Montagsgeschenk
von Wolfram W Tann
„Nichts ist so sehr geeignet, die Seele zu verwirren, als wenn man ein Geheimnis besitzt, das man nicht teilen darf.“ — Stefan Zweig
***
Das grelle Neonlicht der Deckenfluter spiegelte sich in den weißen Kacheln des Bodens und verlieh der Abteilung für Körperpflege etwas Unbarmherziges. Es war der Ort, an dem man sich mit den Notwendigkeiten des Daseins eindeckte – Seife, Zahnpasta, Rasierklingen. Doch ganz am Ende des Ganges, dort, wo die Regale weniger frequentiert waren, lagen die Utensilien für jene Bedürfnisse, über die man in der Vorstadt selten sprach.
Ich stand nur wenige Meter entfernt. Ich hielt eine Flasche Badeöl in der Hand, als würde ich den Duft prüfen, aber eigentlich beobachtete ich dich. Ich sah das nervöse Zucken deiner Mundwinkel, wenn jemand den Gang betrat. Ich sah, wie du deinen Ehering kurz unter dem Saum deines Ärmels verschwinden ließest – ein vergeblicher Versuch, die Realität zu maskieren.
Du hast dir Zeit gelassen. Du hast so getan, als würdest du die Inhaltsstoffe einer Mundspülung studieren, während dein Blick immer wieder verstohlen zur Seite glitt. Zu den bunten Schachteln, die Versprechungen machten, die dein Eheleben schon lange nicht mehr hielt. Seit einigen Wochen kam deine Frau montags erst spät nach Hause; Überstunden, hieß es. Ein Zeitfenster, das du nun für dich nutzen wolltest. Ein kleiner Ausbruch, ein Seitensprung, für den du dich hier diskret bewaffnen wolltest.
„Die Auswahl ist überwältigend, nicht wahr?“, sagte ich leise, während ich einen Schritt auf dich zumachte.
Du bist fast zusammengezuckt. Du hattest nicht damit gerechnet, dass dich hier jemand anspricht – und schon gar nicht eine Frau wie ich. Ich trug einen dunklen Mantel, der teuer aussah, und meine Augen fixierten dich mit einer Offenheit, die dich sichtlich überforderte.
„Ich... ich schaue nur“, stammeltest du und legtest die Packung, die du gerade in der Hand hieltest, hastig zurück. Es war ein Gleitgel mit Erdbeergeschmack. Ein bisschen zu juvenil für einen Mann in deinem Alter und in deiner Position, fand ich.
„Man sollte sich nie mit dem Zweitbesten zufriedengeben“, fuhr ich fort und lächelte. Mein Blick wanderte von deinem Gesicht zu deiner Hand mit dem Ring. „Besonders dann nicht, wenn man zu Hause bereits das Beste vermutet, aber etwas ganz anderes sucht.“
Du wusstest nicht, wie du reagieren solltest. Die Mischung aus Scham und plötzlicher Erregung war in deinem Gesicht wie in einem offenen Buch zu lesen. Ich war jünger als du, aber ich führte das Gespräch mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete. Wir unterhielten uns ein wenig über Belanglosigkeiten, während wir gemeinsam zur Kasse gingen. Du hast nichts gekauft. Ich auch nicht.
Draußen war die Luft kühl und blau. Die Stadt wirkte plötzlich wie eine Bühne, die nur für uns aufgebaut worden war.
Du wolltest den Zauber dieses Moments nicht brechen und hast mich wie automatisch durch die Straßen geführt. Ich folgte dir mit einer beiläufigen Eleganz, die dich glauben ließ, du hättest die Wahl getroffen – während ich in Wahrheit nur darauf wartete, dass du mich genau dorthin bringst, wo sich meine tiefsten Wünsche mit deiner verborgenen Sehnsucht treffen würden.
„Wohin gehen wir?“, fragte ich schließlich, als wir vor einem herrschaftlichen Altbau stehen blieben. Vor deinem Haus.
„Ich dachte... auf ein Glas Wein?“, sagtest du, und deine Stimme klang brüchig vor Vorfreude.
