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Lesungen: 55 | Bewertung: 9.00 | Kategorie: Sex Stories | veröffentlicht: 06.04.2026

Treibgut (Anouk Teil1)

von

Prolog


Ich bin Anouk und inzwischen vierzig. Das klingt für mich selbst erstmal alt, vierzig ist wie dreißig eine Zäsur, nur eben eine andere. Ich bin eben in einer Zeit sozialisiert worden, in der dreißig noch hieß, dass man sich langsam mit Heiraten und vielleicht Kindern beschäftigen sollte, vor allem als Frau. Vierzig bedeutete dagegen, dass man den Ehemann gefunden und das mit den Kindern hinter sich haben sollte. Ist heute zum Glück beides nicht mehr so.


Okay, ich bin also vor wenigen Tagen vierzig geworden, aber es fühlt sich für mich nicht so an. Zum einen, weil ich mich damit nicht großartige beschäftige, zum anderen sehe ich aber auch nicht so aus, was ich immer wieder mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis nehme. Früher hätte frau stolz oder zumindest erfreut gesagt: „Heute hat der neue Nachbar mich für Anfang dreißig gehalten. Wenn überhaupt. Hurra!“. Aber heute sieht manche Frau und mancher Mann in den Vierzigern jünger als aus früher, was durch die Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre in Sachen Hautpflege, Prävention und medizinischer Ästhetik möglich und erschwinglich geworden ist. Niemand sagt das laut, aber fast alle nutzen das. Natürlich, der Lack ist vielleicht trotzdem ein bisschen ab, das ist dann halt doch der Zahn der Zeit, dessen Mahlen frau und man ja nur verlangsamen, aber nicht wirklich stoppen können.


Meine Haut ist glatter und straffer als sie es wäre, wenn ich nichts gegen die natürliche Alterung getan hätte. Die Krähenfüße an meinen Augenwinkeln und die Fältchen zwischen Nase und Mundwinkeln sind vorhanden, aber so wenig sichtbar, dass man sie kaum bemerkt, wenn man nicht sehr genau hinschaut. Meine Brüste hängen nicht (ein Mann, den ich seit Jahrzehnten sehr gerne mag, hätte gesagt: „Was soll da auch hängen, so klein wie die sind?“), mein Bauch ist noch immer recht flach und an meinen Hüften hat sich weniger abgelagert als ich noch vor ein paar Jahren gedacht hätte. Und mein Hintern sieht immer verdammt noch gut aus, zumindest angezogen. Mein Körper, der vier Kinder auf die Welt gebracht hat (worauf ich weit stolzer bin als auf mein Aussehen), sieht nicht aus, als ob er das getan hätte, was vielleicht sogar ein bisschen schade ist.


Mein Haar sieht immer noch wie früher aus. Es hat dieses echte, leuchtende Rot, das schon als Kind da gewesen war und bis heute da ist. Okay, ich helfe gelegentlich nach, aber wirklich nur gelegentlich. In einer Zeit, in der das so präzise und unauffällig geht, dass selbst ich manchmal vergesse, welche Strähne echt ist und welche nicht, wäre es ja fast fahrlässig, graue Haare zuzulassen. Ich trage sie meine Mähne meistens wild und offen wie früher. Das hat sich nicht geändert und ich hoffe, das wird sich auch niemals ändern. Ich möchte immer noch so herumlaufen, wenn ich sechzig oder siebzig bin. Und dann darf es gerne grau sein.


Das alles wäre zugebenermaßen sehr wahrscheinlich anders, wenn ich auf die Möglichkeiten der Moderne verzichtet hätte. Aber dafür bin ich (auch wenn ich das nie zugeben würde) dann doch zu eitel. Aber das Schöne ist eben: man sieht es nicht auf den ersten Blick. Und wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich eine Frau, die ich mag, meistens zumindest.


Im Großen und Ganzen fühle ich mich gut, viel besser, als die zwanzigjährige Anouk sich hätte vorstellen können, dass vierzig sich anfühlen würde. Meine Knie melden sich bei der Arbeit im Garten zwar manchmal, vor allem das rechte, mein Rücken und mein Nacken schmerzen schneller als früher, wenn ich zu lange vor meinem Notebook gehockt habe (ja, die Dinger gibt es noch, auch wenn sie heute kleiner sind und die neuesten Modelle nicht mal mehr ein Display brauchen). Durchgemachte Nächte gehen allerdings nicht mehr wirklich, den nächsten Tag kann ich echt meistens vergessen, wenn wir abends zu lange auf der großen Terrasse gesessen und zu viel Bier oder Wein getrunken haben. Wobei das nicht mehr so oft vorkommt, weil durchgemachte Nächte in meinem Leben eine andere Qualität bekommen haben als früher, eine ganz andere. Dafür sorgen meine beiden Zwillinge, nicht ganz ein Jahr alt. Die Mittlere ist vier und schläft längst durch, sie wird nur selten wach, eigentlich nur nach einem Alptraum. Aber mit zwei Säuglingen ist Schlaf relativ geworden und Durchschlafen ein Märchen, das Eltern erzählen, die sich wichtigmachen wollen.


Es ist ein seltsames Gefühl, das eigene jüngere Ich in Worten vor sich zu haben. Diese neunzehnjährige Anouk, die durch einen Hamburger Sommer stolperte, die Freiheit und ja nie jemandem etwas zu nahe kommen wollte, die eigentlich Nähe suchte und sich gleichzeitig dagegen sperrte. Die dachte, sie würde alles unter Kontrolle haben, während sie in Wahrheit überhaupt nichts unter Kontrolle hatte. Ich fühle eine fast zärtliche Zuneigung für diese Anouk und gleichzeitig diese Ungläubigkeit, dass ich diese junge Frau gewesen bin. Dass ich von da hierhergekommen bin.


Ich hatte damals, vor mehr als zwanzig Jahren, gerade mein Abi gemacht und jobbte in einem Café in Ottensen. Meine Pläne für die Zukunft passten damals auf einen Bierdeckel. Ich hatte nämlich keine, absolut keine. Meine beste Freundin Frida hatte welche, aber für mich zählte nur mein Vergnügen, feiern, tanzen und trinken. Und Sex, möglichst viel Sex, am besten jede Nacht. Freiheit bedeutete für mich alles, nur leben und absolut niemandem etwas schuldig zu sein. Schon gar nicht mir selbst.


Und heute? Heute lebe ich mit den Menschen zusammen, die ich liebe. Nicht mit Ring am Finger und der blöden Vorstellung, dass in einem Herz nur eine Person Platz hat, sondern so, wie es für mich passt. Wie es für uns passt. Wir teilen ein Haus und unsere Leben und wir alle wollen es genau so. Wir leben polyamor, so nennt man das wohl, wenn man es in ein Wort fassen muss. Ich muss das nicht, ich nenne es einfach Familie. Meine Familie. Unsere Familie. Es ist nicht perfekt, aber es ist echt und das, was wir wollen. Das sind wir.


Mit neunzehn hätte ich das für sowas von unmöglich gehalten. Ich hätte es für einen Käfig gehalten, für den Tod meiner Freiheit. Ich war davon überzeugt, dass Bindung bedeutet, dass man aufhört, man selbst zu sein, dass Liebe eine Falle ist, in die nur Idioten tappen. Aber ich habe längst begriffen, dass Freiheit nicht bedeutet, nichts zuzulassen und alle abzuweisen, sondern zu wählen, mit wem man zusammen sein will, dass Bleiben mutiger ist als Gehen, dass Vertrauen so viel wichtiger ist als Unabhängigkeit, dass man sich nicht verliert, nur weil man sich jemandem öffnet.


Damals dachte ich wirklich, ich hätte alles kapiert, hätte verstanden, wie die Welt funktioniert. Sex war Sex, etwas Normales und Selbstverständliches, nichts worüber man groß nachdenken musste. Und Liebe war etwas für andere Leute, für die, die Angst hatten, allein zu sein.


Kleiner Spoiler: Ich lag total daneben. Naja, vielleicht nicht komplett, aber doch ziemlich weit neben der Spur. Das Leben war eben doch anders, als ich mir damals vorstellen konnte.


Diese Geschichte fängt in dem Sommer an, in dem ich noch glaubte, ich hätte mit allem recht und die Weisheit für mich gepachtet, in dem ich keine Pläne für meine Zukunft hatte und auch keine wollte. Ich hatte, wie schon gesagt, grade mein Abi in der Tasche und überhaupt keine Lust, mich auf irgendwas festzulegen, nicht auf irgendwelche Pläne und schon gar nicht auf einen Partner. Ich war absolut überzeugt davon, genau zu wissen, wer ich war und wie ich die Dinge handhaben wollte.


Ich lebte einfach nur vor mich hin, ich feierte, tanzte, trank und machte die Nächte durch. Ich vögelte, mit wem ich wollte, ich suchte keinen Prinzen auf einem weißen Schimmel, keinen Mr. Right und keine Mrs. Big.


Aber dann kamen diese Tage in diesem Sommer. Sie begannen eigentlich ganz normal. Naja, für mich normal, für die meisten Menschen war es ziemlich wahrscheinlich eher nicht normal, an einem Montagmorgen nach Hause zu kommen, wenn grad die Sonne aufging. Aus meiner Sicht war das aber normal, es war ein normaler Wochenbeginn, der Anfang einer Woche, die dann aber doch so einige Veränderungen auf den Weg brachte. Ich verstieß in dieser Woche so oft gegen meine Regeln, dass ich die Verstöße kaum noch zählen konnte. Ich raffte das damals nicht sofort, aber in diesen paar Tagen hatte sich etwas verschoben, so als hätte jemand an einer Stellschraube gedreht und plötzlich wurde alles komplizierter, viel komplizierter. Aber auch besser, was ich allerdings erst nach und nach verstand.


Das hier ist die Geschichte, wie alles anfing, wie aus der Anouk von damals die zu werden begann, die ich heute bin. Hätte es diese Tage mit all ihren Begegnungen nicht gegeben, dann säße ich heute wohl nicht in diesem Haus vor den Toren Hamburgs und würde auch nicht dieses Leben leben.


Und wenn ihr wissen wollt, wie das damals in diesem Sommer seinen Lauf genommen hat, dann komm mit mir.

Kapitel 1: Unsere WG


Es war ziemlich spät geworden. Oder auch früh, je nachdem, wie man das sehen wollte. Die Sonne ging gerade auf an diesem Montagmorgen, als ich auf meinen High Heels die Treppen hochging oder eher hochstolperte. Ich war nämlich nicht ganz nüchtern und außerdem ziemlich müde, meine Schritte klangen ungleichmäßig im Treppenhaus, ein bisschen zu laut für diese Tageszeit. Dann stand ich vor unserer Wohnungstür und kramte den Schlüssel aus meiner Tasche. Ich fluchte leise, weil ich das verdammte Schlüsselloch nicht auf Anhieb traf. Fuck, war ich müde.


Die Tür fiel nicht besonders leise ins Schloss, aber das merkte ich kaum. Ich ging in die Hocke, öffnete mit nicht ganz koordinierten Fingern die Riemchen meiner Heels und wäre dabei fast umgefallen. Ich kam wieder hoch, fühlte mich etwas schwindelig und kickte die Schuhe von den Füßen, sie knallten gegen die Wand, aber auch das raffte ich nicht so wirklich. Ich war eben zu müde. Oder zu angetrunken. Naja, eigentlich beides.


Dann ging ich in unsere Wohnküche, die den Mittelpunkt unserer WG bildete. Da gab es die Ecke mit der kleinen Küchenzeile und dem Esstisch, an dem die drei alten Stühle standen, und die Ecke mit dem Sofa und den zwei alten Sesseln rund um unseren flachen Couchtisch, der nur deswegen einigermaßen grade stand, weil wir Bierdeckel unter zwei der vier Tischbeine geschoben hatten.


Frida saß mit einem dampfenden Becher Kaffee in der Hand am Esszimmertisch, sagte nichts über den Lärm, den ich veranstaltet hatte, sondern sah mich mit einem Lächeln, aber auch einem kleinen Kopfschütteln an. Ich wusste selber, wie ich aussah: meine roten Locken total zerzaust, das kurze schwarze Kleid unten am Saum eingerissen, meine Augen gerötet von der vergangenen Nacht.


„Morgen", sagte ich einfach und ließ mich auf den Stuhl gegenüber von Frida fallen, die frisch geduscht aussah, ihr Haar war noch feucht. Ich dagegen roch nach Schweiß, Alkohol und Sex. „Fuck, ich bin tot."


„Das sieht man", entgegnete Frida mit hochgezogenen Augenbrauen, rückte ihre Brille zurecht und schob mir ihren pinken Becher rüber, auf dem in geschwungenen Buchstaben „FRIDA“ stand. Ich nahm ihn, nippte daran und verzog das Gesicht. Verdammt heiß, aber ich rückte ihn trotzdem nicht wieder raus.


Mein Blick fiel auf ihre aufgeschlagenen Bücher, die Notizen und die Textmarker. Frida arbeitete immer noch analog, total old school, aber sie meinte immer, wenn sie sowas am Tablet oder Notebook machte, dann blieb nichts hängen. „Du lernst schon wieder?"


„Muss sein“, nickte sie, stand auf und nahm sich einen anderen Becher aus dem Küchenschrank. Da war die Silhouette einer Frau in Bikini drauf, worunter „Beach Girl“ stand. Wer stellte solche bescheuerten Becher her?


„Frida", seufzte ich und schüttelte den Kopf. „Es ist fünf Uhr morgens oder so. Du hast das ganze Wochenende gepaukt. Du musst doch mal irgendwas machen, was nichts mit Lernen zu tun hat. Einfach ausschlafen zum Beispiel. Oder wann warst du das letzte Mal feiern? Oder shoppen? Oder hattest Sex?“


„Nicht alle können es sich leisten, so zu leben wie du", gab sie ohne Vorwurf in der Stimme zurück, schenkte sich einen Kaffee ein und setzte sich wieder. „Ich muss für sowas lernen, du müsstest nicht dafür lernen, wenn du sowas überhaupt machen würdest. Aber ich muss es. Und das weißt du.“


Wusste ich das? Ich hatte ja nicht einmal eine Ahnung, für was sie da lernte und ich wollte es auch nicht wissen, jetzt zumindest nicht. Wahrscheinlich hatte sie es mir auch schon mal erzählt und ich hatte es schlicht und einfach vergessen. Viele würden mich achtlos und uninteressiert nennen, weil ich ständig Dinge vergaß, die Frida angingen. Frida wusste es besser, ich war nicht achtlos und auch nicht uninteressiert, mir verschwanden solche Details nur oft schnell wieder aus dem Kopf. Warum das so war, wusste ich selbst nicht.


Ich seufzte. „Das sagst du immer so“, gab ich zurück. „Ich müsste wahrscheinlich genauso lernen wie du. Aber da ich nichts habe, wofür ich… ach lassen wir das.“ Ich unterbrach mich, weil auf so einen Gesprächsanfang manchmal eine Grundsatzdiskussion folgte, die Frida ab und an gerne führte, und das konnte ich jetzt beim besten Willen nicht brauchen. Ich war zu müde und zu angetrunken, also schwieg ich.


„War die Nacht wenigstens gut?“ fragte Frida nach einer Weile und es klang irgendwie widerstrebend, so als wollte sie eigentlich gar nicht fragen.


Ich lehnte mich zurück, streckte meine langen Beine aus und stieß dabei gegen ihr Schienbein. „Ja, war sie“, erwiderte ich. „Richtig gut sogar."


„Das sehe ich", sagte sie und deutete auf mein eingerissenes Kleid.


Ich zupfte an dem kaputten Saum und zuckte mit den Schultern. „Die beiden waren ein bisschen ungeduldig. Aber sie konnten echt…“.


„Keine Details bitte“, seufzte Frida ein wenig resigniert. Sie wusste, dass ich recht hatte, was ihre Lernerei anging. Und ich wusste, dass sie mit vielen anderen Dingen recht hatte. „Will ich das alles gar nicht wissen.“


„Wollte ich auch gar nicht erzählen", lachte ich, stand auf und ging zum Herd, wo noch Reste vom gestrigen Eintopf im Topf standen. Ich nahm den Deckel ab und schnupperte. „Kann man das noch essen?"


„Anouk, das Zeug ist kalt", sagte Frida und deutete ein Kopfschütteln an. „Und das schmeckt nicht mal heiß besonders gut.“


„Und? Ich hab Hunger." Ich nahm mir einen Löffel aus der Schublade und aß direkt aus dem Topf. Der Eintopf war wirklich kalt und pampig dazu, aber das störte mich nicht.


„Du solltest duschen", sagte Frida und sah mich an, in ihren Augen statt der übliche Mischmasch aus Besorgnis und ein bisschen Neid. „Du riechst nach… Club."


„Gleich", nuschelte ich mit vollem Mund. „Erst essen, dann duschen und dann schlafen. Genau in der Reihenfolge.“ Ich sah sie an, ich fühlte mich großartig, obwohl ich müde und angetrunken war und die Nacht durchgemacht hatte. „Und du solltest mal rausgehen, Frida. Mal nicht lernen. Mal wieder leben."


„Ich lebe", sagte sie ein wenig trotzig und kniff die Augen hinter ihren Brillengläsern zusammen.


„Nein, Frida“, stellte ich fest und stellte den nun fast leeren Topf zurück auf den Herd und kam zu ihr. Ich legte ihr die Hände auf die Schulter und drückte sanft. „Du vegetierst vor dich hin. Ich mach mir echt Sorgen um dich."


„Du machst dir Sorgen um MICH?" lachte Frida auf und sah mich ziemlich ungläubig an. „Anouk, du kommst an einem Montag frühmorgens bei Sonnenaufgang nach Hause. Kleid zerrissen, betrunken, total durch. Du hast mit zwei Typen gleichzeitig gevögelt und ich will gar nicht wissen, wo. Wahrscheinlich weißt du nicht mal, wie die beiden heißen und…"


„Tim, Tom, Niklas, Maximilian, Alexander, Leon, Lukas oder wie auch immer“, unterbrach ich sie und fuhr irgendwie ein bisschen hoch. „Oder beide Tim. Oder beide Tom. Keine Ahnung, ist doch auch scheißegal. Und gefickt haben wir in Tims oder Toms Van, wenn du’s genau wissen willst. Die hatten hinten drin ne Matratze. Auf dem Parkplatz vom Aldi.“


Frida sah mich entgeistert an. „Das alles wollte ich nicht wissen, hab ich gesagt“, sagte sie leise und in diesem ruhigen Ton, den sie nur anschlug, wenn sie langsam sauer wurde. „Ich sollte mir Sorgen um dich machen, nicht umgekehrt. Klar?“


Ich atmete tief durch. Eigentlich war Frida nicht so, zumindest meistens nicht. Sie meckerte selten mit mir rum, obwohl ich es bestimmt oft genug verdient gehabt hätte. Normalerweise akzeptierte sie meine Macken und nahm mich so, wie ich eben war, aber in der letzten Zeit benahm sie sich irgendwie anders. Das waren diese verfickte Lernerei und ihre Verbissenheit bei sowas.


„Ach, Frida“, antwortete ich und lächelte sie an, was sie scheinbar ein bisschen erweichte, immerhin glättete sich ihre Stirn wieder. „Mir geht's gut. Besser als gut sogar. Wirklich. Ich bin zufrieden so, Süße. Ich mache, was ich will, wann ich will und mit wem ich will. Das ist im Moment okay für mich.“ Ich stand immer noch bei ihr, beugte mich zu ihr herunter und küsste ihre Stirn, wie ich es immer getan hatte, um die Wogen zu glätten, seit wir Kinder gewesen waren. „Aber du... du siehst ständig so müde aus. So total erschöpft. Als würdest du wegen deiner Lernerei bald zusammenklappen."


„Werd ich nicht", sagte sie, aber ihre Stimme klang nicht überzeugt. Und auch nicht überzeugend.


„Gut", sagte ich leise und fast die alte Geschichte von damals rausgeholt, als sie wirklich total zusammengeklappt war. Und zwar mehr als total. Aber ich biss mir auf die Lippen und verkniff es mir. „Du bist meine beste Freundin und ich will nicht, dass es dir schlecht geht.“


Frida nickte langsam und lächelte dann plötzlich. „Ja, okay“, sagte sie besänftigt. „Und jetzt geh endlich duschen, du stinkst nämlich wirklich wie Sau. Ich muss hier lüften.“


„Haha“, machte ich und gähnte herzhaft. Ich strich ihr sanft übers Haar, tappte aus der Küche und ging in unser kleines, aber überraschend ordentliches Badezimmer. Ordentlich, obwohl ich hier wohnte, was natürlich Frida zu verdanken war. Ich zog mein Kleid aus, darunter war ich nackt, ich hatte meinen Slip wohl bei den beiden Tim-Toms gelassen und BHs trug ich sowieso nie, ich hasste diese Dinger.


Ich schlüpfte in die Dusche und drehte das Wasser auf. Es lief heiß über meinen Körper und wusch den Schweiß und die Spuren der Nacht von mir ab. Ich war müde, immer noch ein bisschen betrunken, aber zufrieden. Es war eine geile Nacht gewesen, intensiv, wild und frei. Genau so, wie ich es mochte.


Und heute Abend würde ich wieder rausgehen und wieder jemanden finden, den ich wollte und der mich wollte. Und es war scheißegal, ob es Montag, Mittwoch oder Samstag war, wen interessierte das? Mich nicht.


Frida lebte für die Zukunft, ich lebte fürs Jetzt. Sie hatte Ziele, ich nicht. Sie wusste, was sie wollte vom Leben, ich hatte keinen Plan. Aber ich tat, was ich wollte, Frida tat, was anderes von ihr verlangten, damit sie ihre Ziele erreichen konnte. Wir waren so gegensätzlich, aber ohne einander würden wir beide untergehen.


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Als ich aufwachte, war die WG still, aber ich hörte die üblichen Geräuschen, die durch die dünnen Wände des Gebäudes drangen, in dem unsere WG lag. Da waren Schritte im Treppenhaus, ein Kinderlachen, das gleich wieder verstummte, eine Tür, die ins Schloss fiel, ein Fahrrad, das im Hinterhof polternd auf den Boden landete. Ich hörte Jugendliche, die sich auf der Straße lautstark in einer Sprache unterhielten, die ein bisschen wie Deutsch klang, durchzogen von Jugendwörtern. Ein Slang, den ich kaum noch verstand, obwohl ich bloß ein paar Jahre älter war.


Ich stand auf, zog mir ein altes Shirt über und ging in unsere Wohnküche, in der es wieder mal nach Eintopf roch. Den Rest vom alten hatte Frida entweder gegessen oder weggeworfen. Ich tippte auf ersteres, denn etwas einfach wegzuschmeißen ging für sie nicht. Sie kochte ständig Eintopf, egal zu welcher Jahreszeit, im Winter genauso wie im Sommer, was eventuell mit unserer chronisch knappen Kasse zusammenhängen konnte. Viel war da nicht drin, also gab’s eben Eintopf.


Frida war nicht da, als ich mich auf den Stuhl am Esstisch fallen ließ, der am wenigsten wackelte. Ich hatte keine Ahnung, wie spät es sein mochte, aber dass Frida den Eintopf schon gekocht hatte, sagte mir, dass es mindestens Mittag sein musste, wahrscheinlich später, aber Tageszeiten spielten für mich eben keine große Rolle. Ich schlief lange, stand spät auf und ging irgendwann zur Arbeit ins Café. Da musste ich zum Glück immer frihestens am Nachmittag hin. Ich sah auf die Uhr an der Wand, die kurz nach eins anzeigte, aber das tat sie seit zwei oder drei Wochen. Sie war nämlich stehen geblieben, aber keine von uns wechselte die Batterie. Also checkte ich mein Handy. Kurz vor halb zwei. Genug Zeit, ich musste erst um drei im Café sein.


Wo Frida wohl war? Wahrscheinlich einkaufen, jemand musste das ja machen. Ich tat das selten, ich vergaß es einfach. Mit ihr zusammenzuleben hieß für mich, einen verlässlichen Gegenpol zu haben. Sie schrieb Listen, die ich dann auf dem Tisch liegen ließ, wenn wir gemeinsam einkaufen gingen. Ich hortete Wasserflaschen in meinem Zimmer, sie sammelte sie ein, jede einzelne steckte sie dann laut in die Kiste in der Küche, um mir ihr Missfallen kundzutun, während ich am Tisch saß und darüber nachdachte, was ich am Abend anziehen würde, um Männern den Kopf zu verdrehen. Und doch war da dieses Zusammenspiel. Ich war das Chaos, sie die Ordnung. Ich brachte das Ungeplante, sie die Struktur. Sie löschte das lodernde Feuer, das ich irgendwie mal wieder gelegt hatte. Ich ließ die Fenster offen, wenn ich die WG verließ, sie schloss diese ohne mir Vorträge über Sicherheit zu halten, weil sie wusste, dass es nichts nützen würde. Ich zog sie in Nächte, die sie ohne mich nie erlebt hätte. Wir taten dann Dinge, die sie genoss, aber ohne mich nie getan hätte. War allerdings lange nicht passiert war, Frida lernte ja seit Wochen nur noch.


Ich lächelte vor mich hin und ließ den Blick durch unsere Wohnküche schweifen. Ja, die bildete wirklich unseren WG-Mittelpunkt. Da waren das große Fenster zum Hinterhof, der immer ein bisschen nach feuchter Erde roch, selbst wenn es draußen heiß und trocken war, die Sitzecke, in der wir vorglühten, wenn wir ausgehen wollten, und der Esszimmertisch, an dem wir häufig saßen und über alles und nichts redeten. Frida über Pläne, Ziele und Träume, ich darüber, dass ich weder das eine noch das andere hatte. Träume schon, aber keine Pläne und Ziele. Außer mich zu amüsieren und möglichst viel Sex zu haben.


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Als ich von der Arbeit im Café nach Hause kam, war Frida wieder da, vor ihr lagen Bücher auf dem Tisch, Zettel, Stifte und ein Textmarker ohne Kappe. Sie las still, markierte Stellen, schob sich die Brille hoch. Das Rascheln der Seiten, das Blubbern eines Eintopfs auf dem Herd, ihr leiser Atem, fast so konzentriert wie sie selber. Sie hatte Schatten unter den Augen.


„Hey “, sagte ich leise, obwohl ich wusste, dass es keinen Sinn hatte. „Willst du nicht mal Pause machen und was anderes tun? Mit mir ausgehen zum Beispiel?“


Frida schüttelte den Kopf, ohne mich anzusehen. „Keine Zeit. Ich muss mich auf diesen Test vorbereiten und ihn bestehen Sonst kriege ich den Studienplatz nicht.“


„Klingt anstrengend“, gab ich zurück, lupfte den Deckel des Topfes und ließ Dampf entweichen, Lorbeer und Karotte schoben sich in meine Nase. Draußen herrschten fast dreißig Grad und Frida kochte Eintopf. Eigentlich bescheuert, aber was sollte man bei knapper Kasse schon machen.


„Ist es auch“, meinte Frida, dann sah sie mich an und seufzte. Sie wirkte müde, so unglaublich müde. Warum tat sie sich das an? Ihre blauen Augen sahen aus, als hätte sie seit Tagen kaum geschlafen. Hatte sie wahrscheinlich auch nicht. „Vielleicht sollte ich das lieber machen wie du“, fuhr sie leise fort. „Mich treiben lassen, durch die Stadt ziehen, tanzen, feiern, trinken und…“


„Vögeln?“ vollendete ich, wie ich es oft tat, weil ich fast immer wusste, was sie dachte und was sie sagen wollte. Ich kannte sie so lange und das Gespräch, dass jetzt wohl folgen würde, hatten wir schon öfter geführt. „Würde ich dir nicht empfehlen. Du hast einen Traum, ein Ziel. Ich nicht. Du tust das hier…“ Ich deutete auf ihre Arbeitsutensilien auf dem Tisch, der viel zu klein dafür war. „… für deinen Traum. Würde ich auch tun, wenn ich einen hätte. Du bist nicht wie ich und das ist ziemlich wahrscheinlich gut so. Eine von uns muss hier ja einen Plan haben.“


Frida lachte leise, diese helle Lachen, das ich mochte, schon immer gemocht hatte. Sie schob sich mit dem Bleistift eine blonde Strähne aus der Stirn. Wir kannten uns in und auswendig, waren Freundinnen, seit ich ihr vor sechzehn oder siebzehn Jahren im Sandkasten die Schaufel klauen wollte und sie mir dafür einen Plastikeimer Sand über den Kopf gekippt hatte.


„Okay“, sagte sie und ihre Augen blitzten kurz auf. „Ich mach dann hier mal weiter. Ziehst du wieder los heute Abend?“


„Nur kurz raus“, nickte ich und wusste selber, dass es bei mir nur selten bei „kurz“ blieb. Aus „kurz raus“ konnte auch bis zum Morgengrauen werden.


Frida lächelte plötzlich. „Ich wünsche mir wirklich manchmal, ich hätte so wenig Ehrgeiz wie du.“


„Ich hab überhaupt keinen“, korrigierte ich sie lachend und tappte aus der Küche.

Kapitel 2: Nachtleben


Etwas später stand ich vor dem Spiegel im Bad, dem einzigen, den es in der WG gab, in dem man sich von Kopf bis Fuß sehen konnte. Das helle Licht zeigte alles, machte den Staub sichtbar, der sich in den Ecken sammelte, weil Frida im Moment keinen Kopf zum Putzen hatte und ich es von selber nicht tat. Ich trug einen hellen Denim-Minirock, Low-Waist, ausgewaschen und am Saum ausgefranst. Mir war schon klar, Jeansminis waren grad nicht unbedingt in, aber dieser hier hatte meiner Mutter gehört, also trug ich ihn. Dazu ein enges weißes Top, das knapp unter meinen Brüsten endete und meinen Bauch freiließ. Meine roten Locken ließ ich offen. An den Ohren kleine silberne Creolen, am Hals eine feine Kette, am Handgelenk ein schmales Armband. Weiße Sneaker an den Füßen, die ich hegte und pflegte und niemals tagsüber trug. Eine kleine Crossbody-Bag hing an meiner linken Schulter, neutral und praktisch, in ihrem Inneren die Dinge, die eine Frau wie ich brauchte. Lippenstift, Mascara, Feuerzeug, Fishermen’s Friends, mein Smartphone, meine Schlüssel, mein Portemonnaie, loses Kleingeld, Taschentücher, ein oder zwei Ersatzslips, Kondome. Wenn ich meine Tasche verlieren würde, wäre ich verloren, aber das geht wohl vielen Frauen so.


Ich zog den Rock ein wenig zurecht, prüfte den Sitz des Tops. Mein Bauch war flach und straff, ich legte die Hand darauf und lächelte mir zu. Ich fand, ich sah gut aus und ich wusste, eine Menge Menschen da draußen fanden das auch.


Frida lehnte plötzlich im Türrahmen, die Arme vor der Brust verschränkt. Ich hatte sie gar nicht kommen gehört. „Du musst jeden Abend raus, oder?“ stellte sie fest, in ihrer Stimme kein Vorwurf, vielleicht ein bisschen Neid.


