absolute, autarke Ignoranz der schwulen Männer auf der Tanzfläche spielt mir perfekt in die Karten.
Diese Unerreichbarkeit ist meine beste Waffe: Sie wird den stolzen, weiblichen Narzissmus dieser Vorstadt-Schönheiten nicht einfach nur verletzen – sie wird ihn hungrig machen.
Hungrig nach Blicken.
Hungrig nach Berührung.
Hungrig nach Bestätigung.
Und diesen Hunger werde ich mit Vergnügen stillen.
Ich stelle mein Glas ab. Es ist Zeit, die Galerie zu verlassen und den beiden Fremden zu zeigen, dass die gefährlichste Versuchung in dieser Nacht nicht von den Männern auf der Tanzfläche ausgeht.
***
Es war eine tiefe, ungewohnte Frustration, die jedoch mit jedem Atemzug einer dunklen Faszination wich. Dieses Gefühl, zum ersten Mal in ihrem Leben als begehrenswerte Frauen ignoriert zu werden, wirkte wie ein Brandbeschleuniger für ihr eigenes, unterdrücktes Verlangen.
Sie fühlten sich plötzlich klein, fast schon unbedeutend in dieser Welt der fremden Lust. Die Frauen- und Männerpaare, die sich in den dunklen Nischen eng umschlungen hielten, verstärkten dieses Gefühl der Ausgrenzung noch.
Es war irgendwie bizarr, fast unwirklich.
Gleichzeitig weckte die Szenerie eine schlafende Neugier in ihnen – ein plötzliches Verlangen nach einer Aufregung, die ihr durchorganisierter Alltag zu Hause schon lange nicht mehr bereitgehalten hatte.
Die Atmosphäre hielt sie inzwischen wie magisch gefesselt.
In einer der samtbezogenen Nischen fanden sie einen kleinen, abseits gelegenen freien Tisch. Ein junger Kellner, der außer einer knappen schwarzen Weste kaum etwas trug, nahm schweigend ihre Bestellung auf und brachte kurz darauf zwei Cocktails.
Nicole umklammerte ihr Glas, als wäre es ein Rettungsanker, während sie immer wieder verstohlen zur Tanzfläche schaute, zu dem Mann mit dem Schlangentattoo, der für sie ein Symbol für alles wurde, was sie heute Nacht zwar sehen, aber niemals besitzen durften.
„Man hat uns hier vergessen“, sagte Laura leise, fast ein wenig wehmütig.
„Nicht ganz“, erklang eine kühle, melodische Stimme direkt hinter ihnen.
Nicole und Laura zuckten zusammen. Jennifer stand da, die rote Mähne im violetten Licht fast schwarz wirkend. Sie hatte den Moment abgepasst, in dem ihre bürgerliche Arroganz durch die Ignoranz der Männer gebrochen war. Sie war die Einzige in diesem Raum, die sie wirklich sah.
„Die Männer hier suchen keine Bestätigung in euren Augen“, sagte Jennifer und setzte sich mit einer selbstverständlichen Eleganz an ihren Tisch. „Sie sind frei. Und ihr? Ihr seid hierhergekommen, um herauszufinden, ob ihr es auch sein könnt.“
Nicole und Laura starrten Jennifer an, als wäre sie eine Erscheinung aus einer anderen Dimension. In der gedämpften, violetten Tiefe der Nische wirkte sie nicht wie ein Gast unter vielen, sondern wie die fleischgewordene Essenz dieses faszinierenden Ortes.
Ihr hochgeschlossener, ärmelloser schwarzer Body aus feinem Rippstrick umschloss ihren Oberkörper so lückenlos, dass jede Regung ihrer sehnigen Muskulatur sichtbar wurde. Auf den nackten Armen wanden sich von den Schultern bis zu den Handgelenken dunkle Schlangentattoos. Es war eine vollkommene modische Verweigerung gegenüber den fast transparenten Seidenblusen, in denen sich Nicole und Laura plötzlich deplatziert und seltsam entblößt vorkamen.
Besonders Nicoles Blick blieb an Jennifers Stiefeln hängen. Das tiefschwarze Glattleder reichte bis knapp unter die Knie, fest und unnachgiebig geschnürt. An der Innenseite blitzte der silberne Lauf des Reißverschlusses im Takt des Deckenlichts auf.
Wie selbstverständlich setzte sich Jennifer zu ihnen, genau gegenüber, und schlug die Beine lässig übereinander. Das feste Leder ihrer Stiefel wirkte im Vergleich zu den nackten, weichen Knien der beiden Freundinnen wie eine Rüstung. Das schmale, schwarze Lederband um ihren Hals unterstrich diese kühle Autorität. Sie strahlte eine Ruhe aus, die Nicole und Laura in diesem Moment völlig fehlte.
Sie war nicht hier, um zu tanzen oder gesehen zu werden – sie war hier, um zu erobern.
„Ich bin Jennifer“, sagte die Rothaarige, und ihre tiefe, rauchige Stimme schnitt mühelos durch das Wummern der Bässe. Ihr Blick wanderte langsam von Nicole zu Laura, taxierte sie mit kalkulierender Schärfe. „Und wie alt seid ihr zwei hübschen Dinger?“
Als Nicole und Laura fast wie aus der Pistole geschossen den Jahrgang 1987 nannten, legte Jennifer den Kopf leicht schief. Ein schmales, wissendes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Neununddreißig“, sagte sie anerkennend, und ihre Stimme klang fast wie ein sanftes Streicheln. „Ich bin erst sechsundzwanzig.“
Das Lob ihrer eigenen Jugend schwang wie eine subtile Provokation im Raum, während sie sich ein Stück näher über den Tisch beugte. „Ihr seid verdammt attraktiv, wisst ihr das? Ich glaube … wir werden heute Nacht verdammt viel Spaß miteinander haben.“
Nicole und Laura rückten in der samtbezogenen Nische eng zusammen, ihre Schultern berührten sich fast. Unter der Tischplatte hielten sie ihre Hände fest ineinander verschränkt – ein stummer Pakt der Verbundenheit, ein kleiner Anker der Normalität gegen diese flirrende, fremde Welt des L'ENTRE.
Die Musik pulsierte schwer durch den Raum, ein tiefer Bass, der eher im Magen als im Ohr zu spüren war. Um sich zu verständigen, mussten sie sich weit über den Tisch beugen, ihre Köpfe fast zusammenstecken, während das violette Licht ihre Gesichter in unnatürliche Schatten tauchte.
Jennifer beobachtete sie mit einer gelassenen Ruhe. Während sie langsam an ihrem Glas nippte, hob sich ihr nackter Arm. Die dunklen Schlangenlinien auf ihrer Haut schienen im violetten Licht lebendig zu werden.
Wie gebannt starrte Laura auf die Bewegungen der Schlangenlinien. Diese Tattoos versprachen eine Abgründigkeit, die der Bizeps des Mannes vorhin gar nicht besitzen konnte. Jennifers Augen fixierten die goldenen Eheringe an ihren Fingern.
„Schöne Ringe habt ihr da“, begann sie, und ihre Stimme war trotz des Lärms klar und beinahe ehrfürchtig. „Sehr klassisch. Sehr... beständig.“
Sie schenkte ihnen ein Lächeln, das etwas Sehnsüchtiges, fast Bewunderndes an sich hatte.
„Aber sagt mal... was führt zwei so attraktive, verheiratete Frauen eigentlich allein in eine Bar wie diese? Haben eure Männer euch offiziell Ausgang gewährt, oder ahnen sie gar nicht, wie gefährlich ihr heute Abend in diesen Blusen ausseht? Fast bräuchtet ihr einen Waffenschein für das, was ihr darunter so selbstbewusst weggelassen habt.“
Nicole und Laura lachten, sichtlich entspannt durch das Kompliment. Sie erzählten von der Kanutour der Männer und den Kindern an diesem Wochenende – dem Inbegriff bürgerlicher Idylle.
Jennifer hörte aufmerksam zu, nickte und spiegelte ihre Normalität, während ihre Augen in der violetten Dämmerung des Clubs wachsam blieben.
„Puh, diese Stiefel“, unterbrach Jennifer das Gespräch mit einem Seufzen und rieb sich kurz über den Schaft. „Ich glaube, ich habe sie heute Morgen doch ein bisschen zu streng geschnürt. Manchmal übertreibt man es mit der Disziplin... Ich muss sie mal kurz lockern.“
Jennifer beugte sich nach vorne und verschwand unter der Tischkante. Nicole und Laura sahen nur noch ihre Schultern. Sie dachten, sie nestle an der aufwendigen Schnürung, um den Druck von ihren Waden zu nehmen.
Doch unten, im schützenden Schatten der Nische, ignorierte Jennifer vorerst ihre Stiefel komplett.
Ihr Blick wanderte ungeniert und zielgerichtet die nackten Beine der beiden Frauen hinauf, erfasste die weiche, im Halbdunkel schimmernde Haut oberhalb der feinen Netzstrümpfe, dort, wo die schmalen, schwarzen Halter sich in das Fleisch drückten.
Durch den extrem kurzen Schnitt der Röcke und die nachgiebige Haltung auf der Bank lag die Intimität der beiden Frauen völlig schutzlos vor ihr.
Jennifer registrierte mit diesem heimlichen, raubtierhaften Blick: Sie hatten keine praktische Alltagswäsche von Vorstadtmüttern an. Ihre eleganten, schwarzen Spitzen-Tangas hoben sich scharf und provokant von der hellen Haut ab. Das war wie eine Einladung.
„Schwarze Dreiecke auf den Dreiecken“, dachte Jennifer.
Ein warmes Gefühl des Triumphs stieg in ihr auf. Diese Frauen hatten sich heute Abend für weit mehr als nur „tanzen“ schick gemacht – sie hatten sich perfekt präpariert für sie.
Ein feines, gefährliches Lächeln stahl sich auf Jennifers Gesicht. Eine Idee keimte in ihr auf.
Sie löste nicht die Schnürung. Stattdessen griff sie nach den silbernen Reißverschlüssen an der Innenseite ihrer Stiefel. Ein kurzes, fast lautloses Ritsch auf jeder Seite.
Dann streifte Jennifer die engen Lederstiefel ab und stellte sie beiseite. Danach zog sie noch ihre Strümpfe aus. Diese versanken nutzlos im Schaft des Leders.
Ihre Füße waren nun nackt und frei.
Als sie wieder auftauchte, lag in ihren Augen die absolute Gewissheit der Jägerin.
Jennifer spürte die tiefe, unendliche Ruhe von jemandem, dessen Falle bereits zugeschnappt war. Sie strich sich die rote Mähne aus der Stirn und sah die beiden Frauen mit einer neuen, gelassenen Souveränität an.
„Kanutour... das klingt so richtig solide“, setzte sie das Gespräch fort. Ihre Stimme war vollkommen ruhig, sanft und besaß eine Melodie, der sich Nicole und Laura nicht entziehen konnten.
„Aber ihr beide wirkt auf mich gar nicht so solide“, fuhr Jennifer leise fort. Ihr Blick glitt langsam von Nicole zu Laura. „Ihr wirkt eher... aufgeladen. Als hättet ihr eine Schwelle überschritten.
Etwas, das ihr hier im Dunkeln verarbeiten wollt.“
Ein kurzes Schweigen entstand. Die Clubmusik schien für einen Moment in den Hintergrund zu treten.
Nicole spürte, wie ihr Herz heftiger schlug. In Jennifers Worten schwang kein Vorwurf mit. Für Nicole fühlten sie sich an wie ein schützender Hafen nach einer stürmischen Nacht. Hier durfte die innere Unruhe endlich zur Ruhe kommen.
„Verarbeiten?“, fragte Nicole leise und versuchte, ein nervöses Lächeln zu überspielen. „Wie meinst du das?“
Jennifer neigte den Kopf leicht zur Seite. Ihre Augen strahlten eine tiefe, verständnisvolle Herzlichkeit aus.