Ich nickte nur. Ich wusste bereits, was mich drinnen erwartete. Ich kannte die Bilder an den Wänden, bevor ich sie sah. Ich kannte die Frau mit den dunklen Haaren und den grünen Augen auf den Fotografien, noch bevor du sie mir vorstellen konntest.
Dein Haus war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Ein Tempel der bürgerlichen Beständigkeit. Schwere Vorhänge, gedämpftes Licht und der leise Geruch nach Bienenwachs und teurem Leder. Du hast mir einen Drink eingeschenkt – einen Single Malt, viel zu gut für einen schnellen Vorwand – und wir saßen auf dem Sofa, das viel zu groß für uns beide war.
Du warst der perfekte Gentleman. Ein bisschen zu bemüht vielleicht, aber charmant.
Mein Blick blieb an dem gerahmten Foto auf dem Sideboard hängen. Deine Frau. Sie war eine klassische Schönheit, dunkles Haar, Augen wie Smaragde. Ein wenig zu unberührbar wirkte sie auf dem Bild, fast wie eine Statue.
„Sie ist... konservativ“, sagtest du und drehtest dein Glas zwischen den Fingern, als müsstest du dich für sie rechtfertigen. „Leidenschaftlich auf ihre Art, aber sehr zurückhaltend. Es gibt Dinge, über die wir einfach nicht sprechen können. Die Montage... die Überstunden... ich glaube, sie braucht diesen Abstand einfach.“
Du hast mir eine Liste ihrer „Neins“ präsentiert, ohne es zu merken.
Kein Licht, keine Experimente, keine Abweichungen vom Protokoll der Ehe. Du dachtest, du würdest mich damit ködern, mir zeigen, wie sehr du eine Frau wie mich brauchst. Jemanden, der die Regeln bricht.
Ich habe nur lächelnd genickt und mich kurz entschuldigt.
Als ich wenige Minuten später splitterfasernackt ins Wohnzimmer zurückkehrte, war dein Gesicht ein Meisterwerk der Verwirrung.
Ich sah, wie dein Blick an meinen Kurven hängen blieb, wie deine Pupillen sich weiteten. Du wolltest etwas sagen, vielleicht einen souveränen Kommentar abgeben, der die Situation auflockert, aber ich ließ dir keine Zeit. Ich stieß dich zurück in die Polster und setzte mich rittlings auf dich.
„Lass uns die Montage vergessen“, flüstere ich und drücke dich mit flachen Händen gegen die Lehne, als du gerade ansetzen willst, dich aus deiner Kleidung zu schälen. „Die Montage, an denen du hier auf diesem Sofa saßt und nach dem flüchtigen Besuch einer anderen Frau hektisch versucht hast, die Spuren deines Fehltrittes zu beseitigen. Ein verirrtes Haar, der verräterische Duft eines fremden Parfüms, ein vergessenes Glas... all die kleinen Beweise deiner mühsam herbeigesehnten Sünden, die du weggewischt hast, bevor der Schlüssel deiner Frau im Schloss gedreht wurde.“
Du erstarrst. Ein Schatten von nackter Panik huscht über dein Gesicht. Woher wusste ich das? Hattest du mich schon einmal gesehen? Oder war ich nur die Projektion deines schlechten Gewissens, die nun Fleisch geworden war und rittlings auf dir saß?
„Ich möchte dir eine Geschichte erzählen.“
Du bist bereits hart, das spüre ich deutlich durch den Stoff deiner Hose.
Ein amüsiertes Lächeln umspielt meine Lippen, als ich sehe, wie du nach Luft ringst. „Mach dich bereit“, sage ich leise, „und öffne den Reißverschluss für mich. Aber beweg dich nicht mehr als nötig. Du bist jetzt mein Zuhörer.“
Deine Finger zittern leicht, als du gehorchst.
Es war eine fast mechanische Geste, während dein Blick fest an meinen Augen klebt, als suchtest du darin die Auflösung eines Rätsels. Erst als du dich befreit hast, führe ich dich in mich hinein – langsam, zentimeterweise. Ich spüre, wie du tiefer sinkst, wie meine Wärme dich umschließt und festhält.
Ich bin schon feucht vor Vorfreude – auch wenn du dir in deiner Eitelkeit sicher nicht vorstellen konntest, worauf ich mich wirklich freue. Es war nicht nur dein Körper; es war auf den Moment, in dem dein Verstand Risse bekommen würde.
