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Kommentare: 6 | Lesungen: 737 | Bewertung: 8.39 | Kategorie: Sex Stories | veröffentlicht: 10.08.2026

Sonntagsausflug

von

„Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben. Widersteht man ihr, so siecht die Seele vor Sehnsucht nach den Dingen, die sie sich selbst verboten hat.“


— Oscar Wilde (Das Bildnis des Dorian Gray)


***


Das monotone, rhythmische Schlagen der Reifen auf den ausgefahrenen Dehnungsfugen der alten Betonautobahn war das einzige Geräusch, das den Innenraum des Wagens erfüllte. Alle paar Sekunden übertrug sich ein harter, doppelter dumpfer Stoß - du-dumm - durch das Fahrwerk direkt in die Sitze – ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Straße ihre besten Jahre längst hinter sich hatte.


Auf der Rückbank existierte die Welt nicht mehr; die vierzehnjährigen Zwillinge waren tief in ihre Sitze gerutscht, die Kinnladen nach unten gesenkt, die Gesichter vom kalten, bläulichen Licht ihrer Smartphones erhellt. Die großen, gepolsterten Kopfhörer schnitten sie vollkommen von der Umgebung ab. Für sie gab es weder die vorbeiziehende Landschaft noch die bleierne, unausgesprochene Spannung, die schwer zwischen den beiden Vordersitzen hing. Sie bekamen nichts mit, waren im virtuellen Nirgendwo versunken, während das Auto unaufhaltsam dem Ziel des Sonntagsausflugs, dem pittoresken Städtchen L. entgegenstrebte.


Vorne am Steuer saß ihr Mann, die Finger locker um das Lederlenkrad gelegt, den Blick starr auf die Fahrbahn gerichtet. Sein Gesicht verriet jene selbstgefällige Ruhe, die sie in den letzten Jahren so hassen gelernt hatte. Vor der Abfahrt hatte er die Route auf dem großen Display des Navigationssystems eingegeben und beiläufig erwähnt, was ihn der Wagen bei der letzten Inspektion gekostet hatte.


Finanzieller Stolz war sein Ersatz für jede Form von echter Aufmerksamkeit geworden.


Sie saß auf dem Beifahrersitz, den Kopf leicht zur Seite gedreht, und starrte aus dem Fenster. Die Schilder am Straßenrand nahm sie nicht wirklich wahr. In ihrem Inneren brannte eine quälende, fast körperliche Trockenzeit. Ihre Ehe war zu einer emotionalen Wüste verkommen, zu einer endlosen Schleife aus Alltagsorganisation und höflicher Distanz.


Eine Erinnerung an früher flackerte kurz in ihr auf – an Zeiten, in denen sie sich kaum voneinander hatten fernhalten können.


Schließlich brach sie das Schweigen, die Stimme leise, aber getrieben von einer plötzlichen, verzweifelten Offenheit: „Früher waren wir wahnsinnig körperlich miteinander. Das fehlt mir einfach. Ich würde dich einfach gerne wieder in mir spüren.“


Ihr Mann veränderte seine Sitzposition nicht, doch seine rechte Hand schnellte mechanisch nach vorn und drehte den Lautstärkeregler des Radios mit einem harten Ruck ganz nach links. Das leise Dudeln des Regionalsenders verstummte schlagartig. Eisige Stille, denn auch das du-dumm war weg. Die Autobahn lag längst hinter ihnen.


Er brauchte einen Moment, um zu denken. Seine Finger trommelten für einen kurzen, nervösen Moment auf dem Leder des Lenkrads, ehe er den Wagen mit einer abrupten Lenkbewegung von der Bundesstraße auf den staubigen Schotterparkplatz am Rande der Altstadt steuerte.


Er sah sie nicht einmal an, als er antwortete, und seine Stimme klang gleichermaßen genervt und abweisend: „Du wolltest doch nach der Geburt über ein Jahr mich nicht mehr unter deiner Decke haben. Erinnerst du dich? ... Aber lass uns später darüber reden, wir sind da. Ich sehe die anderen schon.“


Das Auto rollte auf dem staubigen Schotter aus und kam mit einem leisen Mahlen der Steine unter den Reifen zum Stehen. Zwischen ihnen beiden stand die Mauer. Unsichtbar, aber tonnenschwer. Ein eiskalter Block aus vierzehn Jahren Vorwürfen.


Ihr Mann schaltete die Zündung aus, zog den Schlüssel ab und setzte sofort sein geschäftsmäßig-fröhliches Gesicht auf. Seine Maske für die anderen.


Auf der Rückbank wurden die Zwillinge durch das plötzliche Fehlen der vertrauten Erschütterungen aus ihrer digitalen Welt gerissen. Mürrisch ließen sie die Smartphones sinken, zogen die großen Kopfhörer von den Ohren und blickten mit demonstrativ gelangweilten Gesichtern nach draußen.


Sie blieb einen Moment in sich versunken sitzen. Schluckte die bittere Demütigung hinunter. Nach einem tiefen Atemzug zwang sie ihre Gesichtsmuskeln zu einem perfekten, künstlichen Lächeln und öffnete langsam die Wagentür.


Kaum stand sie auf dem heißen Schotter, kam ihr ihre beste Freundin auch schon entgegengeflogen. Diese leicht korpulente Gestalt wirkte voller Energie, als sie sich in die Arme fielen. Damit hatte sie nicht gerechnet, und für den Bruchteil einer Sekunde bröckelte die mühsam errichtete Fassade.


Während sie das Gesicht an der Schulter der anderen vergrub, flüsterte sie ihr leise ins Ohr: „Na, Molly, war es bei euch auch so heiß im Auto oder so eisig wie bei uns?“


Nur sie durfte ihre beste Freundin Molly nennen. Niemand sonst kannte diesen Namen aus ihren gemeinsamen Märchentagen – und niemand auf diesem Parkplatz ahnte etwas davon.


„Ich erzähl es dir später. Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, flüsterte Molly zurück.


„Ach, wir Schwestern im Geiste. Wir werden uns mal auf einen Tee treffen und das Leben Revue passieren lassen“, sagte sie noch leise als sie sich voneinander lösten.


Auch die anderen trotteten auf sie zu. Fast widerwillig ließ sie die Begrüßungsarie über sich ergehen. Jede dieser floskelhaften Umarmungen fühlte sich an wie ein Korsett, das ihr bei dieser Hitze die Luft abschnürte.


Die leichte kurzärmlige Sommerbluse klebte jetzt schon unangenehm auf der Haut.


Es war wie immer. Die Kinder lungerten ungeduldig in der Nähe der Ausfahrt herum. Drei Männer standen zusammen und fachsimpelten über die Klimaanlagen und die Kosten ihrer Autos. Ihre Freundinnen fächelten sich mit Flyern Luft zu.


Sie wollte jedoch diesmal etwas Neues ausprobieren und öffnete den Kofferraum.


Dort griff sie in die Seitentasche und zog eine Handvoll dicker, bunter Straßenkreide heraus, die sie eigens vor Tagen für diesen Zweck besorgt hatte.


Mit einem kurzen Winken rief sie alle Kinder zu sich heran, die nur widerwillig herbei schlurften. „Ihr geht voraus“, sagte sie laut genug, dass es auch die Erwachsenen hören konnten.


Während sie die bunten Kreidestücke an ungeduldige Hände verteilte, fügte sie hinzu: „Zehn Minuten Vorsprung. Malt Pfeile durch die Altstadt für unsere Schnitzeljagd. Macht es spannend, führt uns in die Irre. Wir wollen mal etwas Neues entdecken. Das Ziel kennt ihr ja, der Biergarten am Marktplatz.“


Erst danach drehte sie sich zu der wartenden Gruppe um, sah in die erwartungsvollen, ahnungslosen Gesichter der Freunde.


Ihr Blick streifte für einen sekundenlangen, eiskalten Moment ihren Mann.


Mit einer Stimme, die vollkommen harmlos klang, aber in der jedes Wort eine dunkle, messerscharfe Doppeldeutigkeit trug, fügte sie hinzu: „Vielleicht kommen wir durch die Kinder in Gassen, die wir bisher noch nie gegangen sind.“


Zehn Minuten Wartezeit auf dem glühenden Schotter zogen sich wie zäher Gummi. Die Männer standen fachsimpelnd im spärlichen Schatten eines vertrockneten Baumes. Fassungslos beobachtete sie die beiden anderen Frauen, die jede für sich, mit ihren Smartphones die Speisekarte des Ziel-Biergartens studierten.