„Ja, irgendwie schon“, erwiderte ich und lächelte. „Ich will dich ja auch nicht beim Lernen stören. Aber du könntest auch mal wieder mitkommen.“


Sie schüttelte den Kopf. „Geht nicht“, sagte sie. „Ich schaffe ohne Lernen diesen Scheiß-Test nicht, ich hab nicht deine Intelligenz.“ Sie sah mich an und ich wusste, was sie mal wieder dachte, nämlich dass ich meine Intelligenz einfach wegschmiss. Ich hatte das Abi ohne auch nur einen Handschlag zu tun mit einem Schnitt geschafft, den sie trotz Büffeln nicht erreicht hatte. Ich war vor jeder Klausur und Prüfung feiern gewesen, während sie gearbeitet hatte. Das wurmte sie, obwohl das mit der Intelligenz nicht einmal stimmte. Sie war die Klügere von uns beiden, nicht ich, sie überlud sich nur ständig mit Fakten, die keine Sau brauchte. Aber ihr das beibringen zu wollen, hatte ich inzwischen aufgegeben.


„Und wohin willst du heute ?“ fragte sie, bevor ich etwas sagen konnte, auch eine typische Taktik von ihr. Rumlamentieren und dann schnell das Thema wechseln.


„Mal sehen, erstmal ins Ankerlicht wahrscheinlich“, sagte ich mit den Schultern zuckend. „Und dann schauen, wo es hinführt. Also wie immer.“


Frida schüttelte den Kopf, wieder ein Lächeln, wie immer kein Tadel. „Du bist so vergnügungssüchtig“, sagte sie nur.


„Und du bist so langweilig“, antwortete ich lachend, zwinkerte ihr zu und ging an ihr vorbei aus dem Bad. Im Flur zog ich meine Sneaker an, griff meine Tasche und verließ die Wohnung.


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Im Treppenhaus hing die abgestandene Wärme des Tages, aus dem Keller zog ein leichter Hauch von Heizöl herauf, den man immer roch, wenn der Hausmeister die rote Brandschutztür eine Weile offen gelassen hatte. Über den Stufen lag noch der Zitronenduft des Putzmittels, den Frau Mitschlatis immer benutzte, wenn sie mit der Treppenhausreinigung dran war. Immerhin machte sie es, andere nicht. Eine Mischung der Reste von Abendessen, Fett, Zwiebeln, Knoblauch, Gemüse unter Frau Mitschlatis‘ Reiniger. Von irgendwo kam Zigarettenqualm und hinterließ seine Note im Potpourri der Gerüche. Ganz leicht von oben schwebte ein leichter Schleier von Waschpulver und feuchter Baumwolle vom Dachboden, wo einige Bewohner ihre Wäsche trockneten. Frida und ich taten das nicht mehr, seit jemand meine Stringtangas und Fridas rotes Partykleid geklaut hatte.


Es war recht still, irgendwo brummte ein alter Kühlschrank durchs Mauerwerk, während ich die Treppen hinabstieg. Aus einer Wohnung drang ein Fernseher, abgehackte Stimmen, ein Jingle. Wasser rauschte durch eine alte Leitung, jemand duschte wohl. Als ich am Ausgang ankam, sprang die Heizung im Keller brummend an. Die Tür quietschte schwergängig, als ich sie aufzog und auf den Bürgersteig trat. Die Straße lag im warmen Abendlicht. Die Sonne stand tief, der Himmel färbte sich orange, und die Schatten zogen sich lang über den Asphalt. Aus offenen Fenstern wehten Stimmen und Radiomusik, in den Bäumen am Straßenrand zwitscherten Vögel.


Ich ging Richtung Bahnhof Ottensen, vorbei an Bars und Cafés, geschlossen Läden und Spätis. Vor einem Eingang standen Jugendliche, ein wenig jünger als ich, vielleicht sechzehn oder siebzehn, ein Bluetooth-Lautsprecher spuckte Rap in die Abendsonne. Sie betrachteten mich, als ich vorbeiging, ein anerkennender Pfiff, den ich mit einem Arschwackeln beantwortete.


Der Bahnhof lag nur ein paar Minuten entfernt. Der Zug rollte gerade ein, S3 Richtung Harburg. Der Wagen roch nach alten Polstern und kaltem Schweiß, dazu hing der Geruch von Fast Food in der Luft, eine Tüte Pommes irgendwo, ein Döner, eine Plastikbox mit Nudeln. Ein Mann trank Bier aus der Dose, das Alu knackte dumpf dabei. Auf der Bank mir gegenüber saß ein Mann im Anzug, Krawatte gelockert, die Augen halb geschlossen. Neben ihm eine Frau mit Einkaufstüten, ein Tourist studierte sein Handy, die Stimme von Google Maps leise aus dem Lautsprecher.


Ich hielt mich an der Stange fest, wusste, dass der Mann im Anzug mich beobachtete, obwohl er es zu verbergen versuchte, meine Beine im kurzen Jeansmini ansah oder auch meine Brüste, die das enge Top deutlich betonte. Vielleicht war er aber nicht ganz so platt und meine roten Haare interessierten ihn mehr als meine Titten.


Ein paar Minuten, länger brauchte die Bahn nicht bis zur Reeperbahn. Dort öffneten sich die Türen und die Nacht kam mir schon entgegen, Bass von irgendwo oben, Stimmen, ein Schwall abgestandener Luft, gemischt mit Frittiertem. Ich stieg aus, ging die Treppe hoch und tauchte ein in die Welt der Reeperbahn. Lichter, grell und unruhig, blitzten wie ein ständiger Herzschlag. Stimmen türmten sich übereinander, Englisch, Deutsch, Japanisch, irgendwas Skandinavisches, ein paar Worte Arabisch dazwischen. Männergruppen. Vor einem Laufhaus standen die Türen offen, dahinter lange, grell erleuchtete Flure. Frauen lehnten in den Rahmen, in knappen Kleidern, viel Haut, bunte Lippen, lockende Blicke. Manche lächelten, manche sahen durch einen hindurch.


Ich ließ mich ein paar Schritte treiben, Bars, Sexshops, Theater, Stripclubs, dann bog ich ab in eine Seitenstraße, wo es dunkler und leiser wurde. Zwischen einer geschlossenen Ladenfront und einer Mauer hing ein schlichtes Schild mit einem Anker darauf. „Ankerlicht.“ Ich öffnete die Tür, die beim Aufgehen kurz klemmte. Drinnen roch es nach Holz, Tabak und Bier, das in Gläsern schäumte. Jette stand hinter dem Tresen, polierte routiniert Gläser. Kurzes, dunkles Haar, kräftige Schultern unter einem schlichten Shirt. Sie hob den Blick, nickte mir zu, als hätte sie genau gewusst, dass ich heute wiederkommen würde.


„Bier?“ fragte sie und fing schon an zu zapfen, bevor ich was gesagt hatte.


„Wie immer“, erwiderte ich und ließ mich auf einen Hocker an der Theke gleiten, das Leder rissig, aber weich vom Gebrauch unter meinen Hintern. Der Tresen war aus dunklem Holz, ein paar alte Fotos hingen an der Wand, Schiffe im Hafen, Matrosen mit Zigaretten. Ein Rettungsring als Deko, eine Leuchte, die mal auf einem Kutter gebrannt haben musste. Dazu der Klang der alten Anlage, Gitarre, eine traurige, brüchige Männerstimme. Ich atmete einmal tief durch. Das Ankerlicht war so etwas wie mein Ankerplatz, meine Basis. Ich lehnte mich mit den Unterarmen auf das Holz, sah in den Spiegel hinter den Flaschen. Dort sah ich mein Gesicht, mein Haar, meine Augen und die Männer am Ende des Tresens, die mich ebenfalls sahen, aber in Ruhe ließen. Wenige Sekunden später stand das Bier vor mir. Kalt, genau das brauchte ich, hier gab’s keine Cocktails und ähnlichen Schnickschnack.


Ich drehte mich auf dem Hocker um, schlug die Beine übereinander und schaute in die Runde. Einzelne Männer, eine Frau allein, Paare und kleine Runden an den Tischen, Nachtschwärmer, Leute, die nach der Arbeit ein Bier brauchten. Ich kannte viele der Gesichter, wenn auch wenige Namen. Die meisten heute waren Stammgäste, die mich kannten, so wie ich sie. Von denen würde mich keiner anbaggern, nicht hier. Sie wussten, ich suchte hier nichts.


„Schöner Abend, oder?“ sagte jemand rechts von mir. Ich drehte den Kopf. Ich sah eine alte Lederjacke, dunkle Haare, die in die Stirn fielen, ein hübsches Gesicht mit einem schiefen Lächeln, ein bisschen scheu und frech gleichzeitig.


„Kommt drauf an“, sagte ich, ich musste zu ihm hochschauen, er stand neben mir, er war groß, sicher einsneunzig, aber eher der schlaksige Typ, kein Kraftprotz, wie der Kerl, mit dem ich irgendwann letzte Woche gevögelt hatte. Vielleicht war’s auch vorletzte gewesen.


„Jan“, stellte er sich vor und grinste jetzt breit und herausfordernd. „Worauf kommt es denn an?“


„Darauf, was du dir unter einem schönen Abend vorstellst“, gab ich mit einem leisen Lachen zurück und spielte mit einer roten Locke meiner Haare. Meine Entscheidung war gefallen, ich hatte ihn hier noch nie gesehen, er fiel also nicht unters Inventar vom Ankerlicht, mit dem ich nie was anfing. Er schien nicht dumm zu sein, er gefiel mir und ich ihm, das sah ich an seinen Blicken, die über mich wanderten und ein leichtes Kribbeln in mir auslösten. Das reichte mir. „Ich bin Anouk.“


Jette stellte ihm wortlos ein Bier hin, als hätte sie entschieden, dass er bleiben durfte. Jan erzählte irgendwas in kleinen Bruchstücken, Musik, die er mochte, Jobs, die er nicht mochte, sein Studium, das irgendwo zwischen Lustlosigkeit und Müssen schwebte. Ich sagte wenig, ich ließ Menschen gern reden, da erfuhr man meistens mehr. Seine Hand lag längst warm auf der nackten Haut meines Beines, dicht am Saum meines Rocks, so als würde sie gerne höher wandern und sich bloß nicht trauen. Irgendwann beugte ich mich zu ihm, meine Lippen dicht an seinem Ohr. „Es kommt jetzt drauf an, ob du einen Ort hast, an dem wir ficken können“, flüsterte ich und spürte, wie er leicht zusammenzuckte.


„Um die Ecke“, sagte er mit rauer Stimme und seine Hand stahl sich ein Stück unter meinen Rock, ich reagierte, indem ich meine übergeschlagenes rechtes Bein vom linken gleiten ließ, mich für seine Hand öffnete. Ich spürte schnell die Spitzen seiner Finger an meiner Möse, nur der dünne Stoff meines Strings dazwischen. Ein Schauer lief mir über den Rücken, als er etwas drückte. „Ich hab nicht aufgeräumt“, fügte er hinzu.


„Scheißegal“, raunte ich, mein Mund noch immer an seinem Ohr, meine Stimme nun im Paarungsmodus. „Gehen wir?“


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Draußen war es kühler geworden, es hatte ein bisschen geregnet, der Asphalt glänzte noch wie von einem kurzen Schauers. Aber mich kühlte die frische Luft nicht ab, sollte sie auch gar nicht, ich wollte wissen, was Jan beim Ficken drauf hatte. Wir gingen dicht nebeneinander, sprachen nicht, er fragte nicht nach mir, ich fragte nicht nach ihm. Es gab nichts zu sagen.


Die Haustür klemmte, das Treppenhaus roch muffig. Unsere Schritte hallten dumpf, oben eine Tür, die leicht aufging. Seine Dachwohnung war klein, eigentlich nur ein Raum. Ich sah einen Tisch mit zwei Stühlen, als er das Licht einschaltete, einen Kühlschrank, ein Sideboard mit einer Einzelkochplatte und einem Topf darauf, Bücherstapel, ein Tablet mit Kratzern auf dem Display, ein alter Plattenspieler, dessen Haube einen Sprung hatte. In einer Ecke eine Matratze. Das Fenster stand einen Spalt offen, es roch nach Regenluft und einem Aftershave oder etwas Ähnlichem.


„Entschuldige das Chaos“, sagte er und räumte genau nichts weg, blieb im Raum stehen und streifte die Lederjacke ab, warf sie über einen der Stühle. Er trug darunter ein offenes Hemd und ein T-Shirt.


„Ich mag Chaos“, sagte ich und lehnte mich an das Sideboard. Es war unordentlich hier, aber immerhin sauber. „Leg was auf. Ich kenn sonst niemanden, der noch Platten hat.“


Jan lachte, fand eine Platte, drehte sie vorsichtig zwischen den Händen und setzte die Nadel auf. Das typische Knacken erklang, dann eine Gitarre und eine Stimme, die ich nicht kannte. Er blieb beim Plattenspieler stehen, sah mich an, seine Arme hingen an den Seiten, als wüsste er nicht, wohin mit seinen Händen. Aber ich wusste es, ich wollte seine Hände an mir. Ich sah ihn an, legte den Kopf schief, drehte eine Locke zwischen meinen Fingern, lächelte, ließ den Mund dabei ein wenig geöffnet, reckte die Brust, spürte den engen Stoff des Tops an meinen harten Nippeln. Ich warf ihm einen tiefen Blick zu, mein Fick-mich-Blick, ich war ein einziges Locksignal, bis er dann endlich den Schritt zu mir machte.


Als er mich küssen wollte, drehte ich etwas den Kopf weg und schüttelte ihn dann leicht. Bei One Night Stands küsste ich nicht, ich wichste Schwänze, lutschte sie und ließ sie in meine Möse, aber Küssen war nicht drin. Ich küsste Menschen, die ich kannte und mochte, bei einer ersten und wahrscheinlich einmaligen Begegnung küsste ich nicht. Sein Atem streifte meine Wange, er roch nach Bier und Minze, so wie ich wahrscheinlich auch.


„Nicht küssen, nur ficken“, sagte ich leise, legte meine Hand auf die Beule in seiner Hose und rieb darüber. Ich hörte ihn keuchen und grinste, mein Mund an seinem Ohr. Seine Hände legten sich erst auf meinen Hüften, dann auf meine Taille, wanderten auf der nackten Haut meines Rückens bis zum Rand meines Tops, wo sie einen Moment stoppten, dann unter den Stoff krabbelten.


Er atmete hörbar ein. „Okay“, raunte er. „Kein Küssen.“ Ich schob das Hemd von seinen Schultern und ließ es auf den Boden fallen. Sein T-Shirt spannte über der Brust und ich zupfte daran, sah ihm dabei in die Augen, bis er es selbst über den Kopf zog. Ich legte meine Kette ab, ließ sie in die Tasche fallen, die ich dann auf das Sideboard stellte. Ich hob meine Arme und er zog mir das Croptop aus. Meine Nippel waren steinhart wie kleine Kiesel. Er betrachtete mich, ziemlich gierig, wie ich fand. Aber genauso sollte es ja sein, wenn er mich nicht hätte haben wollen, wäre ich wohl kaum hier.


Mein Brustkorb hob und senkte sich, mein Herz wummerte schnell, wie immer, wenn ich geil war. Und ich war geil, ich hatte zuletzt vor Stunden gevögelt, viel zu lange her. Seine Hände glitten meine Wirbelsäule entlang, er beugte sich vor und leckte mit der Zungenspitze über meine Kieselsteine, erst links, dann rechts. Eine Hand öffnete den Knopf meines Rocks, der auf meinen Hüften hängen blieb, die andere lag auf meinem Hintern, während er einen Nippel einsaugte und ich an seinem Hosenstall nestelte. Er biss halbsanft zu und ich keuchte erregt, bekam den Knopf auf, dann den Reißverschluss, ließ meine Hand in seine Hose gleiten, umfasste seinen Schwanz durch seine Unterhose. Er stöhnte auf, seine Hände glitten unter den Stoff meines Minis und kneteten meine Pobacken.


Ich drängte ihm nach vorne und nach unten, bis er auf der Matratze lag, und setzte mich breitbeinig auf ihn, mein Minirock rutschte hoch. Ich rieb mich an ihm, langsam und genüsslich, spürte, wie hart er war. Er stöhnte leise und ob seine Hüften, als wollte er sofort in mich.


„Langsam“, hauchte ich rau, beugte mich vor und hielt seine Handgelenke neben seinem Kopf fest. Ich küsste seinen Hals, spürte, wie sein Atem schneller wurde und wie sich seine Haut erwärmte. Dann glitt ich tiefer, über seine Brust, den Bauch, der sich etwas anspannte.


Ich befreite seinen Schwanz aus der Enge. Er war bretthart und der Schaft lag warm in meiner Hand. Ich leckte langsam und gemächlich über seine Eichel, schmeckte ihn und äugte zu ihm hoch, sah die Geilheit in seinem Blick. Ich schloss die Lippen um ihn, ließ ihn tiefer in meinen Mund gleiten, so weit, bis er erzitterte. Meine Hand bewegte sich im Rhythmus meiner Lippen, ich entschied über Tempo und Tiefe. Er keuchte, seine Finger krampften in die Bettdecke. Ich spürte, dass er sich beherrschen musste, nicht in meinen Rachen zu stoßen. Sein Schwanz zuckte in mir, als würde er schon kommen wollen. Ich ließ ihn aus meinem Mund gleiten, küsste den Unterbauch, roch seine Haut, seine Geilheit. Dann kam ich hoch, zuppelte den Minirock ganz über meine Hüften, schob für einen Moment meinen Slip zur Seite, um ihm zu zeigen, was er gleich haben durfte. Ich sah, wie er mich anschaute, genoss die Erregung in seinem Blick.


„Kondom“, flüsterte ich und er griff hektisch in die Schublade des kleinen Nachttischs neben der Matratze. Ich hörte Folienknistern, sah seine zittrigen Finger. Ich nahm es ihm ab, riss es auf, rollte es über seine pulsierende Härte, bewusst gemächlich, absichtlich langsam. Ich setzte mich wieder auf ihn, führte ihn an meine Möse, schob wieder meinen Slip beiseite und senkte das Becken, bis ich seine Eichel an mir fühlte, dann ging ich tiefer, spürte den Druck und sein Eindringen in mich. Ein Laut kam aus meiner Kehle, kein Schrei, nicht einmal ein Stöhnen, nur ein tiefes Ausatmen. Ich nahm ihn auf, ließ ihn ganz in mich und begann dann mich zu bewegen, auf und ab, gleichzeitig ein wenig vor und zurück, kleine Kreise, in dem Rhythmus, den ich brauchte.


Er versuchte sich anzupassen, hob die Hüften, suchte meinen Takt. Ich legte die Hände auf seine Brust, drückte ihn in die Matratze, ritt ihn, so wie ich es wollte, mal langsamer, tiefer, dann schneller. Er stöhnte, verspannte sich, ich lachte leise, biss ihm in die Schulter, schmeckte Schweiß und ließ ihn aus mir rutschen. Ich legte mich neben ihn, drehte mich auf den Rücken. „Fick mich“, raunte ich. „Aber schön langsam.“


Er kam über mich, schob sich in mich und ich seufzte kehlig. Ich legte meine Hand an seinen Nacken, leitete ihn, flüsterte ihm das Tempo ins Ohr: „So. Ja. Nicht schneller. Lass dir Zeit.“ Ich hob mein Becken, veränderte den Winkel, gab ihm mehr Widerstand. Seine Stirn lag heiß an meiner, ich spürte seinen Schweiß, fühlte, wie meine Muskeln zitterten, wie es sich in meinem Unterleib bündelte, wie sich meine Möse zusammenzog, wie sein Schwanz in mir zuckte.


„Noch nicht“, keuchte ich erregt. „Noch ein bisschen… oh ja, genau so.“


Er hielt durch, bis die Wellen über mich hinweg schwappten und durch mich rasten. Meine Finger krallten sich in seine Schultern, mein Körper bog sich, ich atmete schnell und hektisch, biss ihn herzhaft in die Haut seines Halses, schrie dann auf, als mich der Orgasmus endgültig überrollte.


Er kam kurz danach, mit einem dumpfen Laut aus seinem Mund. Ich hielt ihn fest, während unser Zittern nachließ, küsste die Stelle an seinem Hals, die ich grade noch gebissen hatte, fühlte sein Herz gegen meins schlagen. Eine Weile lang lagen wir so da, aufeinander, die Platte knackte, er atmete, ich atmete, ansonsten war es still, als wären wir nicht mitten in Hamburg, sondern irgendwo am Arsch der Welt. Ich wusste nicht, wie lange wir so blieben, aber irgendwann glitt er von mir und rollte sich auf den Rücken, noch immer schwer atmend. Ich legte mich auf die Seite und sah ihn an. Bisher hatte er nicht so etwas wie „das war geil“ oder so gesagt und ich hoffte, das würde auch so bleiben. Ich hasste das. Aber ich fragte mich, was er sagen würde. Aber vielleicht schlief er ja auch einfach ein.


„Bleibst du noch?“ fragte er schließlich, die Stimme noch immer rau. „Vielleicht könnten wir was…“


„Nein“, sagte ich, strich mir die Locken aus dem Gesicht, stand auf, schob Slip und Rock zurecht, suchte mein Top, das auf dem Boden lag, und zog es über. Meine Sneaker hatte ich immer noch an, ich hätte fast gelacht, ich hatte gerade eben ganz ordentlich gefickt und mir nicht mal die Schuhe ausgezogen.


„Tauschen wir Nummern?“ machte er noch einen Versuch, aber ich schüttelte den Kopf. Seit Kay, diesem Idioten, mit dem ich letztes Jahr im Sommer ein paar Mal gevögelt hatte, rückte ich meine Nummer ganz sicher nicht mehr so einfach raus. Frau lernte ja dazu. Der Typ hatte mich pro Tag mit Dutzenden WhatsApp- und Signal-Nachrichten genervt, als ich mich nicht mehr bei ihm gemeldet hatte, bis ich ihn blockieren musste, weil es mit zu viel gewesen war. Warum glaubten Kerle eigentlich immer, sie hätten irgendwelche Anrechte, nur weil sie ihren Schwanz in mich gesteckt hatten?


Ich lächelte möglichst freundlich, beugte mich noch einmal zu ihm runter und küsste seine Stirn. „Nimm’s nicht persönlich“, sagte ich, richtete mich wieder auf, nahm meine Bag und ging zur Tür. Ich warf noch einen Blick auf ihn und sein kleines Zimmer, dann war ich raus.


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Ich ging zur S-Bahn. Ich hatte kurz überlegt, noch einmal zum Ankerlicht zurückzukehren, um noch ein Bier zu trinken, aber unten auf der Straße fühlte ich mich plötzlich müde, obwohl es grade mal Mitternacht war. Ich spürte die Nachwirkungen des letzten Wochenendes, das ich wie immer mit Tanzen, Feiern und Sex gefüllt hatte. Für einen Montag sollte es reichen.


In der Bahn Richtung Ottensen saßen nur ein paar Leute. Ein Typ um die vierzig, der völlig ungeniert meine Beine und Titten angaffte, ein Mädchen, höchstens dreizehn oder vierzehn mit einem Geigenkoffer, zwei Jungs um die sechzehn in St. Pauli-Trikots, eine müde aussehende Frau in leicht zerknitterten Business-Klamotten, die auf Englisch in ihr Handy babbelte. Ich lehnte den Kopf gegen die Scheibe, alles normal soweit.


Als ich zu Hause ankam, war alles still in unserer kleinen WG. Frida schlief scheinbar schon. Natürlich. Ihre Bücher, Textmarker und anderen Sachen lagen auf dem Küchentisch. Ich betrachtete das Ganze einen Moment, dachte an meine Sandkastenfreundin, die wegen einer bescheuerten Prüfung, die sie wahrscheinlich mit links schaffen würde, wenn sie nicht so verbissen wäre, seit vier Wochen nicht mehr am Leben teilnahm.


„Mann, Süße“, murmelte ich und seufzte leise. „Du musst dir echt mal wieder was gönnen.“ Ich ging in mein Zimmer, streifte die Sneaker ab und stellte sie neben meine anderen Schuhe, hängte die Bag über die Stuhllehne und schlüpfte aus Rock, Tanga und Top. Ich legte mich nackt aufs Bett, ohne mich zuzudecken. Ein Zug frischer Luft kam durch das auf Kipp stehende Fenster, strich über meine Haut und kühlte sie. Ich schloss die Augen und lächelte in die Dunkelheit meines Zimmers. Ich hatte mir meinen Sex geholt und genau so sollte es sein. Genau so wollte ich das.

Kapitel 3: Fischers Park


Ich wachte auf, bevor die Wecker-App überhaupt klingelte. Es war sechs Uhr morgens, eigentlich viel zu früh für mich, aber die letzte Nacht war ja auch nicht besonders lang gewesen für meine Verhältnisse. Mein Zimmer war noch kühl, die Luft frisch von der Nacht, und durch das gekippte Fenster hörte ich von der Elbe her Möwen kreischen, nicht so laut, als würden sie direkt über Ottensen kreisen, mehr wie ferne Rufe über den Dächern. Irgendwo klapperte ein Lieferwagen über Kopfsteinpflaster.


Ich blieb noch einen Moment liegen, schaute an die Decke und spürte das Laken auf meiner nackten Haut. Ich hatte tief und traumlos geschlafen und fühlte mich so seltsam ausgeruht was ich von mir nicht wirklich kannte. Eigentlich überhaupt nicht, normalerweise wachte ich mit dem Gefühl auf, noch mindestens drei oder vier Stunden weiterschlafen zu müssen, was ja logisch war, wenn man erst gegen drei, vier Uhr in der Nacht oder noch später nach Hause kam. Aber heute morgen fühlte ich mich wach und… irgendwie voller Bewegungsdrang. Wie lange war das schon nicht mehr vorgekommen?


Ich stand auf und tapste nackt und barfuß durch die Wohnung. Die alten Dielen knarrten dabei leise unter meinen Füßen. In der Küche lag ein Zettel von Frieda auf dem Tisch: „Hab einen Termin wegen neuem Nebenjob heute, muss danach zur Bibliothek. Bin gegen Nachmittag wieder da." Daneben stand eine Tasse mit braunen Kaffeerändern, dazu ein aufgeschlagenes Heft voller Notizen. Alles typisch Frieda. Aber immerhin hatte sie die ganzen Bücher und den anderen Kram vom Tisch geräumt. Die WG war still und das Haus seltsamerweise auch. Dabei war es so gut wie nie still. Irgendetwas von oben oder unten hörte man eigentlich immer. Staubsauger, Klospülung, Musik. Das alte Haus war hellhörig.


Ich runzelte die Stirn, es war grade mal so eben nach sechs. Hatte Frida mir irgendwas über einen Nebenjob erzählt? Ja, wahrscheinlich, ganz bestimmt sogar, aber bei mir klingelte grade nichts.


Ich trank ein Glas Wasser, stellte es in die Spüle und ging zurück in mein Zimmer. Ich brauchte irgendwie Bewegung, also zog ich meine Laufsachen an, enge Shorts aus dünnem Material, auf der Haut kaum spürbar, das dazu passende bauchfreie Sport-Top. Ich band meine Laufschuhe und bändigte meine Mähne in so etwas wie einem Pferdeschwanz. In die Seitentasche meiner Shorts steckte ich mein Handy und ein Kondom. Man konnte ja nie wissen.


Um 06:15 Uhr stand ich unten. Wann war ich zuletzt so früh wach gewesen? Das war eher eine Uhrzeit, zu der ich nach Hause kam, zumindest am Wochenende. Die Straßen in Ottensen waren noch still. Ein paar Autos fuhren vorbei, vereinzelt, die Stadt schien noch zu schlafen. Die Luft war kühl, angenehm, roch nach Sommer und nach dieser Frische, die der frühe Morgen mit sich brachte.


Ich lief los, meine Schritte klopften auf dem Pflaster, ich fand schnell einen Rhythmus, spürte, wie mein Atem sich einpendelte und meine Muskeln warm wurden. Früher war ich oft gelaufen, in letzter Zeit dann nicht mehr, wobei „in letzter Zeit" mindestens ein paar Monate bedeuteten, aber heute war mir danach. Ich lief vorbei an Cafés mit noch gestapelten Stühlen draußen, eine Frau in den Dreißigern mit Hund kam mir entgegen, nickte mir müde zu, als würde sie mich kennen. Ein Stück weiter roch es nach Brötchen, ein Bäcker hatte gerade die Tür geöffnet.


Der Fischers Park lag nur ein paar Ecken entfernt, klein, aber grün, mit Wegen, die sich zwischen Bäumen schlängelten. Tau hing noch auf dem Gras, Vögel zwitscherten und Hunde zogen an den Leinen von Herrchen oder Frauchen. In der Ferne hörte ich das Kreischen der Möwen. Ich bog in den Park ein, lief die erste Runde und genoss die Stille, die Kühle, das Gefühl von Bewegung in meinem Körper.


Ich versuchte, Atem und Schritte im Rhythmus zu halten, aber ich wurde immer langsamer und es kam mir vor, als würde „in letzter Zeit" mindestens ein Jahr umfassen, in dem ich fast gar nicht gelaufen war. Naja, das „fast" konnte man wahrscheinlich streichen. Meine Oberschenkel brannten leicht, mein Atem ging schneller als er sollte, und ich musste mir eingestehen, dass meine Kondition im Arsch war.


Nach der zweiten Runde fiel er mir auf. Er kam mir entgegen, groß, dunkles Haar, sportlich, vielleicht Ende zwanzig, das Tempo locker, aber alles andere als langsam. Er hatte Schweiß auf der Stirn, sein Shirt klebte an seinem Oberkörper, und ich konnte die Konturen seiner Muskeln sehen. Unsere Blicke trafen sich kurz, eher zufällig im Vorbeilaufen, aber ich sah so etwas wie Interesse in seinen Augen aufblitzen. Und das war kein höfliches Interesse an mir als Mensch, sondern Interesse an meinen Titten und meiner Möse. Ich kannte diese Art Blick nur zu gut. Ich grinste, ich mochte diese Blicke.


Ich lief weiter, drehte die nächste Runde, jetzt schon langsamer, weil meine Beine sich schwer anfühlten und meine Lunge brannte. Beim nächsten Mal, als wir uns kreuzten, sah er direkt zu mir. Ein kurzes Lächeln, ein ich-habe-dich-gesehen-Lächeln. Ich erwiderte es fast automatisch, so wie ich es immer tat, wenn ein Mann mir gefiel, das war irgendwie in meiner DNA verankert. Mein Herz schlug schneller, und das lag ganz sicher nicht nur am Laufen.


Beim dritten Mal bremste er ab, drehte um, lief dann neben mir. Unsere Schritte fanden den gleichen Takt, seine Atmung war ruhig und gleichmäßig, während ich schon ziemlich aus der Puste war. Ein Stück liefen wir schweigend nebeneinander. Ich spürte seinen Blick, ließ meinen im Laufen über ihn gleiten. Seine Haut glänzte, der Schweiß dunkelte das Shirt an Brust und Rücken. Ich roch ihn, herb, männlich und irgendwie heiß. Mein Körper reagierte sofort, ein Ziehen zwischen meinen Beinen, ein Kribbeln auf meiner Haut. Typisch.


„Läufst du hier öfter?" fragte er, seine Stimme klang tief und ein bisschen rau.


„Manchmal", log ich. „Und du?"


„Jeden Morgen“, lachte er und grinste, als wüsste er genau, dass ich ihm Blödsinn erzählte.


„Jeden Morgen?" wiederholte ich und sah ihn von der Seite an. „Bist du einer von diesen Fitness-Freaks?"


„Vielleicht“, gab er amüsiert zurück. „Und du bist garantiert keiner. Du siehst eher aus, als würdest du gleich umkippen.“ Er sah mich an und in seinem Blick lag etwas, das mich anmachte.


„Na, danke“, schnaubte ich. „Sehr charmant."


„So bin ich“, grinste er. „Aber im Ernst, vielleicht solltest du eine Pause machen."