Ich presse mich gegen dich, halte dich mit meinen Schenkeln und meinen Muskeln gefangen, wie eine Pflanze, die ihre Beute umschlingt und nie wieder loslässt. Ein biologischer Arrest. Du keuchst, als ich den Druck erhöhe, und deine Augen suchen haltlos nach einem Fixpunkt in deinem eigenen Wohnzimmer.
„Wie lange haben wir?“, frage ich beiläufig, während ich den Rhythmus variiere.
„Vielleicht eine Stunde“, presst du hervor. Deine Stimme klingt dünn.
„Und was macht deine Frau in dieser Stunde?“
Diese Frage trifft dich unvorbereitet.
Ich sehe, wie hinter deinen Augen die Angst aufblitzt – die absurde Befürchtung, ich könnte eine jener professionellen Zeuginnen sein, die man engagiert, um Ehemänner wie dich zu Fall zu bringen. (Ich kann dich beruhigen: Die Schnittmenge zwischen Privatdetektiven und Sexarbeiterinnen ist verschwindend gering, egal was man in schlechten Romanen liest.)
„Sie arbeitet... montags immer länger“, sagst du, aber es klingt mehr wie eine Beschwörung als wie eine Tatsache.
„Oh? Hat sie etwa selbst eine Affäre?“ Ich schenke dir mein bösartigstes Lächeln.
„Nein ... natürlich nicht!“, erwiderst du hastig. „Das wäre überhaupt nicht ihre Art.“
Du hast es laut gesagt, um dich selbst zu überzeugen, aber ich sehe das winzige Zögern in deinem Blick. Die Idee war nicht so absurd, wie du sie darstelltest, oder? In der sterilen Abteilung des Drogeriemarktes warst du dir noch sicher gewesen, aber hier, unter meinem Gewicht, beginnt die Gewissheit zu schmelzen.
„Vielleicht ist es ja genau ihre Art “, flüstere ich und intensiviere die Stimulation, bis du den Kopf in den Nacken legst.
„Stell dir mal vor, deine Frau wäre jetzt gar nicht mehr bei der Arbeit“, sage ich, während ich mich ganz leicht über dir bewege, „stell dir vor, sie wäre vor einiger Zeit auf dem Heimweg einem Mann begegnet. Einem Mann, der keine Fragen stellt, sondern Antworten gibt, die sie nie gesucht hat.“
Du willst widersprechen, willst sagen, dass sie das niemals tun würde. Aber der Satz stirbt in deinem Hals, weil du merkst, dass ich nicht nur über sie spreche – sondern über eine Realität, die du längst hättest sehen können.
Aber der Sog der Geschichte ist bereits stärker als dein Verstand. Ich halte deinen Rhythmus allein mit meinen Muskeln in Schach, eine stumme Übereinkunft zwischen Fleisch und Wort. Du bist jetzt mein Gefangener, fixiert auf diesem Sofa, während ich den Takt angebe.
„Er hat sie nicht mit Magie verführt, denn er ist kein Zauberer“, fuhr ich fort, „sondern mit der schlichten Wahrheit, dass sie mehr ist als die Frau, die im Dunkeln auf den Schlaf wartet. Er hat sie nicht mitgenommen, nein, sie ist, als ob sie nur auf ihn gewartet hätte, mitgegangen. Zu ihm. Nicht weit von hier. In ein Haus, das viel älter ist als dieses...“
„Stell dir vor“, flüstere ich an deinem Ohr, während meine Bewegungen über dir fordernder werden, „sie gehen nebeneinander her. Die Stadt ist um diese Zeit fast leer, nur das Echo ihrer Schritte auf dem feuchten Asphalt begleitet sie. Sie bleiben ab und zu stehen, fast so, als müssten sie die Schwere der Worte erst verdauen, bevor sie den nächsten Schritt tun können.
Er brauchte keine Magie, keine Überredung.