„Ihr tragt ein süßes Geheimnis mit euch herum“, sagte sie mit einer sanften Gewissheit. „Man sieht es an eurer Energie. Ihr sucht Antworten. Aber ihr sucht sie ganz ohne eure Ehemänner. Warum seid ihr eigentlich nicht mit auf der Kanutour?“
„Weil …“, Nicole tauschte einen schnellen Blick mit Laura. In Lauras Augen lag kein Protest, sondern pure, erleichterte Faszination.
Die Wärme an diesem Tisch zog sie beide magisch an.
„Wir haben keine Geheimnisse voreinander“, flüsterte Nicole schließlich. Sie beugte sich noch ein Stück weiter vor. „Wir müssen tatsächlich etwas verarbeiten.“
Jennifer nickte langsam. Ihr Blick war voller Mitgefühl. Sie legte nicht die Hand auf den Tisch, aber ihre ganze Haltung strahlte absolute Diskretion aus.
„Das habe ich gespürt“, sagte Jennifer leise. „Manchmal bricht im Alltag etwas auf. Etwas, das man erst einmal für sich selbst sortieren muss. War es eine Enttäuschung?“
„Nein, ganz im Gegenteil“, triumphierte Nicole.
Ein Hauch von neuem Stolz mischte sich in ihre Stimme. „Es war... ein Perspektivwechsel. Wir haben unseren Horizont erweitert. Gemeinsam mit unseren Männern. Organisiert.“
Jennifer zog die Augenbrauen hoch. Kein Anzeichen von Schock oder moralischer Wertung war in ihrem Gesicht zu sehen. Nur ihr warmes, ehrliches Interesse.
„Organisiert“, wiederholte sie das Wort ganz sanft.
„Das klingt nach sehr viel Mut von euch beiden. Und nach einer Menge neuer Gefühle, die jetzt erst einmal einen Platz brauchen.“
Laura nickte nun ebenfalls, sichtlich dankbar für dieses ungeheure Verständnis.
„Wir haben uns auf einen Partnertausch eingelassen“, vertraute Nicole ihr nun vollends an. Das Wort war ausgesprochen. Es fühlte sich in Jennifers Gegenwart überhaupt nicht mehr verboten an.
„Einvernehmlich. Aber als die Männer weg waren, haben wir gemerkt, dass wir beide eigentlich die Einzigen sind, die wirklich darüber reden können.“
Jennifer lächelte ihnen ermutigend zu.
„Dann trifft es sich gut, dass wir uns getroffen haben“, sagte sie leise, und ihre Stimme klang wie ein verlockendes Versprechen. „Mir könnt ihr Dinge sagen, die ihr einem Mann so nicht anvertrauen könnt.“
Jennifer nahm einen kleinen Schluck aus ihrem Glas und hielt die Blicke der beiden Frauen mit einer warmen, fast zärtlichen Aufmerksamkeit.
„Ich kann mir ehrlich gesagt gar nicht so recht vorstellen, wie das mit einem Mann ist“, gestand sie mit einem leichten Schmunzeln, während ihre Augen das violette Licht reflektierten. „Aber ich finde es unheimlich faszinierend, das von zwei so attraktiven Müttern zu hören. Ich selbst habe mich immer nur zu Frauen hingezogen gefühlt. Ich liebe ihre Sanftheit.
Aber ich weiß auch, wie sehr Frauen sich manchmal danach sehnen, sich so richtig hinzugeben. Es sind Fantasien, die tief in uns schlummern, ganz gleich, ob wir Frauen oder Männer lieben.
Fantasien vom radikalen Kontrollverlust.
Fantasien davon, mit verbundenen Augen an einen Marterpfahl gefesselt zu sein.
Fantasien davon, Blicken und Berührungen eines anderen ausgeliefert zu sein.
Fantasien von einer wilden, hemmungslosen Leidenschaft.
Fantasien von einem rauschhaften Zustand der Ekstase, die nie enden soll.
Wie war das in dieser Nacht für euch? Konntet ihr euch bei dem jeweils anderen Mann wirklich so fallen lassen wie bei eurem eigenen? Wurde eine Fantasie Wirklichkeit?“
Laura senkte den Blick. Ihr Finger zeichnete den Rand ihres Glases nach.
„Alex... mein Mann... er ist Gynäkologe. Er macht alles anatomisch richtig. Aber er spürt mich nicht wirklich. Es ist, als würde er meine Lust wie eine sterile Untersuchung auf seinem Stuhl behandeln. Es fehlt der Ausbruch.“
„Das tut mir so leid für dich“, unterbrach Jennifer kurz, „und du, Nicole? Hast du das bei ihm auch so steril empfunden?“
„Ich habe es bei ihm auch gespürt, Jennifer“, bestätigte Nicole, und ihre Stimme wurde dunkler. „Dabei fing es fast zärtlich an. Zuerst saß er eine ganze Zeit lang im Bett hinter mir und hielt mich einfach nur im Arm.
Seine Hände griffen unter meine Achseln und legten sich wie zwei Schalen unter meine Brüste – er liebt diese Größe. Schade, dass deine nicht so groß sind, Laura.“
„Eine kleine Brust ist keine Schande“, unterbrach Jennifer leise, und ihre rauchige Stimme legte sich wie Samt über den Tisch. Sie sah erst Nicole, dann Laura direkt in die Augen. „Männer brauchen oft Maße, um ihre Lust zu verwalten.
Ich brauche das nicht. Ich liebe die schweren, großen Brüste, weil sie jede Bewegung des Körpers so wunderbar begleiten. Und ich liebe auch kleinere, weil sie so schön in meine Hände passen. Erzähle einfach weiter, Nicole.“
„Alexander hielt ihr Gewicht“, fuhr Nicole fort, „als wollte er die Verspannungen in meinem Rücken wegzaubern, die der Arzt in ihm sofort registriert hatte.
Ganz sanft zwirbelte er meine Brustwarzen zwischen Daumen und Zeigefinger... es war schön, ja, fast schon fürsorglich. Aber es fühlte sich auch furchtbar klinisch an. Ich saß doch nicht auf seinem Stuhl in der Praxis.“
Nicole hielt kurz inne. Das Bild der Tauschnacht stand ihr fest vor Augen.
„Zum Orgasmus hat er mich nicht bringen können. Am Ende musste ich mir selbst helfen. Mit dem Vibrator – direkt vor seinen Augen.
Wie gelähmt vor Faszination saß er nur da und sah zu, wie ich mich in meiner Ekstase gewälzt habe. Dann habe ich kurz aufgehört, ihn angesehen und ihm gesagt, er soll sich über mich stellen.“
Nicole atmete tief aus.
„Kein Wort hat er herausgebracht. Er entblößte sich einfach. Statt sich hinzustellen, kniete er sich rittlings über meine Hüften, sodass meine Arme unter seinen Knien eingeklemmt waren, und besorgte es sich selbst. Ich schloss die Augen und spürte irgendwann die warmen Spritzer auf meiner Brust und in meinem Gesicht.
Alexander war völlig weggetreten, Jennifer.“
Jennifer neigte sich ein Stück vor. Ganz langsam hob sie die Hand, legte ihre Fingerspitzen an Nicoles Wange und strich ihr mit einer unendlichen, tröstenden Sanftheit über die Haut. Nicole hielt den Atem an, während sich ein wohliges Zittern in ihr ausbreitete.
Laura sah gebannt zu. Sie spürte keine Eifersucht, sondern eine tiefe, fast schmerzhafte Sehnsucht. Ihre Lippen öffneten sich leicht, und ihr Blick klebte wie hypnotisiert an Jennifers Fingern auf Nicoles Haut.
Unwillkürlich rückte sie näher an den Tisch heran. Ihre eigene Hand lag flach auf dem dunklen Holz. Sie zitterte leicht, bereit, sich ebenfalls dieser Wärme auszuliefern.
Sie gierte nach genau dieser Berührung.
„Am nächsten Morgen“, fuhr Nicole mit brüchiger Stimme fort, „habe ich beim Saubermachen noch vertrocknete Spuren auf dem Teppich gefunden ... er hat es nicht einmal weggewischt. Er konnte wohl einfach nicht aus seiner Haut.“
Jennifer nickte langsam. In ihren Augen lag tiefes Mitgefühl, kein Funken von Verurteilung.
„Ein Mann, der die Anatomie beherrscht, aber vor der echten Hingabe einer Frau erschrickt“, sagte Jennifer sanft. „Das hinterlässt eine tiefe Sehnsucht, nicht wahr, Nicole?“
Laura sah Nicole dankbar an.
„Dafür hast du mit Ralf so ein Glück. Ich hatte erst solche Angst vor ihm. Er ist so viel wuchtiger als Alex ... ich dachte, er würde mich sprengen. Aber er war so unglaublich zärtlich. Er hat mich gut vorbereitet, Nicole. Er hat mich mit seinen Fingern geweitet. Ganz langsam, bis ich vollkommen offen für ihn war. Wie ist er sonst so bei dir?“
Jennifer lauschte schweigend, doch bei den Worten „vollkommen offen“ veränderte sich etwas in ihrem Blick. Langsam wanderte ihre Hand über das dunkle Holz des Tisches.
Noch bevor Nicole antworten konnte, überwand Jennifer die Distanz. Sie schob ihren Handrücken tief unter den weiten, dreifach geknöpften Ausschnitt von Lauras weißer Seidenbluse.
Mit spürbarem, forderndem Druck glitt sie über die nackte Haut nach unten. Und dann geschah es: Jennifers Handrücken stieß von innen her gegen Lauras linke Brustwarze, die sich schon die ganze Zeit hart unter der Seide abgezeichnet hatte.
Jennifer hielt den Druck für einen elektrisierenden Moment genau dort. Sie spürte die feste Erwartung des Nippels direkt an ihren Fingerkuppen. Synchron schienen beide Nippel etwas zu wachsen.
Laura stieß einen scharfen, erstickten Laut aus. Ein heftiger Schauer riss ihren Körper nach vorn. Sie schloss die Augen, unfähig, diesem plötzlichen, intensiven Reiz standzuhalten. Das brennende Verlangen nach dieser Berührung war mit einem Schlag gestillt, und eine ungeahnte Hitze explodierte in ihrer Brust.
„Es ist wunderschön, wenn eine Frau sich so weit öffnen kann“, raunte Jennifer leise, während sie den Nippel mit dem Handrücken ganz langsam und mit unvermindertem Druck strich. „Es gehört so viel Mut dazu, den Schmerz zu vergessen und dem Körper zu erlauben, weich zu werden. Sich Raum zu schaffen. Hast du gespürt, wie viel Kraft in dieser Weite liegt, Laura?“
Laura öffnete mühsam die Augen. Ihr Blick war völlig glasig. Sie sah an sich herab, fixierte Jennifers Hand, die unter der weißen Seide vergraben war und ihre kleine Brust formte. Sie nickte nur stumm. Ihr Atem ging flach und rasend schnell.
Jennifer schenkte ihr ein tiefes, wissendes Lächeln. Ganz langsam, die verhärtete Spitze ein letztes Mal streifend, zog sie die Hand unter der Bluse hervor. Dann wandte sie sich wieder zu Nicole.
Nicole zögerte kurz. Sie sah, wie Laura unter Jennifers Hand weich wurde. Dann gab sie den letzten Widerstand auf.
„Ralf ist da ganz anders“, gestand Nicole leise und blickte in ihr Glas. „Bei ihm gibt es keine klinische Kälte. Kürzlich hat er mich zur Bestrafung übers Knie gelegt, weil ich vergessen hatte, einen wichtigen Anruf für ihn zu erledigen. Mit Frau Dr. Veronika Stahl, unserer Stadtbaurätin.“
Bei dem Namen zuckte ein winziger, elektrischer Funke durch Jennifers Augen. Ein wissendes, fast amüsiertes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie kannte die Dame sehr gut als ‚Dom Stahlhart‘. So wurde diese im OCCULTUM respektvoll genannt. Doch sie schwieg. Nicht jedes Wissen war für fremde Ohren bestimmt.
„Ich wusste erst gar nicht, wie mir geschah“, fuhr Nicole fort, und ihre Wangen röteten sich leicht. „Er war so anders und hat mir den Hintern versohlt. Seine Handflächen haben richtig gebrannt auf meiner Haut. Aber Gott... es war unglaublich erregend, Jennifer. Ich war ihm völlig ausgeliefert. Und der Sex hinterher war einfach nur gewaltig.“
Jennifer lächelte ihnen verständnisvoll und unglaublich einladend zu. Ihre Stimme war nur noch ein warmes Raunen.