Sie spürte, wie die Hitze ihren Körper träge machte. Ein dünner Schweißfilm legte sich schwer auf ihre Schultern. Die Worte ihres Mannes – „Du wolltest doch nach der Geburt über ein Jahr mich nicht mehr unter deiner Decke haben“ – fraßen sich wie ein schleichendes Gift durch ihre Gedanken. Es war eine Demütigung mit Ansage gewesen.


Endlich gab ihr Mann das Zeichen zum Aufbruch. Die Gruppe setzte sich träge in Bewegung, passierte die Parkplatzausfahrt und stockte sofort. Statt den vertrauten Schildern zur Haupteinkaufsstraße zu folgen, entdeckten sie den ersten bunten Kreidepfeil an einer alten Bruchsteinmauer. Er zeigte steil nach unten, hinein in ein halbdunkles Gewirr von historischen Hinterhöfen, die keines der Paare je zuvor betreten hatte.


Sie lief am Ende der kleinen Kolonne. Jeder Schritt auf dem unebenen Kopfsteinpflaster kostete Überwindung. Das künstliche Lächeln war ihr längst aus dem Gesicht geglitten; sie wollte einfach nur weg, wollte diese erstickende Vertrautheit nicht mehr atmen müssen.


An einem Schaufenster einer versteckten Boutique blieb sie wie angewurzelt stehen. Ein Kleid in der Auslage fesselte ihren Blick – ein raffinierter, teurer Traum aus fließendem Stoff.


Ohne die Augen von der Seide zu wenden, rief sie den anderen hinterher: „Mädels, umdrehen! Ich habe gerade mein neues Lieblingskleid gefunden – was meint ihr, steht mir das?“ Der Elan in ihrer Stimme zog die Gruppe magnetisch zurück, bis alle neugierig an der Scheibe zusammenstanden.


Während die Frauen sofort fasziniert die Köpfe zusammensteckten, begann eine lebhafte Diskussion vor der Glasscheibe. „Der fließende Stoff ist fantastisch“, raunte die eine, „und schaut euch mal das Dekolleté an. Das würde deine Brüste unglaublich betonen!“ Sie strich sich unwillkürlich über die eigene Bluse.


Ihre beste Freundin schaute tiefer. „Weißt du, dieser asymmetrische Schnitt unten ist fantastisch, aber der extravagante Schlitz an der Seite“ – sie dachte im Geist an ihren eigenen, der Körperfülle geschuldeten Sloggy – „dadurch wäre bei jedem Schritt dein Slip zu sehen!“ gab sie zu bedenken.


Sie drehte sich mit einem kecken, fast herausfordernden Lächeln zu der Runde um. „Ich würde einfach gar keinen darunter anziehen“, entgegnete sie mit einem leisen, süffisanten Unterton, „das macht mich dann bestimmt anziehender.“


Diese Worte waren die perfekte Steilvorlage und schalteten das Kopfkino der Männer augenblicklich in den Jagdmodus.


Der erste Freund starrte ungehemmt auf den Ausschnitt ihrer leichten Sommerbluse. Vor seinem inneren Auge ersetzte er den Stoff durch das Kleid der Puppe, packte die hauchdünne Seide im Geist, rollte sie langsam nach unten und stellte sich bildhaft vor, wie er ihre schweren, vollen Brüste aus dem Dekolleté befreite, die sich dann ihm allein präsentierten.


Warum hatte sein Freund eigentlich so unverschämtes Glück gehabt, während er selbst zu Hause mit absoluter Tristesse belohnt wurde? Er beneidete ihn in diesem Moment so brennend um diese attraktive Frau, dass es fast weh tat. Schwer schluckend leckte er sich unwillkürlich die Lippen.


Der zweite Freund fixierte den Hauch von Nichts hinter der Scheibe und sah mit seinem inneren Auge, wie sie dieses Kleid ohne BH darunter tragen würde – wie sich der Stoff bei jeder Bewegung an ihren Körper schmiegen und wie sich ihre Nippel unter der kühlen Seide verführerisch prall und deutlich abzeichnen würden.


Ihr entging nicht, wie der erste Freund schwer schluckte und sich lüstern die Lippen leckte.


Ein heimliches, triumphierendes Gefühl stieg in ihr auf.


Ich weiß genau, dass ihr mich gerade in Gedanken auszieht, dachte sie und spürte ein vertrautes Prickeln auf der Haut. Das hatten die beiden auf der letzten Grillparty auch schon versucht, als die Blicke im späten Fackelschein immer ungenierter geworden waren.


Ein leises Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Ich scheine ja mit meinen fünfundvierzig Jahren durchaus noch attraktiv zu sein.


Ihr Mann brach das prickelnde Knistern mit seiner gewohnt sachlichen Art ab, warf einen kurzen Blick auf das Preisschild und zuckte die Achseln: „Du hast doch den Schrank voll. Aber mir ist es egal, wofür du dein Budget ausgibst. Wenn es dir so sehr gefällt, fahre nächste Woche her. So teuer wie es ist, werden die es nicht so schnell los. Lass uns jetzt weitergehen.“


An einer engen, unübersichtlichen Weggabelung, an der die Kinder ein kreisförmiges Symbol auf den Boden gemalt und es hastig wieder durchgestrichen hatten, stockte die Gruppe. Die bunten Pfeile wirkten hier chaotisch, zeigten mal nach rechts, mal geradeaus.


In diesem Moment trat ein Mann aus dem tiefen Schatten einer Hausnische. Er war jünger, Mitte dreißig, trug ein schlichtes, aber perfekt sitzendes Hemd und strahlte eine lässige, fast raubtierhafte Eleganz aus. Ein teures Sakko hing lässig an einem einzigen Finger über seiner Schulter. Er hatte die Szene offenbar beobachtet.


„Hier geht es lang“, sagte er mit einer tiefen, bemerkenswert ruhigen Stimme und deutete mit einer knappen Handbewegung in eine schmale, düstere Gasse, die schräg links abzweigte.


Ihr Mann warf kaum einen Blick auf den Fremden. „Unsinn, die Kinder sind da lang“, winkte er ab, deutete nach rechts und ging einfach weiter. Die anderen folgten ihm plappernd, ohne dem Einheimischen auch nur Beachtung zu schenken.


Nur sie blieb stehen. Ihre Füße schienen auf dem Pflaster festgewachsen zu sein. Sie sah den Fremden an, und als sich ihre Blicke trafen, spürte sie einen elektrisierenden Schlag im Magen. In seinen dunklen Augen lag eine so absolute, brennende Aufmerksamkeit, wie sie sie seit fünfzehn Jahren nicht mehr erlebt hatte. Er sah sie nicht nur an – er maß sie mit einem einzigen, eiskalten Blick von den Haarspitzen bis zu den Absätzen aus, berechnend und präzise. Er las die Trockenzeit in ihrem Gesicht, die Einsamkeit in ihrer Haltung und den Schweiß auf ihrer Haut wie die Eckdaten einer lohnenden Investition.


Dieser eiskalte, taxierende Blick jagte ihr einen Schauer über den Rücken, der sie zutiefst erschreckte. Das waren nicht die vertrauten, lüsternen Blicke der Freunde von der Grillparty, die sie so leicht durchschauen und kontrollieren konnte. Das hier war gefährlich. Und genau in diesen Schrecken mischte sich ein unbändiger, fast schwindelerregender Stolz: Dieser Mann war deutlich jünger, bestimmt zehn Jahre, raubtierhaft elegant – und er hatte ausgerechnet sie ins Visier genommen. Er ignorierte ihre jüngeren Freundinnen völlig. Seine ganze, Aufmerksamkeit galt allein ihr. Ein schwindelerregendes Gefühl, das ihre Knie weich werden und den Verstand in dumpfer Watte versinken ließ.


„Wollen Sie uns vom rechten Weg abbringen oder haben Sie etwas anderes im Sinn?“, fragte sie, und ihre Stimme zitterte ganz leicht. „Ihre ... ihre Augen!“


Der Fremde veränderte seine Haltung nicht, aber ein schmales, wissendes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Er trat einen halben Schritt auf sie zu, verengte den Raum zwischen ihnen so geschickt, dass die Stimmen ihrer weglaufenden Freunde im Hintergrund schlagartig leiser zu werden schienen.