Nur diesen einen Funken, der auf das staubtrockene Stroh ihrer Ehe fiel. Die 'stille Kündigung', die sie vor Monaten unterschrieben hatte, wurde in diesem Moment des Gehens zu einer lodernden Realität. Sie sah ihn von der Seite an – diesen Fremden – und in ihren Augen lag eine Gier, die du bei ihr nie für möglich gehalten hättest. Weil du sie nie gefragt hast. Weil du geglaubt hast, ihr 'Nein' sei in Stein gemeißelt, dabei war es nur die Antwort auf deine eigene Einfallslosigkeit.“
Ich halte kurz inne, um das Gewicht dieses Satzes in dich einsinken zu lassen. Dein Körper unter mir ist wie eine gespannte Saite. Ich sehe, wie du nach Luft ringst, während wir uns auf dem Sofa bewegen.
„Aber bevor sie sich ihm wirklich hingeben würde“, fuhr ich leise fort, „wollte er noch ihre Wahrheit hören. Er wollte, dass sie den Verrat an dir in Worte fasst, damit er für sie beide unumkehrbar wird. Er blieb unter einer flackernden Straßenlaterne stehen und sah sie an, als wäre sie das einzige Rätsel, das es wert war, gelöst zu werden.“
„‚Und warum würden Sie ihn überraschen, wenn Sie früher nach Hause kommen?‘, fragte der Mann leise. Sein Blick war ruhig, fast analytisch, als würde er eine Partitur lesen, die nur sie hören konnte.
‚Weil ich ihn vielleicht mit einer anderen Frau zusammen finde‘, sagte sie. Ihre Stimme war jetzt fest, befreit von der Last des Schweigens.
‚Oh!‘, sagte der Mann. „Sie verdächtigen ihn also.‘
‚Das tue ich‘, sagte sie. ‚Ich glaube, er bringt andere Frauen in unser Heim, während ich arbeite.‘
Sie gingen weiter, ein paar Schritte nur, bevor er erneut stehen blieb. ‚Das tut mir sehr leid“, sagte der Mann. ‚Vielleicht kann ich Ihnen helfen.‘
‚Echt?‘, sagte sie und sah ihn zum ersten Mal wirklich an. ‚Wie könnten Sie mir helfen? Sie kennen mich doch gar nicht.‘
‚Gerade deshalb‘, antwortete er. ‚Lassen Sie uns bei mir zu Hause darüber reden. Dort ist es warm, es gibt keinen Wind, der die Worte wegträgt, und keine Nachbarn, die die Wahrheit fürchten.‘
‚Ja‘, stimmte sie zu. Das Wort kam fast von allein, ohne den Filter ihres Verstandes.
Sie war mit seinen Vorschlägen mehr als nur einverstanden; sie war erleichtert. In diesem Moment war sie sich absolut sicher, dass dieser Fremde der Einzige war, der die Trümmer ihrer Ehe sortieren konnte.“
Ich halte inne und sehe dich an. Dein Atem geht stoßweise, und ich spüre, wie dein Herz gegen meine Schenkel hämmert.
„Gefällt dir die Geschichte bisher?“, frage ich und streiche dir über die Wange.
„Ja“, sagst du mit einer Stimme, die so trocken ist, dass sie fast zischt.
„Dann mache ich weiter“, sage ich und drücke mich noch ein Stück fester gegen dich.
„Stell dir vor“, flüstere ich, während ich mein Gewicht noch ein wenig mehr auf dich verlagere, „sie erreichen das Haus. Ein Stadthaus aus der Zeit, als diese Stadt noch jung war, mit hohen Fenstern, die wie dunkle Augen auf die Straße blicken. Er holt einen schweren Schlüssel hervor, das Metall klackt trocken im Schloss, und er führt sie hinein.
Sobald die Tür hinter ihnen ins Schloss fällt, stirbt das Geräusch der Außenwelt ab.
Es ist still. Nur das Ticken einer fernen Uhr und der Geruch von fremdem Tabak und altem Holz empfangen sie. Es ist nicht das Haus eines Ehemanns, der hektisch Spuren verwischt. Es ist das Haus eines Mannes, der sie erwartet hat, ohne sie zu kennen.
Sie tritt in diesen Flur, und sie spürt dieses Zittern in ihren Knien. Aber es ist keine Angst, das habe ich dir ja schon gesagt. Es ist das Nachlassen einer jahrelangen Spannung. Das Fundament deiner Ehe ist draußen auf dem Bürgersteig geblieben.