„Vielleicht“, gab ich zu, das Reden beim Laufen brachte mich noch mehr aus der Puste. Feiern, Tanzen, Trinken und Ficken waren scheinbar nichts für die Kondition.


Wir joggten noch ein Stück nebeneinander, dann bog er plötzlich vom Weg ab, zwischen Bäumen und Büschen hindurch, ohne sich umzusehen, ohne darauf zu achten, ob ich hinterkam oder nicht. Ich zögerte nur einen winzigen Moment, dann folgte ich ihm. Mein Herz schlug jetzt wirklich schneller und das hatte nun nicht mehr nur mit dem Laufen zu tun.


Wir liefen ein Stück, er voran und ich hinter ihm her. Die Bäume wurden dichter, kein Wald, nur ein Stück Park, auf dem eben ein paar mehr Bäume standen. Dann landeten wir auf einer kleinen Lichtung die von hohem Gras gesäumt wurde, ein Platz, an den wohl kaum mal jemand kam, zumindest deutete nichts darauf hin. Er verlangsamte und blieb stehen, atmete hörbar und tief ein. Dann drehte er sich zu mir um.


Wir sahen uns an, ein langer, intensiver Blick ohne Worte, Worte waren nicht mehr nötig, Worte hätten bloß gestört. Da war jetzt diese Spannung, die zwischen uns hing wie etwas Greifbares. Mein Atem ging schnell, mein Mund war trocken, mein Körper vibrierte vor Erwartung. Typisch.


Er trat einen Schritt auf mich zu und seine Augen lagen intensiv auf mir. Dann packte er mich an der Taille, schob mich an einen Baum und presste mich an den dicken Stamm. Ich spürte die raue Rinde an meinem Rücken und den Schweiß auf meiner Haut, zwischen meinen Beinen und Brüsten. Mein Top klebte an meinem Oberkörper und meine Shorts an meinem Hintern. Er sagte nichts, sondern betrachtete mich nur eine Weile. Er war ganz nahe, ich konnte seine Hitze spüren, seinen Schweiß riechen und seinen schnellen Atem hören.


„Bist du sicher?" fragte er dann leise und seine Augen funkelten erregt. Ich wusste, er wollte mich ficken, aber sich vergewissern, dass ich es auch wollte. Das machten Männer ständig und ich konnte das verstehen, aber trotzdem nervte es mich jedes Mal. Wäre ich ihm gefolgt, wenn ich es nicht gewollt hätte?


„Ja", nickte ich einfach und das schien ihm zu genügen. Er packte den Bund meiner Laufshorts, zog sie bis zu meinen Knöcheln runter, ging dabei in die Knie, hob meinen rechten Fuß an und befreite ihn von dem Stück Stoff, der nun nur noch um mein linkes Fußgelenk baumelte. Ich trug nichts darunter.


Er kam wieder hoch, lächelte dunkel-erregt und sein Blick glitt begehrlich über mich. Ich keuchte leise auf, als ich wieder von ihm gepackt und dann umgedreht wurde. Er zog mich an den Hüften nach hinten und zwang mich so, mich mit den Händen am Stamm des Baums abzustützen. Er schob meine Beine auseinander und ich hörte das Nesteln an Kleidung, dann das Öffnen einer Kondomverpackung. Ich war froh, dass er eins dabei hatte. Ich hätte in diesem Moment wirklich nicht daran gedacht, obwohl ich auch eins eingesteckt hatte.


Dann spürte ich seine Härte an mir, er drang mit einem harten Ruck in mich ein und ich schrie unterdrückt auf. Ein kurzer Schmerz durchzuckte mich, ich war noch nicht feucht genug gewesen, aber das gab sich schnell. Mein Körper reagierte wie immer fast sofort, als würde ein hartes Stück Männerfleisch genügen, meine Möse zur Produktion von Mösensaft anzuregen. Sein Atem ging schwer hinter mir, ich spürte ihn heiß auf der Haut meines Nackens. Jeder seiner harten Stöße ließ mich erbeben, meine Nippel waren hart, meine Möse zog sich zusammen, mein Herz schlug heftig und mein Brustkorb hob und senkte sich in einem schnellen Rhythmus. Ich keuchte laut und hörte meinen eigenen Klang vermischt mit seinem tiefen Stöhnen.


Der Fick war roh und schnell, nichts Sanftes, nichts Verspieltes. Nur sein Körper und mein Körper, sein Schweiß und mein Schweiß, das rhythmische Klatschen seiner Hüften gegen meinen Hintern. Meine Hände pressten sich flach gegen die Rinde, die sich in meine Haut drückte, aber das merkte ich kaum, ich spürte nichts als das Pochen in mir und seinen harten Schwanz, der immer wieder grob in mich stieß. Bei solchen Ficks kam ich entweder schnell oder gar nicht, meistens aber schnell, so auch heute an diesem frühen Morgen im Park. Ich kam nicht nur schnell, sondern ziemlich heftig, da bauten sich keine Wellen langsam auf, da war die Sturmflut plötzlich da, meine Geilheit explodierte mit einem Schlag. Mein ganzer Körper verkrampfte sich, ein lustvoller Laut kam aus meinem Mund, nicht grade leise, und meine nasse Möse zog sich um ihn zusammen. Er stieß nun noch schneller in mich, während ich mich unter ihm wand, und kam dann selbst, mit einem dumpfen, gepressten Keuchen. Ich legte meine Stirn gegen die Rinde des Baumes und atmete tief durch.


Wir blieben noch einen Moment so, er in mir, ich mit Händen und Kopf am Stamm. Dann ließ er mich los und zog sich zurück. Ich hörte wieder das Rascheln von Kleidung, dazu meinen und seinen Atem und das Rascheln der Blätter im leichten Wind. Dann seine Schritte, er ging und ich drehte mich nicht nach ihm um.


Ich blieb noch stehen, die Stirn an den Stamm gelehnt, spürte meinen Schweiß, nahm den Geruch von Gras, Erde und schnell abklingender Geilheit in mich auf. Meine Möse pulsierte noch leicht, aber mein Atem und mein Herzschlag beruhigten sich. Dann richtete ich mich auf, zog meine Shorts an und drehte mich um. Er war nicht mehr zu sehen, aber auf dem Erdboden lag das Kondom mit seinem Zeugs drin. Ich lachte kurz, atmete noch einmal tief durch und ging zurück zum Weg, langsam und ohne Eile.


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Ich joggte gemächlich nach Hause zurück, meine Beine fühlten sich ein bisschen schwer und meine Schritte irgendwie wackelig an. Ob das vom Laufen oder vom Vögeln kam, da war ich mir s aber nicht so sicher. Mir klebte der Schweiß zwischen meinen Brüsten und am Rücken und meine Laufshorts backten an mir. Zwischen den Beinen war ich noch immer heiß und feucht. Mein Unterleib pulsierte ein wenig, als wollte meine Möse mich daran erinnern, was gerade passiert war.


Ich grinste in mich hinein. Sex am frühen Morgen im Park, während irgendwo Leute ihre Hunde ausführten oder Brötchen holten. Und das am helllichten Tag bei Sonnenschein, leichtem Wind und Vogelgezwitscher. Eigentlich ein ganz normaler Dienstagmorgen, an dem ich mich aber an einem Baum festgekrallt und mich ficken lassen hatte. Der Gedanke machte mich immer noch an. Der Kick war neu für mich: Öffentlichkeit, Risiko und Gefahr. Wir hatten es zwar im Gebüsch getan, aber trotzdem hätte man uns vom Weg aus sehen oder zumindest hören können. Außerdem hätte ein Kind versehentlich einen Ball zu uns werfen oder ein Hund in unsere Richtung ausbüchsen können. Der Gedanke allein ließ mein Herz wieder ein bisschen schneller schlagen.


Ich lachte leise, atmete tief ein und merkte, dass mir das echt gefiel. Ich kannte den Typen, mit dem ich grade gevögelt hatte, überhaupt nicht und auch diese Anonymität machte mich an. Die meisten meiner Sexpartner hatte ich vorher schon mal gesehen oder wusste wenigstens hinterher den Namen, aber das hier war völlige Anonymität gewesen. Ich war nicht einmal sicher, ob ich den Typ wieder erkennen würde, wenn ich ihn in der Stadt begegnete. Aber eigentlich interessierte mich das auch nicht, es war nur Sex gewesen, spontaner, anonymer Sex, und das war für mich okay.


Ich lief mit einem leichten Lächeln die letzten Meter bis zur Haustür, blieb davor stehen und fummelte den Schlüssel aus der Seitentasche. Ja, das war schon ziemlich geil gewesen. Vielleicht sollte ich öfter im Fischers Park laufen.

Kapitel 4: Im Café


Der Nachmittag im Café war stickig und klebrig, die Luft stand, die offenen Fenster halfen überhaupt nichts. Ich hatte geduscht, bevor ich zur Arbeit gegangen war, aber das hätte ich mir auch sparen können, nach zehn Minuten klebte mein Kleid an mir wie Kleister und Tapete an der Wand. Nur, dass ich die Wand war und der Schweiß zwischen meinen Brüsten und Beinen und sogar in meiner Poritze der Kleister. Meine Füße in den Sneakern dampften und ich wünschte, ich hätte offene Sandalen angezogen. Das Kleid war auch nicht die allerbeste Wahl gewesen, etwa knielang, der Stretchstoff lag eng am Körper, bot dabei trotzdem viel Bewegungsfreiheit, bei der Hitze klebte es nur eben dermaßen an der Haut, dass es nervte. Aber hinterher war man ja immer schlauer. Ich hatte mich bisher kaum bewegt und war trotzdem komplett verschwitzt. Es war eine Affenhitze, im Café gab es keine Klimaanlage und wer einen Tisch ergattern konnte, saß draußen unter den großen Marktschirmen.


Im Café selber war es kaum auszuhalten und der Geruch von Kaffee, warmer Milch und in der Auslage schwitzender Kuchen- und Tortenstücke machte es nicht besser. Ganz im Gegenteil. Ich hatte mir die Schürze umgebunden, in der man das kleine Tablet mit der Bestell-App und Trinkgeld verstauen konnte, und auch wenn mich das alles sonst nie störte, heute zwickte und kniff es überall.


Draußen zogen Gäste die wackeligen Holzstühle über das Pflaster, das uneben war wie eine alte Landstraße, unter die Sonnenschirme, um der Sonne zu entkommen. Die dunklen Schatten der Bäume flackerten über Gesichter und zauberten geheimnisvolle Muster. Ein Mann mit Laptop saß da, verbissen vor dem Bildschirm, als müsste er etwas hinkriegen, was ihm nicht gelang. Ich stellte den Cappuccino vor ihm ab, er murmelte: „Noch eine Stunde, dann bin ich durch.“ Ich lächelte, beugte mich etwas tiefer, als ich musste, und natürlich fiel sein Blick auf mein Dekolleté.


„Klar“, sagte ich freundlich. Ich kannte seinen Namen nicht, aber sein Gesicht, er kam regelmäßig hierher. „Das schaffen Sie schon.“ Meine Finger streiften wie zufällig ein wenig seine und er sah einen Moment mit einem kleinen Lächeln auf. Gutes Trinkgeld war nie nur Zufall.


Am Nebentisch parkten zwei junge Mütter ihre Kinderwagen nebeneinander. Sie redeten schnell, halblaut, mit dieser Mischung aus Müdigkeit und Energie, die der Alltag mit Kindern wohl mit sich brachte. Über Wartelisten und Schließzeiten von Kindergärten und über Urlaubspläne. Die beiden waren ein paar Jahre älter als ich, vielleicht dreiundzwanzig oder vierundzwanzig, und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, Mutter zu sein, wenn ich so alt war wie sie. Als ich ihnen Wasser und Cola brachte, glitt der Blick von einer kurz über mich und ich lächelte, ich konnte ein wahrer Sonnenschein sein, wenn ich wollte. Die Frau lächelte zurück, bedankte sich und ich verschwand.


Um Punkt vier kam Herr Matthiesen, er kam immer zur selben Zeit mit einer Pünktlichkeit, von der sich die Deutsche Bahn ein paar Scheiben abschneiden konnte. Er setzte sich an seinen Platz in der linken Ecke am Fenster, legte Hut und Stock ordentlich ab, nickte mir zu wie einer alten Verbündeten. „Das Übliche“, sagte er. Ich brachte ihm den doppelten Espresso, dazu das Glas Wasser. Seine Hand zitterte leicht, als er es nahm, doch seine Augen funkelten hellwach. „Heiß heute“, sagte er, und fügte mit einem kaum merklichen Schmunzeln hinzu: „Und du siehst noch heißer aus.“ Ich lachte, er sagte das jedes Mal und ich lachte jedes Mal. Er grinste zufrieden zurück. Er duzte gnadenlos jeden, der jünger war als er. Und das waren hier fast alle, auch wenn er meiner Meinung nach nicht so aussah: er war über neunzig.


Ich beugte mich mit Verschwörermiene etwas zu ihm runter. „Ich verrate Ihnen mal was, Herr Matthiesen“, sagte ich leise. „Ich ziehe mich nur für Sie so heiß an.“ Er lachte gackernd und ich zwinkerte ihm zu. Ich antwortete immer so etwas in der Art und ich bekam jedes Mal einen Fünfer oder Zehner extra von ihm, nachdem er mit Karte bezahlt hatte, und steckte mir den Schein in mein Dekolleté, weil ich wusste, dass er diese Geste mochte.


Ich balancierte ein Tablett mit sechs Aperol Spritz, die Orangenstücke schwammen wie kleine Sonnen darin. Am Tisch von ein paar Studenten stellte ich die Gläser ab. Einer von ihnen, dunkelhaarig, die Arme voll Tattoos, sah mich die ganze Zeit an, während ich servierte, er saß so, dass er mir seitlich in den Ausschnitt und auf die Brüste gucken konnte, was er ausgiebig tat. „Trinkst du mit?“ fragte er, halb scherzhaft, halb herausfordernd.


Ich grinste, schüttelte den Kopf und legte den Kopf schief. „Ganz sicher nicht im Dienst“, sagte ich mit einem gekonnten Augenaufschlag. Der Kerl war so einer, der schon in mein Beuteschema fiel und an einem anderen Ort gute Chancen gehabt hätte, mit mir in einer dunklen Ecke zu verschwinden, aber sogar ich hielt mich an die Devise „Don’t fuck at work“ und das galt für Gäste und Kollegen. Also für Gäste nur hier, für Kollegen immer, naja, zumindest meistens. Letztes Jahr auf unserer Weihnachtsfeier hatte ich im Abstellraum mit Marcos, dem schmucken Spanier gevögelt, aber das war echt eine Ausnahme gewesen. Ich beugte mich zu dem Typen runter und flüsterte ihm ins Ohr: „Du findest mich abends öfter Mal im Ankerlicht“. Dann drehte ich mich um und ging zum nächsten Tisch, wo grade eine Gruppe Touristen Platz genommen hatte. Und ich wusste einfach, dass der tätowierte Typ mir auf meinen Arsch guckte, der in meinem engen Stretchkleid gut zur Geltung kam.


Die Touristen waren Italiener, drei Männer, zwei Frauen, alle Mitte zwanzig, mit geöffneter Hamburg-App auf ihren Smartphones. Sie sahen aus wie Kinder reicher Eltern. Ich stand am Tisch, mein Tablet in der Hand und sah in die Runde. „Cosa posso portarvi?“ fragte ich mit meinem nettesten Lächeln und das war so nett, dass es mir die meisten Frauen nicht übel nahmen, dass ich ihre Männer mit meiner Kleidung und meinem Benehmen ein bisschen reizte.


„Oh, parli italiano?“ sagte eine der beiden Frauen, eine hübsche Brünette mit sonnigem Teint, ein wenig erstaunt und sah mich an. Die Affenhitze schien ihr in ihrem luftigen Kleidchen nichts auszumachen.


Ich zuckte mit den Achseln. „Non perfettamente, ma in vacanza basta per ordinare una birra o un caffè“, sagte ich. Die fünf bestellten Wasser, doppelten Espresso und Kuchen. Mit einem „Arriva subito, signore e signori“ schwirrte ich ab.


Drinnen stand ein älteres Ehepaar vor der Küchenauslage, zeigten mit den Fingern auf die Küchenstücke, als wären die Exponate in einem Museum und diskutierte auf Englisch, was man davon wohl essen könnte. „Bei der Hitze am besten gar nichts, nehmt lieber ein Eis“, murmelte ich und setzte laut hinzu: „May I help you?“ Die beiden ließen sich von Kuchen nicht abbringen und am Ende schickte ich die beiden nach draußen mit dem Versprechen, ich würde ihnen ihre Erdbeerschnitten mit Sahne gleich bringen. Der Mann zwinkerte mir mit einem „Thank you, sweetie“ zu und ich zwinkerte zurück. Seine Frau sah das, lächelte aber nur. Sagte ich schon, dass ich auch bei Frauen meistens durchkomme?


Ein Paar Mitte dreißig setzte sich draußen. Er sah die ganze Zeit auf sein Handy, scrollte herum, sie starrte gelangweilt in die Gegend. Als ich die Getränke brachte, hob sie kurz den Blick, und unsere Augen trafen sich. Ich lächelte, deutete mit dem Kinn auf den Mann und verdrehte angedeutet die Augen. Plötzlich lächelte sie zurück und nickte. Und schon hatten wir ein stilles Einverständnis wie unter Schwestern: ihr Kerl war ein Vollpfosten und sie wusste das.


Es war ein ganz normaler Tag im Café, von dieser Wahnsinnshitze abgesehen. Ich bewegte mich im üblichen Takt, Bestellungen annehmen, Servieren, Kassieren, Tische abräumen und wischen, ein Lachen hier, einen Spruch da, manchmal ein kleiner Flirt, selten bierernst. Augen blieben an mir hängen, meistens die von Männern, aber auch die von Frauen. Es war einfach so, dabei tat ich nichts weiter, als Anouk zu sein.


Mich machten heiße Tage im Café immer ganz kirre und je später es wurde, des desto rammdösiger wurde ich im Kopf. Und heute war es ganz besonders schlimm. Alles klebte an mir, Schweiß rann zwischen meinen Brüsten und Beinen und mein Slip kniff an meiner Möse und trieb mich so langsam in den Wahnsinn. Eine derartige Hitze hatte ich im Café noch nie erlebt. Und das im Juni. Ich hatte vor ein paar Jahren im Frühling Urlaub mit meiner Oma auf Fuerteventura gemacht, da war ich vielleicht dreizehn oder so gewesen, die ganze verfickte Woche hatte dieser Wind Sahara-Staub auf die Insel gepustet und die Temperaturen waren auf über vierzig Grad gestiegen. Hatte sich so ähnlich angefühlt wie die Hitze heute im Café. Nur wusste ich heute, was dagegen half: Sex. Hatte ich damals natürlich nicht gewusst, woher auch mit dreizehn.


Vielleicht war das der Grund, warum ich heute gegen meine „Don’t fuck at work“-Regel mit Gästen verstieß. Das erste und einzige Mal, sowas war danach nie wieder passiert. Ich musste dringend pinkeln, hatte den Klogang schon eine ganze Weile vor mir hergeschoben, weil so viel los war, aber jetzt musste ich echt, meine Blase machte sich bemerkbar. Ich wischte mir mit dem Handrücken über die Stirn, schob mir eine feuchte Haarsträhne aus dem Gesicht und ging Richtung Toilette.


Der schmale Gang war noch stickiger als der Rest des Cafés, die Luft da drin stand wie eine Wand. Ich hatte gerade die Tür zur Damentoilette aufgestoßen, als der Typ mit den Tattoos aus der Herrentoilette kam. Der Dunkelhaarige aus der Studentengruppe von vorhin. Er sah ziemlich gut aus. Wir blieben beide stehen.


Seine Augen glitten über mich, langsam, von oben nach unten, blieben erst an meinem Ausschnitt hängen, wo mein Kleid am Körper klebte und alles ziemlich deutlich zeigte, dann am Rocksaum, der genauso am mir backte. Sein Blick wanderte wieder hoch und er grinste etwas anzüglich. „Nice“, sagte er leise.


Zwischen meinen Beinen begann es sofort zu kribbeln und meine Nippel wurden sichtbar hart unter dem Stoff des Kleides, meine typische Reaktion auf sowas. Scheiße.


Ich hätte jetzt einfach in die Toilette gehen können. Das hätte ich sogar wirklich tun sollen, aber stattdessen lehnte ich mich gegen den Türrahmen und sah ihn an. Er grinste, ein langsames, wissendes Grinsen, das sagte: ich weiß genau, was du willst. Und ich will dasselbe.


Ich deutete mit dem Kinn Richtung Abstellraum am Ende des Gangs. Er nickte und sein Grinsen wurde breiter. Mein Puls beschleunigte sich, als ich an ihm vorbeiging und unsere Arme sich berührten, nur ganz kurz, aber es reichte, um dieses heiße, ziehende Gefühl in meinem Bauch zu verstärken. Ich öffnete die Tür zum Abstellraum, er folgte mir, und kaum war die Tür zu, drückte er mich gegen die Wand zwischen Putzmitteln und Klopapierkartons.


„Bist du sicher?" fragte er und seine Stimme klang rau. Warum mussten die meisten Typen das immer fragen? Der Jogger gestern im Park hatte das auch gefragt. Warum? Wenn ich nicht sicher wäre, wäre ich gar nicht hier.


„Halt die Klappe und fick mich einfach", sagte ich und zog an ihn an seinem T-Shirt zu mir. Ich sah, dass er einen Moment überlegte, aber dann tat er mir den Gefallen und versuchte nicht, mich zu küssen. Ich hasste das, ich küsste bei solchen kurzen, schnellen Ficks nicht. Bei einem Coffee togo nahm ich ja auch kein Stück Kuchen mit. Er packte mich nicht besonders sanft und seine Hände krempelten mein Kleid über meine Hüften nach oben. Ich zerrte an seinem Gürtel, bekam ihn auf und öffnete seine Jeans. Seine Finger schoben meinen Slip zur Seite und strichen über meine längst feuchte Möse.


„Kondom?" keuchte ich leise, die Tür des Anstellraums war nicht besonders dick, hier hatte ich damals auch mit Marcos gevögelt.


„Klar, hab ich“, stöhnte er, als ich seinen harten Schwanz umfasste und ihn nicht besonders zart massierte. Er kriegte ein Päckchen aus seiner Hosentasche und riss es mit zittrigen Fingern auf. Während er sich das Kondom überzog, drehte ich mich um, stützte mich an der Wand und streckte ihm meinen Hintern entgegen. Meine Hände lagen flach auf dem rauen Putz und ich atmete flach.


Er setzte an und ruckte hart mit einem einzigen Stoß im mich und ich biss mir auf die Lippe, um nicht laut zu werden. Er fickte mich schnell und grob, genauso, wie ich es bei solchen kurzen Nummern wollte. Der Raum war klein und verdammt eng, es roch nach Putzmitteln und muffiger Luft, die sich nun mit dem Geruch von Schweiß und Sex vermischte. Mit jedem Stoß klatschte sein Körper gegen meinen und verursachte ein rhythmisches Geräusch, das mir viel zu laut vorkam.


„Sei leiser", zischte ich, aber meine Stimme war schon mehr ein lustvolles Stöhnen als verständliche Wörter.


Er beugte sich über mich, sein Atem heiß an meinem Ohr. „Dann sei du mal leise", murmelte er, packte einen meiner Nippel und zwirbelte ihn ziemlich unsanft. Ich biss mir auf die Lippen, um nicht laut aufzuschreien, aber ein ziemlich deutliches Keuchen kam doch aus meinem Mund.


„Arschloch!“ fauchte ich, aber er lachte nur leise und stieß noch härter zu, drehte meinen Nippel von links nach rechts und es fühlte sich einfach geil an. Ich dachte kurz an Hazel, die vor vier oder fünf Wochen von Teresa, meiner Chefin beim Vögeln in diesem Abstellraum erwischt worden war und inzwischen nicht mehr hier arbeitete. Zum Glück war Teresa im Urlaub, wenn die jetzt in ihrem Büro gesessen hätte…


Er fickte rhythmisch weiter und sein Takt und der Winkel trieben mich immer höher und höher, sein harter Schwanz rieb genau die richtigen Stelle entlang und mein Unterleib zog sich zusammen.


„Ja", keuchte ich unterdrückt. „Ja, genau so."


Er wurde schneller und härter, seine Finger gruben sich in die Haut meiner Hüften, meine Möse zog sich um ihn zusammen, Wellen strömten durch meinen Körper und ich drückte meine Stirn gegen die Wand. Ich kniff die Augen zusammen und presste meine Lippen aufeinander, um nicht laut zu werden. Ich hasste es, mich zurückhalten zu müssen, aber gleichzeitig war das Gefühl, dass jederzeit jemand die Tür aufreißen und uns erwischen konnte, sowas von geil.


Ich war kurz davor, aber er war schneller und kam er mit einem tiefen Keuchen, griff noch fester zu und stand dann still, sein Körper schwer gegen meinen gepresst. Mir war klar, dass ich leer ausgehen würde, die meisten Typen kriegten es einfach nicht hin, eine Frau noch zu befriedigen, wenn sie schon fertig waren.


„Bitte, ein bisschen noch“, hauchte ich leise, obwohl das meistens nichts brachte und auch der Typ würde nun seinen noch harten Schwanz aus mir ziehen, ihn verpacken und einfach verschwinden. Aber ich täuschte mich, der Typ lachte leise und nahm seine Fickbewegungen wieder auf, nahm nun meine beiden Nippel und spielte mit ihnen. Ich kreiste mit dem Becken, wollte mir meinen Teil holen, aber es ging nicht mehr, er schlaffte immer mehr ab, aber ich musste ihm zugutehalten, dass er es wenigstens versucht hatte. Ich kam meistens immer und schnell, noch vor den Typen selbst, aber heute war es wohl zu heiß dafür. Egal, war trotzdem okay gewesen.


Wir blieben noch einen Moment so stehen, dann zog er sich aus mir zurück und entsorgte das Kondom in einem Mülleimer neben der Tür. Ich zog mein Kleid wieder runter, strich mir die Haare aus dem Gesicht.


„Das war heiß", sagte er und grinste mich an. Er sah wirklich verdammt gut aus und ich sah, dass er das auch wusste.


„War okay“, sagte ich nur.


„Nur okay?" lachte er und zog eine Augenbraue hoch.


„Ja, nur okay", gab ich zurück. „Ich bin nicht gekommen. Wenn ich gekommen wäre, wär‘s gut gewesen. Aber jetzt muss ich pinkeln."


Er lachte wieder, öffnete die Tür und sah kurz nach draußen. Der Gang war leer. „Coast is clear", sagte er und zwinkerte mir zu.


Ich schlüpfte an ihm vorbei, warf ihm noch einen letzten Blick über die Schulter zu und verschwand dann in der Damentoilette.


Als ich ein paar Minuten später wieder rauskam, war er weg. Ich atmete tief durch, richtete mein Kleid, band mir die Schürze wieder ordentlich um und ging zurück in den Gastraum, als wäre nichts gewesen.


Niemand schien bemerkt zu haben, dass ich kurz weg gewesen war, die Gäste tranken ihren Kaffee, die Sonne schien, und ich war wieder Anouk, die freundliche Bedienung mit dem netten Lächeln. Nur dass ich jetzt noch verschwitzter war als vorher.


Irgendwie brachte ich den Rest der Arbeitszeit rum. Ich dachte zwischendurch an Frida. Ob sie wohl schon zu Hause war? Wenn ja, würde sie wahrscheinlich schon wieder über ihren Notizen und Büchern hängen, den Stift in der Hand, den Kopf über den kleinen Tisch in unserer Küche gebeugt. Wir waren so verschieden und doch war sie mein Fixstern, der mich hielt, der mein Chaos ertrug. Ich lebte im Moment, sie für ein Ziel. Vielleicht brauchten wir einander genau deswegen.


Die Sonne stand immer noch hoch am Himmel und warf ihr Licht durch die Fenster, aber ein leichter Windzug kam auf und ich ging herum und öffnete alle Türen und Fenster. Die Hitze im Café begann sich ein bisschen zu lösen. Hätte ruhig ein paar Stunden früher passieren können, aber das war jetzt auch egal. Es war zwanzig Uhr, Feierabend für heute. Ich band die Schürze ab, hängte sie auf meinen Haken im Personalraum, strich den Saum meines Kleids glatt und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Schichtende. Abgerechnet hatte ich schon, das eingenommene Bargeld in die Kasse gebracht und mein Trinkgeld eingesackt. Auf dem Weg nach draußen gab ich das Tablet am Tresen ab und verabschiedete mich. Endlich.

Kapitel 5: Mika


Draußen auf der Straße überlegte ich. Direkt ins Ankerlicht oder erst nach Hause? Mir war nach einer Dusche, aber andererseits war ich auch irgendwie unruhig, wie so oft nach einem anstrengenden Tag wie heute. Ich fühlte mich erschöpft und aufgedreht zugleich, ein Teil von mir wollte nach Hause, mit Frida vielleicht noch ein Glas Wein auf unserem kleinen Balkon trinken und dann ins Bett fallen. Der andere Teil wollte ins Nachtleben eintauchen, wollte feiern, tanzen, leben. Und Sex, auch wenn ich schon diese Nummer im Abstellraum geschoben hatte. Sex machte mich lebendig, ließ mich das Leben spüren, ließ mich ganz ich sein. Sex war Lebensfreude und für mich so wichtig wie Atmen, Trinken und Essen. Ohne Sex würde ich eingehen wie eine Blume, die niemand goss. Und gleichzeitig brachte Sex mich runter, ließ mich zur Ruhe kommen, entspannte mich, gab mir so einen inneren Frieden. Aber in diesem Kleid und mit dem Schweißfilm war ich absolut nicht salonfähig. Also erst nach Hause, duschen und umziehen. Ich lachte leise und marschierte los. Nach den ersten Metern zog ich die Sneaker aus. Meine Füße qualmten in den Schuhen, nach diesem Hitzetag im Café konnte ich die Dinger einfach nicht mehr ertragen. Das Café lag nur zehn Minuten zu Fuß von unserer WG entfernt, da konnte ich auch barfuß gehen. Das verschwitzte Kleid klebte immer noch an mir, aber das konnte ich ja nun schlecht ausziehen.


Ich ging die Bahrenfelder Straße entlang, vorbei an den kleinen Läden, die jetzt geschlossen hatten, an Kneipen, aus denen Stimmen und Musik drangen. Leute saßen vor Restaurants, andere bummelten wie ich durch die Straßen. Ein ganz normaler Dienstagabend in Ottensen. Ich schlenderte am Alma-Wartenberg-Platz vorbei in die Bergiusstraße, dann rechts in die Große Brunnenstraße, kurz darauf links in die Holstentwiete. Als ich um die Ecke in die Fischers Allee bog, kam mir ein Mann entgegen. Er war groß und groß bedeutete für mich einsneunzig und mehr, einen Mann, der nicht mindestens zehn Zentimeter größer war als ich, würde ich nicht als groß bezeichnen. Er hatte ein ziemliches breites Kreuz, das sich unter seinem dunklen T-Shirt abzeichnete, trug Cargoshorts und derbe Boots. Ich sah kurze braune Haare, einen Dreitagebart und ein Gesicht, das aussah, als würde er viel lachen. Er trug einen Umzugskarton vor sich her und schien zu einem der Hauseingänge zu wollen. Hinter ihm parkte ein Kastenwagen halb auf dem Bürgersteig.