„Du hast mich also sofort durchschaut“, antwortete er gelassen, aber mit einer rauen, dominanten Bestimmtheit, die ihr den Atem raubte. „Ich werde dich vom rechten Weg abbringen. Noch sind deine Freunde in Rufweite, sag ihnen, du wirst etwas später nachkommen. Ich werde deinen Kopf mit Dingen füllen, die dich um den Verstand bringen.“


Sie wandte den Kopf kurz in die Richtung, in die ihr Mann und die anderen verschwunden waren, atmete tief durch und rief der Gruppe mit erstaunlich fester Stimme hinterher: „Geht ruhig schon mal vor! Dieser junge Mann hier hat mir gerade einen sensationellen Geheimtipp verraten – etwas ganz Außergewöhnliches, Er hat es mir kurz beschrieben, scheint toll zu sein! Ich hole euch am Marktplatz ein!“


Aus der Ferne war nur das gleichgültige Rufen ihres Mannes zu hören: „Mach du nur, meinen Segen hast du ...“, gefolgt vom erleichterten Geplapper der anderen. Die jüngeren Freundinnen visierten bereits kichernd die nächste Boutique an, während die Mollige sichtlich froh war, bei dieser Hitze nicht noch extra Wege gehen zu müssen. Sie alle trotteten einfach weiter, froh, sich nicht kümmern zu müssen.


Dann starrte sie ihn wieder an, völlig überrumpelt von der nackten Vertraulichkeit seiner Worte. Die flirrende Hochsommerhitze schien die Konturen der pittoresken Fassaden um sie herum aufzulösen. Das Lachen der Freunde, das Rufen ihres Mannes, das harmlose Kreidespiel der Kinder – all das wurde zu einem fernen, bedeutungslosen Rauschen.


„Da hast du dich ja recht schnell entschieden, den rechten Weg zu verlassen“, sagte er, und seine Stimme war nun eine leise, fast vibrierende Aufforderung, die keinen Widerspruch duldete.


„Einmal ausbrechen, nur einmal! Einmal ich selbst sein und sogar mit dem Segen meines Mannes“, gestand sie, unfähig, auf sein „Du“ zu reagieren oder die gewohnte Distanz zu wahren. Das Wort schlüpfte über ihre Lippen, bevor sie es aufhalten konnte.


Seine Stimme war kein bloßes Geräusch mehr, sie war eine Vibration, die sich direkt in ihrem Verstand eingenistet hatte. Der vorbestimmte Weg. Sie sah ihn vor sich: die geplanten Ausflüge, die höflichen Gespräche am Abendtisch, die stillen Nächte, in denen sie unbefriedigt wach lag. Ein tiefes, bisher unterdrücktes Verlangen nach Befreiung stieg in ihr auf.


Keine Fragen mehr, kein Zögern. Sie hatte sich entschieden, die Führung abzugeben.


„Nimm mich mit auf deinen Weg, wohin er mich auch führt“, sagte sie leise, aber deutlich.


Der Fremde nickte nur kurz, ein besitzergreifendes Aufblitzen in den Augen. Er setzte sich mit zielstrebigen und doch sehr eleganten Schritten in Bewegung, und sie ging aufmerksam neben ihm. Schulter an Schulter, ohne sich zu berühren, bogen sie gemeinsam in die schmale, düstere Gasse ab. Hinter ihr verblasste der Rest ihres alten Lebens.


Jeder Schritt auf dem unebenen Pflaster, weg von der vertrauten Route, fühlte sich an wie ein Verrat, der sie seltsam lebendig machte. In ihrem Hinterkopf flackerte ein letzter Rest ihres alten Ichs auf. Was tust du hier?, schrie ihr Gewissen. Deine Kinder malen dort draußen Pfeile auf den Boden, dein Mann wartet auf dich. Aber wartet er wirklich?


Du läufst einem Wildfremden nach. Ein prickelnder Impuls von Vorfreude auf das Ungewisse erregte sie über alle Maßen, er verschlang den letzten Rest von Zweifel. Es war ein dichter, brennender Sog, dem sie sich nur zu gerne ergab.


Sie erstickte jeden Anflug von Angst mit der bitteren, triumphierenden Antwort, die ihr Mann ihr selbst mitgegeben hatte: Er wartete nicht. Er war froh, dass sie ging. Ich tue nichts Verbotenes. Er hat es mir erlaubt. Er hat mir seinen Segen gegeben. Der Rausch ihres eigenen Trotzes war stärker.


Er steuerte sie zielsicher auf eine große, leicht zurückliegende Toreinfahrt zu. Das hölzerne Tor stand ein Stück weit offen und gab den Blick frei auf einen düsteren Durchgang, der sich fast zwanzig Meter tief in das Gebäude hineinzog, bevor er in einem schattigen Innenhof mündete.


Die Kühle des alten Gemäuers schlug ihr entgegen, als sie gemeinsam eintraten, doch in ihr drinnen brannte es. In der Mitte des Gewölbes, gleich weit von der heißen Straße und dem helleren Innenhof entfernt, hielt er inne. Sie stoppte ebenfalls. Die plötzliche Bewegungslosigkeit ließ ihr Herz bis zum Hals schlagen. Ihr Atem ging flach und schnell.


Erst jetzt, geschützt vor den Blicken der Welt, berührte er sie. Er trat dicht vor sie und legte beide Hände sanft, aber mit spürbarem Gewicht auf ihre Schultern. Seine Daumen strichen ganz leicht über den dünnen Stoff ihrer Sommerbluse, genau dort, wo der Schweiß die Haut feucht gemacht hatte. Ein heftiger Schauer durchlief ihren gesamten Körper, und sie musste sich zwingen, die Knie durchzudrücken, um nicht einzuknicken.


Er neigte den Kopf so weit nach vorn, dass sie seinen Atem an ihrem Ohr spürte. Seine Stimme war nur noch ein raues, mörderisch leises Flüstern, das durch die endlose Dunkelheit der Tordurchfahrt wanderte.


„Du bist so unendlich vernachlässigt worden“, sagte er, und die Gewissheit in seinem Ton schnitt ihr tief in die Seele. „Das spüre ich an jeder deiner Bewegungen. Du funktionierst nur noch, aber du lebst nicht mehr.“


Ein leises, unwillkürliches Wimmern entkam ihren Lippen. Sie wollte den Kopf schütteln, wollte widersprechen, doch die nackte Wahrheit seiner Worte traf sie wie ein Schlag. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, die Fingernägel bohrten sich in die Handflächen. Sie war ertappt. Vollkommen nackt vor einem Fremden.


„Wenn ich wollte“, raunte er weiter, und seine Hände auf ihren Schultern drückten sie ein minimales Stück nach unten, fixierten sie auf dem Pflaster, „könnte ich dich hier auf der Stelle vögeln und es würde dir sogar gefallen.“


Das Wort traf sie wie ein physischer Stoß. Ihr Becken reagierte augenblicklich mit einem heißen, ziehenden Impuls, der ihr das Blut in die Schläfen jagte. Sie schloss die Augen, spürte, wie die Feuchtigkeit zwischen ihren Schenkeln zunahm. Es war vulgär, es war ungeheuerlich – und es war genau die Sprache, nach der sich ihr vertrockneter Körper insgeheim gesehnt hatte, weit weg von der sterilen Höflichkeit ihres Ehebettes.


„Das kommt noch, später. Du wirst mich darum anbetteln“, fügte er hinzu, und die beiläufige Arroganz in seiner Stimme raubte ihr fast den Verstand. Er hielt alle Fäden in der Hand. Er diktierte die Regeln.


Sie atmete zitternd ein, unfähig, auch nur ein Wort herauszubringen. Ihr ganzer Körper spannte sich an, wartete auf den nächsten Zugriff, auf die erlösende Härte seiner Arme. Doch er hielt Distanz. Er spielte mit ihrer Erwartung.


„Zuerst will ich, dass du die Augen geschlossen hältst“, bestimmte er leise, und der sanfte Druck auf ihre Schultern nahm ab, verlangte aber absolute Disziplin. „Und jetzt beweg dich noch ein Stück näher an mich heran – beweg dich.“


Sie gehorchte. Die Dunkelheit hinter ihren Lidern drehte sich, während sie ihre Füße Zentimeter für Zentimeter auf dem unebenen Kopfsteinpflaster nach vorn setzte. Ohne den Sinneseindruck ihrer Augen fühlte sie sich vollkommen haltlos, der stickigen, heißen Luft des Durchgangs ausgeliefert. Ihre Knie zitterten so stark, dass sie Angst hatte, die Balance zu verlieren. Ihre Sommerbluse hob und senkte sich in rasendem Rhythmus.


Als sie spürte, dass sie ihm nun von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen musste, verharrte sie. Sie wagte nicht, die Lider auch nur einen Spalt breit zu öffnen. Sie lauschte in die Schwärze hinein, wartete auf das Rascheln von Stoff, auf seine Atembewegung, auf die Hitze seiner Haut. Doch da war nichts. Er hielt immer noch Abstand.