„Ralf bestraft dich, um dir deine Grenzen aufzuzeigen, Nicole. Und das Wunderbare daran ist, dass genau diese Strenge deine ungezähmte Seite geweckt hat. Du brauchst jemanden, der noch viel mehr aus dir herauskitzelt und dir hilft, diese Seite ganz für dich zu entdecken.“
Sie wandte den Blick wieder zu Laura, und ihre Stimme wurde noch eine Spur dunkler.
„Und du, meine Laura... du fängst gerade erst an zu begreifen, wie viel Raum wirklich in dir steckt, wenn man dich richtig fordert.“
Nach diesen Worten senkte sich ein schweres, fast feuchtes Schweigen über den Tisch. Keine der beiden Frauen wagte es, den Bann zu brechen. Sie saßen wie betäubt da und sahen sich gegenseitig an. Die wohligen Gedanken an die Berührungen wirkten so intensiv nach, dass jedes Wort unmöglich wurde.
Nicole spürte eine tiefe, fast eifersüchtige Sehnsucht in sich aufsteigen; sie fragte sich, warum Jennifers Hand nicht tiefer gewandert war, um auch ihre üppige Brust mit diesem fordernden Druck zu liebkosen.
Laura hingegen starrte vornübergebeugt auf ihre eigene Seide, gefangen in dem brennenden Wunsch, Jennifer hätte ihren Handrücken nicht zurückgezogen, sondern auch noch die andere verhärtete Spitze so elektrisierend erlöst.
Unter dem Tisch, im schützenden Schatten des schweren Holzes, erwachte nun Jennifers Idee zum Leben. Sie war in ihr gereift, seitdem sie von dem Etwas von Nichts unter den Röcken wusste.
Ihre Füße waren nackt und frei. Langsam, fordernd und absolut respektlos schob sie sie im Dunkeln einen Fuß nach vorn. Sie drängte ihre nackte Fußsohle zwischen die Knie der beiden Frauen. Genau dorthin, wo die beiden immer noch Händchen hielten. Sie brach die Verbindung auf.
Nicole und Laura gaben sich dieser unerwarteten, hautnahen Freiheit sofort hin. Keine von ihnen wehrte sich oder wich zurück.
Ihre verschränkten Finger lösten sich voneinander.
Stattdessen begannen sie fasziniert, Jennifers jugendlichen Fußrücken zu erkunden. Sie prüften die glatte Haut und suchten den ruhigen Puls am Spann. Ihre eigenen Herzen hämmerten ihnen bis zum Hals.
Jennifer genoss die doppelte Eroberung mit jeder Faser.
Über der Tischkante beobachtete sie aufmerksam die Gesichter der beiden Frauen. Sie sah die geröteten Wangen und den verräterischen Glanz in ihren Augen.
Fast synchron fuhren sich Nicole und Laura mit den Zungenspitzen über die trocken gewordenen Lippen. Keine sprach ein Wort.
Das stumme Einverständnis und die totale Hingabe an dieses lautlose Spiel waren für Jennifer die reinste Ekstase. Sie kostete diesen Triumph in aller Ruhe aus.
Dann entzog sie ihnen den Kontakt und ließ sie ins Leere greifen. Sie wollte die Gier spüren, die durch den plötzlichen Verlust entstand. Jennifer registrierte ein unruhiges Rutschen von Nicole und Laura auf ihren Stühlen. Sie schob beide Füße vor.
Anders und intensiver diesmal.
Einen Fuß tief zwischen Nicoles Schenkel, den anderen bekam Laura an gleicher Stelle zu spüren.
Für Nicole und Laura fühlte es sich wie eine Erlösung an. Sie mussten nicht mehr teilen.
„Es ist mutig, dass ihr den Tausch gewagt habt“, raunte Jennifer. Ihre Stimme sank noch tiefer. „Aber Männer vergessen oft, was eine Frau wirklich braucht. Wie war dein Gefühl, Nicole, als meine Hand deine Wange berührte? Und du, Laura ... wie fühlte sie sich an, meine Hand unter deiner Bluse?“
Ein langes, brennendes Schweigen folgte. Nicole holte tief Atem. Ihre Augen glänzten feucht.
„Es war ein wohliges Zittern“, gestand Nicole leise. „Als deine Fingerspitzen meine Wange berührten, floss eine unendliche, tröstende Sanftheit durch mich.“
Laura starrte auf das dunkle Holz, doch ihre Stimme bebte vor Erregung.
„Es war wie eine Explosion“, flüsterte sie.
„Als dein Handrücken gegen die eine Brustwarze stieß, jagte ein elektrisierender Schauer durch meinen ganzen Körper. Ich war völlig machtlos gegen diese Hitze.“
Jennifer lächelte dunkel. Sie hatte sie genau dort, wo sie sie haben wollte.
„Erinnert euch genau an dieses Gefühl“, flüsterte sie nun. „An diese sanften, aber auch fordernden Berührungen, bevor der Verstand sich einschaltete und die Regeln der Welt alles kompliziert machten.
Denkt einfach daran. Berührt euch. So sanft ihr könnt oder so hart ihr wollt. Es ist alles erlaubt!“
Zuerst tastend, dann fast gierig folgten die beiden ihren Worten. Es war kein Befehl. Es war eine Einladung in eine geteilte Gegenwart.
Nicole hob die Hand. Zitternd berührte sie Lauras Wange. Stirn an Stirn lehnten sie sich zueinander und spürten den Atem der anderen.
Jennifers Worte wirkten wie ein Katalysator.
Sie flüsterten von Händen, die unter Oberteile kriechen und ließen Taten folgen. Sie erzählten sich von Nippeln, die unter der ersten Berührung steif werden und merkten, dass es immer noch so war wenn, eine fremde Hand die Brüste streichelte. Auch das vertraute Klicken eines BH-Verschlusses holten sie in die Erinnerung zurück, obwohl sie heute keine BHs trugen.
In der dunklen Nische des L'ENTRE, mitten unter Menschen, begannen Nicole und Laura sich gegenseitig zu berühren. Lauras Finger glitten unter die kühle Seide von Nicoles Bluse. Sie trafen auf nichts als nackte, warme Haut. Für einen berauschten Sekundenbruchteil meinte Laura, ein vertrautes Klicken zu hören. Jenes metallische Geräusch, das sonst den Widerstand der Wäsche brach
Doch da war kein Widerstand. Nur die schwere, volle Freiheit von Nicoles Brüsten. Sie schmiegten sich bereits erwartungsvoll in ihre Hand.
Es war der Moment, in dem auch Nicole eine Brustwarze von Laura zwischen Daumen und Zeigefinger malträtierte.
Gleichzeitig drangen Jennifers Füße unter dem Tisch immer weiter vor. Unaufhaltsam tasteten sich ihre großen Zehen an den nackten Innenseiten der Schenkel hoch. Sie schoben den hauchdünnen Stoff der Tangas beiseite.
Je tiefer das kalkulierende Spiel ihrer nackten Füße die Hitze im Verborgenen anstachelte, desto wilder verbissen sich die beiden Frauen oben ineinander. Es war kein bloßes Streicheln mehr; ihre Körper pressten sich haltlos gegeneinander, Lippen suchten Lippen, während ihre Hände sich besinnungslos in nackte Haut und geraffte Seide krallten.
Je tiefer Jennifers Zehen in ihre Weiblichkeit eindrangen, desto ekstatischer, gieriger und unkontrollierter wurde das Keuchen über dem schweren Holz des Tisches.
Sie vergaßen, wo sie waren. Sie vergaßen, was sie hierhergebracht hatte. Sie vergaßen schließlich sogar, wer sie waren. Beide existierten nur noch, um das Beben ihrer Körper und die Massage ihrer Weiblichkeit zu genießen.
Mit langsamen, kreisenden Bewegungen massierten Jennifers Zehen nun die Lustknospen der beiden Frauen. An ihren Fußsohlen spürte sie deutlich die heiße Feuchte, die Nicole und Laura vollkommen wehrlos machte.
Ein synchrones, tiefes Seufzen entwich den Lippen der beiden; es war ein reiner Laut der Ekstase, den sie nicht mehr unterdrücken konnten. Nicole krallte die Finger in die Tischkante, während Laura den Kopf leicht in den Nacken legte.
Die beiden Frauen waren hilflos gefangen im Strudel ihrer Leidenschaft. Sie bebten innerlich, unfähig, sich dieser doppelten Stimulation zu entziehen.
Jennifer spürte mit deutlicher Gewissheit, dass ihre Jagd so gut wie zu Ende war.
Das Liebessekret floss. Die Beute war gestellt.
Nicole und Laura würden ihr willig folgen, wenn sie es verlangte. Doch noch wollte Jennifer etwas mit ihnen spielen.
„Was... was tust du mit uns?“, stammelte Nicole atemlos. Es war keine echte Gegenwehr. Es war das hilflose Flehen eines Körpers, der die Kontrolle längst verloren hatte.
Jennifer antwortete nicht. Sie ließ sie zappeln. Als erfahrene Jägerin wusste sie genau, wann es besser war zu schweigen und nur die großen Zehen kreisen zu lassen.
„Wie weit geht euer Spiel?“, unterbrach Jennifer endlich die voll entflammte Ekstase. „Habt ihr schon mal spielerisch in die Nippel eurer Männer gebissen? Um zu sehen, wie sie zwischen Schmerz und Lust zucken?“
„Ich noch nicht... aber er bei mir!“, antwortete Nicole spontan. Ihre Stimme klang dunkel. „Er fragt nicht. Er beißt, wohin er will. Ich habe es geliebt. Es war, als würde er eine Markierung setzen.“
Laura fixierte Jennifer mit leerem Blick. Doch ihre Stimme bebte. „Alexander würde das für unprofessionell halten. Aber ich habe es bei Ralf getan. Ich wollte wissen, ob er mich wegstößt. Er hat mich nur noch fester an sich gedrückt.“
Jennifer lehnte sich entspannt zurück. Das Becken rutschte ein Stück vor, was den Druck unter dem Tisch nochmals gezielt verstärkte, während sie die Wirkung ihrer Saat beobachtete.
„Ihr seid also Grenzgängerinnen“, stellte sie leise fest. „Die eine lässt sich markieren. Die andere markiert selbst. Aber wisst ihr, was das Schönste ist?
Das Schönste ist, wenn wir uns gegenseitig markieren. Ganz ohne Männer, die Regeln diktieren oder medizinische Gutachten erstellen.“
Nicole suchte verzweifelt nach einem Halt. Um sich von der brennenden Hitze zwischen ihren Schenkeln abzulenken, fixierte sie das schmale schwarze Lederband um Jennifers Hals.
Es wirkte nicht wie ein Fetisch-Accessoire. Vielmehr verströmte es eine zeitlose, fast strenge Eleganz. Es rahmte Jennifers Gesicht perfekt ein. Es unterstrich ihre kühle Dominanz.
„Dein Halsband, Jennifer...“, setzte Nicole mühsam an. Ihre Stimme klang noch immer rauchig und zittrig. „Es ist so schlicht. Woher hast du es? Gibt es das überhaupt regulär zu kaufen?“
Laura nickte zustimmend und beugte sich ein Stück vor. Drei der oberen Knöpfe ihrer weißen Seidenbluse waren offen. In der Vorstadt trug man das beim Ausgehen eben so. Doch hier in der tiefen, samtigen Nische wich der Stoff gefährlich weit auseinander. Ein tiefer Schatten fiel auf ihr unbedecktes Dekolleté.
„Ich habe vorhin beim Hereinkommen gesehen, dass manche Frauen ähnliche Bänder tragen“, ergänzte Laura. Ihre Stimme zitterte leicht. „Bei vielen ist vorne ein silberner Ring eingearbeitet. Hat das eine tiefe Bedeutung? Oder ist das nur eine Frage des Geschmacks?“
Jennifer lächelte. Es war ein ruhiges, fast wissendes Lächeln, das ihre Züge erwärmte, während ihre Augen die beiden Frauen aufmerksam musterten.