Er tritt hinter sie. Ganz nah. Er berührt sie nicht, aber sie spürt die Wärme seines Körpers durch den Stoff ihres Kostüms.
‚Darf ich?‘, fragt er leise.“
Sie nickt nur. Sie kann nicht anders.
Als er ihr den Mantel abnimmt, berühren seine Finger kurz ihren Nacken. Nur eine Sekunde. Ein elektrischer Schlag, der direkt in ihr Becken fährt. Sie weicht nicht zurück. Im Gegenteil: Sie lehnt sich fast unmerklich in diese Berührung hinein, so wie ich mich jetzt gegen dich lehne.
Sie ist allein mit einem fremden Mann in seinem Haus, und sie weiß mit jeder Faser ihres Körpers, dass sie nicht hier sein sollte. Dass sie eigentlich zu Hause sein müsste, um dich zu ‚überraschen‘. Aber sie ist hier, und dieses Gefühl … es erregt sie so sehr, dass sie kaum atmen kann.
Ein heißes Kribbeln beginnt in ihrem Nacken und zieht sich wie ein elektrischer Stromschlag über ihr Rückgrat bis tief in ihren Schoß. Sie spürt, wie die Feuchtigkeit den feinen Stoff ihrer Unterwäsche besiegt und ihre Nippel sich versteifen, ein stilles Eingeständnis ihres Körpers, das sie vor dir so lange verborgen hat.
Sie ist es nicht gewohnt, Dinge zu tun, von denen sie weiß, dass sie falsch sind. Während er ihren Mantel ordentlich an die Garderobe hängt, fragt sie sich, ob genau das vielleicht das Problem in eurer Ehe ist: Dass alles immer nur ‚richtig‘ sein musste. Dass du nie begriffen hast, dass sie nach diesem Abgrund gesucht hat.
„Sie erzählte ihm noch mehr“, flüstere ich und intensiviere den Druck meiner Knie gegen deine Flanken. „Dinge, die sie dir gegenüber nie ausgesprochen hätte. Sie sprach darüber, wie sie nachts neben dir liegt und sich fragt, ob deine Zärtlichkeit nur eine Pflichtübung ist. Ob es dir wirklich um sie geht oder nur darum, deine eigene Lust an ihr abzuarbeiten. Sie gestand ihm, dass sie keinen Vergleich hat – dass du der Einzige warst und sie nie wusste, was sie eigentlich erwarten darf. Ob da noch mehr ist als dieses funktionale Miteinander.“
Ich sehe, wie du den Kiefer anspannst. Die Wahrheit ist schmerzhafter als jede Lüge.
„‚Ich verstehe‘, sagte der Mann im alten Haus leise. Er reichte ihr ein Glas. Kein Wasser, kein höfliches Getränk. Es war ein schwerer, tiefroter Wein, fast wie Blut, und dazu eine schmale, handgedrehte Zigarette, deren Duft süßlich und fremd in der Luft hing. Etwas, das sie noch nie probiert hatte. Etwas, das in eurem geordneten Leben keinen Platz hatte.“
Ich lache leise gegen deine Schläfe.
„‚Entspann dich einfach‘, sagte er zu ihr. Und sie tat es. Sie nahm einen tiefen Zug, spürte, wie das Kratzen in ihrer Kehle zu einer wohligen Wärme in ihrer Brust wurde. Der Wein tat sein Übriges. Es gab keine künstliche Trance, keine fremde Macht, die sie steuerte. Es war die schlichte, chemische Wahrheit der Enthemmung, die direkt in ihr Blut schoss. Sie fühlte, wie die moralischen Anker, die du ihr jahrelang eingeredet hattest, einer nach dem anderen rissen. Sie fühlte sich offen. Empfänglich. Und sie fühlte noch etwas anderes ...“
„Was?“, fragst du, und deine Stimme klingt brüchig.
„Das weißt du“, antworte ich mit einem bösartigen Lächeln, während ich meine Hüften langsam gegen dich kreisen lasse.