Unsere Blicke trafen sich, er blieb stehen, ich auch, er betrachtete mich, genauso wie ich ihn, er gefiel mir auf Anhieb. Er sah aus, als würde er überlegen, was er sagen wollte und ich hoffte bloß, dass jetzt kein dämlicher Anmachspruch kam.


„Entschuldigung", meinte er schließlich und lächelte, so ein schiefes Lächeln, das nur ein bestimmter Typ Mann hinkriegte. „Ich weiß, das ist jetzt vielleicht eine blöde Frage, aber... kennst du eine gute Bar hier in der Gegend?"


Ich musterte ihn und ich hatte nicht das Gefühl, dass das eine plumpe Anmache war, sondern einfach nur eine Frage. Das war okay für mich, sonst hätte ich wahrscheinlich mit den Achseln gezuckt und auf Niederländisch „Ik begrijp je helaas niet“ oder sowas gesagt. Ja, ich konnte Niederländisch, meine Oma war schließlich Niederländerin und ich hatte diese Sprache von Kindesbeinen an mit ihr gesprochen. Konnte man prima benutzen, wenn man sich dumm stellen wollte. „Kommt drauf an, was du suchst", sagte ich tatsächlich und legte den Kopf leicht schief.


„Was Einfaches, keinen Schickimicki-Scheiß. Bin eher der rustikale Typ", sagte er und deutete er mit dem Kopf zu dem Hauseingang hinter sich. „Ich kenn mich natürlich noch nicht aus, wohn ja erst zwei Tage hier. Und ich kann heute echt keine Umzugskartons mehr sehen. Ich muss was anderes machen.“


„So ganz allein?" fragte ich und grinste.


„Warum nicht?" Er grinste zurück. „Ich bin übrigens Mika."


„Anouk." Ich überlegte kurz. Er war attraktiv und er gefiel mir, aber er wohnte praktisch um die Ecke, was Männer trotz passendem Beuteschema in meiner Gunst eigentlich so einige Stufen absinken ließ. „Es gibt hier ein paar nette Läden. Das Frappant zum Beispiel, oder die Otter Bar.“


„Klingt gut. Hast du vielleicht Lust, mir einen davon zu zeigen? Sozusagen als… ähm… Nachbarschaftshilfe? Du siehst aus, als ob du hier in der Nähe wohnst. Oder rennt man in Hamburg generell barfuß rum?“ Er grinste mich mit diesem schiefen Grinsen an.


Ich lachte. Nachbarschaftshilfe, der war gut. Mein Plan, nach Hause zu gehen und zu duschen, löste sich in Luft auf. Ich sah an mir runter, auf das verschwitzte Kleid, meine nackten, wahrscheinlich schmutzigen Füße, die Sneakers in der Hand. Nicht gerade das Outfit, in dem ich normalerweise ausging. „Ich sehe aus wie ein Wrack", sagte ich lachend. „Und ja, ich wohn nicht weit weg." Warum erzählte ich ihm das? Ging ihn nichts an, vielleicht war es dieses schiefe Grinsen in seinem Gesicht und die Ahnung, dass er nicht einer dieser Typen war, die einem hinterherrannten, nur weil man einmal mit ihnen gevögelt hatte. Oder eher die Hoffnung?


„Ach was", winkte er ab, sein Blick glitt über mich, blieb kurz bei meinen nackten Füßen hängen, dann wieder hoch zu meinem Gesicht. Er grinste wieder, aber nicht aufdringlich. „Du siehst toll aus. Echt. Und irgendwie… ähm… authentisch."


Authentisch, aha! Das war ja mal was ganz anderes als die üblichen Komplimente. In mir regte sich etwas, meldete sich etwa mein Paarungsmodus, obwohl ich total verschwitzt war, was ich ja so gar nicht leiden konnte? Andererseits, wenn es so lief, wie ich es mir vorzustellen begann, würde ich hinterher sowieso ziemlich verschwitzt sein.


„Weißt du was", sagte ich spontan „Die Bars laufen dir nicht weg. Hast du was zu trinken bei dir?" Ich nickte zu seinem Hauseingang. „Bei der Hitze ist mir nach was Kaltem, und ehrlich gesagt hab ich keine Lust, erst noch groß rumzulaufen. Also? Wie wär‘s?“


Er grinste breit. „Klar. Kaltes Bier ist da. Den Kühlschrank hab ich natürlich als erstes angeschlossen. Aber ich muss dich warnen, ich bin ja gerade erst eingezogen, es ist noch ein ziemliches Chaos."


„Ich mag Chaos", lachte ich und folgte ihm zur Haustür.


Das Treppenhaus roch nach frischer Farbe und altem Holz. Meine nackten Füße tappten leise auf den Stufen, während seine Schritte in seinen Boots dumpf hallten. Im zweiten Stock blieb er vor einer Tür stehen, kramte den Schlüssel hervor.


„Wirklich", sagte er noch einmal, bevor er aufschloss. „Es ist ein totales Schlachtfeld."


Er hatte nicht übertrieben. Die Wohnung war hell und geräumig, große Fenster zur Straße hin, aber überall standen Kartons. Viele geöffnet und halb ausgepackt, andere noch zugeklebt. Bücher lagen auf dem Boden gestapelt, Klamotten hingen über einem Stuhl. In der Ecke lehnte eine Gitarre an der Wand, daneben ein Verstärker oder sowas.


„Willkommen im Chaos", sagte er und stellte den Karton ab, den er getragen hatte. „Wie gesagt, ich bin erst seit zwei Tagen hier."


Ich ging barfuß durch die Wohnung, spürte den kühlen Holzboden unter meinen Füßen. „Gefällt mir", sagte ich ehrlich. „Hat was. Ich kann mir vorstellen, wie es wird, wenn es fertig ist."


„Echt? Da bist du weiter als ich“, grinste er und öffnete den Kühlschrank, der tatsächlich schon angeschlossen war und summte. „Bier, Bier oder..." Er schaute nach. „.. noch mehr Bier."


„Bier ist perfekt“, sagte ich lachend. Er reichte mir eine kalte Flasche, unsere Finger berührten sich kurz beim Übergeben und es kribbelte ein bisschen. Ich trank direkt aus der Flasche, das kalte Bier lief durch meine Kehle, herrlich nach diesem heißen Tag.


„Setz dich", sagte er und deutete auf das einzige Möbelstück, das bereits aufgebaut war, eine schwarze Ledercouch, die in der Mitte des Raums stand, umgeben von Kartons wie eine Festung von Mauern. Ich ließ drauffallen, zog die Beine unter mich und stellte meine Bag auf den Boden. Das Leder fühlte sich kühl auf meiner Haut an, obwohl es ganz schön warm im Raum war. Mika setzte sich neben mich, nicht zu nah, aber nah genug, dass ich seine Nähe spüren konnte.


„Und was machst du so?", fragte er und nahm einen Schluck aus seiner Flasche.


„Kellnern. In einem Café hier um die Ecke." Ich deutete vage in die Richtung. „Und nachts... lebe ich."


Er lachte. „Du lebst nachts?"


„Hamburg schläft ungerne. Ich auch." Ich sah ihn an, unsere Blicke trafen sich, hielten sich fest. „Und du? Was bringt dich nach hierher?"


„Jobwechsel. Ich arbeite als Tontechniker, hatte ein Angebot von einem Studio hier in der Nähe." Er deutete zur Gitarre. „Deshalb das Zeug da. Ich mache auch selbst Musik, aber nur als Hobby. Für die große Karriere reicht’s halt nicht.“


Aha, Tontechniker und Musiker also. Mein Blick fiel auf seine Hände, große und kräftige Hände, wie es aussah, und stellte mir vor, wie sie über die Saiten seiner Gitarre glitten und auch, wie sie sich wohl auf meiner Haut anfühlen würden.


„Spielst du mir mal was vor?", fragte ich und rutschte etwas näher zu ihm.


„Jetzt? Die Gitarre ist nicht mal gestimmt“, antwortete er und ich merkte, wie auch er unwillkürlich näher an mich rückte.


„Ist doch egal." Ich sah ihn an, spürte, wie sich etwas zwischen uns aufbaute. Da war eine kleine Spannung, die sich langsam verdichtete. „Ich will’s trotzdem hören."


Er stand auf, holte die Gitarre und setzte sich wieder neben mich. Seine Finger legten sich auf die Saiten und zupften ein paar Akkorde. Der Sound war nicht perfekt, ein paar Töne kamen schief, aber irgendwie passte das zu diesem Moment in dieser unaufgeräumten Wohnung. Er spielte etwas Melancholisches, Bluesiges, seine Stimme kam dazu, rau und ebenfalls nicht perfekt, aber mir gefiel sie trotzdem oder wahrscheinlich gerade deswegen. Ich schaute seine Hände an, sah die Konzentration und mir gefiel die Art, wie er die Augen schloss, als er sang.


Als er aufhörte, war es still zwischen uns. Nur das Summen des Kühlschranks und von draußen gedämpfte Straßengeräusche waren zu hören.


„Das war schön", sagte ich leise.


Er legte die Gitarre beiseite und sah mich an. „Das bist du auch", sagte er einfach.


Die Spannung war nun greifbar, seine Musik hatte bei uns beiden etwas ausgelöst. Die Luft knisterte zwischen uns. Ich spürte meinen Herzschlag, fühlte wie sich meine Wangen unter seinem Blick leicht röteten und mein Atem schneller wurde. Paarungsmodus.


Ich stellte mein Bier auf dem Boden ab, einen Tisch gab es ja nicht, und rutschte näher zu ihm. Ich legte meine Hand auf seinen Oberschenkel und spürte, wie sich seine Muskeln unter meiner Berührung anspannten.


Er sah mich an, seine Augen dunkel, eine Mischung aus Hunger und Überraschung. „Ähm“, machte er, als wüsste er nicht, was er sagen sollte. Aber er sollte auch gar nichts sagen.


„Pssst." Ich legte einen Finger auf seine Lippen, dann ersetzte ich ihn durch meinen Mund. Der Kuss war erst zögernd, aber nicht lange, er stieg ein. Der Kuss wurde hungrig und gierig und schmeckte nach Bier. Ja, ich küsste bei ersten Treffen normalerweise nicht, aber ich hatte so eine Ahnung, dass es bei nur einem Treffen nicht bleiben würde. Und außerdem: keine Regel ohne Ausnahme.


Meine Hand wanderte unter sein T-Shirt, über seinen Bauch. Seine Haut war warm und leicht verschwitzt. Er keuchte leise in meinen Mund, als meine Finger über seine Brust glitten.


„Bist du dir sicher?", flüsterte er, als sich unsere Lippen voneinander lösten.


Ich lachte leise. „Ich bin immer sicher, wenn ich sowas tue“, raunte ich, rutschte auf seinen Schoß und setzte mich breitbeinig auf ihn. Das verschwitzte Kleid rutschte dabei sehr hoch, aber das war mir egal. Ich spürte seine Härte an mir, drückte mich dagegen.


Seine Hände fanden meine Hüften, dann meinen Rücken. Ich beugte mich vor, küsste seinen Hals, biss sanft in die warme Haut. Er stöhnte auf, seine Finger gruben sich in mein Kleid.


„Du riechst gut", murmelte ich an seinem Ohr. „Nach Schweiß und... nach Mann." Ich atmete tief ein. „Ich will dich. Jetzt!"


Er sah mich an, seine Augen waren nun dunkel vor Erregung. „Du bist ganz schön direkt", flüsterte er und küsste mich wieder, diesmal ohne Zurückhaltung.


Ich zog ihm das T-Shirt über den Kopf und ließ meine Hände über seine Brust gleiten. Er war nicht muskulös wie ein Bodybuilder, aber definiert, hatte Muskeln, die man durch Sport oder Arbeit bekam und nicht durch stumpfes Gewichtestemmen. Ich kratzte leicht mit den Nägeln über seinen Brustkorb, spürte, wie er erschauerte.


„Das Kleid muss weg", murmelte er und suchte nach dem Reißverschluss, den es nicht gab.


„Dann mach es weg", flüsterte ich zurück und hob erst Becken, dann Arme, damit er den Stoff von meinem Körper krempeln konnte. Zuletzt zog er es langsam über meinen Kopf, seine Augen weiteten sich, als er mich ansah. „Fuck", hauchte er fast ehrfürchtig.


Ich lachte leise. „Genau das haben wir vor."


Seine Lippen küssten meine Brüste, saugten sich an einem Nippel fest, bis ich aufkeuchte. Ich spürte Zunge, Lippen, Zähne. Seine Hände glitten über meine Rippen, hoben meine Brüste an. Ich wuschelte in seinen Haaren, seufzte wohlig, während er meine Nippel erkundete.


Ich rückte ein kleines Stück von ihm ab, löste seinen Gürtel, öffnete seine Cargoshorts. Ich glitt auf den Boden, zwischen seine offenen Schenkel, wollte die Hose über seine Hüften schieben. Er half mit, hob sein Becken, ich zog den Stoff bis zu seinen Knöcheln, nahm seine Unterhose gleich mit, löste die Schnürsenkel seiner Boots, zog sie ihm aus, dann die Socken. Eigentlich war es ja egal, ob er die Dinger anbehielt, aber ich wollte ihn vollkommen nackt. Dann warf ich Shorts und Unterhose hinter mich, sie landeten irgendwo zwischen Umzugskartons und dem restlichen Chaos seines Umzugs.


Ich blieb vor ihm hocken, sein Schwanz war hart und heiß in meiner Hand. Ich streichelte ihn langsam, genoss sein leises Stöhnen. „Du bist wunderschön", flüsterte er und bei ihm klang es weder kitschig noch übertrieben, es klang einfach ehrlich. Und ich wusste ab diesem Moment, dass er ein Mann war, der einer Frau das Gefühl gab, etwas Besonderes zu sein.


Er begann sich unter meinen Fingern zu winden, schloss die Augen und keuchte lauter, sein Schwanz vibrierte in meiner Hand, es fühlte sich an, als würde er gleich kommen, aber ich massierte gnadenlos weiter, wenn er meinen Fünfminuten-Wichstest nicht bestand, würde er sein Teil ganz sicher nicht in mich stecken. Er atmete immer heftiger, seine Hände krallten sich in das Leder des Sofas und als ich dachte, das hält er nicht mehr lange aus, sagte er fast flehend: „Anouk, bitte…ich…“


Ich hörte natürlich nicht auf, innerlich grinsend, ich massierte ihn schön langsam weiter und hatte das Gefühl, er würde das aushalten. „Kondom ", sagte ich und schaute zu ihm hoch.


„Im Schlafzimmer. Moment“, keuchte er und wollte schnell aufstehen, aber ich legte meine freie Hand auf seine Brust. „Nee“, sagte ich. „Du bleibst schön hier. In meiner Tasche sind welche.“


Ich tastete auf dem Boden umher, während ich weitermachte, keinen Deut schneller werdend. Ich fand meine Tasche, kriegte den Reißverschluss irgendwie mit einer Hand auf und kippte den Inhalt einfach auf den Boden aus. Mein Handy, zwei Lippenstifte, Mascara, Tempos, Gleitgel, meine Schlüssel, ein kleiner, pinker Vibrator, Ersatzslips und gut ein Dutzend Kondome. Dann ließ ich endlich von ihm ab, suchte in dem Häufchen herum und griff ein Kondom.


„Du bist ja gut ausgerüstet“, sagte er mit rauer, vibrierender Stimme.


„Man weiß ja nie", gab ich zurück und öffnete die Kondomverpackung, rollte das Kondom über seinen brettharten Schwanz, bewusst langsam und genüsslich. Seine Augen weiteten sich vor Geilheit.


Ich setzte mich auf ihn, breitbeinig, führte ihn an mich, senkte mich langsam auf ihn. Ich war feucht, nein, eher nass, bereit für ihn. Wir stöhnten beide auf, als er in mich glitt. Er füllte mich aus, ganz anders als der unbekannte Jogger vom Morgen oder Typ im Abstellraum am Nachmittag, irgendwie sanfter, aber nicht weniger intensiv.


Ich begann mich zu bewegen, fand meinen Rhythmus. Seine Hände lagen auf meinen Hüften, aber er ließ mich führen, ließ mich bestimmen. Ich ritt ihn langsam, dann schneller, spürte, wie sich die Lust in mir aufbaute. Ich fragte mich kurz, ob er noch so lange konnte, bis ich gekommen war. Ich kam beim Sex mit Männern fast immer, meistens brauchte ich noch nicht mal allzu lange, aber ich hatte ihn ganz schön aufgeheizt vor dem Fick.


„Anouk“, keuchte er und das klang irgendwie ziemlich gut aus seinem Mund. Ich beugte mich zu ihm, küsste ihn, während ich mich weiter bewegte. Unsere Körper waren verschwitzt, klebten aneinander. Das Leder der Couch quietschte leise unter uns. „Ein bisschen noch“, hauchte ich und biss in seinen Hals. „Ich bin gleich soweit.“


„Oh Mann“, keuchte er. „Ich…“ Ich lachte leise und rutschte von ihm, legte mich auf den Rücken. Er kam über mich, stieß hart in mich, fand seinen eigenen Rhythmus, fickte mich mit kraftvollen Schwüngen, die mich lustvoll aufschreien ließen. Ich schlang meine Beine um seine Hüften, zog ihn tiefer an mich, in mich, spürte das Brodeln in meinem Unterleib, das durch meine Nervenbahnen schoss


„Ohja“, keuchte ich. „Genau so.“ Ich brauchte nicht mehr lange, die Wellen in meinem Schoß türmten sich auf und der Orgasmus riss mich mit sich. Ich kam mit einem leisen Schrei, meine Fingernägel gruben sich in seine Schultern. Er folgte mir wenige Stöße später, sein Körper verkrampfte sich, ein tiefer Laut drang aus seiner Kehle.


Wir blieben so liegen, schwer atmend, verschwitzt, seine Stirn an meiner. Von draußen drangen die Geräusche des Abends, Stimmen, ein vorbeifahrendes Auto, das Leben, das weiterging, während wir hier in seinem chaotischen neuen Zuhause lagen


Nach einer Weile löste ich mich ein wenig von ihm, strich mir verschwitzte Strähnen aus dem Gesicht und sah ihn direkt an. „Du erwartest jetzt hoffentlich keine Romanze oder sowas“, sagte ich.


Mika grinste verschmitzt und ziemlich breit, seine Augen blitzten amüsiert auf. „Ein Fick ab und an würde mir reichen."


Ich musste lachen. „Darüber lässt sich reden." Ich beugte mich vor und küsste ihn kurz. „Du wohnst ja praktisch um die Ecke."


„Nachbarschaftshilfe eben“, meinte er grinsend, er steckte immer noch in mir, nur langsam erschlaffend.


„Genau." Ich stand auf, sammelte meine Sachen zusammen. Der schwarze Tanga, das verschwitzte Kleid. „Ich geh jetzt nach Hause. Meine Mitbewohnerin wartet wahrscheinlich schon."


„Musst du nicht", sagte er, aber ganz entspannt. Es war kein Wunsch, keine hoffnungsvolle Aufforderung, nur ein Angebot. „Du kannst auch hier bleiben."


Ich schüttelte den Kopf, wollte ich mich anziehen. „Sowas mache ich nie. Bei jemanden übernachten ist was anderes als Ficken."


Mika lachte leise auf. „Ich meinte, trink noch ein Bier mit mir, mehr nicht. Nur weil wir gevögelt haben, muss ich jetzt nicht zwingend neben dir aufwachen. Und ich könnte eine Zigarette vertragen.“


Ich blieb stehen, sah ihn an. Seine Haare waren zerwühlt, auf seiner Brust glänzte noch Schweiß, und da war etwas in seinem Blick, nicht bedürftig oder hoffend, einfach nur immer noch hungrig. Wie ich. Ich zögerte, ich ging eigentlich immer nach dem Sex, ich wollte dieses Zusammensitzen, diese Nähe nach einem Fick nicht. Die Typen wurden mir schnell zu anhänglich.


„Okay“, sagte ich langsam und ließ das Kleid wieder sinken. „Ich will duschen, ich bin echt ziemlich verschwitzt. Hast du eine Dusche?"


Ein langsames Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Klar, sogar mit richtig warmem Wasser. Das Bad geht komischerweise vom Schlafzimmer ab, aber es existiert.“


„Na dann los“, grinste ich. „Ich dusche, du rauchst, dann trinken wir noch ein Bier.


Er führte mich durch einen Raum, der noch chaotischer war als das Wohnzimmer, eine Matratze auf dem Boden wie bei Jan, nur neuer, überall Klamotten, Bücher, Kabel. An einer Wand ein paar Kartons von Ikea.


„Mein neues Bett“, sagte er, als er meinem Blick folgte. „Ich kauf immer ein neues, wenn ich umziehe. Ist so eine Marotte von mir. Wollte ich eigentlich heute Abend zusammenbauen, aber ist ja nun anders gekommen.“


Ich grinste nur. Das Bad war klein, aber sauber. Zumindest hier kein Chaos. Eine einfache Duschkabine, gerade groß genug. Für zwei, wie ich fand. Ich langte rein, drehte das Wasser auf, testete die Temperatur. „Ist ja wirklich warm“, sagte ich mit einem leisen Lachen und drehte mich zu ihm um.


Er grinste. „Ja, die Errungenschaften der westlichen Zivilisation sind sogar bei mir angekommen“, sagte er. „Ich geh jetzt eine rauchen.“


„Mach das“, meinte ich, stieg unter das warme Wasser, nahm sein Duschgel und tat mir etwas davon auf die Hand. Es roch herb und männlich, aber das störte mich nicht. Ich seifte mich damit ein, den Rücken zum Raum. Nach einer Weile war ich sicher, dass er noch da war. Ich hatte ihn nicht gehen hören, keine Schritte von nackten Füßen auf dem gefliesten Boden, keine Tür, die sich geschlossen hatte.


Ich drehte mich um, er beobachtete mich, sein Blick folgte jeder meiner Bewegungen. Er grinste, aber in seinem Blick war noch was anderes. Außerdem regte sein Schwanz sich schon wieder, schlaff war der nicht mehr.


„Kommst du?", fragte ich lächelnd und drehte mich wieder weg. „Rauchen kannst du auch später.“


Er brauchte keine weitete Einladung, er öffnete die Tür der Duschkabine, dann stand er hinter mir unter dem Strahl. Das warme Wasser lief über unsere Körper, spülte nun auch seinen Schweiß weg. Ich lehnte mich gegen seine Brust, spürte seine Hände auf meiner Taille.


„Du bist ziemlich unersättlich, oder", murmelte er an meinem Ohr.


„Beschwerst du dich etwa da drüber?" fragte ich und rieb meinen Po an ihm. Ich spürte, wie er nun richtig hart wurde.


Seine Hände wanderten über meinen nassen Körper, seiften meinen Hals ein, meinen Rücken, meinen Hintern, meine Oberschenkel. Dann waren Finger von hinten zwischen meinen Beinen, die ich sofort öffnete, glitten über meine Schamlippen, ein Finger drang in mich ein, dann zwei, hart und fordernd. Ich keuchte gegen die gefliesten Wand, diese Finger wussten, was sie taten. Dann langte seine andere Hand um mich, tastete über meine Haut, glitt tiefer, lag auf meinem Schambein. Seine Finger fanden meine Perle, massierten sie kreisend, mit sanftem, genau richtigem Druck, als wüsste er einfach, was ich brauchte. Ich stöhnte laut auf unter seinen Händen, zwei Finger, die mich fickten, einer, der mich völlig irre machte. Ich würde gleich kommen, hier in der Dusche unter seinen Händen. Das hatte noch nie ein Mann geschafft, eigentlich brauchte ich zum Kommen einen harten Schwanz in meiner Möse, harte Stöße, die mich durchschüttelten, die meinen Körper beben ließen.


Ich griff nach hinten, wollte seinen harten Schwanz umfassen, ihn in meine triefende, heiße Möse einführen, aber er drängte meine Hand weg und lachte leise, als wüsste er, dass ich eigentlich schon fast soweit war. Ich lehnte meine Stirn gegen die Fliesen, meine Arme hoch über meinen Körper, und ließ ihn machen. Was er machte, fühlte sich nämlich verdammt geil an, ich konnte nicht mehr still halten, wand mich unter seinen Fingern, die aus mir ein und ausfuhren und meine Perle lustvoll quälten. Meine Muskeln verspannten sich, ich presste meine Beine zusammen, keuchte, stöhnte, wimmerte und schrie meinen Orgasmus ungeniert raus, als er mich überrollte, heftig und lang. Ich kam so, wie ich kam, wenn ich es mir selber machte. „Oh Gott“, schrie ich dabei und trommelte nun mit den Fäusten gegen die Fliesen. Ich zuckte und bebte, mein Körper kontrahierte und wollte gar nicht mehr aufhören, es ebbte erst nach einer gefühlten Ewigkeit schließlich ab, als er von mir abließ und seine Finger vom mir verschwanden, eine eigenartige Leere hinterließen, als ob etwas Großes aus mir herausgezogen worden wäre.


Ich seufzte mit geschlossenen Augen, genoss einen Moment die Nachwehen und drehte mich dann zu ihm um. Er sah mich an, seine Augen leuchteten und er lächelte. Sein harter Schwanz stand wie eine Eins.


Ich leckte mir über die Lippen, ging wortlos vor ihm in die Knie, das warme Wasser prasselte auf meinen Rücken. Ich nahm sein hartes Teil in den Mund, ließ ihn ein, genoss sein lautes Stöhnen unter dem Rauschen des Wassers, als ich meinen Kopf vor und zurück bewegte. Er hielt sich mit einer Hand an der Duschwand fest, seine andere Hand vergrub sich in meinen nassen Haaren. Ich variierte das Tempo, mal langsam und tief, dann schneller, bis er zitterte und kurz davor war


„Anouk", warnte er dann mit gepresster Stimme, als wollte er mir nicht zumuten, sein Zeugs in meinen Mund zu pumpen.


Ich ließ ihn herausgleiten, sah zu ihm hoch. „Kondom“, sagte ich. „Schnell!“


Er stolperte fast aus der Dusche, öffnete tropfnass den Spiegelschrank über dem Waschbecken, suchte kurz und war Sekunden später wieder bei mir, ein Kondom in der Hand. Ich stand auf, nahm es ihm ab, rollte es über seine Härte, während das Wasser weiter heiß über uns lief.


Er hob mich hoch, drückte mich gegen die Duschwand. Die glatten Fliesen an meinem Rücken, seine Hitze vor mir. Ich schlang die Beine um seine Hüften, zog ihn zu mir. Dieser zweite Fick war wilder, fordernder als der erste auf dem Sofa. Er stieß hart in mich, ich biss in seine Schulter, um nicht vor Geilheit das ganze Haus zusammenzubrüllen. Seine Nachbarn mussten ja nicht alles mitbekommen. Ja, ich war geil, obwohl ich grade erst gekommen war. Das kannte ich gar nicht von mir, ein guter Fick reichte mir normalerweise. Aber das hier fühlte sich so verdammt geil an. Vielleicht sollte ich nicht immer nach dem Ficken sofort verschwinden. Könnte sich lohnen.


„Schneller", keuchte ich ihm ins Ohr. „Härter, fick mich richtig durch.“


Er gehorchte, sein Rhythmus beschleunigte sich, seine Schwünge wurden härter, er tat genau das, was ich wollte: er fickte mich durch. Ich spürte, wie ich mich wieder anspannte, wie die Wellen hart durch meinen Schoß rasten, mich überrollten, mich mit sich rissen. Meine Fingernägel zerkratzten seinen Rücken. Diesmal kam ich stiller, aber genauso intensiv, nur ein leises „Oh ja“ kam über meine Lippen, als sich alles in mir zusammenzog und ich implodierte. Ich zitterte in seinen Armen, während das warme Wasser über uns rauschte.


Er kam kurz darauf, presste sein Gesicht an meinen Hals, verkrampfte sich und auch er seufzte nur leise. Wir blieben so stehen, unter dem warmen Strahl, bis unser Atem sich beruhigt hatte.


„Jetzt bin ich wirklich sauber", sagte ich grinsend und küsste ihn noch einmal.


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Zwanzig Minuten später stand ich angezogen im Flur vor der Tür seiner Wohnung, meine Haare waren noch feucht. Ich trug ein Hemd von ihm, das mir viel zu groß war, und Jeansshorts, die auch nicht passten, aber von einem seiner Gürtel so gehalten wurden, dass sie nicht runterrutschten. Er hatte extra ein neues Loch in das Leder gestoßen. Das nach meinem Schweiß müffelnde Kleid hatte ich in meine Tasche gestopft.


„Das war... ähm… unerwartet", sagte Mika und lehnte sich gegen den Türrahmen. „Ich wollte ja eigentlich nur wissen, wo man was trinken kann.“


„Das Beste kommt immer unerwartet", gab ich zurück. „Wir sehen uns. Ich bring dir deine Sachen gewaschen zurück.“


„Darum möchte ich bitten“, sagte er lachend. „Das ist mein Lieblingshemd."


Ich grinste, drehte mich um und ging barfuß die Treppe runter, meine Sneaker in der Hand. Die Dinger mussten erstmal ein paar Tage auf unserem Balkon auslüften. Ich musste mir echt angewöhnen, Sneakersocken zu tragen, auch wenn ich Socken jeder Art hasste, fast so wie BHs. An der Ausgangstür blieb ich noch einmal kurz stehen und schaute nach oben. Ich konnte einen leichten Schatten ausmachen, stand Mika noch da?


Ich zuckte mit den Schultern und zog die Tür auf, die quietschte, als ob sie vor Jahrzehnten das letzte Mal geölt worden wäre.


„Wenn du meine Klamotten wieder bringst, weihen wir das Bett ein“, rief Mika durchs Treppenhaus. „Bis dahin werd ich auf dem harten Boden schlafen und mir den Rücken ruinieren. Nur mal so als Anreiz.“


Ich schüttelte den Kopf und lachte leise. „Spinner!“ rief ich zurück und trat ins Freie, die Tür fiel laut hinter mir ins Schloss und beendete sein lautes Gelächter. Es war inzwischen dunkel geworden, die Straßenlaternen warfen gelbe Kreise auf den Asphalt. Ich lief barfuß das letzte Stück zu unserer WG, lächelte vor mich hin. Es lohnte sich also, nach dem ersten Fick nicht gleich zu gehen. Ich musste mein Konzept mal überdenken, wann hatte ich jemals drei Orgasmen in so kurzer Zeit beschert bekommen? Ich musste ja nicht gleich bei ihm übernachten. Ich grinste, während ich durchs nächtliche Ottensen lief. Es war ein verdammt geiler Abend gewesen. Und ich wusste nun, wo ich einen ziemlich brauchbaren Nachbarn finden konnte, wenn ich einen brauchte…

Kapitel 6: Im Serenity Spa


Das „Serenity Spa" lag versteckt in einer Seitenstraße, von außen unscheinbar, aber innen ein kleines Paradies. Warme Farben, gedämpftes Licht, der Duft von ätherischen Ölen. Ich kannte es, ich war schon ein paar Mal hier gewesen. An der Eingangstür hing ein Schild, auf dem „Closed“ stand, aber die Tür ging auf, als ich dagegen drückte. Das kleine Spa öffnete eigentlich erst um zehn, aber für mich machte Yuki immer eine Ausnahme.


Sie saß an der Rezeption, eine zierliche Mischung aus Deutschland und Japan mit schulterlangen schwarzen Haaren und leicht mandelförmigen blauen Augen, die immer zu lächeln schienen, einer kleinen Nase und vollen Lippen.


„Anouk!", rief sie erfreut und sprang auf. „Da bist du ja. Wir haben uns lange nicht gesehen Wann warst du denn zuletzt hier?"