„Der Ring ist ein Signal, Laura“, erklärte Jennifer. Ihre Stimme war leise, getragen von einer sanften, aber unmissverständlichen Gewissheit. „Er lädt dazu ein, geleitet zu werden. Er sagt: Ich bin bereit für eine Hand, die mich führt.“ Sie griff mit den Fingerspitzen in den engen Kragen ihres Rollpullovers und zog den schwarzen Stoff mit einer langsamen, fast beiläufigen Bewegung ein Stück nach unten. Auf der hellen Haut ihres Halses kam ein schmales, tiefschwarzes Lederband zum Vorschein. „Mein Band hingegen ist ein Zeichen der Autonomie. Es ist geschlossen und glatt. Ich werde nicht geführt. Ich führe.“
Sie nippte an ihrem Drink und sah Nicole und Laura nacheinander an. Ihr Blick war absolut ruhig. Er besaß jedoch eine magnetische Kraft, die die beiden Frauen augenblicklich fesselte.
„Heute Abend haben die Ateliers hier in der Altstadt längst geschlossen. Ihr würdet euch kein Halsband mehr kaufen können. Aber...“
Jennifer hielt kurz inne. Ein geheimnisvoller Glanz trat in ihre Augen. Sie griff in ihre kleine, schwarze Tasche auf dem Samt der Nische. Sie beförderte einen unscheinbaren, tiefschwarzen Samtbeutel zutage.
Mit einer fast feierlichen Langsamkeit legte sie ihn in die Mitte des schweren Eichentisches. Genau zwischen die halbvollen Gläser. Der schwere Stoff schluckte das schummrige Licht der Bar.
„Ich habe zufällig zwei exquisite Exemplare dabei“, sagte sie. Ihr Tonfall schien beiläufig, war jedoch ein Befehl, geschickt verpackt in sanfte Worte. „Eigentlich waren sie für jemand anderen bestimmt. Aber ich denke, sie warten schon den ganzen Abend nur auf euch. Schaut sie euch an.“
Jennifer lehnte sich entspannt zurück.
Ihr Becken rutschte wieder ein Stück nach vorne, sodass sie die unaufhörliche Bewegung ihrer großen Zehen unter dem Tisch noch intensiver fortsetzen konnte. Sie machte keine Anstalten, den Beutel selbst zu öffnen. Die Initiative überließ sie ganz bewusst den beiden Frauen.
Jennifer genoss das Wissen, dass sie Nicole und Laura längst im Griff hatte – oben durch ihre Worte und unten durch das unaufhaltsame Spiel ihrer nackten Füße.
Nicole war die Erste, die ihre Zurückhaltung verlor. Ihre Fingerspitzen berührten den kühlen Samt, und mit einem vorsichtigen Zug an der seidigen Kordel öffnete sie den Verschluss. Laura beugte sich so weit vor, dass ihr Atem den Stoff streifte.
Gemeinsam schoben sie den Saum zurück und ließen die beiden schmalen Streifen aus tiefschwarzem Nappaleder auf die Tischplatte gleiten.
Der intensive Duft nach gegerbtem Leder stieg ihnen sofort in die Nase, eine herbe, animalische Note, die so gar nicht zu dem blumigen Parfum der Vorstadt passen wollte.
In der Mitte jedes Bandes blitzte ein kleiner, hochglanzpolierter silberner Ring, der das Kerzenlicht in harten Reflexen zurückwarf.
„Sie sind wunderschön“, hauchte Laura. Zitternd strich sie mit dem Zeigefinger über das weiche Leder. Es fühlte sich geschmeidig an. Fast wie eine zweite Haut.
Jennifer beobachtete das brennende Verlangen der beiden Frauen. Unter dem Tisch führte sie ihr Spiel nun zur Vollendung. Sie verstärkte den Druck ihrer großen Zehen massiv. Mit schnellen, geschmeidigen Kreisen massierte sie die geschwollenen Lustknospen unter der nassen Seide.
Nicole stieß einen erstickten Schrei aus. Lauras Körper bäumte sich unwillkürlich auf. Mit unverhohlener Freude trieb Jennifer sie an den äußersten Rand des Erträglichen. Das Liebessekret floss unaufhaltsam.
Die Ekstase pulsierte heiß durch ihre Körper.
Kurz vor diesem Höhepunkt entzog Jennifer ihnen abrupt die Füße. Sie ließ die beiden Frauen in einer vibrierenden Leere zurück. Hilflos und völlig berauscht schnappten sie nach Luft.
Mit aufreizender Gelassenheit bückte sich Jennifer tief unter den Tisch und zog im schützenden Schatten des schweren Eichenholzes in aller Seelenruhe ihre Strümpfe wieder über die Füße.
Dabei musterte sie genüsslich ihr Werk.
Das Liebessekret glänzte feucht im fahlen Licht. Die schmalen Dreiecke der Tangas bedeckten noch lange nicht die leicht geöffneten Vulven.
Sie kam kurz wieder hoch. Zufrieden mit dem, was sich ihr unter dem Tisch dargeboten hatte, sah sie den beiden Frauen nacheinander tief in die Augen.
„Es sieht unordentlich aus unter euren Röcken“, stellte sie trocken fest. „Richtet eure Tangas. Ich schaue es mir an, während ich mir meine Stiefel anziehe.“
Ohne eine Reaktion abzuwarten, bückte sie sich ein zweites Mal unter die Tischkante. Sie glitt mit den Füßen in das weiche Leder ihrer Stiefel. Während sie die Reißverschlüsse betont langsam nach oben zog, genoss sie die Show, die die beiden ihr boten.
Jennifer sah ein hilfloses, zitterndes Bemühen und lächelte still in sich hinein.
Nicole und Laura griffen mit feuchten Fingern unter ihre Röcke, um dieses kleine Stück Stoff wieder an Ort und Stelle zu rücken.
Sie stellten sich Jennifers Blick unter dem Tisch vor. Es fühlte sich für sie an, als ob Jennifer ihre Tangas richtete und ihre Schamlippen streichelte.
Doch es war nur so, dass jede ihrer Bewegungen, jedes Ziehen am Spitzenstoff unter Jennifers absoluter Kontrolle geschah.
Erst als das leise, metallische Surren der Reißverschlüsse endete, war die Ordnung wiederhergestellt.
Jennifer kam endgültig hoch und stand jetzt wieder in perfekter, makelloser Rüstung vor ihnen. Der Bass der Musik hatte sich verändert. Er war tiefer und hypnotischer geworden.
„Hört ihr das?“, fragte sie. Ihre Stimme war nun ein eiskalter Befehl, der keinen Widerspruch duldete. „Die Tanzfläche ist gerade nicht so voll. Ihr seid doch zum Tanzen hierhergekommen, oder? Gehen wir.“ Nicole und Laura stimmten hastig zu.
Wie in Trance griffen sie nach den schwarzen Lederstreifen auf dem Tisch. Es war für sie wie ein kostbarer Schatz, den sie nie wieder hergeben wollten. Sie hätten die Halsbänder im Samt zurücklassen können – und sollen.
Doch der Reiz des Materials war zu stark.
Ihre Finger schlossen sich fest um das kühle Nappaleder. Mit dieser ganz eigenen Beute in den Händen folgten sie Jennifer in das pulsierende, violette Licht der Raummitte.
Der schwarze Samtbeutel blieb leer und unbeachtet auf dem Eichentisch zurück. Eine offene Hülle, die im Halbschatten der Nische geduldig auf ihre Rückkehr wartete.
Auf der Tanzfläche angekommen, tauchten die drei Frauen in die Menge ein. Der hypnotische, schwere Bass schien die Dynamik im Club verändert zu haben. Die Männer, die vorhin noch wild getanzt hatten, waren an die Bar und in die ganz dunklen Ecken abgewandert.
Diese tiefen, elektronischen Rhythmen gehörten den Frauen.
Nicole und Laura wiegten sich im Takt der Musik. Es war kein gewöhnliches Tanzen. Die Luft im L'ENTRE war dick von einer ungesagten Spannung. Die beiden Frauen bewegten sich noch etwas hölzern. Ihre bürgerliche Zurückhaltung hielt sie wie ein unsichtbares Korsett gefangen.
Ihre Blicke waren inzwischen wieder hellwach.
Am Tisch waren ihre Augen noch feucht, brechend und hilflos vor Erregung gewesen. Dort hatten sie die Kontrolle über ihre eigenen Körper fast komplett verloren. Hier auf der Tanzfläche aber wich der benebelte Rausch einer fiebrigen Klarheit.
Ihre Augen suchten fast gierig nach Orientierung.
Fasziniert beobachteten sie die anderen Paare im violetten Dunst. Sie sahen fast ausschließlich Frauen, die sich eng aneinandergeschmiegt bewegten.
Bei jedem Paar fiel ihnen sofort die klare Rollenverteilung auf. Eine Frau trug stets das schlichte, glatte Lederband. Genau wie Jennifer. Die andere trug ein Halsband mit einem massiven, silbernen Ring.
In einer dunklen Ecke sah Nicole genau hin. Eine Frau mit dem glatten Lederband zog ihre Partnerin zu sich heran. Sie hatte nur den kleinen Finger in den silbernen Ring ihres Halsbandes eingeklinkt.
Kein Wort fiel.
Dann wanderte ihre Hand fordernd nach unten. Ihre Finger schlossen sich besitzergreifend um die steife Knospe der Brust, die sich deutlich unter dem hauchdünnen, fast transparenten Top abzeichnete.
Aus dem Mund der Geführten drang kein Laut des Schmerzes. Sie nahm den intensiven Reiz stumm in sich auf. Ihr Körper erzitterte nur in tiefer, fließender Ergebenheit.
Nicole und Laura hielten den Atem an. Sie starrten gebannt auf die Szene.
Laura fixierte ein anderes Paar, bei dem ihre bisherige Logik vollkommen auf den Kopf gestellt schien. Eine Frau mit dem glatten Band der Autonomie kniete mit geschlossenen Augen vor ihrer Partnerin, die das Ring-Halsband trug. Im ersten Moment wirkte es wie eine Unterwerfung der Dominanten.
Doch im fahlen Licht begriff Laura plötzlich Jennifers Worte: Das hier war kein Machtverlust. Es war die reinste Form des Gehorsams. Die Frau mit dem Ring führte in diesem Moment nur, weil ihre Herrin es so verlangt und ihr den Raum dafür geschenkt hatte.
Daneben bewegte sich eine andere Frau, an deren Halsband eine feine Metallkette befestigt war. Es war kein Schmuck, die Kette wirkte wie ein Werkzeug zur fließenden Führung. Bei jeder Bewegung schlug sie rhythmisch auf das Schlüsselbein. Das leise Klacken wirkte wie ein geheimer Taktgeber unter der lauten Musik.
Das war die stumme Sprache aus Dominanz und Hingabe. Sie erfüllte Nicole und Laura mit einer Mischung aus Beklemmung und tiefer Sehnsucht. Einer Sehnsucht, die sie schon gespürt hatten, als Jennifers Zehen ihre Lustknospen massiert hatten. Die Halsbänder in ihren eigenen Händen fühlten sich plötzlich schwerer an. Das kühle Leder brannte förmlich in ihren Handflächen.
Das violette Licht der Tanzfläche schien die letzten Risse in ihrer bürgerlichen Fassade aufzusaugen. Wie von einem unsichtbaren Magneten gezogen, näherten sie sich Jennifer.
Diese wiegte sich mit geschlossenen Augen im hypnotischen Bass.
Nicole machte den ersten Schritt. Sie schob sich von hinten an Jennifer heran. Kein Blatt Papier passte mehr zwischen sie. Ihre üppigen, von keinem BH gehaltenen Brüste pressten sich unter der dünnen Seide der Bluse direkt gegen Jennifers Schulterblätter.
Mit jeder rhythmischen Bewegung rieb sie sich an ihr. Es war eine absichtliche, fordernde Berührung. Jennifer spürte das Gewicht der Brüste und die Wärme von Nicoles Körper.