„Sie spürte eine pulsierende Hitze, die nichts mit Liebe zu tun hatte. Es war reine, egoistische sexuelle Gier. Und dann tat sie etwas, das dich am meisten überraschen wird: Deine Frau begann, sich auszuziehen. Ganz allein. Ohne dass er sie darum bitten musste.“
„Sie begann mit ihrem Blazer“, flüstere ich und streiche mit meinen Fingerspitzen über deine angespannten Schlüsselbeine.
Dieses steife, dunkle Tuch, das sie in deinem Leben immer so unnahbar gemacht hat. Sie nestelte an den Knöpfen, und ihre Finger zitterten nicht mehr. Sie ließ ihn einfach von ihren Schultern gleiten, bis er wie eine leblose Haut auf den Dielen landete.
‚Das ist gut‘, sagte der Mann im alten Haus leise. Er saß in seinem Sessel und sah ihr einfach nur zu. Er rührte sie nicht an. ‚Du tust nichts Falsches. Du lässt nur das beiseite, was nicht zu dir gehört.‘
Als Nächstes kam die Bluse.
Die Seide knisterte leise, als sie sie aus dem Bund ihres Rocks zog. Sie öffnete die Knöpfe von oben nach unten, ganz langsam, und mit jedem Zentimeter Haut, der frei wurde, atmete sie tiefer ein. Sie spürte die kühle Luft des Raumes auf ihrem Dekolleté – eine Freiheit, die sich beinahe sündhaft anfühlte.
‚Spürst du, wie leicht du wirst?‘, fragte er. Sein Blick war wie eine warme Berührung auf ihrer nackten Haut. ‚Es gibt hier keine Regeln, denen du genügen musst. Nur deine eigene Neugier.‘
Dann öffnete sie den Reißverschluss ihres Rocks.
Das trockene Geräusch des Metalls schnitt durch die Stille des Zimmers. Der schwere Stoff rutschte über ihre Hüften nach unten und sammelte sich um ihre Knöchel.
„Siehst du deine Frau, wie sie jetzt nur noch in ihrer Unterwäsche vor ihm steht, zerbrechlich und doch so entschlossen?“, frage ich. „Hast du sie jemals so erlebt?“
‚Du bist wunderschön in deiner Aufrichtigkeit‘, ermutigte er sie. Er goss ihr noch ein wenig von dem schweren Wein nach. ‚Hier gibt es niemanden, der dich bewertet. Hier bist du nur du selbst.‘
Zum Schluss blieben nur noch die Strümpfe und der Hauch von Spitze.
Sie wandte ihm den Rücken zu, ein bewusster Akt der Schamlosigkeit, um ihm den Anblick ihrer Kurven zu gönnen, während sie den Verschluss des Strapsgürtels suchte. Das leise, metallische Klicken, als sie die drei Clips an jedem Bein löste, war das einzige Geräusch im Raum. Sie spürte den kühlen Luftzug auf der Haut ihrer Oberschenkel, wo das Silikon und die Spitze der Halterungen gerade noch fest gesessen hatten.
Mit einer fast rituellen Langsamkeit streifte sie den Gürtel über ihre Hüften ab und ließ ihn achtlos hinter sich fallen. Dann erst setzte sie sich auf die Kante seines Bettes. Das langsame Abrollen der feinen Seide über ihre Knie, die Waden hinunter bis zu den Fersen, war ein Opfer an diesen Abend. Sie tat es mit einer haptischen Hingabe, einer Anmut, die sie bei dir immer unter der Bettdecke versteckt hatte.
In diesem Moment glaubte sie noch, ihn zu verführen, die Kontrolle über das Spiel zu behalten. Sie ahnte nicht, dass sie ihm bereits mit Haut und Haaren verfallen war, noch bevor der Stoff den Boden berührte.
Sie legte die Strümpfe beiseite und blieb einen Moment so sitzen, nur in ihrem BH und dem Slip, die Haut schimmernd im warmen Licht der Kerzen.
‚Nimm noch einen Zug, dann wird es noch leichter‘, ermutigte er sie und reichte ihr erneut den Joint.
Sie nahm ihn entgegen, ihre Finger berührten die seinen, und sie inhalierte tief. Sie spürte, wie der letzte Rest von Widerstand in ihrem Kopf einfach verdampfte. Es gab kein Zurück mehr zu der Frau, die vor einer Stunde noch Akten im Büro bearbeitet hatte.