„Letzten Monat", antwortete ich, während wir uns gegenseitig zur Begrüßung auf die Wangen küssten. „Nach einer stressigen Nacht… ähm… im Café. Besonderer Event. Aber du warst nicht da.“


Das war ein bisschen gelogen, aber Yuki musste ja nicht alles wissen. Ich war hier gewesen, nachdem ich mit diesem Banker gevögelt hatte, der sich als kompletter Langweiler entpuppt hatte. Drei Minuten mechanisches Rein-Raus, dann war er fertig und wollte nur noch mit mir reden. Ich war natürlich sofort geflüchtet.


„Stimmt“, antwortete Yuki mit strahlenden Augen. „Ich hatte Urlaub, war ein paar Wochen in Japan. Ich hoffe, Ivy hat dich genauso verwöhnt, wie ich das mache?“


Ich grinste. „Nicht ganz so wie du, sie hat da was, was du nicht hast.“ Ivy war ein besonderer Mann, äußerlich von einer Frau kaum zu unterscheiden, wenn sie es drauf anlegte. Sie lebte als Frau, kleidete sich wie eine Frau, gab sich wie eine Frau. Ich fand sie immer wieder faszinierend.


„Du hast also mit dem kleinen Luder gevögelt“, sagte Yuki gespielt empört und rollte mit den Augen, lachte dann aber. „Die soll die Finger von meinen Kunden lassen.“


„Ich war gestresst“, verteidigte ich mich und irgendwie auch Ivy. „Und Ficken hilft gegen Stress.“


„Du und gestresst. Wann bist du denn mal gestresst?“ fragte Yuki und musterte mich amüsiert. Sie kam um die Rezeption herum. „Du bist wohl eher... unausgelastet. Und ziemlich schnell gelangweilt."


Ich grinste wieder, wahrscheinlich sogar ein bisschen breiter. „Auch dagegen hilft Ficken“, sagte ich. Und erzähl du mir nicht, du würdest nicht mit Ivy vögeln.“


Yuki winkte mit einem wissenden Lächeln ab. „Wie sagt deine liebe Großmutter immer? Du kannst wohl alles essen, aber du musst nicht alles wissen. Und nun komm, es ist fünf nach acht, um zehn geht’s hier los und da müssen wir fertig sein. Das volle Programm kriegen wir wohl nicht hin, aber das beste davon.


„Könnte ich mir sowieso nicht leisten“, sagte ich ehrlich. Mein Café-Gehalt reichte nun mal gerade so für Miete und das Nötigste. Alles andere kam aus meinen Reserven, aber das war eine andere Geschichte.


„Für dich wie immer gratis“, stellte Yuki klar. „Unsere Vereinbarung gilt immer noch. Ich krieg bei dir Kaffee und Kuchen umsonst und du dafür bei mir Massage und was so dazu gehört.“ Ihr Blick wurde neckisch. „Und ich verdanke dir immerhin meinen süßen Italiener.“


Ich musste lachen. Yuki und Marcello waren schon fast kitschig verknallt, so eine Romanze mit allem Pipapo, die beiden hätten eine Erfindung von Rosamunde Pilcher sein können. Der süße Italiener vergötterte seine Yuki und sie ihn. Da konnte ich mich überhaupt nicht hin denken, aber jedem das seine.


Yuki schloss die Eingangstür ab, nahm meine Hand und führte mich durch einen Gang mit warmen Holzböden, vorbei an kleinen Nischen mit Buddha-Statuen und glimmenden Räucherstäbchen. Die Luft war warm und angereichert mit ätherischen Ölen, Sandelholz, Lavendel und irgendwas mit süßlicher Note, das ich nicht deuten konnte.


„Alles ausziehen“, wies sie mich an, als wir den kleinen Umkleideraum erreichten. Ich musste grinsen, wenn Yuki in ihrem Element war, gab’s keine Widerrede, sie war hier die Chefin.


„Ich bereite schon mal alles vor. Wir fangen heute mit Ganzkörperpeeling an. Wo die Dusche ist, weißt du ja. Warm duschen, aber nicht zu heiß. Öffnet die Poren und regt die Durchblutung an.“


Die Umkleide war in warmes Licht getaucht, das aus kleinen Deckenleuchten flutete. Es gab hier nicht viel, ein paar Bambus-Haken an der Wand, ein kleines Regal mit gefalteten flauschigen Handtüchern in einer Ecke, einen großen Spiegel. Ich schlüpfte aus meinen Sandalen, streifte die ausgefransten Jeansshorts ab und zog mir das schlichte Croptop über den Kopf. Darunter kein BH. Erwähnte ich schon, dass ich das Gefühl von BHs an meinen Brüsten hasste wie die Pest? Ich ertrug es einfach nicht, keine Ahnung, woher dieser Tick kam, es machte mir ja auch nichts aus, ein enges Oberteil zu tragen. Manche Dinge waren einfach so, wie sie waren. Als letztes verschwand der schwarze Tanga. Ich hängte meine Klamotten ordentlich an einen der Haken und stellte meine Sandalen darunter. Wer seine Sachen hier einfach zusammengeknüdelt herumliegen ließ, bekam Ärger mit Yuki.


Ich betrachtete mich kurz im Spiegel an der Wand. Meine Haut war blass und roten Locken fielen wirr über meine Schultern. Meine Nippel waren wie so oft schon ein bisschen hart, dafür reichte der leichteste Windzug oder der Gedanke an Sex. Die beiden waren eben sehr empfänglich, sobald ich auch nur ein bisschen geil war, verrieten sie mich, wenn ich richtig geil war, wurden sie manchmal schon fast schmerzhaft hart. Sie waren so was wie meine Stimmungsanzeiger.


Ich ging nackt rüber zu Yuki in den Behandlungsraum, der heller erleuchtet war, aber trotzdem irgendwie heimelig. Eine Liege in der Mitte, Pflanzen in großen Kübeln, Regale mit Tiegeln und kleinen Töpfen, Räucherstäbchen und Buddhas in Wandnischen. Eine Torbogen zur Dusche, in der ich mich kurz abduschte, ohne die Haare nass werden zu lassen. Ich trocknete mich leidlich ab und tappte wieder in den Behandlungsraum.


„Peeling", verkündete Yuki und holte verschiedene Töpfchen aus den Regalen und stelle sie auf einen kleinen Tisch neben der Liege. „Leg dich hin. Auf den Bauch.“


Ich legte mich nackt auf die Liege, die mit einer warmen Unterlage aus weichem Stoff bedeckt war. Yuki strich mir mit einem angenehm warmen, feuchten Tuch über Schultern, Rücken, Arme, Po und Beine. Ich seufzte wohlig, meine Haut nahm die Wärme sofort auf, und ich atmete entspannt. Irgendwie fiel bei meinen zu seltenen Besuchen bei Yuki immer alles von mir ab, auch wenn ich mich vorher gar nicht unentspannt oder verkrampft gefühlt hatte.


Dann griff Yuki nach ihren Töpfchen und mischte in einer Schale etwas zusammen, zumindest hörte es sich so an, ich machte mir nicht die Mühe hinzuschauen. Ein Duft stieg mir in die Nase, Kokos und Vanille mit etwas Fruchtigem, einer Nuance Mandarine vielleicht. Dazu was Salziges, ein bisschen wie am Meer.


„Das wird sich etwas rau anfühlen“, warnte Yuki mich vor. Ich seufzte wieder wohlig, als Yuki an meinen Schultern begann, das Peeling mit kleinen, kreisenden Bewegungen einrieb. Ihre Hände gingen sanft, aber bestimmt vor und das Kribbeln des Peelings auf meiner Haut fühlte sich gleichzeitig anregend und beruhigend an. Die groben Salzkristalle kratzten angenehm über meine Haut. Als sie meine Arme entlangfuhr, schloss ich die Augen und genoss den sanften Rhythmus ihrer Hände.


Dann kam mein Rücken dran und ich musste ein Gähnen unterdrücken. „Du hast wirklich eine faszinierende Haut“, murmelte Yuki, während sie das Peeling verteilte. „So blass. Fast wie Porzellan.“ Sie ging langsam und sanft vor, ließ sich Zeit, nie mit zu viel, nie mit zu wenig Druck, fuhr über meine Beine, die Linien meiner Oberschenkel und Waden entlang. Zuletzt nahm sie sich meinen Po vor und ich hatte das Gefühl, dass sie sich dem ganz besonders ausgiebig widmete, aber ich würde mich ganz sicher nicht beschweren, ich war ich schon in diesem Zustand, in dem man die Augen eigentlich gar nicht mehr öffnen wollte. Irgendwann, als ich schon fast dabei war einzuschlafen, wischte Yuki mit warmen, feuchten Tüchern sorgfältig die Körner ab.


„Umdrehen“, wies sie mich mit einem kleinen Klapps auf meinen Po an. Ich rollte mich gehorsam auf den Rücken. Yuki ließ ihren Blick über mich wandern, über meine Brüste mit den fast pinken Brustwarzen, die grade anzeigten, dass mir Yukis Peeling gefiel, über meinen Bauch, der flach war, ohne dass ich etwas dafür tun musste, weiter nach unten zwischen meine Beine, wo ich immer glatt rasiert war. Mochte sein, dass viele meiner Altersgenossen es wieder sprießen ließen, ich hasste Haare da unten fast so wie BHs, an mir und an anderen. Ich wollte beim Blasen ganz sicher keine Haare im Mund, also mutete ich das auch niemand anderem zu.


„Du solltest mal wieder ein Waxing oder noch besser Sugaring machen lassen“, bemerkte Yuki begann ihre Peeling-Komposition auf meinen Beinen zu reiben, arbeitete sich hoch über Hüfte, Bauch und Taille bis zu meinen Brüsten. Ich antwortete nicht, ich fühlte mich viel zu schläfrig und entspannt, um zu reden.


„Empfindliche Körperstellen brauchen eine sanftere Behandlung“, erklärte sie mir in professionellem Tonfall, aber ihr Grinsen und ihre Berührungen waren alles andere als nur professionell, sie kümmerte sich eindeutig zu lang um meine Brüste, aber ich genoss es und das zeigten meine Nippel auch deutlich an.


Nach einer Weile, mir fielen die Augen wirklich grade zu, war Yuki auch vorne fertig und wieder kamen die warmen, feuchten Tüchern zum Einsatz. Zum Schluss goss sie ein wenig Öl in ihre Hände, rieb sie kurz zusammen und strich es über meinen Bauch, dann über Arme und Beine. Lange, weiche Bewegungen, die mehr streichelten als massierten. Mandarine, Sandelholz, Wärme. Mein ganzer Körper kribbelte.


„Jetzt abduschen", sagte sie, als sie fertig war. Ich stand verhalten gähnend auf und ließ mich von ihr zur Dusche führen, als ob ich plötzlich nicht mehr wüsste, wo die war. Sie stellte das warme Wasser an und spülte mit dem Duschkopf das Salz von meiner Haut.


„Fühl mal", sagte sie und ich strich über meinen Arm, dann über meinen Bauch, meine Haut fühlte sich unglaublich weich an, fast wie Babyhaut.


„Wow", murmelte ich beeindruckt, während ich aus der Dusche trat und mich vorsichtig abtrocknete.


Yuki sah erst auf die Uhr an ihrem Handgelenk und dann in mein Gesicht. „Heute keine Gesichtsbehandlung, die fällt aus", bestimmte sie. „Du bist schön genug, noch mehr wäre ja kaum auszuhalten.“ Sie grinste, als ich ihr die Zunge rausstreckte.


„Im Ernst, du hast eine sehr schöne Gesichtshaut", sagte sie und strich über meine Wange. „Kaum Unreinheiten. Und die Poren sind auch okay. Wenn du Lust und Zeit hast, machen wir das nächste Woche, zusammen mit einem schönen Sugaring, okay? Sonst schaffen wir nämlich heute die Massage nicht mehr und die ist doch das… beste von allem.“


Ich runzelte kurz die Stirn, irgendwas in ihrem Tonfall klang ein bisschen seltsam und ihr Lächeln war irgendwie ziemlich hintergründig. Hatte sie irgendwas vor? Aber ich nickte einfach nur, nächste Woche war okay für mich. Einem geschenkten Gaul schaute man nicht ins Maul. Noch ein Zitat meiner Oma.


Wir gingen rüber in den Massageraum. Mindestens zwanzig Kerzen standen auf kleinen Regalen und warfen tanzende Schatten an die cremefarbenen Wände. Leise asiatische Musik spielte, Bambusflöten, ein Saiteninstrument. Wasserplätschern. Die Massageliege war mit frischen weißen Handtüchern bezogen, das Leder darunter war dunkel. Daneben stand ein kleiner Tisch mit verschiedenen Öl-Flaschen in bernsteinfarbenen und dunklen Gläsern.


„Erst auf den Bauch", sagte Yuki und wärmte bereits schimmerndes Öl in ihren Handflächen, rieb die Hände aneinander, bis das Öl die Temperatur hatte, die sie wollte. Das Aroma des Öls hing in der Luft, Jasmin und Rose, glaubte ich, darunter etwas Schärferes, Würzigeres. Ingwer?


Ich legte mich auf die warme Liege und drehte den Kopf auf die linke Wange, ließ die Arme locker neben meinem Körper liegen, schloss die Augen.


„Perfekt", sagte sie schließlich und legte ihre warmen, öligen Hände auf meine Schulterblätter. Ihre Finger begannen zu arbeiten, glitten über meine Schultern in langen, fließenden Bewegungen, das warme Öl machte ihre Bewegungen geschmeidig. Ihre Hände waren klein, aber ziemlich kräftig.


„Was ist perfekt?“ murmelte ich leise.


„Na du", antwortete sie, während sie sorgfältig jeden Muskel in meinen Schultern bearbeitete. „Genauer gesagt, dein Hintern, deine Beine und der Rest auch.“ Ich hörte ihr Grinsen heraus und runzelte wieder die Stirn. Was hatte sie vor?


„Und deine Haut ist so… so reaktiv“, fügte Yuki hinzu.


„Was?“ machte ich. „Reaktiv?" Ich fragte mich langsam, was Yuki heute für ein Blödsinn redete. „Wieso reaktiv? Und was soll das heißen?“


„Mmh." Sie lächelte, da war ich sicher, obwohl ich es natürlich nicht sehen konnte. „Du reagierst auf alles“, sagte sie leise. „Temperatur, Berührung, Druck. Als würde dein ganzer Körper immer auf Empfang stehen."


Ich kniff die Augen zusammen, sie hatte ja recht, was Sex anging, stand ich ständig auf Empfang. Das war ja nichts neues und wenn Yuki auch ganz sicher nicht besonders viel von dem wusste, was ich so trieb, wusste sie aber trotzdem, dass Monogamie jetzt nicht wirklich zu meinen Lebensprinzipien gehörte. Ihre Hände wanderten hinunter, über meine Schulterblätter tiefer, das warme Öl tropfte auf meinen Rücken, lief in kleinen Rinnsalen die Wirbelsäule hinunter. Yuki verteilte es mit langen Strichen, ihre Handflächen glitten warm und massierend über meine Haut. Sie massierte mich nie hart, knetete mich nie so durch, dass es am nächsten Tag weh tat. War nicht nötig, ich war nie verspannt, nicht Mal nach einem echt langen Tag im Café. Ich glich das ja immer gleich mit Sex aus und der entspannte mich nun mal.


„Sinnlich“, meinte Yuki, als sie meinen Po erreichte. „Du bist sinnlich. Sehr sogar.“ In ihrer Stimme schwang etwas mit, das mich aufhorchen ließ. Ich öffnete ein Auge, konnte aber nur aus dem Augenwinkel ihre Bewegungen erahnen.


„Sinnlich?" hakte ich nach und meine Stirn lag schon wieder in Falten. „Was meinst du jetzt damit?“


„Du strahlst einfach aus, dass du dich und deinen Körper kennst", sagte sie und ließ ihre Hände über meinen Hintern auf meine Oberschenkel gleiten und massierte dann kreisend so, dass ihre Daumen ständig haarscharf an meiner Möse vorbei strichen, ohne sie zu berühren. Ich unterdrückte ein Stöhnen und schaffte es, das wie einen kleinen, wohligen Seufzer klingen zu lassen. Und merkte erst dann, dass ich unwillkürlich meine Schenkel auseinander genommen hatte.


„Genau das meine ich“, durchschaute sie mich trotzdem. „Du bist sehr empfänglich für Berührungen, sie erregen dich und dein Körper zeigt es, du öffnest dich, ohne darüber nachzudenken. Da kannst du ruhig versuchen, es zu verbergen, wie du willst. Aber ich merke, dass du geil wirst, wenn ich das mache.“ Sie ließ ihre Daumen wieder druckvoll und doch sanft links und rechts sehr nahe an meiner Möse vorbei gleiten. Ich biss mir auf die Zähne und vermied mühevoll das lustvolle Keuchen, dass ich am liebsten herauslassen wollte. Aber hallo, das hier war eine Massage und kein Sex. Oder doch? Wurde es das grade?


Ihre Hände umfassten meine Schenkel, massierten dort mit kreisenden Bewegungen. Dabei strichen ihre Daumen immer wieder nahe an meiner Scham vorbei. Oh, Mann, sie hatte verdammt recht, das machte mich geil. Ich wurde mehr als warm. Und feucht.


„Du hast schon eine Menge Erfahrung, oder?“ fragte sie leise und ließ nun die Kuppen ihrer Daumen über meine Schamlippen gleiten, sanft und ölig. „Wie alt bist du noch?“


„Neunzehn, wieso?“ seufzte ich und es klang nun ganz sicher nicht mehr nur wohlig. Ich fragte mich, ob ich wirklich so leicht zu erregen und durchschauen war. „Was meinst du mit Erfahrung?"


„Du weißt schon." Ihre Stimme wurde tiefer, rauer, als würde sie das Ganze selber erregen. „Du kennst deinen Körper. Du weißt, was dir gefällt und dein Körper zeigt es. Das ist selten in deinem Alter, viele viel ältere Frauen kommen hierher und wissen nicht, was sie mögen, kennen sich selber und ihren Körper nicht. Ich muss es ihnen erst zeigen, was für ein Wunder der Körper einer Frau ist. Du weißt das jetzt schon.“


Mir fiel echt keine Antwort ein, also schwieg ich ausnahmsweise mal, es kam wirklich nicht besonders oft vor, dass ich sprachlos war, aber jetzt war ich es. Yukis Hände glitten nun tiefer, massierten meine Oberschenkel und ich wünschte mir, sie würde sie wieder höher nehmen und das machen, was sie bis grade gemacht hatte.


„Du hast einen sehr schönen Hintern", sagte Yuki leise. „Fest, aber weich zugleich. Und perfekt geformt. Du hast überhaupt einen sehr schönen Körper. Deine langen Beine, deine schmale Taille, deine Hüften, alles passt einfach, an dir passt alles zusammen. Diese Proportionen.“ Sie seufzte leise. „Deine Haut, deine Haare. Ich glaube, dir ist gar nicht bewusst, wie schön du wirklich bist, Anouk.“


Ich spürte, wie ich rot wurde, wie meine Wangen glühten. Ich wusste ja, dass ich auf Menschen wirkte, aber das wurde ja ein Loblied auf mich. So direkt hatte das noch nie jemand zu mir gesagt, es war das eine, wenn ein Mann wie Mika mir sagte, dass er mich wunderschön fand, das sagten Männer beim Sex sowieso gerne, aber was anderes war es, wenn eine Frau wie Yuki, die selbst alles andere als hässlich und gewöhnlich war, sowas über mich sagte.


„Danke", murmelte ich, mir fiel nichts besseres ein, ich war echt geflasht. Normalerweise fiel mir immer eine Antwort ein, jetzt nicht.


„Nur die Wahrheit“, sagte Yuki sanft und klapste mir leicht auf den Po. „Dreh dich um!“


Ich zögerte einen kurzen Moment, dann rollte ich mich auf den Rücken. Yuki ließ ihren Blick ganz ungeniert über meinen Körper wandern, über meine Brüste mit den harten Brustwarzen, über meinen Bauch, über meine Beine.


„Oh ja", murmelte sie lächelnd. „Du bist so verdammt heiß...“ Sie berührte meine Wange mit einem öligen Finger. „Dein Gesicht ..." Sie strich über meinen Hals, wo sich ein rosiger Schimmer ausbreitete. „Dein Hals." Ihr Finger glitt über mein Dekolleté, zwischen meine Brüste. „Deine Brüste…“


„Yuki...", kriegte ich heiser heraus. „Was wird das jetzt?“


„Wonach sieht es denn aus?" Sie grinste frech, nahm mehr Öl, wärmte es zwischen ihren Händen und begann, meine Arme zu massieren. Aber ihre Berührungen waren jetzt anders als vorher. Langsamer, intensiver, zärtlich. Sie massierte jeden Finger einzeln, ließ ihre eigenen Finger zwischen meine gleiten, verschränkte sie kurz.


„Eine Massage“, sagte sie unschuldig und sah mich direkt an, ein neckisches Lächeln auf den Lippen. „Eine sehr gründliche Massage. Was denkst du denn?“ Ihre Hände wanderten zu meinen Handgelenken, glitten über meine Unterarme, dann über meine Oberarme, lagen auf meinem Schultern. Dann stellte sie sich hinter meinen Kopf und ließ ihre Hände über meine Schultern gleiten, über mein Dekolleté, umkreisten die Rundungen meiner Brüste. Eine Massage war das nicht mehr, eher eine Streicheleinheit


„Du reagierst sofort", stellte sie fest, meine Nippel waren noch härter geworden. „Sehr schön, das gefällt mir."


Ihre Hände verschwanden, ich hörte es hinter mir rascheln, dann Kleidung, die zu Boden fiel. Dann waren ihre Hände zurück auf meinen Schultern, glitten weiter nach unten, strichen ölig über meine Brüste. Ich schloss die Augen, mein ganzer Körper kribbelte, und als Yuki beide Nippel zwischen Daumen und Zeigefinger nahm und sanft zwirbelte, keuchte ich laut, biss mir auf die Lippen.


„Das hab ich gehört", lachte Yuki leise. „Du magst das, stimmt's? Was magst du mehr? Das…“ Sie zwirbelte weiter, links sanft, aber rechts wurde der Druck härter und ich schrie auf, aber nicht vor Schmerz. „Oder das“?“


„Beides“, keuchte ich und bog meinen Rücken leicht durch, weil sie nun auf beiden Seiten härter zwirbelte und meine Nippel ein bisschen lang zog. Dann waren ihre Finger weg und ich öffnete die Augen, sah sie an. Sie stand nackt neben der Liege, ihre zierliche Gestalt weich im warmen Kerzenlicht. Ihre Brüste waren klein, kleiner als meine, ihre Haut glatt und makellos. Zwischen ihren Beinen war sie komplett rasiert, genau wie ich. Wahrscheinlich gewaxt.


„Du magst das auch", stellte ich fest und ließ meinen Blick über sie wandern. „Sonst würdest du das nicht machen."


„Stimmt." Sie beugte sich vor und küsste mich, kurz nur, ihre Lippen fühlten sich warm und weich auf meinen an. „Ich wollte das schon lange."


„Warum hast du nichts gesagt?" fragte ich. Ihr Gesicht war nahe an meinem, ich roch die Minze in ihrem Atem.


„Weil ich nicht wusste, ob du..." Sie richtete sich auf und zuckte mit den Schultern. „Du bist so direkt mit Männern. Aber bei Frauen..."


„Bei Frauen bin ich genauso", unterbrach ich sie grinsend. „Nur vorsichtiger. Manche reagieren komisch."


„Ich nicht." Sie lächelte und ließ ihre Hände wieder über meine Brüste gleiten. „Ich bin so neugierig auf dich."


Ihre Finger glitten tiefer, über meinen Bauch, zeichneten kleine Kreise um meinen Bauchnabel. Ich spürte, wie sich mein Atem vertiefte, wie sich mein Körper entspannte und gleichzeitig erwartungsvoll anspannte.


„Du bist so empfindlich", murmelte sie bewundernd und ließ einen Finger über meine Hüftknochen gleiten. „Deine Haut wird rosig, sobald ich dich berühre."


„Liegt am Öl", log ich, grinste aber dabei, und zog scharf den Atem ein, als ihre Finger näher an meinen Schoß krabbelten, dann sanft über die weichen Innenseite meiner Oberschenkel strichen.


„Liegt an mir", korrigierte Yuki grinsend und ließ ihre Hand zwischen meine Beine gleiten. Ich keuchte ziemlich laut auf, als ihre Finger meine Möse zu erkunden begannen. Sie waren sanft, aber bestimmt, berührten meine Schamlippen, meine Lustperle, drückte dann eine Fingerkuppe in mich. Yuki wusste genau, was sie tat, ihre andere Hand lag auf meiner Brust, streichelte meinen harten Nippel. Ein lautes „Oooh“ kam aus meiner Kehle, von irgendwo ganz unten.


„So schön feucht", sagte Yuki und umkreiste mit einer Fingerkuppe meine Perle. „Das gefällt mir."


Sie kletterte auf die Liege und kniete sich zwischen meine Beine, ihre Hände glitten über meine Oberschenkel, drückten sie weiter auseinander. Dann beugte sie sich vor und ich spürte ihre warme Zunge zwischen meinen Beinen. Sie leckte mich langsam, spielerisch, als hätte sie alle Zeit der Welt und müsste nicht ihr kleines Spa bald aufmachen. Ihre Zunge kreiste um meine Perle, ohne sie zu berühren, leckte dann über meine Schamlippen, drängte sich dazwischen. In mir brodelte es, mein Schoß kochte, ich machte es nicht oft nur mit einer Frau, die meisten glaubten, mit Lecken wäre es getan. War es bei mir aber nicht, ich brauchte etwas in mir, etwas, das mich fickte.


„Yuki", keuchte ich. „Bitte... Finger…“


„Was bitte?" Sie sah zu mir hoch, ihre Lippen glänzten, ihre Augen funkelten. „Sag mir genau, was du willst."


„Leck meine Perle", flüsterte ich heiser. „Und fick mich mit deinen Fingern.“


„Das mache ich doch gerne“, sagte sie mit einem mehr als anzüglichen Grinsen. Ihre Zunge tanzte endlich auf meiner Perle, gleichzeitig ließ sie einen Finger in mich gleiten, fuhr langsam ein und aus, krümmte ihn, fand eine Stelle, die mich aufschreien ließ.


„Oh Gott“, stöhnte ich und griff in ihre schwarzen Haare. „Noch einen Finger.“


Sie kicherte und gehorchte. Sagte ich schon, dass sie wusste, was sie tat? Diese Kombination aus Zunge und zwei Fingern, die den perfekten Rhythmus für mich hinkriegten, war überirdisch. Ich spürte, wie sich alles in mir anspannte, wie es sich aufbaute.


„Ja", keuchte ich. „Genau so."


Yuki brachte mich bis kurz davor, stoppte dann, hörte einen Moment auf und fing wieder an. Ein Spiel, das mich wahnsinnig machte. Dann bewegten sich ihre Finger schneller, ihre Daumenkuppel legte sich auf meine Perle und massierte sie druckvoll. Ich konnte nicht stillhalten, wand mich unter ihr. Ich war kurz davor zu explodieren, jeder Nerv in meinem Körper stand unter Spannung.


„Ja, komm für mich", flüsterte sie sehr leise, fast nur gehaucht. „Ich will dich kommen sehen."


Der Orgasmus überschwemmte mich wie eine hohe Welle den Strand, rollte durch meinen ganzen Körper. Ich schrie auf, konnte mich nicht zurückhalten, meine Finger krallten sich in ihre Haare. Sie hielt mich fest, leckte mich durch die Wellen hindurch, bis ich zitternd und erschöpft dalag.


„Wunderschön", murmelte sie und küsste meine Innenseite meines Oberschenkels. „Du kommst so intensiv. Ich liebe das.“


Ich lag keuchend da, fühlte mich wie benommen. „Das war... geil“, seufzte ich dann und stützte mich auf meine Ellbogen, sah sie an. „Jetzt du.“


Sie lächelte, aber dann verfinsterte sich ihr Gesicht, als sie zur Wand sah. Ich folgte ihrem Blick zur Uhr. Viertel vor zehn.


Yuki sprang förmlich von der Liege. „So eine Scheiße! Meine erste Kundin kommt um zehn! Und die ist immer pünktlich." Sie begann hastig, ihre Sachen zusammenzusuchen. „Ich muss das Spa noch vorbereiten, die Rezeption und... verdammte Scheiße! Wie unprofessionell ist das denn?“


Ich musste lachen, stand auf und sah ihr zu, wie sie sich hektisch anzog. Ich ging zu ihr, nahm ihr Gesicht in meine Hände, küsste sie kurz. „Das war echt schön. Schade, dass ich…“


Sie lächelte und entspannte sich wieder. „Du hast recht“, unterbrach sie mich. „Es war sehr schön. Und revanchieren kannst du dich beim nächsten Mal.“


Ich nickte. Das wollte ich wirklich gerne, ich machte es ja nicht oft mit Frauen, weil die meisten mich nicht reiten, aber Yuki reizte mich. Und wie. Ich konnte ja jetzt noch nicht wissen, dass ich meinen Erfahrungsschatz in den nächsten Tagen ausbauen würde.


„Meine Haare", sagte Yuki plötzlich und betrachtete sich im Spiegel. „Ich seh aus wie... na ja, als ob ich gerade Sex gehabt hätte."


„Hattest du ja auch“, grinste ich. Ich kämmte meine Locken mit den Fingern. „Aber so schlimm ist es nun wirklich nicht."


Yuki band ihre Haare zu einem ordentlichen Knoten, während ich meine einfach schüttelte und sie fallen ließ, wie sie wollten. „So", sagte sie. „Sehe ich wieder professionell aus?“ Sie zwinkerte mir zu. „Und du, ab in die Umkleide. Zieh dich an und geh hinten raus. Weißt du noch? Da wo ich dich abends mal reingelassen habe.“


Ich nickte. „Klar“, sagte ich. „Finde ich schon. Ich bin dann mal weg.“


„Anouk?" Sie sah mich an, ein sanftes Lächeln auf den Lippen. „Das nächste Mal nehmen wir uns mehr Zeit.“


„Gerne", sagte ich und küsste sie auf die Wange. „Aber dann abends, wenn du nicht gleich Kunden erwartest."


„Deal." Sie schob mich auf den Gang. „Und vergiss das Sugaring nächste Woche nicht.‘


„Wird das auch so... gründlich?", fragte ich grinsend.


„Kommt darauf an, wie brav du dabei bist", zwinkerte sie mir zu.


Ich lachte leise, sah noch, wie sie Richtung Rezeption verschwand. Fünf Minuten später stand ich draußen in der Morgensonne und fühlte mich großartig. Entspannt und zufrieden, wie immer nach dem Sex.


Das Leben war echt schön. Besonders wenn man es so nahm, wie es eben kam…

Kapitel 7: Shopping


Ich stieg am S-Bahnhof Sternschanze aus. Von Ottensen war es nur eine kurze Fahrt mit der S1 gewesen, über Altona direkt hierher. Ich war nur kurz zu Hause gewesen, die Jeansshorts war mir bei der Hitze, die meine Wetter-App mir androhte, nicht luftig genug. Also war ich in ein kurzes, nicht allzu eng anliegendes Sommerkleid und Sandalen geschlüpft. Die Mittagssonne schien warm auf mein Gesicht und ich spürte noch immer das warme Gefühl von Yukis Behandlungen auf meiner Haut.