Nicole hielt das schwarze Lederhalsband fest umklammert. Ihre Fingerspitzen tasteten fieberhaft über den silbernen Ring. Sie dachte an den eingeklinkten Finger der Frau in der dunklen Ecke.
Diesen Ring muss ich an meinem Hals spüren.
Genau dort wollte sie Jennifers Finger wissen. Ihr ganzer Körper signalisierte bereits eine ungeduldige Hingabe.
Gleichzeitig tanzte sich Laura vor Jennifer. Sie drehte ihr den Rücken zu und neigte den Oberkörper leicht nach vorne. Im Takt der Musik streckte sie Jennifer ihren Po entgegen, der sich unter dem kurzen, schwingenden Rock wiegte.
Es war eine klassische Geste der Einladung.
Ein stummes Angebot, die Führung zu übernehmen. Jennifer registrierte mit Genugtuung, dass Laura sie mit provokanter Langsamkeit antanzte.
Auch Laura hielt ihr Halsband fest in der Hand. Ihre Haltung hatte jegliches Zögern verloren.
Jennifer öffnete ganz leicht ihre Augen. Ein feines, zufriedenes Lächeln, wie es einer erfolgreichen Jägerin gebührte, stahl sich auf ihr Gesicht.
Sie genoss die doppelte Belagerung. Nicoles Brüste im Rücken, Lauras Po an ihren Oberschenkeln.
Wie leicht sie zu lenken sind, dachte sie.
Sie denken, sie erobern mich.
Sie denken, sie feiern ihre Freiheit.
In Wahrheit schmelzen ihre bürgerlichen Mauern schon jetzt, um Platz zu machen für die Hingabe, nach der sich ihre Körper am Ende ganz von selbst verzehren werden.
Jennifers Körper schien ruhig. Fast wie ein unbeweglicher Pol in diesem Strudel aus rauschhafter Lust. Nur ein minimales Wiegen im Takt des dumpfen Basses ging durch ihre Glieder. Sie ließ die beiden gewähren.
Sie genoss die Hitze und den Duft ihrer Erregung.
Sie behielt die absolute Kontrolle.
Doch Lauras forderndes Wiegen war Jennifer nicht genug. Sie wollte eine Reaktion. Sie wollte sehen, wie tief die Saat bereits Wurzeln geschlagen hatte. Mit einer langsamen, fast beiläufigen Bewegung hob Jennifer die Arme und legte ihre Hände auf Lauras Oberarme.
Ihre Finger strichen sanft über die glatte Haut.
Eine Geste, die eher wie eine Verheißung als wie eine bloße Berührung wirkte. Laura genoss den Triumph. Sie fühlte sich tief bestätigt, dass es ihr gelungen war, Jennifer zu dieser Liebkosung zu verleiten.
Sie wiegte sich nun noch intensiver im Takt der Musik. Sie war völlig gefangen in ihrer Sucht nach Jennifers Nähe.
Jennifer ließ ihre Hände weitergleiten. Sie fuhren an Lauras Armen entlang tiefer, bis sie die weiche Wölbung ihrer Brüste unter der Seidenbluse erreichten. Ohne den Halt eines BHs gab der dünne Stoff jede Kontur preis. Jennifer spürte die Hitze von Lauras Körper. Ihre Fingerkuppen tasteten über die Seide, suchten und fanden die großen Brustwarzen, die unter der Erregung hart hervortraten.
Jennifer hielt kurz inne.
Sie genoss den Moment der absoluten Macht. Mit unendlicher Langsamkeit kreisten ihre Fingerkuppen nun über die empfindlichen Spitzen. Durch die Berührung zog sich Lauras Oberkörper wie von selbst näher an Jennifer heran. Laura wiegte sich wohlig weiter, legte den Kopf sanft nach hinten und gab sich ganz dieser intensiven Liebkosung hin.
Jennifer schmiegte ihre Wange dicht an Lauras Ohr. Ihr warmer Atem traf auf Lauras erhitzte Haut. „Ich spüre, wie sehr es dir gefällt“, raunte sie ihr ins Ohr. „Ich weiß, du willst mehr davon. Ich werde dir mehr geben, wenn du es wünschst.“
„Oh, ja“, stöhnte Laura auf. Sie wiegte sich blind im Bass. „Gib mir mehr von deinen Berührungen. Bitte!“
In diesem Moment veränderte sich der Griff ohne jede Vorwarnung. Die zärtliche Liebkosung schlug augenblicklich um.
Jennifer kniff unvermittelt in Lauras Brustwarzen. Links wie rechts. Bei Weitem nicht mit der kompromisslosen Härte, die sie als Seductrix im OCCULTUM praktizierte und die das Publikum immer wieder faszinierte.
Trotzdem durchschnitten diese scharfen, intensiven Schmerzimpulse Lauras Lust wie ein Blitzschlag.
Ein unterdrücktes Aufkeuchen entwich Lauras Lippen, und sie zuckte heftig zusammen. Doch der Schmerz stieß sie nicht ab. Er wirkte wie ein Brandbeschleuniger. Dieser unvermittelte Schmerzimpuls jagte eine Welle aus nackter, gieriger Lust durch ihren Körper, die sie so noch nie erlebt hatte.
Es war der Moment, in dem ihre bürgerliche Moral, all das anerzogene Pflichtbewusstsein und die Distanz endgültig kapitulierten.
Sie begriff mit jeder Faser ihres Körpers: Jennifer war nicht einfach eine attraktive lesbische Frau. Sie spielte nicht nur ein unverbindliches Spiel. Das war eine Jägerin auf der Jagd.
Und Laura spürte, dass sie selbst genau die Beute sein wollte, nach der diese Jägerin verlangte. Dieses grenzenlose Loslassen, dieses Ausgeliefertsein – das war die wahre Befriedigung, nach der Laura sich all die Jahre insgeheim verzehrt hatte.
Laura stand an einer Schwelle.
Das schwarze Lederband mit dem Ring in ihrer Hand war kein modisches Accessoire mehr, sondern der Schlüssel zu einer Welt, die sie bisher nie kennengelernt hatte. All die Jahre war Sex mit ihrem Mann für sie etwas Richtiges gewesen. Am Ende blieb sie jedoch immer unbefriedigt.
Es hatte der Ausbruch gefehlt. Die Hitze.
Jennifers brutales Quetschen ihrer Nippel hatte diesen Ausbruch mit einem Schlag herbeigepeitscht. Der Schmerz brannte noch auf ihrer Haut, aber er entfesselte eine gierige, unbändige Lust nach mehr, die sie fast um den Verstand brachte.
Sie zögerte einen Herzschlag lang. Ihr Blick verlor sich im schimmernden Silber des Rings.
Sie wusste: Wenn sie dieses Halsband jetzt anlegte, bekäme sie den Strudel ihrer eigenen Hingabe nicht mehr gebändigt.
Aber sie dachte nicht mehr nach. Sie analysierte nicht. Sie wollte einfach mehr bekommen. Unendlich viel mehr sinnliche Reize, mehr Ekstase, als sie jemals erträumt hatte – dafür empfing sie gerne auch Schmerz, denn ihr Körper verlangte nach beidem.
Mit zitternden Fingern führte sie das Leder nach oben.
Ihre Knie fühlten sich weich an, während sie das Band um ihren Hals legte. Der kühle Atem des Clubs strich ein letztes Mal über ihre nackte Haut, bevor das schwere Leder sie umschloss.
Sie suchte den Verschluss. Ihre Hände bebten so stark, dass sie zweimal abrutschte – ein stummes Eingeständnis ihrer nackten Erregung.
Sie drückte die Enden zusammen. Der Klickverschluss rastete mit einem leisen, metallischen Geräusch ein, das unter dem Wummern der Bässe unterging.
Der silberne Ring lag nun schwer auf ihrer Schlüsselbeinhöhle. Er war geschlossen. Laura hatte die Schwelle überschritten und sich der Jägerin freudig ausgeliefert. Sie war bereit für jede Berührung, die ihre Lust heute Nacht entfesseln würde.
Jennifer fixierte die frisch Markierte mit einem Blick, der Lauras weiche Knie vollends zum Schmelzen brachte. Ein tiefes, unfassbar zärtliches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie trat den entscheidenden Schritt näher und beugte sich so nah zu Laura vor, dass ihr Atem deren Wange streifte.
„Du hast dir das Halsband angelegt“, raunte Jennifer ihr ins Ohr, ihre Stimme ein tiefes, vibrierendes Versprechen, das das Wummern der Bässe in den Hintergrund drängte.
„Das hat eine Belohnung verdient. Du darfst mich küssen.“
Laura zögerte keine Sekunde. Indem Jennifer ihr das Recht zusprach, den Abstand zu überwinden, wurde der Kuss zu einem unschätzbaren Privileg. Sie ergriff die Einladung mit bebenden Lippen. Sie küsste Jennifer aus einem tiefen Begehren heraus, sich ganz in dieser Frau zu verlieren. Ihre Lippen fanden sich, verschmolzen miteinander, während das violette Licht der Tanzbar sie einhüllte.
Nicole, die sich weiterhin von hinten eng an Jennifer presste, beobachtete über deren Schulter hinweg jede Bewegung von Laura. Als sie sah, wie Laura das Band schloss und sich dann in einen innigen, tiefen Kuss mit ihr verlor, flammte in Nicole eine jähe, brennende Eifersucht auf.
Sie hatte den kurzen, intensiven Schmerzimpuls an Lauras Brust nicht gesehen, sie sah nur das berauschende Ergebnis: die vollkommene Hingabe ihrer Freundin in einen intensiven, langen Kuss. Laura stand im Zentrum, sie empfing die Belohnung, während sich Nicole in die Rolle der bloßen Zuschauerin gedrängt fühlte.
Ein besitzergreifender Impuls überrollte sie. Was Laura kann, kann ich schon lange, schoss es ihr durch den Kopf. Ohne eine Sekunde länger zu zögern, hob Nicole die Hand mit ihrem eigenen Halsband. Mit einer fast trotzigen Entschlossenheit legte sie sich das kühle Nappaleder um den Hals.
Der Klickverschluss rastete ein – ein metallisches Versprechen, das nun auch ihr Schlüsselbein markierte.
Doch das reichte ihr nicht. Nicole hielt es im Hintergrund nicht mehr aus. Getrieben von der brennenden Eifersucht, wiegte sie sich im schweren Takt des Basses um das verschlungene Paar herum.
Sie tanzte nach vorne und stellte sich direkt vor Laura, Brust an Brust.
Durch diese enge Bewegung wurden die drei Körper komplett miteinander verzahnt. Laura stand immer noch mit dem Rücken an Jennifer gepresst, den Kopf tief in deren Nacken gelegt, während Jennifers Hände von hinten Lauras kleine Brüste liebevoll streichelten. Doch nun drückte Nicole von vorne ihre viel größeren, prallen Brüste fest gegen Lauras Dekolleté.
Für Jennifers Hände war es jetzt ein Leichtes, den Raum auszufüllen. Ihre Finger glitten von Lauras schmalen Flanken ein Stück weiter nach vorne, tauchten tief in den weichen Stoff von Nicoles Bluse ein und begannen, diese schwere, vibrierende Fülle mit spürbarem Druck zu liebkosen und zu kneten.
Laura spürte jede dieser Bewegungen. Sie spürte den warmen, schweren Druck von Nicoles Brüsten auf ihrer eigenen Haut und fühlte ganz genau, wie Jennifers Hände sich nun vollständig ihrer Freundin zuwandten. Doch da war keine Eifersucht in ihr. Nur ein tiefes, rauschhaftes Begreifen.
Langsam löste Jennifer ihre Lippen von ihr. Laura hielt die Augen noch einen Moment geschlossen, ihr Atem ging zittrig und flach. Als sie die Lider hob, sah sie das geheimnisvolle Leuchten in Jennifers Blick.
„So...“, setzte Laura mühsam an, und ihre Stimme war kaum mehr als ein rauchiges Flüstern unter den Bässen. „So habe ich noch keinen Mann geküsst.“
Es war ein stummes, endgültiges Urteil über all die Jahre der bürgerlichen Pflichterfüllung in ihrem Ehebett. Ein Schauer durchlief ihren Körper. Sie sah, wie Nicole unter Jennifers knetenden Händen vor Verlangen bebte, und ein Gefühl tiefer, weiblicher Verbundenheit überkam sie.