„Sehr gut“, vernahm sie seine Stimme, die nun quälend nah vor ihrem Gesicht schwebte, ohne dass er sie berührte.


Sie spürte seinen warmen Atem auf ihren Lippen, so dicht, dass sie glaubte, ihn küssen zu müssen, doch seine Lippen blieben fern. Stattdessen schob sich sein Flüstern wie ein giftiger, süßer Strom direkt in ihre Ohren.


„Und jetzt stell dir vor, wir sind nicht allein“, raunte er, und seine Stimme lauerte förmlich in der Enge des alten Gewölbes. „Stell dir vor, dieser Durchgang ist nach allen Seiten offen. Um uns herum stehen diese Leute. Die Touristen von vorhin. Deine Freunde. All die gaffenden Spießer, die uns zusehen. Sie starren auf deine feuchte Bluse, sie sehen, wie du vor einem Fremden zitterst.“


Ein heftiger Stoß ging durch ihren Unterleib. Ihre Lider zuckten, sie wollte die Augen aufreißen, um das Trugbild zu vertreiben, aber sein Befehl hielt sie gefangen. In ihrer Dunkelheit formten sich die Schemen der anderen, ein anonymer, gieriger Kreis im heißen Schatten des Hofes.


„Sie sehen dich an und sie werden geil von deinem Anblick“, flüsterte er unbarmherzig weiter, und sie hörte im Geist das schmutzige, rhythmische Rascheln von Stoff. „Sie alle wichsen und gaffen dich an. Sie wollen dich anfassen, sich an dir vergehen, ihre Finger in dich stecken ... aber niemand rührt dich an. Das darf nur ich. Keiner von ihnen bekommt auch nur ein Stück deiner Haut zu sehen, es sei denn, ich erlaube es. Du gehörst mir.“


Ein erstickter, heißer Laut brach aus ihrer Kehle. Das Bild war so intensiv, so unfassbar schmutzig, dass es ihr den Atem komplett abschnürte. Die Vorstellung, vor den Augen der Welt wie eine läufige Hündin ausgestellt zu sein, während nur er die Macht über ihren Körper besaß, jagte eine mörderische Welle von Erregung durch ihre Bahnen. Das Sekret schoss unaufhaltsam zwischen ihre Schenkel, floss heiß an ihrer Haut herab. Ihr ganzer Körper bebte, die Brust hob und senkte sich in nackter Atemnot. Sie stand kurz vor dem Durchdrehen, berauscht von der totalen Entblößung ihrer schmutzigsten Fantasie.


Sie spürte, dass er sich noch ein Stück näher an sie heranbewegte. Die Hitze, die von seinem Körper ausging, war fast greifbar, doch noch immer gab es keine Berührung. Nur sein raues, mörderisch sanftes Flüstern, das ihr die Sinne raubte.


„Möchtest du gerne wissen, was ich mir gerade vorstelle?“, fragte er leise.


Sie konnte nicht antworten. Ihre Kehle war wie zugeschnürt, ihr ganzer Körper ein einziges, bebendes Nervenbündel. Sie brachte kein Wort heraus, aber sie nickte. Erst zaghaft, dann heftig, ein fast hilfloses Flehen in der Dunkelheit hinter ihren geschlossenen Lidern. Sie musste es wissen. Sie war süchtig nach seinen Worten.


„Ich stelle mir vor“, flüsterte er, und seine Stimme vibrierte tief an ihrem Ohr, „wie deine Schamlippen und dein Venushügel unter dem dünnen Stoff deiner Unterwäsche immer besser durchblutet werden. Ich kann förmlich sehen, wie das Blut pulsierend in dein Becken schießt, wie alles dort unten anschwillt, heiß wird und sich unaufhaltsam ausdehnt. Jede einzelne Faser in dir wird schwer von Verlangen.“


Ein heftiges Keuchen presste sich aus ihrer Kehle. Ihre Knie gaben nach, und sie musste sich taumelnd mit einer Hand an der rauen, kühlen Ziegelwand abstützen, um nicht zu stürzen. Die Kälte des Steins bildete einen brutalen Kontrast zu dem unbarmherzigen Brand, der in ihrem Schoß tobte.


„Ich stelle mir vor“, raunte er weiter, und das Bild, das er beschrieb, brannte sich wie flüssiges Feuer in ihren Verstand, „wie deine Vulva sich jetzt von ganz alleine öffnet. Wie das Fleisch sich weitet, schwer und feucht, bereit für mich. Wie die inneren Schamlippen hervortreten und den Blick auf deinen Kitzler freigeben würden ... gänzlich ungeschützt, nackt und prall, wenn du nicht noch komplett angezogen wärst.“


Bei diesem Wort zuckte ihr gesamter Körper zusammen, als hätte er sie mit einem elektrischen Schock getroffen. Ihre Hüfte machte eine unwillkürliche, suchende Bewegung nach vorn, hinein in den leeren Raum, bettelnd nach Druck, nach Erlösung. Das Sekret floss nun in Strömen, die feuchte Hitze zwischen ihren Schenkeln war kaum noch zu ertragen. Sie spürte das Pochen ihres Pulses exakt an der Stelle, die er so schamlos benannte. Er legte ihren Intimbereich verbal völlig bloß, sezierte ihre Erregung Schicht für Schicht, während sie bewegungslos und mit geschlossenen Augen davorstehen musste.


„Es pulsiert, nicht wahr?“, drängte seine Stimme, noch leiser, noch dominanter. „Es wird immer größer. Du spürst, wie die Hitze sich genau dort sammelt. Du kannst es nicht aufhalten.“


Sie schüttelte den Kopf, Tränen der totalen Überforderung stiegen ihr in die Augen. Sie war diesem Mann, seinen Worten und der unkontrollierbaren Reaktion ihres eigenen Körpers restlos ausgeliefert.


„Und weißt du auch, warum du es nicht aufhalten kannst?“


Sie brachte nur ein ersticktes, ungläubiges Wimmern heraus. Es war kein Wort, sondern ein hilfloser Laut reiner Überforderung, der in der Enge des kühlen Durchgangs verhallte. Ihr Verstand klammerte sich verzweifelt an die Reste ihrer bürgerlichen Würde, während ihr Becken unter dem Rock im Takt seines Flüsterns zitterte.


„Weil du dich im Grunde deines Seins nach diesen schmutzigen Worten gesehnt hast.“


Sein Satz traf sie im tiefsten Inneren, und die nackte Wahrheit dieses Gedankens raubte ihr fast das Bewusstsein. Ein innerer Vorhang riss auf: Er hatte recht. Es war nicht seine Hand, die sie begehrte – es war diese schamlose, verbale Entblößung.


All die Jahre der geordneten Ehe, der kontrollierten Grillpartys, der braven Intimität rollten vor ihrem inneren Auge vorbei wie eine verstaubte Kulisse. Ihr wahres Wesen war hier, in diesem dunklen Loch, gefangen von der rauen Stimme eines Fremden.


Und dieses Innere drängte nun mit aller Macht nach außen: Ihre Brust hob und senkte sich in wilden, unregelmäßigen Atemzügen, die Knöchel ihrer Hand, die sich an die Ziegelwand klammerte, traten weiß hervor, und ein verräterischer Schweißtropfen rann ihr langsam vom Dekolleté hinab in den Ausschnitt. Sie war völlig entlarvt.


„Dein Körper verrät dich“, setzte er unbarmherzig nach, und sie konnte sein schmales, wissendes Lächeln im Schatten fast spüren. „Auch wenn es für dein Ohr ungewöhnlich klingen mag, aber du bist besessen davon, du spitzes Luder.“


Ohne ihr eine Sekunde zum Atmen zu lassen, strich er jede verbliebene Distanz weg. Er goss Worte über sie, deren ungefilterte, nackte Vulgarität sie wie Peitschenhiebe traf. Es war eine Sprache, über die sie bisher nur einmal einen Artikel von Mimi Ehrhardt in der GQ gelesen hatte, und die jetzt wie ein Tsunami über sie hereinbrach, um ihre Seele endgültig zu ertränken.


„Ich sehe so spitze Nippel unter deiner Bluse“, raunte er, und seine Worte waren jetzt rau vor dunkler Schärfe. „Wie geil bist du schon, kleine Schlampe?“


Ein gellender, erstickter Schrei blieb ihr im Hals stecken. Ihr Kopf flog nach hinten gegen die raue Wand, während ihre Hand haltlos an den Ziegeln abrutschte.