Das Schanzenviertel summte vor Leben. Studenten schlenderten mit Kaffee-to-go vorbei, alternative Typen in zerrissenen Jeans hingen vor den Läden ab, Touristengruppen fotografierten die bunten Häuserfassaden. Ich liebte diese Mischung aus rau und schön zugleich, aus authentisch, aber auch irgendwie etwas inszeniert.


Ich schlenderte die Susannenstraße hinunter, vorbei an Plattenläden und Second-Hand-Shops. Vor einem kleinen Vintage-Laden blieb ich stehen. Die Schaufenster waren voller bunter Klamotten aus den 70ern und 80ern, Accessoires, die aussahen, als wären sie bei ziemlich vielen Anlässen dabei gewesen. Nicht mein Stil, aber aus einer Laune heraus, betrat ich den Laden.


"Kann ich dir helfen?", fragte die Verkäuferin, eine Frau um die vierzig mit pinken Strähnen im schulterlangen schwarzen Haar.


"Ich schau erstmal", sagte ich, wandte mich dem Angebot zu und ließ meine Finger über die die Klamotten auf den Kleiderständern gleiten. Meine Finger glitten über Seide, Leinen, Samt und Baumwolle und berührten Kleider, Röcke und Blusen Da waren teilweise wirklich schöne Stücke dabei, aber eben alles nicht mein Stil. Ich wollte den Shop grade schon verlassen, da sah ich es, ein rotes Kleid, nicht ganz knielang, mit einem tiefen V-Ausschnitt und einem Gürtel, der die Taille betonte. Der Stoff war weich, fiel schön, und die Farbe würde perfekt zu meinen Haaren passen.


"Das steht dir sicher gut", sagte die Verkäuferin, die plötzlich neben mir stand, und nahm das Kleid vom Bügel. Sie war fast so groß wie ich und ähnlich schmal gebaut. "Probier es doch mal an."


Die kleine Umkleidekabine war mit bunten Vorhängen abgetrennt. Ich streifte mein Kleid ab und schlüpfte in das rote Kleid. Es saß wirklich perfekt, umschmeichelte meine Figur, ohne zu eng zu sein, der Ausschnitt war etwas gewagt, aber sowas hatte mich noch nie gestört, ganz im Gegenteil. Ich sah anders aus darin, älter, erwachsener. Ob mir das gefiel, wusste ich nicht so recht, aber das Rot passte zu meinen Haaren, meinen grünen Augen und zu meiner hellen Haut.


"Wow", sagte die Verkäuferin, als ich aus der Kabine trat. "Das ist wie für dich gemacht."


"Was kostet es?" fragte ich vorsichtig. Das hier war zwar ein Second-Hand-Shop, aber ich hatte das Gefühl, das dieses Kleid nicht billig war.


"Achtzig Euro“, antwortete die Verkäuferin und betrachtete mich eingehend. „Es ist von Diane von Fürstenberg, ein echter Schatz. Und für achtzig Euro ein Schnapper.


Ich seufzte. „Schade“, sagte ich. „Zuviel für mich. Kann ich mir nicht leisten.“ Ich wollte wieder in die Umkleidekabine gehen, aber sie hielt mich zurück.


„Warte“, sagte sie lächelnd. „Die Frau, die dieses Kleid getragen hat, wollte, dass es eine Frau bekommt, der es passt, als wäre es für sie gemacht worden. Und diese Frau bist du.“ Sie legte den Kopf schief und ließ wieder den Blick über mich schweifen. „Für dich vierzig Euro.“


Ich überlegte, auch vierzig Euro waren nicht wenig für mich, aber das Kleid war wirklich etwas Besonders. Ich hatte zwar spontan keine Ahnung, wozu ich es anziehen würde, aber das würde sich schon ergeben. Ich hatte so einige Sachen in meinem Kleiderschrank, die ich eigentlich nie anzog, die aber trotzdem wichtig für mich waren. Und ich hatte das Gefühl, dieses Kleid würde mal wichtig für mich werden. War sehr wahrscheinlich Blödsinn, aber ich wollte dieses Kleid haben.


"Ich nehme es“, sagte ich. „Wer ist denn die Frau, die es früher getragen hat? Nicht zufällig du selber?“


Die Verkäuferin lachte auf. „Doch“, sagte sie und grinste dabei. „Aber ich passe nicht mehr rein. Zwei Kinder.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Ich war mal so schlank wie du, aber das werd ich wohl nie wieder.“


Mit dem Kleid in einer Papiertüte verließ ich kurz darauf den Laden und schlenderte weiter. Die Schulterstraße war voller kleiner Boutiquen und Cafés. Ich stöberte noch in ein paar Shops, kaufte aber nichts mehr, ich musste mein Budget etwas schonen. Zum Glück entdeckte ich auch nichts mehr, das meine finanzielle Vernunft geprüft hätte. Wenn ich etwas unbedingt haben wollte, existierte die nämlich ganz schnell nicht mehr.


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Ein paar Häuser weiter blieb ich vor einem Plattenladen stehen. Das Schaufenster war vollgestopft mit Vinyl, Postern von Bands, die ich teilweise kannte, teilweise nicht. Sonic Youth, The Strokes, Arctic Monkeys und andere Namen, die ich noch nie gehört hatte. Aus dem Laden kam Musik, nicht wirklich laut, aber laut genug, dass ich den Bass ein bisschen in meinen Brustkorb spüren konnte.


Ich ging rein, obwohl Schallplatten mich nicht wirklich interessierten, ich besaß ja nicht mal einen Schallplattenspieler, nur einen MP3-Player, aber ich war neugierig.


Der Laden war klein, vollgestopft mit Regalen voller Platten, sortiert nach Genres, die auf handgeschriebenen Schildern standen. Alternative, Rock, Punk, Indie, Electronic. An den Wänden hingen Poster, eine alte Gitarre und ein paar gerahmte Schallplatten. Es roch nach Staub, Pappe und diesem speziellen Geruch von altem Vinyl.


Hinter dem Tresen stand ein Typ, Ende zwanzig, mit dunklen Haaren, die ihm ins Gesicht fielen, Drei-Tage-Bart und Tattoos an beiden Armen. Er trug ein ausgewaschenes Band-Shirt von den Pixies und blätterte durch eine Zeitschrift. Auf seinem Namensschild stand „Rouven".


Er sah auf, als ich reinkam, und musterte mich kurz. „Suchst du was Bestimmtes?" fragte er. „Kann ich dir helfen?“


„Erstmal nur gucken", erwiderte ich und ging zu den Regalen.


„Klar“, meinte er und ich wusste einfach, dass sein Blick mir folgte. „Sag Bescheid, wenn du Fragen hast oder so.“


Ich nickte und ließ meine Finger über die Plattenrücken gleiten, zog hier und da eine raus, betrachtete das Cover. Queens of the Stone Age, The White Stripes, Yeah Yeah Yeahs und andere, die mir gar nichts sagten. Dann nahm ich eine Platte von den Arctic Monkeys raus, „AM", drehte sie um und las die Tracklist.


„Gute Wahl", sagte Rouven hinter mir. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er näher gekommen war. „Eines ihrer besten Alben."


Ich drehte mich um und lächelte. „Ich weiß. Hab's auf Spotify rauf und runter gehört." Stimmte nicht ganz, aber Rouven gefiel mir und deshalb wollte ich das Gespräch am Laufen halten. Und außerdem hatte Yukis „Behandlung“ mich zwar erstmal befriedigt, aber nicht so ganz zufrieden gestellt. Dafür brauchte ich einen schönen, harten Schwanz in mir. Warum nicht seinen?


„Spotify?" Er verzog das Gesicht, grinste aber dabei. „Kein Vergleich zu Vinyl."


„Sagen alle Vinyl-Snobs“, lachte ich und stellte die Scheibe zurück.


„Weil’s stimmt“, grinste er, lehnte sich gegen das Regal und verschränkte die Arme vor der Brust. „Vinyl klingt einfach besser. "


„Besser?" meinte ich und legte den Kopf schief. „Musik ist Musik."


„Neeee“, machte er langgezogen und schüttelte den Kopf. „Vinyl ist ein Erlebnis. Du musst die Platte auflegen und die Nadel aufsetzen. Dann musst dich am besten hinlegen, die Augen zumachen und einfach zuhören. Nichts anderes, nur zuhören.“


„Hinlegen und zuhören“, grinste ich und rückte ein kleines Stück näher an ihn ran. „Wirklich? Nicht auch… was anderes?“


„Was anderes?“ schmunzelte er und hob die Augenbrauen. „Und an was denkst du da so?“


„Willst du das wirklich wissen?“ fragte ich keck und spielte mit einer Locke über meinem Ohr.


Wir sahen uns einen Moment an, und jetzt war es da, bei mir zumindest. Dieses kleine Knistern, diese leichte Spannung, die sich im Raum ausbreitete. Seine Augen glitten kurz über mich, über mein Kleid, meine Beine, dann wieder hoch zu meinem Gesicht.


„Ja, will ich“, nickte er und lächelte. Wir sahen uns immer noch an. Er war attraktiv, überhaupt keine Frage, und die Art, wie er mich ansah, sagte mir, dass er dasselbe über mich dachte.


„Wann machst du Mittagspause?" fragte ich einfach. Mein Puls ging ein kleines bisschen schneller, ich stieg mal wieder in eines meiner kleinen Spiele ein, die meistens mit einem Fick endeten, wenn’s nach mir ging.


Er hob beide Augenbrauen und grinste. Sein Blick schweifte jetzt ungeniert über mich. „Warum fragst du?“ wollte er wissen, aber ich hatte das Gefühl, er wusste sehr genau, warum ich fragte.


„Weil ich dachte, dass wir vielleicht deine Mittagspause… naja… zusammen verbringen könnten“ gab ich zurück und lächelte unschuldig. „Also, wann machst du Mittagspause?“


„Jetzt“, sagte er und nun lag in seinen Augen etwas Begehrliches. Er ging zur Ladentür, drehte das Schild einfach von „Offen“ auf „Geschlossen“ und schloss ab. Dann kam er zu mir zurück und blieb ganz nah vor mir stehen.


„Jetzt?" fragte ich, sah ihn ganz harmlos an und biss mir auf die Unterlippe, als wüsste ich so gar nicht, auf was das hier hinauslief.


„Jetzt!“ nickte er entschieden. „Ist mein Laden und wenn ich Mittagspause will, dann mache ich Mittagspause.“


„Und was willst du so tun in deiner… Mittagspause?“ wollte ich wissen, kringelte wieder ein paar Haarsträhnen mit meinen Fingern ein und tat betont schüchtern. „Vielleicht… unschuldige Mädchen vögeln, die sich in deinen Laden verirrt haben?“


„Genau das“, grinste er und seine Augen funkelten vergnügt und etwas düster gleichzeitig. Er sah sich in seinem Laden um, als wollte er sichergehen, dass wir allein waren, was wir natürlich waren. Er hatte schließlich abgeschlossen. „Wobei ich nicht so ganz glaub, dass du auch nur das kleinste Bisschen unschuldig bist.“


„Das könnte sein“, lachte ich leise. „Wo ficken wir?“


„Oha“, machte er, lachte dann auch und schüttelte den Kopf. „Erst unschuldig tun und dann direkt drauf los?“


„Ist das ein Problem?“ senkte ich meine Stimme, ich flüsterte jetzt fast, und kam ein Stück näher, unsere Körper berührten sich jetzt beinahe schon.


„Absolut nicht und…“, sagte er genauso leise und stockte, weil ich ungeniert in seinen Schritt griff und mit der Hand über die deutliche Beule strich.


„Dann ist ja gut“, lächelte ich, öffnete den Reißverschluss, ließ meine Hand hineingleiten, schob sie in seine Unterhose und umschloss in der Enge seine Härte. „Also, der hier mag’s scheinbar direkt. Was ist mit dir?“


Er keuchte hörbar und wusste wohl einen Moment nicht, was er tun oder sagen sollte. Vielleicht überfiel ich ihn ein bisschen, was ich eher selten machte, die Initiative überließ ich meistens anderen. Aber hey, wer hatte hier die Tür abgeschlossen?


Ich bewegte meine Hand in seinem engen Slip an seinen Schaft entlang und er atmete hörbar ein und aus. „Vielleicht gehen wir in einen Raum, in den nicht jeder von draußen reingucken kann?“ schlug ich vor.


Endlich gab er sich einen Ruck, nickte hektisch und nahm meine Hand, die nicht an seinem Schwanz herumspielte. „Lagerraum“, sagte er heiser und deutete auf eine Tür links vom Tresen.


„Geht doch“, lächelte ich, nahm die Hand aus seiner Hose und ließ mich von ihm mitziehen. Er stieß die angelehnte Tür auf, ich hörte seinen nicht ganz entspannten Atem und grinste vergnügt vor mich hin.


Der Raum war nicht besonders groß und vollgestopft mit Regalen voller Platten in Kartons. In der Mitte stand ein alter Holztisch mit einem Ledersessel an der Längsseite, auf dem sich Papiere, ein Tablet und ein halbvolles Glas Wasser anordneten. Es roch noch mehr als vorne im Laden nach Staub und Pappe.


Rouven schloss die Tür hinter uns, drehte sich zu mir um. „Bist du sicher?" fragte er und ich verdrehte die Augen. Schon wieder diese Frage. Was sollte das?


„Absolut sicher“, gab ich zurück, legte meine Tasche auf dem Tisch ab und zog ihn an seinem Shirt zu mir. Ich nahm mir vor, beim nächsten, der diese Frage stellte, einfach abzuhauen. Es nervte. Seine Hände waren sofort an meiner Taille und schoben mein Kleid hoch, meine an seiner Jeans, öffneten die Gürtelschnalle und den Knopf, der Hosenstall war ja schon offen.


„Fuck", murmelte er und sah mich an, sein Blick flackerte ein bisschen unsicher, er tat sowas, also einen netten, kleinen Mittagsfick mit irgendeiner Kundin, wohl eher selten bis gar nicht. „Du bist heiß."


„Ich weiß“, grinste ich und schob meine Hand in seine enge Unterhose. Er war schon verdammt hart, und zuckte leicht in meiner Hand. Ich zuppelte mit der anderen Hand Jeans und Slip an ihm runter und massierte seinen Schwanz.


„Scheiße, ääh… wie heißt du eigentlich", keuchte er. Ich hatte ihm meinen Namen nicht gesagt und tat es auch jetzt nicht. Wozu auch? Das hier war eine einmalige Sache. Wie meistens. Plötzlich kam mir dieser Mika in den Kopf. DAS war eventuell keine einmalige Sache.


„Kondom?" forderte ich stattdessen und wichste ihn weiter, nicht gerade sanft, aber wenn er jetzt kam, dann kam er eben. Dann war es auf jeden Fall eine einmalige Sache gewesen.


„Nein“, keuchte er. „Du?“


Ich lachte leise, zusammenhängend sprechen kriegte er wohl nicht mehr hin. „Nicht gut vorbereitet“, merkte ich an, griff meine Tasche, öffnete sie und fingerte geübt eins raus, wobei ich keine Sekunde damit aufhörte, seinen Schwanz zu bearbeiten. Er keuchte laut und erregt und irgendwie schien er mir ein bisschen von der Rolle zu sein.


„Komm her“, sagte ich bestimmt, ließ von ihm ab, woraufhin er tief durchatmete, riss die Packung auf und zog ihm das Gummi routiniert über.


Er sah mich an und schien erst jetzt zu glauben, dass das hier wirklich passierte, und löste sich aus seiner Erstarrung. Er packte mich, drehte mich um und drückte mich mit der Hüfte gegen den Tisch. Na also, ging doch. Dann schob er mein Kleid bis über meine Hüften hoch, riss meinen Slip förmlich runter und ließ seine Hände über meinen Arsch gleiten, knetete ihn, zog die Backen auseinander, setzte an meiner Möse an und brachte sich dann mit einem energischen Ruck in mich. Ich keuchte ziemlich laut auf, als er begann, mich schnell, hart und rhythmisch zu ficken.


„Das Fenster ist auf“, murmelte er und es klang reichlich amüsiert, beugte sich über mich und brachte seine Lippen dicht an meinem Ohr. „Leiser. Sonst hört uns noch jemand."


„Ist mir sowas von scheißegal", zischte ich zurück. „Mach einfach.“


Er lachte leise, hatte also wieder in die Spur gefunden, und legte nun wirklich los. Er fickte mich jetzt richtig hart, fast brutal und das war genau das, was ich wollte, wie ich es mochte, seine Hände grob an meinen Hüften, sein Schwanz hart in mir. Und es fühlte sich verdammt gut und mein Körper tat, was er immer tat, er sprang an unter seinen harten, wuchtigen Stößen, die mich gegen die Tischkante drückten und mich heftig durchschüttelten.


Ich presste meine Handflächen auf den Tisch und meine Fingernägel gruben sich in das weiche Holz. Fast hätte ich gelacht, ich verewigte mich gerade auf der Oberfläche seines Tisches. Aber nur einen kleinen Moment später vergaß ich jeden Gedanken an so etwas, Rouven änderte das Tempo und den Winkel, wurde langsamer und nun stieß nun irgendwie anders in mich. Ich biss mir auf die Lippen, das war so viel intensiver und besser und ein leises „Oh Gott, ja…“ kam aus meinem Mund.


„Ja, das ist geil", keuchte Rouven hinter mir, als hätte er endlich das richtige Maß an Geschwindigkeit und Härte gefunden. Er bewegte sein Becken nun fast gemächlich vor und zurück, fickte mich mit langen, aber kraftvollen Stößen und trieb mich nun wirklich hoch. Ich keuchte laut auf und presste meine Stirn auf den Tisch.


„Jaaaa…", seufzte ich gedehnt. „Genau so. Mach weiter so. Oh Fuck, jaaaa…“


Sein Schwanz traf nun irgendwie genau die richtige Stelle in mir und ich stieß lustvolle, kleine Laute aus, die ein bisschen wie das Miauen einer Katze klangen. Mir wurde immer heißer und heißer und meine Möse zog sich zusammen, mein ganzer Körper zog sich zusammen. Und er machte genau so weiter, wurde nicht langsamer und nicht schneller und das war genau richtig. Die Wellen in mir begannen von links nach rechts zu schwappen, sammelten sich und plötzlich fühlte es sich nicht nur gut, sondern einfach geil an. Und dann auf einmal kam ich, nicht hart und heftig wie sonst meistens bei dieser Art Sex. Nein, ich kam langsam, es steigerte sich, zog sich hin und explodierte dann.


„JA… JA…“, schrie ich laut auf, wand mich unter ihm, presste ihm meinen Hintern entgegen, trommelte mit den Fäusten langsam auf die Tischplatte. Dann hauchte ich ein langgezogenes und entspanntes „Oooooh jaaaa…“ und sackte ein bisschen in mich zusammen.


Aber Rouven hörte nicht auf, er fickte mich jetzt wieder schneller und härter, der Tisch wackelte nun heftig unter uns, und ich hoffte bloß, dass er nicht zusammenbrechen würde. Meine Körper zuckte immer noch, meine Möse zog sich zusammen, als ob sie noch nicht fertig wäre, als ob sie noch was zu erledigen hätte. Er stieß weiter unbeirrt in mich und als er mit einem lauten Aufkeuchen kam, kam auch ich nochmal und ich hörte mich leise wimmern vor Lust. Ich bebte und zitterte, neue Wellen rollten durch mich, heiß und intensiv, und ich konnte kaum atmen. Dann stand Rouven still, sein Körper schwer gegen meinen gepresst. Wir blieben einen Moment so stehen, beide keuchend und verschwitzt. Nach einer Weile, in der ich mich zu beruhigen versuchte, zog er sich aus mir zurück, striff das Kondom ab und entsorgte es im Mülleimer neben dem Tisch.


Ich richtete mich auf, zog meinen String hoch und richtete mein Kleid. Ich lehnte mich mit dem Hintern an die Tischkante, strich mir die Haare aus dem Gesicht und sah ihn noch immer schwer atmend an. Meine Beine zitterten ein bisschen, für einen kleinen Mittagsfick war das verdammt gut gewesen.


„Das war ziemlich geil", sagte Rouven und grinste typisch Mann ein bisschen sehr selbstgefällig.


„Ja, war es", gab ich zu und holte tief Luft. „Kriegt nicht jeder so hin.“


Er hob die Augenbrauen, fragte aber nicht, was genau ich damit meinte. „Kommst du mal wieder vorbei?" wollte er wissen. „So macht Mittagspause nämlich echt Spaß.“


„Vielleicht", sagte ich und zwinkerte ihm zu, nahm meine Tasche vom Tisch, ging durch den Laden Richtung Tür und griff meine Einkaufstüte mit dem roten Kleid darin. An der Tür drehte ich mich noch einmal um, er stand noch im Lagerraum und schloss grade seinen Gürtel.


„Tschüss, Unbekannte", rief er mir nach, als ich die Ladentür aufschloss und dann nach draußen schlüpfte.


---


Vor der Tür empfing mich die warme Mittagssonne. Ich atmete tief durch und spürte noch immer das Nachbeben in meinem Körper. Ich lachte leise und schlenderte weiter die Schulterstraße entlang.


Dann kam ich an einem Laden vorbei, dessen Schaufenster verspiegelt waren, so dass man nicht reinschauen konnte. Über dem Eingang stand in lockerer, geschwungener Schrift „Aphrodite“ und durch die angelehnte Tür hörte ich leise Musik. Ich zögerte einen kleinen Moment, dann ging ich hinein. Ich war einfach neugierig.


Eine junge Frau mit schulterlangen schwarzen Haaren saß hinter dem Tresen und scrollte durch ihr Handy. Als ich hereinkam, blickte sie auf und lächelte fröhlich. „Hallo", sagte sie und legte das Telefon weg. „Suchst du was Bestimmtes oder willst du dich erstmal umschauen?“


Ich ließ den Blick schweifen. Ehrlich gesagt hatte ich mir irgendwas Billiges mit grellen Neonröhren und schmuddeligem Charme vorgestellt, aber das hier war eine angenehme Überraschung. Warme, gedämpfte Beleuchtung tauchte alles in freundliches Licht, die Regale waren aus hellem Holz.


„Erstmal umschauen“, entschied ich und betrachtete eine Vitrine in der Nähe des Tresens. Die Sachen da drin wirkten eher wie Kunst als wie etwas, das frau wirklich benutzen konnte. Oder wollte. Ein goldener Vibrator, ein silberner Doppeldildo, ein mit kleinen Edelsteinen besetzter Cockring und ähnliches Zeug. Hätte glatt in einem Design-Museum ausgestellt werden können. Ich grinste.


„Okay“, sagte die Frau hinterm Tresen. „Falls du Fragen hast, ich bin hier.“


Ich schlenderte durch die Gänge und ließ meinen Blick schweifen. Es gab nichts, was es nicht gab. Massageöle, Gleitgele, Duftkerzen, Kondome, irgendwelche Folien und Bettlaken aus PVC, Vinyl oder Gummi. Der Bereich hier hätte auch in einer Drogerie stehen können.


In der Dessous-Abteilung blieb ich stehen. Spitzenunterwäsche in allen Farben hing an kleinen Bügeln, schwarze Bodies mit kunstvoll verschlungenen Mustern, rote Corsagen mit Schnürung, transparente Slips, Strapse, Strümpfe, ein Bustier aus nachtblauer Spitze mit goldenen Verzierungen.


„Da sind schöne Sachen dabei, oder?“, sagte die Verkäuferin, die sich mir genähert hatte. Sie trug enge Jeans ein schlichtes weißes Top, das ein bisschen Bauch zeigte. „Ich bin übrigens Lilly.“


„Anouk. Und ja, da sind schon nette Sachen dabei“, gab ich zu und berührte vorsichtig den Spitzenstoff eines Bodies. „Aber ich trag sowas eigentlich nicht.“


„Wirklich nicht?“ Sie musterte mich kurz. „Du würdest toll in sowas aussehen, Anouk. Aber das ist natürlich Geschmackssache.“


Ich zuckte mit den Schultern. „Bin eher der praktische Typ. BHs hasse ich ja schon wie die Pest.“


Sie grinste. „Kann ich verstehen. Wobei das hier ist ja eher was für besondere Momente ist.“


Ich ließ den Gedanken mal auf mich wirken, aber bei welchen Gelegenheiten sollte ich sowas tragen? Nein, war eindeutig nicht meins. In der nächsten Abteilung wurde es schon interessanter. Hier gab es Dildos, Vibratoren, Plugs, Liebeskugeln, Gags, Handschellen, Fesseln aus Leder und andere Dinge. Bei einigen der Dildos fragte ich mich, wie ich die in irgendeine meiner Körperöffnungen kriegen sollte.


Ein silberner Analplug mit einem funkelnden Kristall am Ende fiel mir ins Auge.


„Was macht der Kristall denn genau?", fragte ich neugierig und deutete darauf.


„Analplugs haben was“, sagte Lilly völlig ungeniert, als würde sie über Küchengeräte sprechen. „Der Kristall ist aber nur Dekoration. Allerdings ist der Plug ziemlich groß für den Anfang." Sie griff zu einem kleineren Modell aus weichem, schwarzem Silikon. „Falls du Einsteigerin bist, würde ich eher den hier empfehlen. Viel angenehmer."


„Aha." Ich betrachtete das Teil interessiert. „Und das da?" Ich deutete auf einen geschwungenen Vibrator mit einer ungewöhnlichen Form.


„G-Punkt-Vibrator. Absoluter Bestseller." Sie nahm ihn in die Hand und zeigte mir die Kurve. „Siehst du die Form? Die trifft im besten Fall genau die richtige Stelle, sehr beliebt bei unseren Kundinnen."


Ich überlegte. Ich war ich definitiv in einer Art experimenteller Stimmung und außerdem in Kauflaune. Warum eigentlich nicht mal was Neues ausprobieren? Ich hatte zwar meinen kleinen pinken Vibrator, aber den benutzte ich fast nie, echte Schwänze waren mir lieber.


„Okay", sagte ich schließlich trotzdem. „Ich nehm den kleinen Plug und den G-Punkt-Vibrator."


Lilly grinste auf. „Perfekt. Und du hast Glück, wir haben gerade eine Aktion für Neukundinnen. Einsteigersets." Sie ging zum Tresen und holte eine kleine Broschüre. „Beide zusammen plus hochwertiges Gleitmittel für vierzig Euro statt achtzig. Du musst nur unsere App installieren."


„Eine App?" Ich runzelte die Stirn, ich hatte gefühlt schon hundert Apps von Bäckern, Discountern, Supermärkten und anderen Läden installiert. Noch eine? Aber gut, für fünfzig Prozent Rabatt konnte man das ja machen.


„Für Produkttests, Bewertungen, so Zeugs. Dauert nur zwei Minuten." Sie hielt mir ihr Tablet hin. „Einfach QR-Code scannen, registrieren, fertig."


Ich holte mein Handy raus, scannte den Code und lud die App herunter. Nach einer kurzen Registrierung mit E-Mail und Handynummer war alles erledigt.


„Super", sagte Lilly und packte meine Sachen in eine diskrete schwarze Tüte. „Das Gleitmittel ist auf Silikonbasis, speziell für den Plug zu empfehlen. Und hier noch eine kleine Anleitung für beide Produkte." Sie beugte sich etwas näher und senkte die Stimme. „Kleiner Tipp von mir, wenn du beide zusammen benutzt, also den Plug und den Vibrator gleichzeitig..." Sie zwinkerte mir zu. „Echt geil."


Ich grinste zufrieden. Vierzig Euro für das, was normalerweise das Doppelte gekostet hätte. Nicht schlecht, auch wenn wieder ein weiteres Loch in meiner Kasse bedeutete.


„Ziemlich cooler Laden", meinte ich beim Bezahlen und steckte danach mein Handy wieder in meine Tasche.


„Find ich auch", grinste Lilly. „Und keine Sorge, die App nervt nicht mit Push-Nachrichten oder so. Nur gelegentlich mal Produktinfos oder Rabattaktionen." Sie zwinkerte mir zu. „Viel Spaß mit den Sachen…“

Kapitel 8: Ein heißer Tag


Draußen auf der Straße atmete ich tief durch. Inzwischen war es fast zwölf, und ich bekam Lust auf Kaffee. In einer kleinen Seitenstraße entdeckte ich ein winziges Café. "Bohne & Blatt" stand auf einem handgemalten Schild. Durch das Fenster sah ich gemütliche Sessel und alte Holztische. Ich saß eigentlich gerne draußen, aber einen Außenbereich gab es leider nicht, also ging ich rein, vielleicht war es drinnen ja kühler, es war schon wieder ganz schön warm geworden.


Im Café war es ruhig, nur wenige Gäste. Eine Frau mit langen braunen Haaren stand hinter dem Tresen und bediente eine alte Siebträgermaschine, die aussah, als wäre sie schon hundert Jahre alt. Aber hinter ihr sah ich einen modernen Kaffeeautomaten.


„Einen Latte Macchiato bitte“, sagte ich zu ihr. „Kann ich mich einfach irgendwo hinsetzen?“


„Klar“, sagte sie. Ich schätzte sie auf Anfang dreißig, sie trug ein kleines Schild mit dem Namen „Nele“ an ihrer Bluse. „Such dir einen freien Platz aus. Dein Latte Macchiato kommt sofort." Sie lächelte und begann, die Milch aufzuschäumen. „Den Kaffee rösten wir übrigens selbst. Fair trade, bio, direkt aus Kolumbien.“


Ich setzte mich an einen Fensterplatz, legte die beiden Papiertüten mit meinem neuen Kleid und den Spielzeugen auf den Stuhl neben mir und beobachtete die Leute draußen. Ein älterer Herr mit Hut und Gehstock spazierte vorbei, als käme er aus einer anderen Zeit. Zwei Mädchen in Punk-Kluft teilten sich eine Zigarette. Ein junger Mann mit Gitarre auf dem Rücken schlenderte gemächlich am Café vorbei, wahrscheinlich suchte er einen Platz, um Straßenmusik machen.


„Und hier ist dein Latte", sagte Nele fröhlich und stellte mit einem Lächeln eine große Tasse vor mir ab. Der Milchschaum war zu einem Herz geformt.


„Danke“, sagte ich und lächelte zurück, diese Frau war wirklich ein Sonnenschein. Der Latte schmeckte ziemlich gut, besser als in dem Café, in dem ich arbeitete.


Am Nebentisch saß ein Mann, vielleicht Mitte dreißig, mit kurzen, dunklen Haaren und einer randlosen Brille. Er tippte auf einem Laptop herum und trank schwarzen Kaffee. Gelegentlich sah er auf, und unsere Blicke trafen sich. Er hatte tolle Augen, tiefblau, so ähnlich wie Kobalt.


„Arbeiten Sie hier öfter?", fragte ich nach einer Weile schließlich.


„Ziemlich oft", antwortete er und klappte den Laptop zu. „Ich bin Autor. Freiberuflich. Und hier ist es meistens ruhig genug zum Arbeiten, auf jeden Fall ruhiger als zu Hause." Er grinste schief.


„Was schreiben Sie denn so?“ fragte ich neugierig, wenn jemand was Kreatives machte, würde ich eigentlich immer neugierig.