„Du hast mir eben hier auf der Tanzfläche den entscheidenden Impuls gegeben, Jennifer, und erst danach konnte ich mein Halsband schließen“, bat Laura leise, während ihr Blick vollkommen klar und erhaben blieb. „Nicole hat ihres zwar schon umgelegt, aber ihr fehlt dieser Moment noch. Schenkst du ihr diesen Impuls auch – und darf sie dich danach küssen?“
Während Jennifers Finger Nicoles Brüste unentwegt weiter formten, lenkte sie ihren Blick nun ganz auf die begierig wartende Nicole. Ein wissendes, leises Lächeln legte sich auf ihre Lippen, und sie sagte:
„Diesen Impuls hat Nicole sich redlich verdient. Und ich werde ihn ihr mit derselben Freude schenken wie dir, Laura. Aber dafür müssen wir das Bild drehen. Laura, löse dich von mir und tanz mich von hinten an – umschließe mich. Und du, Nicole, drehst dich um. Schenk mir deinen Rücken und tanz dich so eng an mich heran, wie du nur kannst.“
Es dauerte nur wenige Takte, bis die drei Körper im dröhnenden Rhythmus der Bässe die Positionen gewechselt hatten. Nun spürte Jennifer Lauras schmale Brust warm an ihrem eigenen Rücken, während sich Nicole mit einer tiefen, wiegenden Bewegung von vorne rückwärts an Jennifers Bauch presste.
Nicole legte den Kopf nach hinten auf Jennifers Schulter, genau wie Laura es zuvor getan hatte. Sie schloss die Augen, gab die Kontrolle völlig ab und überließ sich ganz dem schweren Takt der Musik. Das kühle Leder des Halsbandes fühlte sich auf ihrer erhitzten Haut plötzlich unendlich heiß an. Sie spürte, wie Jennifers Arme wieder von hinten um ihre Flanken glitten.
Die Hände suchten sich blind den Weg unter die Seide ihrer Bluse, wanderten nach oben und legten sich schwer auf ihre prallen, ungeduldig wartenden Brüste. Zwischen Daumen und Zeigefinger zwirbelte Jennifer die Brustwarzen. Nicole hielt den Atem an. So einen sinnlichen Impuls hatte sie nicht erwartet.
Jennifer spürte sofort, wie Nicole den Atem anhielt und sich ihr Körper unter dem sanften Zwirbeln spannte. Ein leises, wissendes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie spürte, wie sich Nicoles Kopf noch ein Stück enger an ihre Schulter schmiegte, ganz wehrlos, ganz Hingabe.
Langsam wanderte Jennifers Mund an Nicoles Hals empor. Ihre feuchte Zungenspitze glitt in einer langsamen, zärtlichen Spur über Nicoles erhitztes Ohrläppchen, was Nicole einen wohligen Schauder über den Rücken jagte.
„Das ist dein sinnlicher Impuls ...“, raunte Jennifer ihr ins Ohr, ihre Stimme kaum mehr als ein dunkles, vibrierendes Atmen. „... und du hast dir das Halsband mit dem Ring schon vorher angelegt. Auch du hast eine Belohnung verdient. Wenn du wills,t darfst du mich jetzt küssen.“
Auf nichts anderes hatte Nicole gewartet. Sie drehte den Kopf, suchte gierig nach Jennifers Lippen und verlor sich augenblicklich in einem tiefen, fordernden Kuss, während ihre Zungen sehnsüchtig miteinander verschmolzen.
Jennifers Hände blieben unentwegt aktiv. Während ihr Mund Nicoles Lippen gefangen hielt, spürte sie, wie die Brustwarzen unter ihren Fingern unaufhaltsam größer und fester wurden, ganz prall vor Erregung. Es war der perfekte Moment, das zärtliche Spiel zu beenden.
Noch ein letztes zartes Zwirbeln der Nippel und dann kniff Jennifer mit aller Kraft in das empfindliche Fleisch.
Wie ein Blitzschlag jagte ein ekstatischer, sengender Impuls durch Nicoles gesamten Körper. Ein heftiger Ruck ging durch ihre Glieder, doch jeder Laut des Schreckens oder des Überraschtseins erstarb im Keim – ihr Mund war fest durch Jennifers Lippen verschlossen. Der stumme Schrei wandelte sich in eine Welle aus nackter, unbändiger Lust, die sie hilflos erzittern ließ.
Nicole preßte sich noch enger an Jennifers Körper.
Langsam lösten sich die Lippen der beiden voneinander. Nicole atmete schwer, während die Musik plötzlich mit einem harten Übergang in einen ganz anderen, treibenden Takt wechselte.
Der Rhythmus verlor seine samtige Tiefe.
Laura, die immer noch an Jennifers Rücken gelehnt stand, schüttelte leicht den Kopf. Die neue Musik passte überhaupt nicht mehr zu ihrer Ergriffenheit. Sie beugte sich vor und sprach dicht an Jennifers Ohr.
„Die Musik jetzt ist nicht so meins“, raunte sie. „Ich gehe an unseren Tisch zurück und warte dort auf euch.“
Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte Laura sich um und ging mit ruhigen, eleganten Schritten durch die Tanzenden hindurch zurück zu ihrer Nische.
Jennifer sah ihr kurz nach, dann wandte sie sich wieder zu Nicole, deren Brust sich noch immer heftig hob und senkte. Ein wissendes, leises Lächeln legte sich auf Jennifers Lippen. Mit einer eleganten Geste gab sie den Weg frei.
„Gehen wir ihr nach“, sagte Jennifer leise, aber unmissverständlich. „Wir trinken aus, bevor die Nacht wirklich beginnt.“
Als sie alle drei wieder saßen, wirkte die Szenerie fast wie ein gespenstisches Kaffeekränzchen, wären da nicht die schwarzen Lederbänder gewesen, die nun an den Hälsen der beiden Freundinnen prangten. Jennifer betrachtete sie eingehend. Die schwarzen Bänder mit den silbernen Ringen saßen perfekt auf ihrer Haut – ein krasser, dunkler Kontrast zur hellen Seide ihrer Blusen.
Sie wirkte nun eher wie eine Meisterin, die mit stiller Genugtuung das gelungene Werk ihrer Verführung betrachtete.
Jennifer griff nach dem kleinen, schwarzen Samtbeutel, der noch immer flach und leer zwischen den Gläsern lag. Sie hielt ihn hoch, fast so, als würde sie ein rituelles Gefäß präsentieren.
„Bevor wir einen Schritt weitergehen“, begann Jennifer, und ihre Stimme war sanft, aber sachlich, „müssen wir über den Ballast sprechen, den ihr noch mit euch herumtragt. Diese Ringe an euren Fingern ... sie sind die Anker eures Alltags, die Versprechen an Ralf und Alexander.
Wollt ihr heute Nacht wirklich frei sein?
Soll die bürgerliche Enge euch nicht wie ein Schatten verfolgen?
Dann müssen diese Relikte verschwinden.
Ich verwahre sie so lange in diesem Beutel, bis ihr sie aus eigenem Antrieb wieder zurückverlangt. Hier am Tisch gibt es keine Ehefrauen mehr. Nur noch euch – und mich.“
Ein kurzes, elektrisierendes Schweigen legte sich über die Nische. Nicole sah Laura an, und für einen Moment spiegelte sich die Tragweite dieses Schritts in ihren Augen. Es war der Bruchteil einer Sekunde, in dem das Bild ihrer bürgerlichen Wohnzimmer, der gemeinsamen Frühstücke und der langjährigen Sicherheit vor ihnen aufflackerte.
Nicole spürte, wie ihr Daumen instinktiv über das Gold an ihrem Ringfinger strich – eine Geste, die sie tausendmal unbewusst gemacht hatte. Sie suchte in Lauras Blick nach einem Halt, nach einem Grund, „Nein“ zu sagen, doch sie fand dort nur dieselbe brennende Ambivalenz.
Eigentlich hatten sie heute Abend etwas völlig anderes vorgehabt. Sie hatten sich im Badezimmer stundenlang zurechtgemacht, die Lippen feucht geschminkt, Rouge aufgelegt und Lauras rote Haarsträhne gefärbt, um im Bahnhofsviertel einen Mann aufzureißen.
Sie wollten das Wagnis eines echten Seitensprungs, wollten sich von einem Fremden nehmen lassen, um den Ehemännern daheim heimlich die Stirn zu bieten.
Das hier mit Jennifer war außer Kontrolle geraten.
Ein Abenteuer unter Frauen, so hatten sie im Stillen gedacht, zählte doch gar nicht als echter Betrug. Es war ein Prickeln, ein heißes Spiel, mehr nicht.
Doch dieses neue Spiel hielt sie gefangen. Es fraß sich tiefer und tiefer in ihre Gedanken, und anstatt zu flüchten, spürte Nicole eine obsessive Neugier.Ein einziger, intensiver Blick wanderte zwischen den Freundinnen hin und her – ein lautloses Einverständnis, das keine Worte mehr brauchte.
Sie würden nicht umkehren.
Es war Laura, die als Erste die Starre durchbrach. Ihre Hand zitterte leicht, als sie den Ring langsam über das Gelenk schob. Es war kein hastiger Ruck, sondern eine fast schmerzhafte Ablösung. Als Nicole das Gold in Lauras Hand aufblitzen sah, löste sich auch bei ihr der Knoten.
Wie in einer lautlosen Kettenreaktion folgten sie Jennifers Aufforderung. Die leisen, metallischen Plings, als erst Lauras und dann Nicoles Ring nacheinander in den Beutel fielen, klangen in der Stille der Nische wie ein endgültiger Abschied.
Jennifer zog die Kordel fest zu und verstaute den nun schweren Beutel in ihrer Tasche. Sie hatte den Moment des Zweifels genau beobachtet – und sie hatte ihn genossen. Denn ein Gehorsam, der den Zweifel besiegt, war für sie weitaus kostbarer als eine bloße Reaktion.
Mit einer langsamen, fast beiläufigen Bewegung griff Jennifer nach dem silbernen Ring an Nicoles Halsband und zog ihn ein Stück zu sich heran, sodass Nicole gezwungen war, den Kopf zu heben.
„Jennifer, du tust mir weh“, flüsterte Nicole fast unhörbar, während ihr Blick noch immer an der Stelle klebte, an der ihr Ring gerade noch gesessen hatte. Es war keine Beschwerde, sondern eine erste, nackte Feststellung der neuen Realität.
Jennifer beugte sich ein Stück vor, bis sie Nicoles Atem spüren konnte. „Nein, Nicole“, entgegnete sie mit einer Ruhe, die erschütternder war als jeder Schrei. „Das Leben tut dir weh. Der Alltag in deiner Vorstadt, das Schweigen am Frühstückstisch, das langsame Verblassen deiner Träume – das ist der Schmerz, der dich wirklich zerfrisst. Ich? Ich schenke dir nur eine Intensität, die dich diesen anderen, dumpfen Schmerz für einen Moment vergessen lässt.“
Sie sah von Nicole zu Laura. „Was ich euch gebe, ist ehrlich. Es hat eine Richtung. Es hat ein Ziel. Seid ihr bereit, den sinnlosen Schmerz eures Lebens gegen den einzutauschen, den ich bereit bin, euch zu geben?“
„Gut“, fuhr Jennifer fort, ohne die Antwort abzuwarten, die sie ohnehin bereits in ihren Augen las. „Jetzt, da ihr frei seid, müssen wir über die Regeln sprechen. Das hier ist ein Spiel, ein Spiel um Vertrauen, Hingabe und Führung. Aber jedes Spiel braucht Regeln.
Wir benutzen Safewörter.
Wenn eine von euch ‚Gelb‘ sagt, werden wir langsamer, wir atmen durch. Wenn eine ‚Rot‘ sagt, bricht alles sofort ab. Ohne Fragen, ohne böses Blut. Alles, was heute Nacht geschieht, geschieht, weil ihr es wollt. Verstanden?“
Nicole und Laura nickten synchron, fast ehrfürchtig. Die Erwähnung von Sicherheit gab ihnen das letzte Quäntchen Mut, sich fallen zu lassen.