„Du bist sicher schon klatschnass, Lady“, setzte er unbarmherzig nach, trat so dicht an sie heran, dass sein Körper ihren fast touchierte, ohne es wirklich zu tun. „Die Trockenzeit ist vorbei, du geiles Stück! Deine Titten sind so unglaublich. Ich erkenne das sogar durch die Bluse und deinen BH. Und das will ich jetzt alles in Natura sehen. Zieh dich aus!“


Das war das Signal für ihren Körper, die totale Kapitulation zu erklären. Bei den Worten geiles Stück und der nackten Schande dieser totalen verbalen Entblößung riss der dünne Faden, an dem ihre Beherrschung noch hing. Nach zehn Jahren innerer Abstinenz und unbefriedigter, einsamer Nächte explodierte die aufgestaute Lust in ihrem Becken mit einer zerstörerischen, nie gekannten Gewalt.


Ein tiefes, tierisches Stöhnen brach sich Bahn. Ihre Augen blieben fest geschlossen, während eine erste, unerbittliche Welle von Kontraktionen ihr Becken erfasste. Ihr Unterleib bockte unwillkürlich nach vorn. Sie verlor völlig den Halt. Die Knie gaben schlagartig nach, ihr Verstand setzte aus, und das Dunkel hinter ihren Augen flirrte in gleißenden Farben, während Welle um Welle den erschöpften Körper durchschüttelte.


Sie stürzte ab, flog dem harten Kopfsteinpflaster entgegen – doch sie schlug nicht auf.


Noch im Fallen schossen seine Arme vor. Mit absoluter Präzision und kraftvoller Härte fing er sie ab, schlang die Arme um ihren zitternden, bebenden Körper, noch bevor sie den Boden berühren konnte. Er riss sie herum, presste sie von hinten eng an seine Brust und hielt sie fest umschlungen, während die letzten Nachbeben des Orgasmus ihren Atem in rasselnden Stößen aus den Lungen trieben. Sie hing völlig kraftlos, wie eine leblose Puppe, in seinen Armen, das Gesicht starr nach oben gerichtet, die Bluse klatschnass von Schweiß und Tränen.


„Ich habe dich“, flüsterte er dicht an ihrem Ohr, während er sie langsam, Zentimeter für Zentimeter, wieder auf die Füße stellte, sie aber weiterhin fest an sich gedrückt hielt, bis sie wieder stehen konnte. „Ich habe dich aufgefangen. Aber wir sind noch lange nicht fertig.“


Ihre Finger hoben sich schwerfällig, gehorchten dem Befehl nur mühsam. Sie begann hilflos an den nassen, engen Knöpfen ihrer Sommerbluse zu nesteln, doch ihre Hände zitterten nach dem überwältigenden Orgasmus viel zu stark. Sie kriegte den ersten Knopf einfach nicht zu fassen.


„Ich helfe dir“, raunte er von hinten, und seine Stimme war frei von jeglichem Mitleid.


Er griff jedoch nicht nach der Bluse. Seine großen, warmen Hände wanderten tiefer, glitten über ihre Hüften nach hinten und fanden den metallischen Schieber des Reißverschlusses an ihrem Rock. Mit einem einzigen, weichen Ruck zog er ihn auf. Der Stoff lockerte sich augenblicklich, verlor den Halt und rutschte schwer an ihren Oberschenkeln hinab, bis er als dunkler Ring um ihre Knöchel auf dem staubigen Kopfsteinpflaster lag.


Ein kühler Luftzug strich über ihre Beine, gefolgt von der unerträglichen Gewissheit, wie sie jetzt dastand. Unfähig, sich zu rühren, stand sie im Halbdunkel der Tordurchfahrt nur noch in ihrem BH, dem Slip, den feinen Strümpfen und ihren Sandalen vor ihm – entblößt für jeden, der in diesem Moment den Durchgang betreten würde, und ausgeliefert den Blicken der unsichtbaren Zuschauer, die er in ihren Kopf gepflanzt hatte.


Seine Hände verließen ihren Körper wieder. Er trat einen Schritt zurück, entzog ihr die wärmende Stütze und zwang sie, ganz allein auf den eigenen, zittrigen Beinen das Gleichgewicht zu halten.


„Sicher willst du mir das jetzt alles zeigen!“, forderte er sie auf, und in seiner Stimme schwang die unbarmherzige Erinnerung an das Bild ihrer schwellenden, pulsierenden Vulva mit, das er eben heraufbeschworen hatte.


„Ja, ich will es dir zeigen“, hauchte sie, und die totale Kapitulation lag in jedem Ton. „Dir zeigen, wie erregt und feucht ich bin.“


Sie schluckte trocken, die Hitze in ihrem Gesicht brannte unerträglich, während sie mühsam nach Atem rang. Es kostete sie eine ungeheure Überwindung, die nächsten Worte über die Lippen zu bringen, doch die dunkle Macht seines Befehls duldete kein Schweigen.


„Ich ... ich spüre, wie meine ... meine Vulva sich jetzt von ganz alleine öffnet“, stammelte sie leise, und ihre Stimmbänder zitterten vor Scham und Erregung. „Wie mein Fleisch sich weitet ... schwer und feucht ... bereit für dich. Ich fühle, wie die inneren Schamlippen hervortreten und ... und den Blick auf meinen Kitzler freigeben ... gänzlich ungeschützt, nackt und prall.“


Beim letzten Wort brach ihre Stimme fast ab. Es war ein nacktes, schmerzvoll geiles Geständnis, das sie völlig schutzlos vor ihm zurückließ. Getrieben von der Wucht ihrer eigenen Worte griffen ihre zitternden Finger wie ferngesteuert nach hinten. Mit einer suchenden Bewegung öffnete sie den Verschluss ihres BHs, streifte die Träger von den Schultern und ließ den Stoff einfach auf das Kopfsteinpflaster fallen. Gleich darauf schob sie beide Hände unter das elastische Band ihres Slips, streifte ihn in einer fließenden Bewegung an ihren Beinen hinab und trat ungeduldig aus dem Stoffballen heraus.


Da stand sie jetzt. Vollkommen nackt bis auf die feinen Strümpfe und die Sandalen an ihren Füßen, die Arme schlaff an den Seiten, die Augen immer noch fest geschlossen.


Sie hörte das leise, anerkennende Ausatmen des Fremden, der sich lautlos hinter sie bewegt hatte.


„Braves Mädchen“, vernahm sie seine Stimme, dicht an ihrem Ohr. „Ich hatte nichts anderes von dir erwartet.“


Sie spürte die raue Hitze seiner Nähe im Nacken, doch noch immer hielt er Abstand. Das Warten machte sie fast wahnsinnig, jeder Luftzug auf ihrer nackten Haut ließ sie erzittern.


„Jetzt werde ich dich berühren“, kündigte er leise an, und der tiefe, vibrierende Ton seiner Stimme wanderte wie ein elektrischer Schlag an ihrer Wirbelsäule hinab. „Sag mir, wie du es willst. Oder ich rate – und glaube mir, ich habe viel Fantasie! Aber entscheide dich zwischen hart oder zart.“


„Ich weiß nicht“, stammelte sie, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, während ihr Becken unwillkürlich nach seiner Nähe suchte. „Ich ... ich habe immer noch so weiche Knie.“


Ein leises, spöttisches Lachen traf ihr Ohr. „Meine kleine, geile Schlampe weiß nicht, soso!“, raunte er, und sie spürte seinen Atem direkt auf ihrer Wange.


„Irgendwas ... irgendwas dazwischen vielleicht?“, hauchte sie verzweifelt, den Tränen nahe vor lauter Erregung.


„Soll ich gleich mal einen Finger reinstecken? Das wäre zart! Oder deine Fotze mit meiner Faust penetrieren? Das wäre hart!“


Bei diesen brutalen, ungefilterten Worten zuckte ihr gesamter Körper zusammen. Ein heißer Schwall von Sekret schoss unaufhaltsam zwischen ihre Schenkel. „Ich glaube ... ich glaube, ich komme schon wieder, ohne dass du mich überhaupt berührt hast“, gestand sie atemlos. „Deine Worte ... deine Worte machen mich vollkommen wahnsinnig.“


In diesem Moment zerriss ein Geräusch die kühle Stille des Gewölbes. Es war kein Schritt im Durchgang, sondern das vertraute, leicht blecherne Klingeln eines Mobiltelefons. Es kam aus der abgelegten Handtasche, die zusammen mit ihrem Rock wie ein achtloser Haufen Stoff auf dem Kopfsteinpflaster lag.


Das plötzliche, fröhliche Klingeln wirkte in dieser Szenerie wie ein brutaler Fremdkörper. Sie zuckte zusammen, wollte instinktiv die Augen öffnen, doch die Dunkelheit hinter ihren Lidern hielt sie gefangen.