‚Komm her‘, sagte der Mann schließlich.
Und sie ging zu ihm.
Vollständig nackt. Vollständig entblößt von der Frau, die du zu kennen glaubtest. Die ‚stille Kündigung‘ war nun mit ihrer bloßen Haut besiegelt.
Ich sehe, wie dein Schwanz unter mir heftig pulsiert, noch bevor du überhaupt nicken kannst.
„Ich dachte mir, dass dich das erregt“, flüstere ich.
„Also... was macht er als Nächstes?“, fragst du mit rauer Stimme.
„Sie lagen zusammen im Bett“, fahre ich fort. „Sie lag auf dem Rücken, ihre Beine empfangsbereit gespreizt, und starrte an die Decke. Ihre grünen Augen waren riesig, als sie ihn schließlich fragte, wie sie ihn überhaupt nennen solle. Er antwortete nicht mit Worten. Er berührte sie einfach. Seine Finger und sein Mund küssten, leckten und erforschten sie überall. Er schmeckte sie, als wäre sie eine fremde Frucht, die er gerade erst entdeckt hatte.
„Und während er das tat, erzählte er ihr Geschichten voller Lust – davon, wie sie bei seiner Berührung die ungeheuerlichsten Empfindungen erleben würde. Und sie tat es. Sie kam, und sie kam, und sie kam wieder! Sie war noch nie so gekommen. Sie hatte nie gewusst, dass diese Art von Orgasmus ihr Geburtsrecht als Frau war. Aber als seine Finger und sein Mund sie immer wieder zum Höhepunkt brachten, fühlte sie sich … neu erschaffen. Es entstand ein völlig neuer Mensch. Jemand, der nur noch zum Vergnügen existierte. Um es zu geben, um es zu empfangen, um darin zu leben.
„Sie vergaß, wo sie war. Sie vergaß, was sie hierher gebracht hatte. Sie vergaß sogar, wer sie war.
„Sie existierte nur noch, um ihren Körper und den Körper dieses Mannes zu genießen. Das war alles, was sie noch wollte. Und dann war er in ihr. Ihr Verstand explodierte vor Vergnügen. Das war es, was ihr in ihrem ganzen Leben gefehlt hatte!
„Der Nebel lichtete sich, und sie wusste plötzlich ganz genau, wer sie war: Sie war seine Liebessklavin. Aber wer war er, fragte sie sich? Wieso spüre ich, nicht mehr ohne ihn leben zu können?
„Sie war zu seinem Sexspielzeug geworden. Sie existierte nur noch, um ihm Freude zu bereiten. Sie konnte sich nicht mehr vorstellen, dass sie das jemals nicht gewusst hatte.“
„Was ist das?“, presst du hervor und versuchst, dein Becken gegen mich zu drücken.
„Noch nicht“, sage ich scharf. „Ich bin noch nicht fertig mit dir. Lass mich meine Geschichte zu Ende erzählen.“
Ich drücke dich fester in die Polster.
„Deine Frau vergaß, dass sie zu Hause erwartet wurde. Sie vergaß, dass sie verheiratet war.
„Ihre Muschi verlangte nach all der Erfüllung, die ihr bisher vorenthalten wurde. Sie lernte nach und nach, so viele Dinge. Wie man einen Mann mit dem Mund verwöhnt. Wie sie es genoss, seinen Schaft ganz tief in ihrem Hals zu spüren. Die Freuden, von hinten genommen zu werden. Einen Mann mit ihren Brüsten zu verwöhnen, war etwas, wofür sie – wie du weißt – bestens gerüstet war. Und sogar dieser andere Eingang ...“
„Was?“, sagst du. „Sie würde nie ...“
„Das ist sie bereits“, unterbreche ich dich mitleidlos.
„Deine wunderschöne, konservative Frau wurde an einem dieser Montage mit den Überstunden von einem anderen Mann in den Arsch gefickt. Ein Mann, den sie danach nur noch ‚Meister‘ nannte. Ein Mann, dem sie mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen und gehorchen wollte. Heute wird ihre Metamorphose vollendet.
„... und ich sehe die Erkenntnis in deinem Gesicht dämmern, wie ein langsames, kaltes Licht."