Ein tiefes, gemeinsames Ausatmen löste die Anspannung in ihren Schultern; es war das Gefühl, in einen Abgrund zu springen und plötzlich zu bemerken, dass ein Netz gespannt war. Jennifers leiser, sachlicher Tonfall so nah an ihren Gesichtern wirkte wie ein Balsam auf ihre aufgewühlten Nerven.
Sie fühlten sich gesehen, geschützt und – zum ersten Mal seit Jahren – vollkommen sicher in ihrer Verletzlichkeit. In Nicoles Kopf ordnete sich alles: Es war nur ein Spiel, ein kontrollierter Raum, in dem ihnen nichts geschehen konnte, was sie nicht ausdrücklich zuließen.
Diese Gewissheit durchströmte sie wie eine warme Welle der Erleichterung und ließ sie vollkommen vergessen, weshalb sie heute Abend überhaupt in dieses Viertel gefahren waren.
„Meine erste Bitte“, sagte Jennifer scharf und ihre Augen blitzten kurz auf, „ist eure erste Chance, das Spiel zu beenden: Zieht eure Blusen aus den Röcken und knöpft sie vollständig auf. Jetzt!“
Obwohl sie es eine Bitte nannte, klang es wie ein Befehl für ihre letzte Schamfrist. Es war die erste sanfte Prüfung ihres Gehorsams. Nicole und Laura zögerten nur den Bruchteil einer Sekunde – ein letztes Aufbäumen ihres alten Ichs –, dann nestelten sie mit leicht zitternden Fingern an den Knöpfen.
Sie befreiten die feine Seide aus den Bünden ihrer Röcke und ließen die Stoffbahnen offen fallen.
Ohne BHs unter dem dünnen Material fühlten sie sich in der kühlen, klimatisierten Luft der Bar augenblicklich nackt, obwohl sie noch alles anhatten.
Die Kälte ließ ihre Brustwarzen hart werden – ein verräterisches Zeichen ihrer Erregung, das unter der geöffneten Seide zwar den Blicken aller im Raum ausgesetzt, aber ganz allein für Jennifers Auge bestimmt war.
Es gab keinen Schutz mehr, keine Barriere – nur noch das Leder an ihren Hälsen und die wartende Stille am Tisch.
Jennifer lehnte sich ein Stück zurück und ließ ihren Blick hingerissen über die beiden Frauen gleiten. Ein langsames, fast triumphierendes Lächeln erschien auf ihren Lippen, doch ihre Augen blieben die einer prüfenden Kennerin.
„Braves Fleisch“, raunte sie, fast nur zu sich selbst, während ein dunkler Stolz in ihrem Blick aufflammte. Sie dachte an all die anderen, die sie hier hatte scheitern sehen. Frauen, die großkotzig hereinstolzierten, behängt mit den Insignien ihres Status, nur um in dem Moment, in dem es ernst wurde, zu verzwergen.
Sie suchten verzweifelt nach Ausreden, klammerten sich an ihre bürgerliche Würde wie Ertrinkende an einen morschen Balken und flohen schließlich zurück in ihre sicheren, grauen Leben, aus Angst vor der eigenen Tiefe.
Dann richtete sie ihre Stimme direkt an Nicole und Laura, schärfer nun, fast wie eine Dozentin der dunklen Künste.
„Ich bin wirklich beeindruckt von euch. Wisst ihr, warum die meisten scheitern?
Weil sie den großen Irrtum unserer Zeit glauben: Dass man Sicherheit und Freiheit gleichzeitig haben kann.
Aber Freiheit gibt es nur ohne Sicherheit.
Je mehr Sicherheit ihr anhäuft, desto weniger Freiheit bleibt euch zum Atmen. Ich sehe es überall ringsum – all diese lächerlichen kleinen Absicherungen, die den Menschen vorgaukeln, sie seien geschützt, während sie in Wahrheit nur ihre Entscheidungsfreiheit Stück für Stück gegen Bequemlichkeit eintauschen.“
Sie machte eine kleine Pause und ließ die Worte wirken, während sie sah, wie Nicole und Laura jedes Wort aufsaugten.
„Ihr beide habt heute etwas Seltenes getan. Ihr habt die Sicherheit eurer Ringe und eurer zugeknöpften Blusen aufgegeben. Ihr habt euch für die Freiheit entschieden, die nur im Risiko existiert. Und deshalb...“ Ein wissendes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „...deshalb werde ich euch heute Nacht zeigen, was es wirklich bedeutet, lebendig zu sein. Aber ihr ... ihr liefert euch einfach aus. Das liebe ich.“
Sie beugte sich vor, sodass ihr Atem Nicoles Wange streifte. „Nicole, diese Brüste sind eine Naturgewalt. Wie sie da jetzt so frei unter der Seide hängen, schwer und fordernd ... Ralf hat recht, sie schreien förmlich nach einer Markierung.
Aber unter meinen Händen wird diese Gewalt ausbrechen. Ich werde dir die verborgene Wahrheit deiner Natur zeigen.“
Und du, Laura … “ Jennifer wandte den Blick zu der Gynäkologengattin, die sichtlich mit ihrem Atem kämpfte. „Deine Nippel sind wahre Prachtstücke.
So groß, so dunkel und jetzt schon so steif, dass sie den Stoff deiner Bluse fast durchstoßen.
Ich sehe ihnen an, dass sie heute Nacht noch viel vorhaben. Laura … ich weiß, es wird dir gefallen, wenn ich lustvoll an ihnen knabbern werde.
Ihr beide seid genau dort, wo ihr hingehört.“
Die Hitze, die bei diesen Worten durch Nicole und Laura schoss, ließ den Lärm der Bar vollkommen verblassen. Beide saßen da, die Seidenblusen bis zum Rockbund weit auseinandergewichen, die Brüste völlig ungeschützt. Sie hingen an Jennifers Lippen wie ein Junkie an der Nadel. Welche Wahrheit würde sie als Nächstes aussprechen?
„Ich gebe euch die nächste Chance, das Spiel zu beenden“, fuhr Jennifer fort. Mit einer fast aufreizenden Langsamkeit holte sie eine schwere, goldene Kette aus ihrer Tasche.
Das Metall wirkte massiv, fast antik in seiner Schwere, und teilte sich am Ende in zwei Stränge – ein glänzendes Ypsilon. Sie ließ die Glieder einen Moment lang durch ihre Finger gleiten. Das fließende, ölige Geräusch des schweren Goldes ließ Nicole und Laura unwillkürlich erschaudern, noch bevor Jennifer die Kette mit einem harten, vernehmlichen Klirren auf die Tischplatte fallen ließ.
Nicole und Laura starrten auf die Kette, als wäre es ein lebendiges Wesen. Das schwere Gold auf dem Tisch bildete einen scharfen Kontrast zu den kühlen, silbernen Ringen an ihren Hälsen – ein Joch, das ihre unterschiedlichen Metalle untrennbar zusammenzwingen würde.
Nicole dachte an eine Stelle in der Bibel, die sie kürzlich gelesen hatte. Dort stand etwas vom „Joch der Himmel“, einer freiwilligen Unterordnung, deren Last als „sanft und leicht“ beschrieben wurde.
Jennifer senkte ihre Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern, das die Bässe des Clubs für einen Moment völlig ausblendete.
„Seht euch das genau an. Das hier ist keine Dekoration, kein hübsches Accessoire für den Heimweg. Sobald diese Karabiner in euren Ringen sitzen, teilt ihr euch nicht mehr nur diesen Tisch. Ihr werdet zu einer Einheit unter meiner Führung.
Das Gold an euren Hälsen wird euch helfen, euch völlig fallen zu lassen. Wenn ich ziehe, folgt ihr – weil ihr es so gewählt habt. Wenn ich stehen bleibe, werdet ihr stillstehen.
Ihr vertraut mir und überlasst mir die Entscheidung, wohin es geht, wenn wir diesen Club verlassen.
Werde ich euch an der Kette durch hell erleuchtete Straßen führen, wo die Augen aller Passanten euch gierig anstarren? Oder werde ich euch durch dunkle Gassen an einen Ort führen, wie ihr ihn vielleicht schon einmal als kurze Szene in einem Erotikthriller gesehen habt — und bei dessen bloßem Anblick euch ein Schauder über den Rücken lief?“
Jede von euch wird es spüren, wenn die andere zögert oder stolpert. Dieses Gold ist das Band, das euer Schweigen und euer Versprechen ab jetzt untrennbar zusammenhält.“
Trotz dieser klaren Ansprache wirkte ihr Gesicht völlig gelöst und friedlich – ein Ausdruck von purer Gewissheit, während ihre Augen sanft und klar auf Nicole und Laura ruhten.
„Ich werde euch nicht anleinen. Diese Kette werde ich erst dann aufnehmen, wenn die Karabinerhaken in euren Ringen am Hals eingeklinkt sind“, sagte sie, und ihre Stimme wurde noch leiser, wie ein sanfter Sog, dem kein Widerstand gewachsen war.
„Ihr seid bereit, diese Entscheidung zu treffen. Jede für sich – oder noch besser: Ihr klinkt den Haken jeweils bei der anderen in den Ring ein.
Tut es vor meinen Augen.
Das ist meine Tür für euch, das Ganze hier zu beenden. Wenn ihr die Karabiner nicht einrasten lasst, endet das Spiel hier.
Ihr nehmt eure Eheringe aus dem Samtbeutel, legt die Halsbänder wieder hinein, knöpft eure Blusen zu und taucht wieder ein in euer sicheres, gesichtsloses Leben in der Vorstadt.“
Jennifer machte eine kleine Pause, ihr Blick wanderte langsam von Nicole zu Laura, als würde sie die leise Kluft zwischen ihnen bereits im Voraus vermessen.
„Überlegt mal: Wenn nur eine von euch den Mut besitzt ... bleibt die andere allein in der Kälte zurück. Nur wenn ihr beide den Schritt wagt, kommt ihr mit mir. Und dann schenke euch ein Wochenende, an dem jede Sekunde, jede Berührung und jeder Atemzug nur noch der nackten Wahrheit eurer Lust gehört.“
Ein schweres Schweigen legte sich über die Nische, nur unterbrochen vom dumpfen Wummern der Bässe aus dem Inneren des Clubs.
Nicole und Laura sahen sich an.
Der Druck des „Gegenseitigen“ lastete schwerer auf ihnen als jeder Befehl es gekonnt hätte. Wer von ihnen würde den ersten Schritt machen? Wer würde das Gold vom Tisch nehmen und das Schicksal der anderen – und damit auch das eigene – besiegeln?
Das glänzende Ypsilon auf dem Eichenholz schien die gesamte Energie des Raumes aufzusaugen, während der Samtbeutel daneben wie eine dunkle Mahnung an ihre alte Welt lauerte.
Jennifer lehnte sich zurück und überließ ihnen die Bühne. Sie kostete die Qual ihres Zauderns aus, dieses Ringen zwischen der gelernten Moral und dem nackten, hungrigen Begehren.
Jeder Atemzug verriet sie.
Nicole und Laura starrten auf die beiden Karabiner, die wie zwei goldene Krallen auf dem dunklen Holz lagen. Die Stille zwischen ihnen wurde schwer, fast greifbar.
Die Drohung, dass dieser Rausch jetzt einfach enden könnte – dass sie tatsächlich zurück in die Vorstadt, zu Ralf und Alexander und den ungebügelten Hemden müssten – wirkte wie ein Brandbeschleuniger für ihre Entschlossenheit.
Nicole spürte das heftige Klopfen ihres Herzens bis in die Fingerspitzen. Ein Blick zu Laura genügte; sie sahen in den Augen der jeweils anderen dieselbe Mischung aus nackter Angst und jener unbändigen Gier, die keine Moral mehr kannte.
Ohne ein Wort zu sagen, schob Nicole ihre Hand langsam über das dunkle Holz hin zu der Kette. Jennifers Blicke folgten dieser Bewegung mit ihrem psychologischen Scharfsinn, während sich Nicoles Finger dem kühlen Metall näherten, einen Herzschlag lang zögerten und dann den ersten Karabiner umschlossen.