„Nicht bewegen“, raunte der Fremde hinter ihr, und sie hörte das Rascheln seiner Kleidung. Er bückte sich nicht, um das Telefon zum Schweigen zu bringen. Stattdessen glitt seine Hand in ihre Tasche, zog das vibrierende Gerät heraus und hielt es ihr direkt ans Ohr, ohne dass sie es berühren durfte.


Auf dem Display leuchtete der Name ihres Mannes auf. Das schrille Klingeln schnitt unbarmherzig durch die Stille des Durchgangs.


„Geh ran“, befahl das Flüstern an ihrem anderen Ohr. „Wisch das grüne Symbol nach rechts. Sprich mit ihm. Aber du sagst ihm nicht, wo du bist. Wenn du das nicht kannst, bin ich fertig mit dir.“


Noch während das Telefon in der Hand des Fremden an ihrem Ohr weiterklingelte, glitt seine freie Hand unbarmherzig von hinten zwischen ihre Schenkel. Er stieß einen einzigen, langen Finger tief in ihre kochend heiße, nasse Vagina.


Gleichzeitig drückte er seinen Mund dicht an ihr anderes Ohr und raunte gegen das monotone Klingeln an: „Du bist eine echt geile Schlampe, wirst gleich mit deinem Mann telefonieren, während ich dir den Finger in die Fotze stecke. Fühlt sich der Finger in dir gut an, oder soll ich einen zweiten dazu nehmen?“


Sie brachte keinen Ton heraus. Sie konnte nur heftig nicken. Doch das bloße Abwarten hielt sie nicht mehr aus; getrieben von einem plötzlichen, wilden Hunger verlagerte sie ihr Gewicht. Sie ließ sich schwer und ungebremst nach unten fallen, sackte tief in die Knie, um seinen Finger mit der nackten Wucht ihres eigenen Körpers bis zum Anschlag in sich hineinzuzwingen. Ein rauer, ungefilterter Seufzer entfuhr ihr, als sie die harte Streckung in ihrer Tiefe spürte. Sie wollte mehr davon, alles, und zog seine Hand durch ihr Sackenlassen regelrecht gegen sich.


„Wisch! Jetzt!“, befahl der Fremde unerbittlich an ihrer Schläfe. Sie riss die Lider auf, und er hielt das leuchtende Display nah an ihre Augen.


Mit zitterndem Zeigefinger berührte sie das Glas. Sie wischte über den grünen Button. Das Klingeln verstummte abrupt. Die Sekundenzählung auf dem Display begann zu laufen. Die Verbindung stand.


„Ich ... ich komme gleich“, brachte sie schließlich heraus, mühsam gegen das gierige Pulsieren in ihrer Tiefe ankämpfend. Ihre Stimme klang flach, fast tonlos, gepresst gegen den rasenden Rhythmus ihres Herzens.


„Schatz? Was ist denn los mit dir, du klingst so gehetzt?“, fragte ihr Mann am anderen Ende der Leitung, und das unbeschwerte Hintergrundgemurmel der Fußgängerzone sickerte durch den Hörer.


Sie schloss die Augen noch fester, während die Berührung zwischen ihren Schenkeln unbarmherzig fordernder wurde. Sie musste antworten, sie musste ihn hinhalten, und die nackte Lust diktierte ihr die Worte.


„Es ... es ist nur so atemberaubend faszinierend hier“, stammelte sie, und ein unwillkürliches Zittern lief durch ihren nackten Körper. „Ich stehe hier in einem schmalen, dunklen Durchgang, der uns bei all unseren Besuchen in L. verborgen geblieben war. Ich ... ich habe hier etwas so unfassbar Sinnliches gesehen, das mich einfach nicht mehr weitergehen lässt.“


Sie meinte das gierige Bild vor ihrem inneren Auge, ihre eigene nackte Unterwerfung – doch am anderen Ende der Leitung schaltete das Gehirn ihres Mannes sofort auf das vertraute Bild des Stadtbummels um. Er dachte an die kleine Passage neben dem Modegeschäft.


„Ach, die kleine Passage an der Ecke bei dem Laden?“, lachte er gutmütig über die Leitung. „Da haben sie die Sachen bestimmt im Innenhof dekoriert. Das Material ... sieht das dünn aus? Und ob der Schnitt wirklich sitzt? Nicht, dass das am Ende viel zu eng ist und man alles sieht.“


Ihr stockte der Atem bei seinen Worten. Sie spürte den nackten Brand in ihrem Schoß, während der Fremde nun einen zweiten Finger langsam in sie hineinschob. Sie musste die freie Hand gegen die kühle Ziegelwand pressen, um nicht einfach einzuknicken.


„Ja“, hauchte sie voller Qual und Erregung. „Es ist ... es sieht ziemlich eng aus, aber auch unglaublich weich. Es wird sich sicher zuerst eng anfühlen, sich dann an mich schmiegen ... wenn ich es erst einmal habe. Ein wunderbarer Stoff. Es dehnt sich aus ... jede Faser gibt nach ... es öffnet sich förmlich von selbst. Ich halte es kaum noch aus ... ich muss es jetzt einfach haben!“


Sie hielt inne, weil ihr der Atem komplett wegblieb, als seine Finger eine kreisende Bewegung in ihrem Inneren vollführten.


Noch während sie nach Luft rang, stieß er sie noch tiefer in ihre Grotte und drückte seinen Mund dicht an ihr anderes Ohr: „Du sagst deinem Mann die Wahrheit. Das verdient eine Belohnung, oder?“


Sie brachte keinen Ton heraus. Sie konnte nur heftig nicken, während sie versuchte, seine Finger noch tiefer in sich hineinzuziehen.


„Mensch, du steigerst dich ja richtig rein“, tönte die Stimme ihres Mannes aus dem Hörer, seltsam laut und erfüllt von der harmlosen Alltäglichkeit eines Sonntagsausflugs. „Du hast also etwas wahnsinnig Faszinierendes gesehen? Pech für dich, dass heute Sonntag ist und du es nicht gleich probieren kannst.“


Inzwischen hatte der Fremde einen Daumen auf ihre pralle Klitoris gelegt und begann, sie mit schnellen, unbarmherzig präzisen Kreisen zu reiben. Ihr Becken verlor jeglichen Halt. Sie konnte sich kaum noch aufrecht halten, hing nur noch in dem brutalen, stabilisierenden Griff seiner freien Hand an ihrer Hüfte.


„Es ist ... es ist der reine Wahnsinn“, stammelte sie ins Telefon, die Stimme zittrig und kurz vor dem Überschlagen. „Ich will es haben ... ich brauche es!“


„Du bekommst es!“, raunte der Fremde an ihrem Ohr. Mit einer fließenden Bewegung griff er nach oben und zwirbelte mit Daumen und Zeigefinger einen ihrer steinharten, spitzen Nippel, während sein Finger in ihr immer schneller stieß.


„Wenn es dir schon so gut gefällt, nur weil du es siehst, solltest du wirklich nächste Woche noch einmal herfahren. Ruf morgen gleich an und lasse es dir zurücklegen“, entgegnete ihr Mann ahnungslos über die Leitung. „Dann kannst du es in die Hand nehmen und die Qualität prüfen. Wir warten im Biergarten und jetzt kommst du!“


Der Daumen des Fremden kreiste unbarmherzig weiter, trieb sie unaufhaltsam über den Abgrund.


„Leg auf! Jetzt! Du bist an der Kante!“, raunte das Flüstern an ihrem Ohr, während er ihr das Display noch einmal flüchtig vor die Augen drehte.


„Gleich ... sofort ... ich komme ... jetzt ...“, keuchte sie.


Mit letzter, zitternder Kraft stieß ihr Finger gegen das Glas, traf das rote Symbol und löschte die verhängnisvolle Verbindung.


Im selben Bruchteil einer Sekunde riss der Damm. Ihr Körper bäumte sich in dem brutalen Griff an ihrer Hüfte auf, und ein erstickter, gellender Schrei verhallte ungehört in der Enge des dunklen Durchgangs. Der Fremde nahm das Telefon von ihrem Ohr und warf es achtlos auf ihren abgelegten Rock.


Jetzt hatte er beide Hände frei, um das unaufhaltsame Beben in ihrem Körper auf die Spitze zu treiben. Seine Finger glitten links und rechts an ihrer schwellenden Perle entlang, mal enger, mal sanfter, vor und zurück, vor und zurück, bis er zwei Finger abrupt tief in sie hineinstieß. Er krümmte sie in ihr, zog ihren Unterleib rhythmisch gegen seine Handfläche und hielt den Druck gleichzeitig unbarmherzig aufrecht. Mit der anderen Hand umfasste er eine ihrer schweren Brüste, knetete das Fleisch und malträtierte die Brustwarze.