„Wie oft ... Wie lange scho..." – Die Frage erstirbt in deinem Mund, noch bevor du sie zu Ende bringen kannst. Deine Lippen zittern, aber der Körper unter mir gehorcht bereits einer anderen Logik.
„Ziemlich oft", antworte ich leise und streiche dir über die Schläfe. "Es waren viele Montage. Aber heute ist der letzte. Sie wird die Prüfung bestehen. Danach wird sie seine – nein, unsere Liebesgöttin sein. Deine Frau ist Geschichte. Was jetzt vor dir liegt, ist die Erfüllung deiner dunkelsten Gebete."
„Und dir wird in diesem Augenblick klar, warum sie heute auch noch nicht nach Hause gekommen ist. Weil sie in dem Bett liegt, das ich mit dem Mann teile, der jetzt ihr Meister und Besitzer ist. Und mit dieser Erkenntnis versucht dein Körper zu kommen und während du mir dabei tief in die Augen schaust, weißt du, dass dies genau das ist, was du immer wolltest.
„Mach dir keine Sorgen, keine Überstunden am Montag mehr“, sage ich leise, während ich deine Bemühungen spüre. „Wir überlassen sie dir, wenn wir sie gerade nicht brauchen.“
Ich halte inne und lächle dich an.
„Am nächsten Freitag kommt deine Frau dann ins Wohnzimmer.“
„Sie ist eine Augenweide in ihrem kurzen Kleid, dem engen Top, das ihre riesigen Brüste zur Schau stellt, und den High Heels. Sie wird das Wochenende bei uns verbringen, wie sie es ab jetzt an den meisten Wochenenden tut. Mit ihren Meistern und Besitzern.
„Sie kommt herein und setzt sich rittlings auf dich.
„Dein Schwanz ist schon wieder hart und pulsiert, wenn du nur daran denkst, was dieses Wochenende mit ihr passieren wird. Du schaust in ihre schönen Augen, als sie dich langsam in sich hineingleiten lässt. Schließlich ist sie jetzt zwar unser Eigentum, aber ihr beide seid ja immer noch verheiratet.
„Und sie beginnt, dich langsam zu reiben und zu necken, genau wie ich es ihr beigebracht habe. Sie erzählt dir alles darüber, was wir dieses Wochenende für sie geplant haben. Dass sie unsere Dienerin sein soll, unser Bettspielzeug. Dass sie uns baden und massieren wird... und uns natürlich mit ihrem Mund, ihren Titten, ihrer Fotze und ihrem Arsch verwöhnen wird.
„Und ich sage dir: Das ist nun ihr Lebensinhalt. So sehr liebt sie uns.
„Sie existiert nur noch, um uns Freude zu bereiten. Aber wenn sie am Sonntagabend zu dir zurückkehrt, wird sie sich vor dir hinknien, weil sie weiß, wie sehr du das dir wünschst. Sie wird dich mit ihrem Mund zum Orgasmus bringen und jeden Tropfen deiner Lust gierig schlucken.
„Betrachte es als unser Geschenk an dich – dafür, dass du unsere Gespielin sicher verwahrst, wenn wir ihre sexuelle Leidenschaft gerade nicht genießen.
„Und deine Frau lächelt dich dabei an, während sie sich rittlings auf dir reibt.
„Sie flüstert dir ins Ohr, wie vollkommen und absolut unterwürfig sie ihren Meistern und Besitzern gegenüber ist. Sie erzählt dir Geschichten über all die Dinge, die sie für uns getan hat und noch tun wird, bis dein Verstand nur noch aus Bildern unserer Nacktheit besteht.
„Und du kommst immer wieder in ihr, tiefer und heftiger als je zuvor.
„Aber während du in ihre schönen Augen siehst, sagst du ihr nicht die Wahrheit.
Du sagst ihr nicht, dass du in diesem Moment gar nicht sie spürst. Dass du in Wirklichkeit an meinen Körper denkst, der dich hier auf diesem Sofa besiegt hat.“
„Jetzt! Jetzt darfst du für mich kommen!“
ENDE
***
„Alles in der Welt dreht sich um Sex, außer Sex. Bei Sex geht es um Macht.“ — Oscar Wilde
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