Ihre Hand zitterte kaum merklich, als sie das Gold anhob und es für einen endlosen Moment in der Luft hielt, unschlüssig – genau in der Mitte zwischen sich und ihrer Freundin.
Laura, die den Weg der Hand genau verfolgt hatte, hielt den Atem an. In ihren Augen lag ein stummer, fast flehentlicher Blick, ein wortloser Schrei: Lass mich nicht allein. Lass mich nicht allein nach Hause gehen. Als hätte Nicole diese stumme Bitte erhört, führte sie das kühle Metall nicht zu ihrem eigenen Hals, sondern ließ den Karabiner in Lauras Ring einschnappen.
Es war ein wortloses Bündnis – und der endgültige Bruch mit ihrer alten Welt. Sie wollte Laura unbedingt an ihrer Seite wissen. Sie sollte die Zeugin und Komplizin ihrer Hingabe sein.
Sie wollte, dass Laura denselben Zug am Hals spürte, dieselbe vertrauensvolle Bindung an Jennifer.
Laura schluckte schwer und legte den Kopf leicht in den Nacken, als sie Nicoles Finger an ihrer Kehle spürte. Das metallische Klick, als der Haken in ihren Ring einrastete, klang in ihren Ohren wie das Schließen eines schweren Portals, mit dem sie ihren Alltag hinter sich ließen.
Der Klang hallte in ihrem Brustkorb wider.
Wie ein Echo auf das Klicken an ihrer eigenen Kehle suchte nun auch Lauras Hand nach dem verbliebenen Karabiner. Ihre Bewegungen hatten jede Scheu verloren.
Fast schon gierig, getragen von der plötzlichen Gewissheit ihres gemeinsamen Abenteuers, führte sie das Metall zu Nicoles Ring und ließ den Haken einrasten.
Beide hingen an den zwei Enden des Ypsilons, untrennbar verbunden. Jennifer nahm das lange Ende der Kette auf, wickelte es sich zweimal fest um die Hand und baute eine erste, sanfte Spannung auf.
Die Köpfe der beiden Frauen wurden durch den mechanischen Zug sachte nach vorne gelenkt, sodass sie Jennifer ganz nah waren.
Sie sah erst Nicole, dann Laura tief in die Augen.
„Es wird Menschen geben, die uns anstarren. Ihr werdet euch nackt fühlen, obwohl ihr eure Blusen tragt. Ihr werdet die Scham spüren und die Erregung, die daraus entsteht, dass jeder dieses Band zwischen uns sehen kann.
Das ist der Kern unseres Bündnisses. Wenn eine von euch doch kalte Füße bekommt, ist jetzt der Moment für 'Rot'.“
Stille legte sich über die Nische. Nicole spürte, wie ihr Puls gegen das Leder ihres eigenen Halsbandes hämmerte. Die Vorstellung, an einer Kette durch das Viertel geführt zu werden, war gleichzeitig abschreckend und so berauschend, dass ihr der Atem stockte.
Sie sah Laura an, deren Augen weit und dunkel waren. Keine von ihnen sprach. Kein „Rot“ kam über ihre Lippen.
Jennifer verkürzte den Spielraum mit einer kleinen, routinierten Bewegung ihrer Handfläche und gab einen kurzen, bestimmenden Ruck, der die beiden Frauen wie Marionetten vom Tisch weg nach vorne zwang. Ihre Augen leuchteten auf.
„Gut“, raunte Jennifer. „Jetzt seid ihr sicher an meiner Hand. Richtet euch auf – wir gehen.“
Nicole und Laura stolperten ein kleines Stück vorwärts, ihre Köpfe wurden durch den Zug am Halsband sanft nach oben gezwungen.
„Denkt daran“, raunte Jennifer leise. „Ihr seid stolz darauf, diese Halsbänder zu tragen und mir an der Kette zu folgen. Euren Stolz werdet ihr allen zeigen, also Kopf hoch!“
Als Jennifer die beiden Frauen an der straff gespannten Kette aus der Nische in Richtung Ausgang führte, passierte etwas, das Nicole den Atem raubte. Die Menge vor ihnen teilte sich wie von selbst.
Es war kein Erschrecken, sondern ein stummer, fast ehrfürchtiger Respekt, der ihnen entgegenschlug.
Ein berauschender Schauer von Stolz durchfuhr Nicole.
Es fühlte sich so unendlich richtig an, aufrechten Hauptes zu gehen. Die starrenden Blicke der anderen waren keine Demütigung, sondern eine lautlose Ehrung, die ihr tief schmeichelte und sie innerlich wachsen ließ.
Am Rand der Tanzfläche fing ein hagerer, dominant wirkender Mann Jennifers Blick auf und neigte langsam, voller Anerkennung das Haupt. Jennifer erwiderte den Gruß nicht, sie führte ihre Beute mit unnahbarer Kälte an ihm vorbei.
Nicole spürte die Augen der Anwesenden wie körperliche Berührungen auf ihrer Haut. Im Vorbeigehen streifte ihr Blick eine junge Frau, die einsam an einer Säule lehnte. Ihr Hals war nackt und ungebunden.
In den geweiteten Augen der Fremden lag kein Abscheu, sondern eine tiefe, brennende Sehnsucht. Sie starrte auf die glänzenden Glieder der Kette in Jennifers Hand, als würde sie in diesem Moment alles darum geben, mit Nicole den Platz zu tauschen.
Schritt für Schritt führte Jennifer sie weiter auf den Ausgang zu. Am Ende des Saals wandte Laura den Kopf noch ein letztes Mal um.
Der Gang, der sich eben noch ehrfürchtig für sie geteilt hatte, war bereits wieder mit sich wiegenden Menschen gefüllt. In einer der Nischen sah sie zwei Frauen, die flüsternd die Köpfe zusammengesteckt hatten und dem Trio mit ihren Blicken folgten.
Mit jedem Schritt nach oben wurde das Wummern der Bässe leiser. Als die schwere Tür zur Straße aufschwang, traf sie die kühle Nachtluft des Viertels wie eine Offenbarung. Das grelle Licht der Straßenlaternen ließ das Gold an ihren Hälsen hell aufblinken – doch dieses Funkeln war nichts gegen den stolzen Glanz, der in den Augen von Nicole und Laura lag.
An der nächsten Straßenecke gab es einen Taxistand. Der war das Ziel dieser faszinierenden Choreografie. Jennifer schritt vorweg, Nicole und Laura folgten mit erhobenen Häuptern. Es wirkte, als wäre Jennifer die Prima inter pares – die unbestrittene Spitze einer verschworenen Gemeinschaft. Sie führte die Kette, und genau dieses goldene Band hielt den Kreis der drei Frauen zusammen.
Das grelle Licht der Straßenlaternen war eine Grenze, und Nicole und Laura spürten sie sofort.
Für den Bruchteil einer Sekunde zuckte in beiden derselbe Instinkt – die Hand zu heben und den Ausschnitt der offenen Bluse vor der Welt zu verbergen. Doch noch bevor der Impuls die Finger erreichte, straffte sich das Gold an ihren Hälsen als eine sanfte, beiläufige Erinnerung.
Sie verstanden Jennifers Geste sofort. Ein Blick zu ihr genügte, um den Schutz ihres Bündnisses wieder zu spüren. Sie ließen die Hände sinken und gingen weiter, unnahbar und stolz.
Der Taxifahrer erstarrte, als er die drei Frauen sah. Sein Blick glitt von Jennifers kühlem Lächeln zu den goldenen Gliedern, die in Nicoles und Lauras Ringe eingehakt waren. Er schluckte hörbar und entriegelte die Tür.
„Hinterviertel. Am Park 69“, sagte Jennifer knapp, während sie die beiden auf die Rückbank dirigierte. Die Fahrt verlief in einer bleiernen, erotisch aufgeladenen Stille.
Im Rückspiegel sah der Fahrer Nicoles blasses Gesicht und Lauras entblößte Brust unter der Seide. Er fuhr langsamer als nötig, als wolle er diesen Anblick so lange wie möglich auskosten. Jennifer ignorierte ihn vollkommen, als wäre er nur ein Teil der Maschinerie, die sie an ihr Ziel brachte.
Laura spürte den lüsternen Blick des Fahrers im Spiegel wie eine Berührung auf ihrer Haut. Früher hätte sie sich weggedreht, die Bluse schützend zusammengezogen. Doch jetzt, unter der schützenden Gewissheit der Kette, empfand sie nur eine kühle, fast hochmütige Distanz.
Sie suchte Nicoles Hand und drückte sie fest.
Mit einer langsamen, provokanten Bewegung lehnte sie ihren Oberkörper ein Stück zur Seite, tiefer in das flackernde Licht der Straßenlaternen – genau so, dass der Fahrer freie Sicht auf ihre entblößte Brust hatte.
Soll er doch gieren, dieser arme Tropf, der seine eigene Frau vielleicht seit zehn Jahren nicht mehr vollständig nackt gesehen hat. Er ist nichts weiter als ein lüsterner Zuschauer in einem Drei-Personen-Kammerspiel, in dem Jennifer unsere Regisseurin ist.
Sie genoss es, dass die Kette bei jeder Kurve leise klirrte. Es hörte sich an wie ein metallisches Echo ihrer neuen, gefährlichen Freiheit, die kein Netz und keinen doppelten Boden kannte.
Das Klirren erinnerte beide daran, dass sie die Sicherheit der Vorstadt gegen die Ungewissheit dieser Nacht eingetauscht hatten – und gegen das, was am Ziel dieser Fahrt auf sie wartete.
Sie verloren die Last, immer funktionieren zu müssen.
Sie verloren die lähmende Vorhersehbarkeit ihrer Ehe.
Aber dieser Verlust fühlte sich berauschend für sie an.
Als der Wagen vor dem dunklen Backsteinhaus hielt und sie zu den massiven Fenstern der vierten Etage hinaufsahen, durchbrach Jennifers kühle Stimme die Stille.
„Meine Loft liegt ganz oben, über dem vierten Stock", sagte sie, während der Taxifahrer den Wagen stoppte. "Und nur zur Vorwarnung: Es gibt keinen Fahrstuhl."
Nicole wusste: Es gab kein Zurück mehr. Der Gedanke an die Vorstadt war nur noch eine verblasste Fotografie. Sie wollte kein Netz mehr, keine Sicherheit. Sie wollte nur noch, dass Jennifer die schwere Haustür hinter ihnen abschloss und den Schlüssel in ihrer Tasche verschwinden ließ.
Gehorsam traten Nicole und Laura über die Schwelle in den dunklen Hausflur. Sie folgten dem sanften Zug der Kette, ihre Blicke wie hypnotisiert auf Jennifers Nacken gerichtet. Hätten sie in diesem Moment auch nur für eine Sekunde zur Seite geschaut, wäre ihnen das kleine, polierte Messingschild neben den Klingeln aufgefallen. Darauf stand:
Jennifer Fuchs - Psychologin
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Kommentare: 46
Egal ob Lob oder Kritik, über einen kurzen Kommentar oder eine Bewertung freue ich mich immer sehr.
Übrigens binde ich meine Geschichten auf Wunsch auch als echtes Buch im Format A5 von Hand. Ein schönes Unikat für das eigene Bücherregal oder zum Verschenken. Wenn du Interesse an einer handgebundenen Ausgabe hast, schreibe mir einfach eine Nachricht über den Autorenkontakt.«
Kommentare: 29
Sehr schön, einfühlsam und gut nachvollziehbar erzählt, wie die beiden Hauptdarstellerinnen ihre bekannte Welt verlassen.
Gut zu lesen.
Minimale kleine Stilfehler trüben leider diese tolle Geschichte, sind aber in der Summe vernachlässigbar.
Tolles Werk und ich bin mir sicher, dass sich die Leser einen Fortgang der Geschichte baldigst wünschen, mich selbst eingeschlossen.
LG Valentino«
Kommentare: 21
Hätte mich zwar mehr über eine Fortsetzung der Familienbande gefreut, aber die Entschädigung ist trotzdem gelungen.
LG«
Kommentare: 13