Es war zu viel. Die aufgestaute Wucht von über zehn Jahren Abstinenz und die nackte Perversion dieses Telefonats brachen in einer alles vernichtenden Welle über sie herein.


Le petit mort – der kleine Tod.


Ihr Verstand verabschiedete sich komplett in ein gleißendes, weißes Nichts. Ein gellendes, langgezogenes Stöhnen schlug gegen die alten Ziegelmauern und hallte im steinernen Rund der Decke lange nach.


Ihr Körper versteifte sich, das Becken bockte in wilden, unkontrollierbaren Zuckungen gegen seine Finger, während Welle um Welle von Kontraktionen ihre Intimmuskulatur zusammenziehen ließ. Für einige Sekunden vergaß sie zu atmen, hing völlig leblos und willenlos im Rausch der puren, brutalen Befriedigung in seinen Armen.


Langsam, als das Zittern in ihren Beinen nachließ und der Atem in schweren, rasselnden Stößen zurückkehrte, zog er seine nassen Finger aus ihr zurück. Er trat einen Schritt zurück und ließ sie ungeschützt in der Kühle des Durchgangs stehen.


„Jetzt solltest du dich wieder anziehen!“, bestimmte die Stimme des Fremden, plötzlich völlig geschäftsmäßig und distanziert. „Die Show ist vorüber. Dein Mann wartet sehnsüchtig.“


Mühsam öffnete sie die Augen. Das grelle Licht am Ende des Tunnels schnitt ihr in den Blick. Fast widerwillig, mit schweren, kraftlosen Bewegungen, bückte sie sich nach ihren Kleidern. Der Schweiß klebte auf ihrer Haut, während sie den Slip hochzog, den BH schloss und den Rock zuknöpfte.


Sie fühlte sich wie in Trance, völlig verändert.


Als sie fertig angezogen vor ihm stand, sah sie ihn zum ersten Mal richtig an. „Du bist ein Magier“, flüsterte sie, noch immer völlig berauscht. „Was ... was hast du mit mir gemacht?“


Er lächelte kalt, rückte seine Kleidung zurecht und schüttelte den Kopf. „Ich habe nichts mit dir gemacht. Es ist einfach aus dir herausgebrochen, meine kleine Schlampe.“


„Wie du das sagst ... kleine Schlampe. Vielleicht bin ich eine Schlampe, aber ich fühle mich nicht so. Im Moment fühle ich mich nur glücklich und endlich einmal befriedigt.“


„Wann ... wie können wir uns wiedersehen?“, fragte sie hastig, getrieben von der nackten Angst, dieses Gefühl nie wieder spüren zu dürfen.


„Jederzeit nach telefonischer Absprache bin ich dir immer gerne zu Diensten“, antwortete er mit einer glatten, professionellen Höflichkeit. „Du bist so etwas von geil, dich werde ich gerne bedienen.“


Er griff in seine Sakkotasche, zog eine elegante, matte Visitenkarte heraus und schob sie ihr direkt in den Ausschnitt ihrer Bluse, sodass das Papier auf ihrer noch heißen Haut kratzte.


„Ruf mich einfach an, wenn du dieses Gefühl zurückhaben willst. Auf der Rückseite ist meine Preisliste: Vormittags 200 €, nachmittags 400 €, ganze Nacht 800 €. Zuzüglich Spesen für Hotel und Getränke, versteht sich. Du kannst wählen.“


Sie stand da, wie vor den Kopf geschlagen. Perplex starrte sie auf den Mann vor sich, während die Zahlen auf der Karte und das Wort „Hotel“ die süße Illusion der letzten Minuten mit einem einzigen, eiskalten Schlag zu zertrümmern schienen.


In ihrem Kopf begann es seltsam zu kreisen. Das dumpfe, bürgerliche Gefühl ihres Alltags kroch an ihr hoch – sie sah plötzlich ihr eigenes Schlafzimmer vor sich, den schweren, hölzernen Kleiderschrank, in dem all die ungetragenen, sehnsuchtsvollen Kleider hingen, die sie sich für Momente wie diesen gekauft hatte und die dort im Dunkeln längst Staub ansetzten. Eine verstaubte Kulisse für ein verstaubtes Leben.


Und wie ein Blitz schoss ihr ein Text durch den Sinn, verfasst von G.G., den sie erst neulich in der Kulturzeitschrift FREIHEITDERKUNST gelesen hatte. Ein Gedicht, das sie damals berührt, aber dessen grausame Wahrheit sie nicht auf sich bezogen hatte. Jetzt begriff sie es. Die Zeilen hämmerten im Takt ihres fassungslosen Herzschlags gegen ihre Schläfen:


***


Markt der Sehnsucht, feile Waren,


Blicke, die die Seele suchen.


Was wild im Herzen wir verwahren,


lässt sich im Vorbeigehn buchen.


***


Stolz geglaubt und tief verloren,


gnadenlos ward ich vermessen.


Für den Rausch im Licht geboren,


nach der Tat im Nu vergessen.


***


Trotzdem sucht das Herz nach Wegen,


wenn der Stolz der Gier erliegt.


Dem Ruf des Jägers kühn entgegen,


bis die Lust den Geist besiegt.


***


Der Fremde hatte den Durchgang bereits mit leisen, gleichmäßigen Schritten verlassen. Zurück blieb nur die Stille und das leise Rascheln der Karte in ihrem Ausschnitt.


Sie zitterte noch immer am ganzen Körper, ihre Beine fühlten sich an wie Blei. In den Biergarten? Zu den anderen? Unmöglich. Sie konnte jetzt nicht lächeln, nicht Smalltalk führen, während ihre Haut noch brannte und die Knie nachgaben.


Mit fahrigen Bewegungen fischte sie das Telefon aus ihrer Tasche. Sie brauchte eine Ausrede. Zeit. Einen sicheren Ort. Sie wählte erneut die Nummer ihres Mannes.


„Du, Schatz? Ich bin es noch mal“, stammelte sie, und sie presste die Worte mühsam heraus, um so normal wie möglich zu klingen. „Bleibt nur ganz in Ruhe im Biergarten sitzen und trinkt gemütlich aus. Ich habe es mir gerade auf Maps angesehen ... zum Parkplatz ist es von hier aus viel näher. Und mich ... mich hat es einfach etwas erschöpft. Ich werde direkt zum Auto gehen und dort auf euch warten.“


Am anderen Ende der Leitung tönte die gutmütige, leicht besorgte Stimme ihres Mannes über das Gemurmel des Biergartens hinweg: „Ach Mensch, wirklich? Na gut, wenn du meinst. Die Luft heute ist aber auch drückend. Wir essen hier noch in Ruhe auf und kommen dann zum Wagen. Ruh dich erst mal aus!“


Die Verbindung riss ab. Sie ließ die Hand sinken. Sie hatte gelogen – und es war ihr erschreckend leichtgefallen.


Mit unsicheren Schritten erreichte sie den Parkplatz. Als sie den Wagen aufschloss, schlug ihr eine Wand aus gestauter, unerträglicher Hitze entgegen. Sie öffnete hastig alle vier Türen, damit der kühle Wind durchs Auto ziehen konnte, und ließ sich dann kraftlos auf den Beifahrersitz fallen.


Hier, im geschützten Raum des Wagens, zog sie die Visitenkarte aus ihrem Ausschnitt. Das matte Papier lag schwer in ihrer Hand. Sie las die Zahlen auf der Rückseite noch einmal. Ihr Verstand wog ab, suchte nach moralischen Argumenten, nach einem Stoppsignal – doch ihr Körper hatte längst entschieden. Die Gier nach dieser unbarmherzigen Befriedigung wischte jeden Zweifel beiseite.


Sie öffnete die DB-App auf ihrem Smartphone und tippte die Strecke ein. Die schnellste Verbindung am Vormittag: 09:22 Uhr ab ihrem Heimatbahnhof, Ankunft in L. um 09:55 Uhr. Das passte perfekt in das Zeitfenster für den günstigen Vormittagstarif des Fremden von 200 €.


Mit klopfendem Herzen wählte sie die Nummer auf der Karte.