„Kolumnen hauptsächlich“, antwortete er mit einem bescheidenen Lächeln. „Nichts wirklich Weltbewegendes. Meist Geschichten über Alltägliches. Ich habe eine Kolumne über Dinge, die in Cafés passieren, über Menschen, die sich zufällig treffen, die ins Gespräch kommen. Mal lustig, mal skurril, mal traurig. Wie das Leben. Erscheint jeden Sonntag. Nebenbei arbeite ich an einem Roman.“


Ich lachte. „So wie wir gerade ins Gespräch kommen?" wollte ich wissen, stand auf, nahm meinen Latte, um mich zu ihm zu setzen. „Darf ich?“


Er nickte. „Gerne“, sagte er. „Und ja, genau wie wir gerade." Seine Augen blitzten amüsiert auf. "Darf ich fragen, was Sie… was du beruflich machst? Ich bin Torben. Mir ist das ‚Du‘ lieber, wenn du nichts dagegen hast.“ Er reichte mir über den Tisch hinweg die Hand


„Anouk“, antwortete ich, ergriff seine Hand und drückte sie. Sie war warm und trocken mit langen Fingern. Dann strich ich mir ein paar Locken aus der Stirn. „Ich arbeite in einem Café. Als Kellnerin.“


„Aha“, machte er mit einem Grinsen. „Dann kennst du dich also aus mit Menschen, die wie ich zu viel Kaffee trinken, stundenlang rumsitzen und vorgeben, sie würden arbeiten.“


„Aber sowas von“, lachte ich und beugte mich etwas vor. Sein Blick fiel kurz in mein Dekolleté, aber das störte mich nicht, das störte mich nie, im Gegenteil. Und ich mochte seine ruhige Art, seine Selbstironie. Er war kein Mann, bei dem ich sofort den Drang verspürte, mit ihm zu vögeln, aber er war sympathisch und manchmal ergab sich daraus irgendwann doch etwas. „Was für einem Raum schreibst du denn?“


„Eine Geschichte über eine junge Frau, die nach einem Spa-Besuch durch die Stadt bummelt, shoppen geht und am Ende in diesem Café landet“, antwortete er und sah mich versonnen an.


Ich verschluckte mich fast an meinem Latte. "Was? Woher weißt du das denn nun?“


„Du duftest nach Jasmin und Kokosöl“, sagte er grinsend. „Und du wirkst sehr entspannt, so fühl ich mich immer nach einer Behandlung oder Massage. Und außerdem warst du in dem Vintage-Shop um die Ecke.“ Er deutete auf meine Papiertüten. „Neue Klamotten schätze ich. Und die schwarze Tüte, da tippe ich mal auf ‚Aphrodite‘. Oder liege ich da falsch?“


„Du bist… ähm… sehr aufmerksam“, grinste ich. Ein Mann, der Spas besuchte und Klamottengeschäfte und Sexshops für Frauen kannte. Das war ja mal ganz was anderes. Ob er wohl auch an irgendwas merkte, dass ich vor einer halben Stunde oder so gevögelt hatte?


„Berufskrankheit“, lachte er. „Noch einen Latte? Ich bin neugierig auf dich, muss ich zugeben. Ich würde gerne mehr erfahren über diese junge Frau, die vormittags nach Wellness riecht, sich Kleidung kauft und in Sexshops stöbert.“


Ich sah auf die Uhr. Kurz nach halb eins, um zwei musste ich im Café sein und ich wollte noch kurz nach Hause, mich umziehen. „Ein andern mal“, sagte ich lächelnd und stand auf. „Ich muss leider los zur Arbeit“


Er nickte, er schien nicht enttäuscht. Als ich dann aufbrach, gab er mir seine Karte. Eine Visitenkarte. Wer benutzte denn sowas heute noch? Sehr old school, aber irgendwie hatte es auch was. "Falls du mal Lust auf einen Kaffee hast", sagte er. "Du wärest eine prima Inspiration für meine nächste Kolumne."


„Oder Korrekturleserin", erwiderte ich grinsend. "Ich bin schließlich vom Fach.“ Aus einem Impuls heraus gab ich ihm meine Nummer, obwohl ich das seit Kays WhatsApp-Nerverei eigentlich nicht mehr machte.


Draußen war die Mittagssonne inzwischen so richtig heiß geworden, ich hielt mich im Schatten, so gut es ging, ich hatte mich nicht mit Sonnenschutz eingecremt und keine Lust auf Sonnenbrand. Konnte ich echt nicht brauchen, bei meinem letzten vergangenen Sommer hatte ich nicht mal mehr das Verlangen nach Sex gehabt. Und das mir.


Die S-Bahn brachte mich zurück nach Ottensen. Der Zug hatte eigentlich eine Klimaanlage, die war aber dummerweise ausgefallen und ich schwitzte schnell wie ein Schwein wie alle anderen auch, mein Kleid klebte an meiner Haut. Während der Fahrt betrachtete ich Torbens Karte. "Torben Bergmann - Autor". Eine schlichte Visitenkarte, passte zu ihm. Vielleicht würde ich ihn mal anrufen. Vielleicht auch nicht. Aber es war nett zu wissen, dass es die Möglichkeit gab.


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In der WG war es still. Frida war entweder arbeiten oder in der Bibliothek, Lernen für ihren Test. Eine Nachricht hatte sie nicht hinterlassen und mir auch keine Nachricht geschickt. Etwas ungewöhnlich, kam aber vor. Ich ging in mein Zimmer, stellte die Tüten auf mein Bett. Das rote Kleid hängte ich in meinen Kleiderschrank, es würde irgendwann mal seinen großen Auftritt bekommen. Die schwarze Tüte mit den Sextoys schob ich unter mein Bett, die würde ich in Ruhe ausprobieren.


Ich sah auf mein Handy. 13:20 Uhr. Passte. Noch genug Zeit bis zur Arbeit. Kurz abduschen, was anderes anziehen, so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Nach der schnellen Dusche entschied ich mich für ein ärmelloses, eher locker sitzendes Croptop, einen kurzen Rock, der hart an der Grenze dessen war, was meine Chefin Teresa an Kürze akzeptierte, dazu flache Sandalen. Meine Haare zwängte ich einen Pferdeschwanz. Ich verzichtete auf Make-up, das überstand die vierzig Grad im Inneren des Cafés sowieso nicht, nur etwas Sonnencreme. Wie gesagt, wer brauchte schon Sonnenbrand.


13:30 Uhr. Perfektes Timing. Ich schnappte mir meine kleine Umhängetasche, die große Bag, die ich sonst mitnahm, würde mich bei der Hitze nur nerven, bei Hitze nervte mich sowas schnell, und verließ die WG. Draußen war es noch heißer geworden. Die Sonne brannte nun vom wolkenlosen Himmel und es würde noch heißer werden, sagte meine Wetter-App. Aber in meiner luftigen Kleidung würde ich auch diesen Arbeitstag schon irgendwie überstehen. Der Weg zum Café war kurz, ich war 13:47 Uhr da. Ich hatte also noch dreizehn Minuten, um mich auf die Schicht einzustellen, bevor der Nachmittagsrush losging. Es würde eine lange, heiße Schicht werden, sechs Stunden bei dieser Hitze. Aber irgendwoher musste das Geld ja kommen, das den Kühlschrank füllte.


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Um 14 Uhr band ich mir die Schürze um die Hüften und atmete einmal tief durch. Nach dem entspannten Vormittag bei Yuki hatte ich mich verdammt gut gefühlt und dieses warme Kribbeln im Körper von dem, was zwischen uns passiert war, kehrte immer wieder zurück. Ich hatte Yuki immer cool gefunden, aber dass sie mal ihre Finger in meine Möse stecken, mich lecken und zum Orgasmus bringen würde, das war in meiner kleinen Welt eigentlich nie eine Option gewesen. Frauen waren meistens komplizierter als Männer, allein deswegen ließ ich mich eher selten darauf ein, obwohl ich schöne Frauenkörper mochte. Auf jeden Fall dachte ich mehr an Yuki als an Rouven, obwohl der Fick mit ohm nun wirklich nicht übel gewesen war.


Das Café war schon gut besucht, trotz der Hitze. Oder eher gerade deswegen, alle suchten Schatten, den die großen Schirme im Außenbereich boten. Drinnen saß bei den Temperaturen absolut niemand mehr, viel zu heiß. Lustigerweise bestellten bei der Hitze immer noch viele Kaffee in allen möglichen Variationen, als ob man Hitze mit Gegenhitze bekämpfen müsste.


Ich griff mir Tablet und Tablett und ging zu Tisch drei, wo ein Mann mittleren Alters mit seinem Laptop saß und dabei aussah, als würde er gleich pfeifen wie ein Teekessel.


„Kann ich noch etwas bringen?", fragte ich und beugte mich mit einem Lächeln etwas zu ihm. „Noch einen Kaffee? Oder was Kühles?“ Er war Stammkunde, arbeitete irgendwas mit Versicherungen oder so und gab großzügig Trinkgeld, wenn man ein bisschen nett zu ihm war.


„Gerne", murmelte er und rieb sich die Augen. „Ich brauch mehr Koffein. Dieser Mist hier macht mich wahnsinnig.“


„Ist Ihnen nicht gut?", fragte ich mitfühlend und strich mir eine Locke hinters Ohr. „Bei der Hitze kein Wunder."


„Die Arbeit bringt mich um", seufzte er und sah mich an „Zahlen, Formulare und noch mehr Zahlen."


„Dann sind Sie bei mir richtig", lächelte ich. „Kaffee löst alle Probleme. Zumindest für die nächsten zwei Stunden."


Er lachte tatsächlich. „Das wäre schön."


„Der stärkste Kaffee im Viertel kommt sofort", versprach ich und zwinkerte ihm zu.


An Tisch acht saß eine junge Mutter mit ihrem Kleinkind, das quengelte und mit dem Löffel auf den Tisch hämmerte. Die Frau war echt hübsch, sah aber ziemlich gestresst aus, ihre Haare klebten ihr schweißnass an der Stirn.


„Alles in Ordnung?", fragte ich sanft. „Kann ich was für den kleinen Mann hier tun?"


„Er will nicht trinken", sagte sie resigniert. „Zu heiß, zu kalt, zu süß, ich weiß nicht mehr weiter."


Ich hockte mich auf Augenhöhe des Kindes hin, machte eine Grimasse. Der Kleine hörte auf zu weinen und sah mich neugierig an.


„Hallo du", sagte ich mit übertrieben hoher Stimme. „Ich bin Anouk. Und du bist ein ziemlich cooler Typ, was?"


Das Kind grinste und griff nach meinen Haaren, ich wich mit einem übertrieben entsetzten Gesichtsausdruck aus und wir lachten gemeinsam.


Die Mutter atmete erleichtert auf. „Sie haben den Dreh raus", sagte sie dankbar.


„Ich mag Kinder, ich kann ganz gut mit ihnen", sagte ich mit einem Zwinkern. Das stimmte nur halb, ich kam wirklich ganz gut mit ihnen klar, das mit dem Mögen war so eine Sache. Ich mochte ja auch nicht jeden Erwachsenen, warum sollte ich jedes Kind mögen? Aber ein bisschen Theater gehörte zum Job. „Und er ist wirklich süß. Wie heißt er denn?"


„Leon“, erwiderte seine Mutter und zuckte mit den Schultern. „Und er ist normalerweise eigentlich nicht so... dramatisch."


„Die Hitze macht alle verrückt", sagte ich verständnisvoll. „Soll ich ihm einen Becher mit Eiswürfeln bringen? Zum Spielen?"


Leon klatschte begeistert in die Hände. Seine Mutter lächelte. „Das wäre toll. Vielen Dank."


Um vier kam Herr Matthiesen, pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk. Er setzte sich an seinen Stammplatz, legte Hut und Stock ordentlich ab und nickte mir zu wie einer alten Verbündeten.


„Das Übliche, Anouk", sagte er mit seinem gewohnten Lächeln.


Ich brachte ihm den doppelten Espresso und das Glas Wasser. Seine Hand zitterte wie immer leicht beim Greifen, aber ich fragte mich, ob das nicht auch ein bisschen Show war.


„Heiß heute", stellte er fest und fügte mit seinem typischen Schmunzeln hinzu: „Und du siehst noch heißer aus."


Ich lachte, wie ich es immer tat. „Ach, Herr Matthiesen", sagte ich lachend. „Ich ziehe mich doch nur für Sie so heiß an."


Er gackerte vor Vergnügen. „Du kleine Schmeichlerin. In meinem Alter höre ich sowas gerne."


„In jedem Alter hört man sowas gerne", gab ich zurück. „Aber bei Ihnen meine ich es ernst."


„Das sagst du nur, weil ich dir immer so großzügige Trinkgelder gebe“, meinte er, seine Augen blitzten vergnügt.


„Nein", sagte ich gespielt empört. „Ich sage das, weil Sie der charmanteste Mann hier sind. Das Trinkgeld ist nur ein schöner Nebeneffekt."


Er grinste über das ganze Gesicht und zwinkerte mir zu. „Du machst einem alten Mann eine Freude."


„Sie sind nicht alt, Sie sind erfahren. Das ist ein Unterschied“, lachte ich und ging zum nächsten Tisch


Gegen fünf wurde es richtig voll. Die Nach-Feierabend-Welle rollte an. Keine Ahnung, warum das oft so war, Sinn machte es ja nicht, es war ja sowieso fast Zeit fürs Abendessen. Viele kamen, um nach der Arbeit einen Kaffee zu trinken. Kuchen ging zu dieser Zeit überhaupt nicht mehr, dafür Eis umso besser


An Tisch neun saß ein Typ, den ich noch nie gesehen hatte. Ende zwanzig, gut aussehend, teure Uhr. Er starrte mich ziemlich ungeniert an, während ich zwischen den Tischen hin und her lief.


„Was kann ich Ihnen bringen?", fragte ich, als ich bei ihm ankam und ihn anlächelte wie jeden anderen neuen Gast auch.


„Kaffee", sagte er und ließ seinen Blick über mich wandern. Er hatte braune Augen, als Mann war er wirklich attraktiv, hatte aber etwas Arrogantes an sich. Er war einer von denen, die völlig von sich überzeugt waren. „Und du kannst mir auch was anderes geben."


Ich setzte mein professionellstes Lächeln auf, das ich für solche Typen reservierte. Eine kleine Spur Arroganz war ja okay, aber wenn einer glaubte, ich würde springen, nur weil er mit dem kleinen Finger winkte, dann hatte er sich geschnitten. „Das kommt darauf an, was Sie meinen."


„Deine Nummer“, sagte er mit einem ganz annehmbaren Lächeln, aus dem er leider diese Selbstgefälligkeit nicht raus bekam. Aber immerhin sehr direkt, das musste ich ihm lassen. Eigentlich mochte ich sowas ja, aber an dem Kerl störte mich eine ganze Menge. Das merkte man ja schon daran, dass ich beim „Sie“ blieb.


„Tut mir leid", sagte ich zuckersüß. „Die gibt's nicht zum Kaffee dazu. Die muss man sich verdienen.“


„Aha", grinste er und lehnte sich zurück, was wieder etwas großkotzig aussah. „Und wie macht man das?“


„Also, wenn Sie das nicht wissen“, sagte ich, stemmte meine Hände vor ihm auf den Tisch und beugte mich zu ihm vor. „Dann kann ich Ihnen leider auch nicht helfen.“ Ich richtete mich wieder auf und strahlte ihn förmlich an. „Kaffee?“


Er nickte, sah aber recht schmallippig dabei aus, er war Abfuhren scheinbar nicht gewohnt. „Kaffee“, bestätigte er.


„Eine weise Entscheidung", antwortete ich. „Den kann ich Ihnen auf jeden Fall bringen."


Am Nebentisch saß ein älteres Ehepaar, das das ganze Gespräch mitgehört hatte. Die Frau grinste mir zu, als ich vorbeiging.


„Gut gekontert", flüsterte sie. Sie mochte um die sechzig sein mit langen, eisgrauen Haaren. Sie sah gut aus.


„Übung", flüsterte ich zurück und zwinkerte.


An Tisch sechs saß ein Mann, vielleicht 50, gut gekleidet, Anzug ohne Krawatte. Er trank langsam seinen Espresso und beobachtete mich bei der Arbeit.


„Noch einen Espresso?", fragte ich, als ich bei ihm vorbeikam.


„Gerne. Und..." Er zögerte. „Darf ich Ihnen ein Kompliment machen?"


„Immer gerne“, sagte ich und blieb stehen.


Er sah mich eingehend an. „Sie haben eine tolle Ausstrahlung“, meinte er mit einem Lächeln. „Sie scheinen immer gut gelaunt.


„Danke." Ich lächelte ihm zu. „Das Leben ist zu kurz für schlechte Laune."


„Eine sehr gute Einstellung." Er griff in seine Brieftasche. „Hier, für den guten Service. Und für Ihre Lebenseinstellung.“


Er gab mir einen Zehn-Euro-Schein für zwei Drei-Euro-Espressi. Nicht schlecht. So ging das, man musste sich auf die Leute nur ein bisschen einlassen.


Gegen sechs tauchte Teresa auf, meine Chefin. Sie war Anfang vierzig, schwarze Haare, dunkle Augen, grade braungebrannt aus dem Urlaub zurück. Sechs Wochen Mexiko, Cafébesitzerin mit mexikanischen Wurzeln müsste man sein. Sie sah mich skeptisch an, als sie mein Outfit musterte.


„Ist der Rock nicht etwas kurz für die Arbeit, Anouk?", fragte sie. „Und das Top auch?“


„Find ich nicht“, sagte ich so diplomatisch wie ich konnte. „Es ist bequem und luftig, drinnen krieg ich sonst einen Hitzeschlag.“ Den Hinweis, dass sie ja für Klimatisierung im Innenraum sorgen konnte, sparte ich mir mal. Ich grinste breit „Und den Kunden scheint’s zu gefallen, ich hab heute ziemlich viel Trinkgeld bekommen.“


„Ich möchte nicht wissen, wie viele von der Kerlen nur wegen Anouk hierherkommen“, warf meine Kollegin Fiona im Vorbeigehen ein, ein Tablett mit leeren Tassen und Tellern vor ihrem ausladenden Brüsten balancierend.


Teresa seufzte. „Solange es angemessen bleibt..." Sie war erzkatholisch und es gefiel ihr nicht, dass man für Titten, Beine und Arsch bessere Trinkgelder bekam. Ihrer Meinung nach sollte es die für Freundlichkeit und guten Service geben, aber man kriegte die eben für Freundlichkeit, guten Service und Titten, Beine, Arsch. Sehr realistisch war Teresa nicht immer.


„Klar, Chefin", versicherte ich mit meinem unschuldigsten Blick. Teresa murmelte was wie „Ich muss die Gehälter vorbereiten“ und verschwand in ihr kleines Büro. Ich grinste ihr nach, Fiona kicherte leise.


An Tisch sieben saß eine Gruppe von drei Studentinnen, alle mit Laptops und Büchern bewaffnet. Zumindest kamen sie rüber wie Studentinnen. Eine von ihnen, eine echt hübsche Brünette, sah immer wieder zu mir rüber.


„Noch etwas zu trinken?", fragte ich, als ich bei ihnen vorbeikam.


„Gerne", sagte die Brünette und lächelte mich warm an, verdächtig warm. „Arbeitest du hier schon lange?"


„Ein paar Monate", antwortete ich und lächelte zurück. „Studierst du hier in Hamburg?“


Sie lachte, ein helles, fröhliches Lachen. „Ja, Uni Hamburg. Psychologie." Sie zögerte kurz. „Ich bin öfter hier, aber du bist mir noch nie aufgefallen."


„Dann bist du zur falschen Zeit hier", gab ich frech zurück. „Du wärst mir definitiv aufgefallen.“


Sie lachte hell auf, sie war wirklich hübsch. Ihre Haare hatten so einen schokoladigen Dunkelbraun-Ton, ihre Augen eher Richtung Haselnuss. Ihr Gesicht war schmal, kleine Nase, volle Lippen. Und sie hatte etwas Interessantes an sich, eine gewisse Ausstrahlung, ruhig wie Fridas, aber da lag noch etwas drunter. Männer mochten auf Titten, Beine und Arsch schauen, ich achtete bei Frauen auf sowas.


„Muss wohl“, meinte sie. „Bin meistens morgens hier, vor der Uni. Ich wohne hier in der Nähe. Wann arbeitest du denn normalerweise?" Sie sah mich an, strich sich eine schokobraune Strähne aus der Stirn.


Wir plauderten noch ein Minütchen, sie hieß Madeleine, passte zu ihr. Ich nannte ihr meine Arbeitszeiten, sah das Interesse in ihren Augen aufblitzen. Ihre beiden Kommilitoninnen schienen unseren kleinen Flirt gar nicht zu registrieren. Ich nahm noch die Bestellungen auf und ging weiter. Nett. Vielleicht würde ich sie ja mal wiedersehen.


Kurz vor achtzehn Uhr kam ein Geschäftsmann rein, Mitte vierzig vielleicht, komplett im Anzug trotz der Hitze, sogar mit Krawatte. Es kühlte irgendwie überhaupt nicht ab. Er setzte sich an einen Tisch, bestellte einen Espresso und ein Stück Kuchen.


„Kuchen ist leider aus“, sagte ich bedauernd. „Und warme Küche haben wir nur am Freitag und Samstag ab acht Uhr.“


Er seufzte leise, es klang irgendwie resigniert. „Heute klappt nicht so besonders viel“, meinte er. „Dann nur den Espresso, aber einen doppelten.“


„Langer Tag?", fragte ich mitfühlend, als ich kurz darauf mit seiner Bestellung zurückkam und ihm seinen Espresso servierte.


„Der längste", stöhnte er. „Konferenz auf Konferenz. Manchmal frage ich mich, warum ich das überhaupt mache."


„Für Geld?", schlug ich vor. „So wie ich das hier? Wobei es mir wenigstens noch Spaß macht im Gegensatz zu Ihnen.“


„Vermutlich fürs Geld." Er lachte bitter. „Dabei wollte ich mal Musiker werden. Hat irgendwie nicht geklappt.“


„Ist doch nie zu spät“, sagte ich und lehnte mich an den Tisch. „Was für Musik denn?“


„Rock. Ich bin Bassist." Seine Augen leuchteten kurz auf. „Oder war es. Ich spiele noch manchmal, abends zu Hause für mich alleine. Bis vor ein paar Jahren war ich noch in einer Band. So als Hobby, wir sind durch Norddeutschland getingelt. War eine geile Zeit.“


„Dann sind Sie ja noch Musiker. Sie haben nur einen Nebenjob im Büro“, sagte ich. Ich hatte keine Ahnung, warum viele Leute bei mir immer so redselig wurden, vor allem unzufriedene Männer und das hier war wieder so einer.


Er sah mich an und lächelte jetzt sogar. „So habe ich das noch nie betrachtet."


„Perspektive ist alles", grinste ich fröhlich. „Vielleicht sollten Sie mal wieder öffentlich spielen. Gibt doch genug kleine Clubs. Das Aalhaus oder Monkeys Music Club hier in Ottensen zum Beispiel.‘


„Ich sollte die Jungs mal wieder aktivieren", sagte er und lachte nun. „Vielleicht mache ich das wirklich."


„Sollten Sie“, sagte ich. Das waren so die kleinen Begegnungen, die mir wirklich Spaß machten. Aber die Schicht war auch anstrengend. Meine Füße schmerzten trotz der Sandalen, meine Haare klebten im Nacken und ich war durchgeschwitzt.


Die letzten beiden Stunden vergingen zum Glück schnell. Ab sechs wollte kaum noch jemand Kaffee, es wechselte eher auf Cola oder Bier. Gegen 19:30 wurde es dann ein bisschen ruhiger, die Hitze ließ auch endlich etwas nach, aber das Café war immer noch gut besucht...

Kapitel 9: David


An Tisch zwei saß ein Mann allein, dunkle, kurze Haare, groß und schlank, vielleicht Mitte dreißig, Künstlertyp. Er skizzierte etwas in ein Notizbuch und sah gelegentlich zu mir rüber.


„Was zeichnen Sie da?", fragte ich, als ich seinen leeren Kaffeebecher abräumte. Ich wägte immer ab, ob ich jemanden duzte oder siezte und bei Unbekannten Mitte dreißig war es eben das „Sie“.


„Die Szenen hier drin", antwortete er und drehte das Buch zu mir. „Das Licht, die Menschen, die Stimmung."


Auf den Seiten sah ich verschiedene Skizzen, Gäste an Tischen, Fiona, meine Chefin. Er blätterte um, auf der nächsten Seite erkannte ich mich selber, von Kopf bis Fuß.


„Das bin ja ich", stellte ich fest und hob beide Augenbrauen. „Warum zeichnen Sie mich?“


„Weil Sie auffallen", sagte er schlicht und lächelte. „Gute Motive fallen immer auf. Mir zumindest. Und wem Sie nicht auffallen, der ist blind.“


Ich musste lachen und zeigte auf den freien Stuhl an seinem Tisch ihm gegenüber. „Danke fürs Kompliment. Darf ich?"


„Natürlich“, sagte er ruhig und nickte mir zu. Es war 19:51 Uhr, die letzten neun Minuten würde das Café auch ohne mich schaffen, dieser Mann interessierte mich, so wie mich immer alles interessierte, was mit Kunst und Kreativität zu tun hatte. Also setzte ich mich zu ihm, stütze mein Kinn in meine Hände und sah ihn an.


„Sind Sie Künstler?" fragte ich. „Oder ist das ihr Hobby?“ Ich deutete auf die Zeichnung von mir, die ich verdammt gut getroffen fand. Für ein Hobby schien er mir zu gut zu sein.


„Illustrator und Fotograf“, antwortete er und erwiderte meinen Blick ganz offen, da war keine der typischen Reaktionen auf mich zu spüren. Im Großen und Ganzen gab es drei Typen von Männern, die sich für mich interessierten. Die, die sich trauten, mich anzusprechen und die, die sich das nicht trauten. Die erste Gruppe wollte meistens einfach nur Sex und war offensiv genug, es zu versuchen. Damit war ich fein. Wie Jan vom Montag zum Beispiel. Oder der Jogger im Fischers Park und später der Abstellraum-Typ. Bei der zweiten Gruppe erfuhr ich nie, was sie wollten. Sie sprachen mich ja nicht an, sie betrachteten mich einfach nur, oft den ganzen Abend. Vielleicht wollten sie auch nur Sex, vielleicht wollten sie mehr. Aber dann gab es noch die dritte Gruppe, die ich nicht einschätzen konnte. Und zu dieser gehörte dieser Mann hier.


„Ich bin Freelancer“, fuhr er fort. „Nehme Aufträge an und setze sie um. Ich mache Digital Art für Streaming-Plattformen und Social Media Content für Musiker, Clubs und kleinere Labels, manchmal Konzert- und Event-Poster für Bands und Cover für Bücher. Und Urban Sketching, aber das ist mein eigenes Ding.“


Er grinste breit, als er meinen faszinierten Gesichtsausdruck sah. „Kommst du noch mit oder hänge ich dich grade ab?“ wechselte er einfach zum „Du“.


„Was ist Urban Sketching?“ fragte ich und ich wusste selber, dass ich begann, in den Paarungsmodus zu wechseln, aber ich konnte nichts dagegen tun. Wollte ich auch gar nicht, dieser Mann machte mich an, einfach nur, weil er der war, der er war.


Er lachte leise und ich war sicher, dass er merkte, dass ich an seinen Lippen hing. „Ich zeichne die Stadt. Setze mich einfach irgendwo hin. Cafés, Parks, Straßen. Und skizziere, was ich sehe. Menschen wie dich zum Beispiel.“ Er lächelte. „Klingt cooler als es ist. Meistens sitze ich einfach nur rum und beobachte. Manche sagen, das ist Kunst. Ich sage, es ist meine Ausrede, den ganzen Tag Kaffee zu trinken und interessante Frauen wie dich in einer Zeichnung einzufangen.“


„Ich bin also interessant?“ fragte ich und fühlte mich ein bisschen atemlos, spürte meine Nippel unter dem lockeren Top und auch dieses Kribbeln in meinem Schoß. Was war das denn jetzt? Wurde ich etwa geil, nur weil er über seine Kunst redete? Wenn es so war, dann war es so, ich dachte nicht weiter drüber nach. Ich legte den Kopf schief und spielte mit einer Locke meiner roten Mähne.


Er nickte. „Auf jeden Fall interessant genug, um dich auf einen Drink einzuladen, wenn du hier Feierabend machst.“


Ich sah auf die Uhr an der Wand. Schon zehn nach acht. Die Zeit war einfach verflogen, während wir uns unterhalten hatten. Er war jemand, dem ich gerne zuhörte.


„Ich hab jetzt Feierabend", sagte ich. „Wo wolltest du denn hingehen?"


„Ich kenne eine Bar. Nicht weit von hier, ruhig, gutes Bier." Er lächelte schief. „Perfekt zum Unterhalten."


„Klingt gut." Ich stand auf. „Ich muss nur noch schnell abrechnen. Wartest du draußen?"


„Klar." Er packte sein Skizzenbuch ein. „Ich bin übrigens David"


„Anouk", sagte ich und sah ihm nach. Wirklich interessanter Typ, wobei ich gar nicht so genau hätte sagen können, was ich an ihm interessant fand.


Ich ging zurück ins Café. Abrechnen, Tablet und Bargeld abgeben, Trinkgeld einsacken. Wie immer.


„Neuer Verehrer?", fragte Fiona grinsend, die neben mir ihre Abrechnung machte. Sie hatte natürlich mitbekommen, wie lange ich mit David geredet hatte.


„Wird nur ein Drink", sagte ich, grinste aber dabei, wahrscheinlich würde es eher mehr werden.


„Klar. Nur ein Drink. Wie immer bei dir." Sie zwinkerte. „Der sieht gut aus. Vielleicht ein bisschen alt für dich.“


„Hast du mich jemals mit einem aus meiner Altersklasse abhängen sehen?“ fragte ich lachend. „Er ist übrigens Künstler. Illustrator und Fotograf."


„Oho, ein Kreativer." Fiona grinste breiter. „Pass bloß auf, die sind gefährlich. Die Typen glauben, sie kriegen dich mit ihrem kreativen Kram rum."


„Klappt vielleicht sogar", sagte ich und nahm meine Tasche.


„Viel Spaß, Süße." Fiona stieß mich leicht mit der Schulter an. „Und denk dran, Künstler ficken gut, sind aber arm."


Ich lachte und ging nach draußen.


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David lehnte entspannt an der Hauswand, sein Skizzenbuch unter dem Arm. Er ließ seinen Blick über mich schweifen und ich sah etwas in seinen Augen aufblitzen. Ihm gefiel eindeutig, was er sah. Und das gefiel mir. „Bereit?", fragte er.


„Immer", sagte ich und hakte mich bei ihm unter. Wir liefen die Straße entlang, an Restaurants und Kneipen vorbei, aus denen Stimmen und Gelächter drangen. Nach ein paar Minuten bogen wir in eine ruhigere Nebenstraße ab. Die Bar lag in einem Eckhaus, unscheinbar, mit einer kleinen Leuchtreklame über der Tür: „Zum Blauwal".


„Hier ist eine Bar?", fragte ich erstaunt. Es gab scheinbar noch Ecken in Ottensen, die mir bisher entgangen waren. „Kannte ich noch gar nicht."


„Genau das ist es ja", sagte David und öffnete die Tür. „Den Blauwal kennen nicht mal alle Einheimischen, ich hab hier noch nie einen Touri gesehen."


Drinnen war es klein und gemütlich. Ich sah zehn, zwölf Plätze an einer langen Holztheke und gegenüber davon ein paar Tische mit alten Stühlen. An den Wänden hingen alt aussehende Fotos, darauf Schiffe im Hafen und Fischer bei der Arbeit, irgendwie Hamburg vor Jahrzehnten. An der Decke Lampen, die schummriges Licht in den Raum warfen, und auf ein paar Tischen brannten Kerzen. Der Blauwal hatte ein bisschen Ähnlichkeit mit dem Ankerlicht.