Die Verbindung wurde überraschend schnell hergestellt, und diese beunruhigend ruhige Männerstimme, die sie vor kurzem noch um den Verstand gebracht hatte, erfüllte den Raum. Er sprach langsam, sichtlich gelassen, und begegnete ihr mit einer ausgesuchten, fast schon altmodischen Höflichkeit: „Lebe deinen Traum und träume nicht dein Leben. Einen wunderschönen guten Tag, welche Wünsche darf ich Ihnen erfüllen?“


Sie schluckte trocken, die Kehle wie zugeschnürt von dieser unerwarteten Distanz. „Hier ist die Frau von eben ... Sie haben mir vor einer halben Stunde Ihre Karte gegeben“, stammelte sie mühsam, um überhaupt einen Ton herauszubringen.


Aus dem Hörer drang eine kurze Pause, gefolgt von einem leisen, dunklen Lachen, bei dem ihr sofort wieder das heiße Blut in die Wangen schoss. „Ah, meine kleine Schlampe, die unbedingt vom rechten Weg abgebracht werden wollte“, erwiderte er, und seine Stimme wechselte augenblicklich von der höflichen Maske in diesen tiefen, unbarmherzigen Tonfall. „Bist du schon wieder so feucht, dass du es nicht länger aushältst und sofort anrufst und bettelst?“


„Ich werde meinem Mann sagen, dass ich nächste Woche nach L. fahre, um mir ein Kleid zu kaufen. Als Alibi. Ich will, dass du mir wieder den Verstand raubst. Mich erniedrigst. Diesmal noch unbarmherziger. Deutlicher! Ich will deine schmutzige Stimme in meinem Kopf spüren, wie sie mir sagt, wer und was ich bin. Ich brauche einen Termin bei dir! Ich will wieder kommen!“


„Ich schaue mal, wann ich dich kommen lasse. Passt dir Donnerstag, elf Uhr? Oder eine Woche später?“


„Donnerstag passt gut. Oder ginge es auch eher?“


„Ich buche das Zimmer für Donnerstag, elf Uhr, im Hotel Metropol, das ist ganz nah am Bahnhof. Fürs Erste. Aber wenn du da nicht spurst, weil dich ein Hotelbett nicht genügend triggert, werden wir es in der Tordurchfahrt bei regem Publikumsverkehr fortsetzen. Das ist doch genau das Richtige für so eine geile Sau wie dich!“


Das Wort spurst verhallte in ihrem Kopf, ohne dass sie nach der rationalen Bedeutung greifen konnte, völlig berauscht von der ungeheuerlichen Drohung, die er hinterherjagte und die ihren Unterleib augenblicklich in Flammen setzte.


„Wenn du jetzt hier wärst“, hauchte sie mit versagender Stimme und presste die Schenkel eng zusammen, „könntest du sehen, was du anrichtest. Dass ich schon wieder klatschnass für dich geworden bin.“


Er lachte leise, ein raues, wissendes Geräusch. „Das brauchst du mir nicht extra zu sagen, ich weiß es, Bitch. Du bist feucht, seit ich dir in der Tordurchfahrt nur mit Worten den Verstand weggevögelt habe. Und du wirst bis Donnerstag in deiner Feuchte ertrinken, weil du jede Sekunde an meine Worte denken wirst. An meine Worte – und an die Wahrheit, dass du nicht für mich so klatschnass bist, sondern ganz allein für dich und deine eigene, schmutzige Fantasie.“


Bei seinen Worten durchfuhr sie ein so heftiger, unkontrollierbarer Krampf, dass sie aufstöhnen musste. Die pure Brutalität, mit der er ihre Geilheit benannte, die schmutzige Kälte seiner Stimme – das alles schoss ihr direkt in den Schoß. Ohne dass sie sich auch nur berührt hatte, brach die Erregung aus ihr heraus, riss sie mit und ließ sie keuchend auf dem Beifahrersitz erzittern. Ein Orgasmus, erzwungen allein durch die Macht seiner Zunge durch ein Mobilfunknetz.


Als sie wieder zu Atem kam, presste sie das Telefon noch enger an ihr Ohr. Ihre Stimme war nur noch ein heiseres Flehen, getrieben von ihrer wahren, unersättlichen Gier nach diesen schmutzigen Worten: „Ja ... genau so! Deine Worte ... sprich so mit mir! Das ist es, was ich brauche ... mach mich fertig mit dem, was du sagst!“


„Dann wollen wir am Donnerstag keine Zeit verlieren. Ich werde dir zeigen, dass ich deinen Verstand noch weitaus brutaler ficken kann als vorhin in der Tordurchfahrt – und dass mein Körper hält, was meine Zunge verspricht. Damit wir sofort an deinem Kopf arbeiten können, wirst du Slip und BH zu Hause lassen. Hast du das verstanden?“


„Ja, verstanden, kein Slip und kein BH am Donnerstag!“


„Dann sei ein braves Mädchen und zieh die beiden Teile jetzt schon mal aus. Ich weiß, dass du geil auf mich bist und mir gehorchen wirst!


Aber du kennst ja den Satz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Also schalte auf Videocall um und lass es mich sehen.“


Ihre Finger zitterten so heftig, dass sie das Display kaum traf, als sie das Kamerasymbol berührte. Die Linse fing ihr erhitztes Gesicht ein, dann schwenkte sie die Kamera gehorsam nach unten, öffnete den oberen Knopf ihrer Bluse und streifte mit einer fast andächtigen Unterwerfung den BH von den Brüsten.


Dann hob sie den Rock, entblößte die ungeschützte Wahrheit: ihre Grammatik der Lust.


Ihr Atem ging stoßweise, während sein Blick sie durch die Linse regelrecht sezierte.


Am Bildschirm fixierte er sie mit einem eiskalten, besitzergreifenden Lächeln. „Sehr gut. Du lernst schnell. Und damit du bis dahin keine Sekunde vergisst, wer dich so intensiv befriedigen kann: Du wirst ab jetzt bis Donnerstag weder Slip noch BH tragen! Jedes Mal, wenn du dich bewegst, wirst du meine Worte spüren.“


Ein keuchendes, absolut gefügiges „Ja“ war alles, was sie noch über die Lippen brachte.


„Hervorragend“, fuhr er unbarmherzig fort. „Und damit das am Donnerstag genauso reibungslos läuft: Du vergiss die zweihundert Euro nicht, die du mir bar auf den Nachttisch legst, noch bevor ich dir sage, dass du eine geile Schlampe bist. Haben wir uns verstanden? Wenn ja, verspreche ich dir den Hirnfick deines Leben , du geiles Stück!“


Der Fremde brach die Verbindung mit einem harten Klicken ab.Als sie ihr Smartphone auf ihren Schoß legte, breitete sich eine tiefe, fast euphorische Erleichterung in ihr aus. Sie was glücklich. Unendlich glücklich. Die Visitenkarte bekam einen Ehrenplatz im tiefsten Fach ihrer Handtasche.


Morgen würde sie als Erstes eine Fahrkarte für Donnerstag kaufen.

Kommentare


Wolfram W Tann
(AutorIn)
dabei seit: Aug '01
Kommentare: 35
Wolfram W Tann
schrieb am 15.08.2026:
»Vielen Dank für die wunderbaren Kommentare! Ehrlich gesagt bin ich von der Resonanz etwas überwältigt, knapp 500 Leserinnen in den ersten fünf Tagen und ein Voting von 8,25 sind fast schon zu viel für einen älteren Menschen, der erst vor Kurzem den Mut gefasst hat, als jung gebliebener Typewriter Geschichten zu schreiben.
Danke euer Wolfram«

sirgu
dabei seit: Mär '25
Kommentare: 142
schrieb am 11.08.2026:
»Wow! Das ist ja mal eine Geschichte, die echt mitreißt. Gut erzählt, tadellose Orthographie. Das macht richtig wuschig, während man auf eine Fortsetzung wartet. Die muss so schnell kommen, wie die Protagonistin im Netz der Worte des Fremden,«

radixspin
dabei seit: Apr '13
Kommentare: 4
schrieb am 13.08.2026:
»Tolle Idee und super geschrieben. Vielen Dank!!!«

arsnova
dabei seit: Nov '00
Kommentare: 29
schrieb am 15.08.2026:
»Sehr faszinierend. Danke«

whiskey13
dabei seit: Okt '03
Kommentare: 10
schrieb am 16.08.2026:
»Literaisch perfekt - und dazu noch extrem sexy und hocherotisch«

hoedur
dabei seit: Apr '06
Kommentare: 101
hoedur
schrieb am 19.08.2026:
»Arg übertrieben und unrealistisch, aber wer sagt, daß eine Phantasie nicht genau so sein darf? Sehr ansprechend geschrieben, fesselnd und allein schon wegen dem Wort-Orgasmus absolut lesenswert! DANKE!«


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