„Was trinkt ihr?", fragte die Frau hinter dem Tresen. Sie trug ein ärmelloses, weißes Oberteil und ihre schwarze Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Sie mochte Mitte dreißig sein und hatte graublaue Augen.


„Zwei Bier, Mira", sagte David und ich hörte die Vertrautheit in seiner Stimme. Er war also öfter hier.


„Rothaus oder Pale Ale?“ fragte Mira. „Das Pale Ale ist von der Brauerei Altona.“


„Zwei Pale Ale", entschied David und sah mich fragend an. Ich nickte und setzte mich auf einen Barhocker, das Leder warm und abgewetzt. Auch wie im Ankerlicht.


Mira zapfte zwei Gläser, stellte sie vor uns hin. David legte Geld auf die Theke, sie verschwand ans anderen Ende der Theke, wo drei Männer um die siebzig Skat spielten.


„Du bist also Stammgast hier?", fragte ich und trank einen Schluck. Das Bier war eiskalt und schmeckte etwas herb.


„So ähnlich", sagte David. Ich komme vorbei, wenn ich in der Gegend bin. Mira lässt mich in Ruhe und stört mich nicht mit Smalltalk." Er lächelte. „Sie hat sogar ein paar meiner Zeichnungen an den Wänden hängen. Irgendwo da hinten."


Ich sah mich um, entdeckte sie zwischen den alten Fotos. Skizzen von Menschen an Theken, in Cafés und auf der Straße. „Die sind gut", sagte ich.


„Danke." Er trank einen Schluck. „Hab ich ihr geschenkt."


„Darf ich mal durchblättern?", fragte ich und deutete auf sein Skizzenbuch.


„Klar." Er schob es zu mir rüber, unsere Finger berührten sich kurz und ein Kribbeln durchfuhr mich.


Ich blätterte langsam durch die Seiten. Straßenszenen, Menschen in U-Bahnen, Gebäude, Brücken, der Hafen mit seinen Kränen. Alles mit einer Präzision, die zeigte, dass er wusste, was er tat. Man sah die Bewegung in den Linien, die Lebendigkeit.


„Du bist wirklich gut", sagte ich. „Ich meine, richtig gut."


„Danke“, gab er zurück und beobachtete mich beim Durchblättern. „Mache ich ja auch schon etwas länger."


„Wie lange denn?" fragte ich neugierig.


„Seit dem Studium. So neun, zehn Jahre professionell inzwischen." Seine Finger lagen entspannt auf der Theke. „Ich bin jetzt dreiunddreißig, ich hab schon während des Studiums nebenbei mit Illustrationen angefangen, Fotografie kam später dazu. Mit Zeichnen fing’s an, das mache ich schon seit ich zwölf oder so war.“


„Dreiunddreißig also." Ich grinste, da hatte ich ja ganz gut geschätzt. „Und ich bin neunzehn."


David hielt kurz inne, das Glas halb zum Mund gehoben, sah mich eingehend an. „Neunzehn?"


„Ist das irgendwie ein Problem?" fragte ich, runzelte die Stirn und wich seinem Blick nicht aus.


„Nein. Überhaupt nicht“, antwortete er ruhig und stellte sein Glas vor sich ab. „Erstmal ist es nur wichtig, dass du achtzehn bist, der Rest ist mir persönlich vollkommen egal. Aber du wirkst älter. Ich hätte eher auf einundzwanzig oder zweiundzwanzig getippt."


„Hör ich öfter“, lachte ich auf und blätterte weiter in seinem Skizzenbuch. „Dabei tue ich genau das nicht, was viele mit Anfang zwanzig tun. Ich denke nicht über die Zukunft nach und hab keine großen Pläne und Karriereziele oder sowas. Eigentlich hab ich sogar gar kleine Pläne Ich lebe einfach. Keine Verpflichtungen, keine Erwartungen. Ich mache, worauf ich Lust habe.“


„Klingt nach einer ziemlich entspannten Einstellung zum Leben“, meinte David und drehte sein Bierglas in der Hand. „Ich mache mir schon Gedanken über die Zukunft. Über Aufträge, Geld, Miete. Ob ich nächsten Monat genug verdiene. Mal kommt richtig was rein, mal wochenlang nichts. Aber ich würde nichts anderes machen wollen."


Ich nickte und unsere Blicke trafen sich, da war definitiv etwas zwischen uns und ich würde heute herausfinden, ob er gut im Bett war. Er interessierte mich. Nicht nur ficktechnisch, auch wenn das absolut da war, aber er interessierte mich tatsächlich auch als Mensch. Nach Mika der zweite Mann in kürzester Zeit, bei dem ich das Gefühl hatte, da könnte mehr als ein einmaliger Fick draus werden. Ganz sicher keine Liebesgeschichte, aber vielleicht würde ich ihn ja öfter daten. Hoffentlich wurde das jetzt nicht zur Gewohnheit. „Zeig mir mehr", sagte ich. „Deine fertigen Arbeiten."


David holte sein Handy aus der Tasche. „Ich hab ein paar Fotos von meinen Arbeiten. Portfolio, sozusagen." Er öffnete eine Galerie. „Ist nicht alles, aber ein guter Querschnitt."


Ich wischte durch die Bilder. Aufwendige Urban Sketches, digitale Arbeiten für Musiker, Cover-Designs.


„Das hier ist für einen DJ aus Hamburg", erklärte er. „Sein neues Album-Cover."


„Cool." Ich wischte weiter. Dann blieb ich bei einem Foto hängen. Eine Schwarzweiß-Fotografie, eine Frau von hinten, nackt, am Fenster stehend. Das Licht fiel perfekt über ihre Kurven. Es war ziemlich intim.


„Das hast du gemacht?", fragte ich.


„Ja“, nickte er und seine Stimme wurde eine Spur leiser. Wir sahen uns an und unsere Blicke waren aufeinander gerichtet. „Das ist ein anderer Teil meiner Arbeit. Portraits von normalen Menschen. Manchmal eben auch... intimere Aufnahmen. So wie das Bild da.“


Ich wischte weiter, sah mir mehr Fotos an. Die meisten zeigten Frauen, manche aber auch Männer. Nichts daran war pornografisch, erotisch ja, aber nicht pornografisch. Für mich sah das vielmehr wie Kunst aus. Die meisten der Fotografierten waren nackt oder zumindest kaum bekleidet. Dann kamen Aktzeichnungen, wieder hauptsächlich Frauen in verschiedenen Posen, detailliert und lebendig.


„Du machst also auch Akte. Zeichnungen und Fotografien", stellte ich fest und wischte weiter. Eine Frau lächelnd auf einem Stuhl, eine stehend mit einem Lachen auf den Lippen, eine liegend mit melancholischem Blick. Alle nackt, alle wunderschön eingefangen.


„Ja“, antwortete er lächelnd und nahm einen Schluck von seinem Bier. „Da hab ich mir irgendwie einen Namen gemacht. Werde weiterempfohlen, das läuft fast alles über Mundpropaganda.“


Ich sah ihn direkt an. „Und wo zeichnest und fotografierst du? Wohl kaum in irgendwelchen Bars.“


Er grinste sein schiefes Grinsen „Nein, natürlich nicht“, sagte er. „Obwohl ich schon mal eine Kundin hatte, die wollte nackt an öffentlichen Orten fotografiert werden. Aber meistens arbeite ich in meinem Atelier. Da habe ich das richtige Licht, die richtige Atmosphäre. Und die Privatsphäre, die sowas braucht."


„Dein Atelier." Ich gab ihm sein Handy zurück, unsere Finger berührten sich wieder, diesmal länger. „Wo ist das?“


„In Wilhelmsburg“, erwiderte er. „Eine alte Lagerhalle, umgebaut zu Ateliers. Warum fragst du?“


Ich trank mein Bier aus, stellte das leere Glas auf die Theke. Die Entscheidung war für mich gefallen. „Weil wir beide da jetzt hinfahren“, beschloss ich. „Ich will dein Atelier sehen, deine Arbeiten. Die echten, nicht nur Fotos auf dem Handy."


„Es ist neun. Wir brauchen insgesamt bestimmt eine halbe Stunde", sagte er, aber seine Stimme klang nicht ablehnend. Eher überrascht.


„Ist mir egal." Ich rutschte vom Hocker, nahm meine Tasche. „Ich hab Zeit. Du etwas nicht?"


Er sah mich einen langen Moment an. Dann nickte er langsam. „Ich hab Zeit."


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Wilhelmsburg war so völlig anders als Ottensen. Breite Straßen mit wenig Verkehr um diese Uhrzeit, Lagerhallen und Fabrikgebäude. Es roch nach Hafen und nach Wasser. Die S-Bahn war fast leer gewesen, kaum Leute in dieser Richtung unterwegs. Ein ziemlich angetrunkenes Pärchen, das sich küsste, ein Mann mit Kopfhörern und eine Frau mit Plastiktüten.


David führte mich durch die Straßen, seine Hand plötzlich in meiner. Machte ich sonst nie, aber jetzt störte es mich nicht. So nahe bei ihm spürte ich seine Wärme und roch sein herbes Aftershave. „Schöner Abend“, sagte David leise.


Ich grinste. „Wird noch schöner“, sagte ich und sah ihn an. Wir bogen in eine schmale Seitenstraße ein, dann in einen Hinterhof. Das Gebäude war massiv, vier Stockwerke, roter Backstein, große Fabrikfenster.


„Dritter Stock", sagte David und öffnete eine schwere Metalltür.


Das Treppenhaus roch nach Farbe und Terpentin. Die Stufen knarrten unter unseren Füßen. Im dritten Stock blieb David vor einer grauen Tür stehen, „3B" in weißer Farbe darauf. Er holte einen großen Schlüssel hervor.


„Willkommen in meiner Welt", sagte er und öffnete die Tür. Ich trat ein und blieb einen Moment stehen. Das Atelier war groß. Viel größer, als ich erwartet hatte. Die Decke war mindestens vier Meter hoch, durchzogen von alten Holzbalken. An einer Wand erstreckten sich riesige Fabrikfenster vom Boden bis fast zur Decke, durch die das Licht des Abend hereinfiel und Muster warf. Es fühlte sich an, als wäre ich nicht mehr in Hamburg, sondern in einer kleinen Parallelwelt.


Ich sah mich fasziniert um. In der Mitte stand ein großer Holztisch, übersät mit Stiften in Gläsern, Pinsel in allen Größen, Farbtuben, Lappen, Papierstapeln und Skizzenbüchern in verschiedenen Formaten. Links befand sich ein moderner Zeichentisch, die Platte schräg gestellt, bedeckt mit großen Skizzen im DIN A3-Format, die übereinanderlagen, manche halb verdeckt.


An Wäscheleinen quer durch den Raum hingen Zeichnungen und Skizzen mit kleinen Wäscheklammern befestigt, einige laminiert, andere einfach so. An einer Wand große Blätter, lose mit Tape befestigt, dazwischen Fotos, manche gerahmt, manche nicht. Körper, Gesichter, alles wild durcheinander. Ein Wandabschnitt mit Schwarz-Weiß-Fotos, von Reißzwecken gehalten.


In der Ecke standen Lampen auf Ständern, eine Kamera auf einem Stativ, daneben eine aufgerollte Papierbahn, die über den Boden lief, und vor den hohen Fenstern ein abgewetzter Ledersessel, daneben eine Stehlampe und davor ein alter, bunter Teppich.


Ich erkannte drei Türen. Auf einer stand „Privat“, auf den anderen beiden „Dunkelkammer“ und „Separee“. Und ganz rechts, ein wenig im Halbschatten, eine alte Couch, dunkelbraun, mit einem Skizzenbuch darauf. Ich lächelte, das organisierte Chaos eines kreativen Menschen. Ich mochte so etwas. Der Geruch im Raum war eine Mixtur aus Papier, Ölfarbe, Holz, Kaffee und Davids Aftershave. Es roch nach Kreativität.


„Wow", sagte ich leise und drehte mich im Kreis.


„Ich weiß, es ist chaotisch", sagte David mit einem Lachen. „Aber wenn es ordentlich wäre, würde mir die Inspiration flöten gehen. Habe ich schon mal probiert.“


„Es ist nicht chaotisch", sagte ich. „Es ist toll. Irgendwie lebendig." Ich ging langsam durch den Raum und ließ meine Finger über die Tischkante gleiten. „Das ist also deine Welt."


„Ja“, antwortete er schlicht. „Das ist meine Welt."


Ich sah mir die Zeichnungen an den Wänden an. Menschen in Cafés, auf Straßen, in U-Bahnen. Skizzen voller Leben. „Die sind alle von dir?"


„Ja“, schmunzelte er, meine Begeisterung schien ihn zu amüsieren. „Aus den letzten Monate." Er kam näher. „Ich zeichne jeden Tag. Manchmal nur eine Skizze, manchmal zehn."


Ich betrachtete eine große Zeichnung, eine Straßenszene in Hamburg, der Hafen bei Sonnenuntergang. Im Gegensatz zu den meisten war sie farbig. „Das ist schön", sagte ich.


„Danke." Er trat neben mich. „Sie ist noch nicht ganz fertig. Da fehlt noch was im Vordergrund."


„Was denn?" fragte ich und lehnte mich leicht gegen ihn.


„Menschen." Er lächelte. „Ohne Menschen sind Städte tot, oder nicht?“


Ich nickte und deutete auf die Tür, auf der in der geschwungenen Schrift einer Frau „Separee“ stand. Ich betrachtete das Geschriebene einen Moment. „Was ist denn hinter der Tür?“ fragte ich.


David zögerte einen Moment. „Mein Studio. Dort mache ich Aktzeichnungen und Aktfotos. Das richtige Licht, die richtige Atmosphäre.“


„Darf ich es sehen?" Ich drehte mich zu ihm und merkte erst jetzt, wie nahe wir beieinander standen. Er war ein kleines Stück größer als ich, nicht viel, nur ein paar Zentimeter, und unsere Gesichter waren nicht sehr weit voneinander entfernt. Ich verspürte den Impuls, ihn zu küssen, aber ich tat es nicht, noch nicht, und ich sah in seinen Augen, dass er es ebenso wollte. Er hätte mich nicht abgewiesen.


Ich drehte mich etwas weg von ihm und er räusperte sich. „Natürlich“, sagte er ruhig, aber da war etwas in seiner Stimme, das er vor mir nicht verbergen konnte. Ich merkte es, wenn ein Mann mich wollte. Und er wollte mich, so wie ich ihn.


David öffnete die Tür und drückte den Lichtschalter. Der Raum war ganz anders als das Atelier, aufgeräumter, weniger Unordnung, er strahlte Sicherheit, Ruhe und Intimität aus. Er sagte einer Frau, die sich ausziehen musste, um sich nackt fotografieren oder zeichnen zu lassen, dass sie das hier unbesorgt tun konnte.


Ausgeschaltete Studiolampen standen in den Ecken, in der Mitte ein Lounger, auf dem Kissen in verschiedenen Farben und Mustern lagen. An der linken Wand lehnten Hintergründe, weiße Leinwände, schwarze Stoffbahnen und ein Holzbrett. In der rechten Wand erkannte ich hinter einem Paravent aus dunklem Holz eine Nische mit einem Kleiderständer.


Auf einem Tisch lagen Skizzenbücher, Kohlestifte, Radiergummis und eine Leine Digitalkamera. Daneben stand eine weitere Kamera auf einem Stativ. An der Wand mit der Tür hingen Fotografien und Zeichnungen, Akte, wie ich sie auf seinem Handy gesehen hatte, aber hier waren sie größer und eindrucksvoller.


Ich drehte mich zu ihm um, er lehnte im Türrahmen und betrachtete mich, ein Schmunzeln auf den Lippen. „Wie viele Modelle hattest du schon hier?" fragte ich.


Falls er meine Frage seltsam fand, ließ er es sich nicht anmerken. Er zuckte mit den Schultern. „Weiß ich nicht genau“, sagte er. „Vielleicht dreißig oder vierzig im Laufe der Jahre. Soll ich in meinen Unterlagen nachgucken?“ Ein Lächeln umspielte seine Lippen.


Ich schüttelte den Kopf. „Nee“, sagte ich und trat näher an ihn, wieder trennten uns nur ein paar Zentimeter. „Was ist wichtig, wenn du jemanden zeichnest?“ wollte ich wissen, meine Stimme leise. Ich schob mir eine Locke aus der Stirn. Paarungsmodus.


Seine Augen funkelten. „Sie muss sich sicher fühlen“, antwortete er genauso leise. „Sie muss sich wohl fühlen, sonst wird es verkrampft . Die Atmosphäre muss stimmen, die Chemie zwischen ihr und mir. Es würde nicht funktionieren, wenn sie mich für einen Idioten hält oder ich sie für eine blöde Kuh.“


„Und zwischen uns?" fragte ich und kam noch näher, wir berührten uns nun fast. „Stimmt die Chemie zwischen uns?"


David sah mich einen Moment an. „Ja", sagte er schließlich mit einem Nicken. „Ich denke, die Chemie zwischen uns stimmt. Ich halte dich auf jeden Fall nicht für eine blöde Kuh.“


Die Spannung zwischen uns war nun endgültig da, sie hing fast greifbar im Raum und umfing uns. Wir standen so nah beieinander, dass ich seinen Atem auf der Haut meines Halses spüren konnte.


„Würdest du mich zeichnen?", fragte ich leise. „Nackt?“


„Ja", antwortete er sofort. „Ja, das würde ich.“


„Gut“, hauchte ich und trat einen Schritt zurück, sah ihn herausfordernd an. „Aber ich möchte etwas spezielles. Etwas, das zu mir passt.“


„Und das wäre?“ fragte er, sein Blick lag auf mir, ich spürte Wärme in meinem Schoß und meine harten Nippel unter dem Stoff meines Tops.


„Zeichne mich nach dem Sex“, sagte ich leise. „Das wäre wirklich ich.“


„Das heißt…“, begann er, seine Stimme war noch immer ruhig, aber ich hörte diese kleine Vibration darin.


„Ja, das heißt es“, unterbrach ich ihn sehr leise, aber bestimmt und machte ein, zwei Schritte nach hinten. „Genau das heißt es.“


Ich legte den Kopf schief, sah ihn auffordernd an, spielte wie so oft in solchen Situationen mit einer Locke meines Haars und hielt die Lippen ein Stückchen geöffnet. Das Weibchen lockte mal wieder und die allermeisten Männchen sprangen drauf an. David aber blieb stehen, sah mich einfach nur an und sein Blick drückte sowas wie „Okay, Mädchen, jetzt zeig mir mal, was genau das heißt“ aus. Gut, also endlich einer, der sich nicht so einfach um den Finger wickeln ließ. Also ging ich gleich in die Vollen, zog mir mein Top den Kopf und ließ es auf den Boden fallen. Darunter trug ich wie immer nichts und meine Nippel, die kleinen und zuverlässigen Stimmungsanzeiger, waren hart aufgestellt und taten fast schon ein bisschen weh. Ich hatte keine Ahnung, warum ich plötzlich so geil war, dass meine Möse feucht wurde, aber es war eben so. Ich war eben so.


David musterte mich und ein Lächeln umspielte seine Lippen, als sein Blick ziemlich ungeniert an meinen Titten hängenblieb. Ich schlüpfte aus meinen Sandalen, schob dann meinen Rock über meine Hüften nach unten und ließ ihn meine Beine entlang auf den Boden rutschen. Ich trat aus dem Rock, schob ihn mit dem nackten Fuß beiseite und stand nun nur noch in meinem schwarzen Tanga da, einem dünnen Nichts aus Bändchen und einem Dreieck, das meine Möse verbarg und zugleich hervorhob.


Er stand noch immer im Türrahmen und sah mich an. Seine Augen lagen auf mir und sein Blick sagte eindeutig, was er wollte. Atmete er ein wenig schneller? Nein, äußerlich blieb er die Ruhe selbst, da war nur dieser Blick. Er sagte nichts und bewegte sich nicht, er schien zu warten, worauf auch immer. Doch danm machte er mit einem Lächeln das Licht im Raum aus und nur das gedämpfte Licht aus dem Hauptraum fiel durch die geöffnete Tür herein und malte Schatten auf meine Haut. Ich stand da, die Arme locker an den Seiten, ließ ihn mich betrachten.


„Das ist dann ja mal eine ganz neue Erfahrung", sagte er leise, in seinen Augen lag eine Mischung aus Belustigung und Erregung. „Sex vor dem Zeichnen kenne ich noch nicht.“


Ich musste leise lachen. „Aber Sex nach dem Zeichnen?“ wollte ich wissen, als er endlich näherkam.


„Betriebsgeheimnis“, sagte er leise, als er ganz dicht vor mir stand. „Und genau in diesem Licht werde ich dich zeichnen… hinterher…“ Dann beugte er sich vor und küsste mich. Sanft, geradezu vorsichtig, viel zu vorsichtig, das war nicht das, was ich wollte, ich wollte eine Gier, sein Verlangen und seine Geilheit spüren. Ich war doch kein zerbrechliches Püppchen, mit dem man behutsam umgehen musste. Okay, woher sollte er das wissen? Also zog ich ihn zu mir und ließ ihn spüren, wie ich es wollte. Ich küsste ihn heftiger und fordernder und er stieg sofort darauf ein. Kurz tauchte in meinem Kopf der Gedanke auf, dass das schon der zweite Mann in kürzester Zeit war, den ich bei der ersten Begegnung küsste. Aber ich schob ihn schnell beiseite.


Seine Hände fuhren meinen Körper entlang, strichen über meine Schultern, meinen Rücken, meine Hüften. Und überall, wo er mich berührte, hinterließ er eine kribbelige Hitze.


„Du bist wundervoll", murmelte er leise, als unsere Lippen sich voneinander lösten.


„Dann zeig mir, was du mit ‚wundervoll‘ machst", flüsterte ich mit einem leisen Lachen zurück. ‚Wundervoll‘ war ja auch mal was anderes, meistens bekam ich ja eher ‚geil‘ oder ‚heiß‘ verpasst. Seine Hände waren überall, hatte er mehr als zwei? Konnte man fast meinen. Er küsste meinen Hals, meine Schultern, wanderte tiefer zu meinen Brüsten. Seine Lippen umschlossen einen Nippel, saugten ihn ein, während seine Finger über meinen Bauch glitten und tiefer wanderten.


Ich keuchte auf, als er zwischen meine Beine glitt und nur noch dünner Stoff seine Hand von meiner nass-heißen Möse trennte. Meine Hände vergruben sich in seinen Haaren. „Ohja..." seufzte ich wohlig, mein Schoß sendete kleine Stromstöße aus, die meine Wirbelsäule hinaufkrochen und durch meinen ganzen Körper strahlten.


Er löste sich von mir, trat einen Schritt zurück. Ich sah die Erregung in seinen Augen, erkannte sie an seinem schnellen Atem, aber da war noch etwas in seinem Blick. Er ließ mich nicht aus den Augen, während er zu den Studiolampen ging und sie einschaltete, eine nach der anderen. Warmes, weiches Licht flutete den Raum, ließ meine Haut golden schimmern.


„Perfekt", flüsterte er und kam zurück zu mir. „Du wirst ein verdammtes Kunstwerk werden, wenn ich dich nachher zeichne."


„Hör endlich auf zu gucken", sagte ich heiser und zog ihn zu mir. „Und nimm dir das Kunstwerk. Das Kunstwerk ist nämlich verdammt geil und will deinen Schwanz.“


Ich begann ihn auszuziehen, knöpfte sein Hemd langsam Knopf für Knopf, und genoss es, wie sein Brustkorb sich hob und senkte. Das Hemd fiel zu Boden und ich strich über seinen Körper, fühlte die Wärme seiner Haut und öffnete Gürtel und Knopf seiner Jeans. Der Reißverschluss glitt herunter, ich schob die Hose über seine Hüften. Er half mir, kriegte irgendwie die Sneaker von den Füßen und stand nur noch in seiner Unterhose vor mir.


Ich sah, wie erregt er war, spürte es, als ich meine Hand auf die deutliche Beule legte. Er stöhnte leise auf, seine Augen schlossen sich. „Anouk", keuchte er, biss sich auf die Lippen.


„Ich weiß", sagte ich und küsste ihn kurz, spürte seinem heißen Atem, während meine Hand seinen harten Schwanz durch den dünnen Stoff rieb. „Und nun mach endlich!“


Ich nahm meine Hand weg und das war für ihn scheinbar die Initialzündung. Sein Blick war gierig, voller Geilheit, so wie ich es gerne sah. Ich liebte es, wenn ich Männer geil machte, es erregte mich zu sehen, was ich auslösen konnte.


Und ich behielt beim Sex eigentlich immer die Kontrolle, ich verlor sie bei aller Geilheit nie ganz. Ganz selten war einer so überzeugend, dass ich sie verlor. Ich gab sie nie freiwillig ab, aber manchmal verlor ich sie einfach. David war überzeugend, sehr überzeugend. Er fiel nun nämlich förmlich über mich her, kein langsames, sanftes Vorspiel, was ich sowieso nicht wollte. Er kam direkt zur Sache. Er tat intuitiv das, was ich wirklich brauchte, er nahm mich einfach ohne Getue.


Er stieß mich mit einem rauen, dunkel klingenden Lachen rücklings aufs Bett, sah mich kurz an, zerrte seine engen Boxershorts von sich und kam über mich wie ein Wirbelsturm, dem ich nichts entgegenzusetzen hatte. Ich öffnete meine Beine bereitwillig und empfing ihn mit funkelnden Augen. Er lächelte dunkel, erregt und in diesem Lächeln stand geschrieben: ich nehme mir jetzt, was du mir angeboten hast. Und ich werde dich nicht weiter um Erlaubnis fragen.


Er nahm sich nicht einmal mehr die Zeit, mir den Tanga auszuziehen, er schob das bisschen Stoff einfach beiseite, hielt dann aber kurz inne. „Kondom“, sagte er heiser erregt. „Nachttisch links, oberste Schublade. Mach schon.“


Ich gehorchte und während ich eines herausfingern wollte, sog er einen Nippel zwischen seine Zähne und seine Hand zwängte sich in meinen Tanga, ein Finger tauchte in mich. Ich schrie lustvoll auf, kriegte ein Kondom zu fassen und hielt es ihm hin. Aber er ließ mich warten, fickte mich heftig mit zwei Fingern und biss zarthart in meine Nippel. „Oh Gott, ja“, keuchte ich laut. Er fingerte mich weiter, als würde er spüren, dass er es für mich genau richtig machte. Ich schrie, stöhnte, keuchte, wimmerte vor Lust, wollte endlich seinen Schwanz in mir haben, aber er hörte nicht auf, trieb mich mit seinen Fingern immer höher, bis ich nicht mehr wusste, wo links und rechts war, ich zerfloss unter seiner Hand. Ich war kurz davor, die Wellen zogen schon durch mich, mein Schoß begann zu zucken, zu krampfen, ich hob mein Becken, presste mich seiner Hand entgegen und biss mir auf die Lippen. Es fühlte sich so verdammt geil an.


Er sah auf, sah mich an, sein Blick voller Erregung, aber auch wissend. Er hatte mich und er wusste das. Er zog seine Finger aus mir und ich wimmerte enttäuscht, er hätte nur noch ein bisschen weitermachen müssen.


„Mach weiter“, keuchte ich. „Oder fick mich endlich… eins von beidem…“ Aber ich sah in seinem Blick, dass er nicht nach meiner Pfeife tanzen würde. Er lächelte, nahm mir endlich das Kondom aus der Hand, die schlaff neben meinen Körper lag, riss die Folie auf und rollte es über seinen brettharten Schwanz. „Sag hübsch ‚bitte, bitte‘, sag, dass ich dich ficken soll“, raunte er dunkel vor Erregung.


„Bitte, David, bitte“, keuchte ich. „Bitte fick mich.“ Ich war so aufgelöst, so verdammt geil, ich wollte ihn nur noch in mir haben, sonst hätte ich sicher nicht gebettelt. Aber den Gefallen tat er mir nicht. Er stieß wieder zwei Finger in mich, brachte mich wieder höher und höher, schickte mich in eine Spirale der Lust, nur mit seinen Fingern. Wie machte er das bloß? Woher wusste er, was er tun musste? Er schien meinen Körper in und auswendig zu kennen. Ich wimmerte vor Lust unter seiner Hand, es türmte sich in mir auf, mein Unterleib zuckte, ich wölbte mich, wand mich, die Wellen schwappten immer höher.


Und dann kam ich mit einem lauten Aufschrei und er tat etwas, was ich nie vergessen würde. Er stieß seinen harten Schwanz in mich, in meinen Orgasmus, in meinen sich unter ihm aufbäumenden Körper, in meine nasse, heiße Möse, die sich im Orgasmus zusammenzog. „Oh Gott!“ brüllte ich laut und wusste nicht, wohin mit mir. Er fickte mich hart und so, wie er es brauchte, er achtete nicht auf mich, nahm keine Rücksicht mehr auf mich, ich bekam meinen Teil ja grade. Und genau das war es, was mich etwas erleben ließ, mein erster Höhepunkt ging in den nächsten über und ich fühlte nur noch, mein Verstand war weg, weit weg. Ich umklammerte ihn vor Lust wimmernd, Ich schrie vor Geilheit und als er kam, kam ich mit ihm das dritte Mal. Ich war nahe bei ihm und zugleich irgendwie doch weg, weit fort, im Orbit schwebend.


Und dann lagen wir beide still, ich zuckte immer noch, mein Körper bebte noch. Ich sagte nichts, ich wusste nicht, was ich hätte sagen sollen. Und auch er schwieg, aber er war da, er tat nicht, was Männer gerne taten und was ich sonst immer tat, um den Männern zuvorzukommen. Er blieb einfach da, auf mir liegend, noch in mir.


Nach einer Weile löste er sich von mir, rollte sich auf die Seite, zog mich an sich. Seine Finger strichen durch meine feuchten Haare, über meinen Rücken. Ich dachte an meine Regel, nach dem Sex nie länger zu bleiben, immer gleich zu gehen. Aber das hier war anders. Ich blieb also erst einmal liegen, schmiegte mich an ihn. Ich fühlte mich gut.


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Die S-Bahn war um diese Zeit nicht besonders voll, aber ich achtete auch kaum darauf, meine Gedanken waren woanders. Ich setzte mich ans Fenster, die Papprolle mit der Zeichnung auf meinem Schoß, und sah hinaus in die Nacht. Hamburg rauschte an mir vorbei, Lichter, Schatten, Gleise.


Was war das gewesen? Außer gutem Sex, verdammt gutem Sex. David hatte immer in jedem Moment irgendwie gewusst, was richtig war, hatte mich dazu gebracht, die Kontrolle abzugeben, mich komplett fallenzulassen. Und ich hatte gegen meine Regel verstoßen, war geblieben und nicht schnell verschwunden. Ich war sogar dicht an ihn geschmiegt eine Weile eingenickt. Und er hatte mich gezeichnet, bevor ich gegangen war. Eine DIN-A3-Zeichnung, Kohle auf cremefarbenem Papier. Und die Frau auf dem Bild war absolut ich. Ich lag da auf dieser Zeichnung, auf dem Rücken, ein Arm über meinem Kopf, den anderen auf meinem Bauch. Die Locken verteilt auf dem Kissen, die Augen geschlossen, ein stilles Lächeln auf den Lippen. Die Decke lag halb über mir, ließ eine Schulter frei, die Kurve meiner Hüfte, ein Bein.


Die S-Bahn hielt mit einem Ruck an der Station Ottensen. Ich stieg aus, die Papierrolle fest in der Hand. Die Nachtluft schlug mir entgegen, warm, nach Sommer riechend. Eine tropische Nacht. Ich ging die Treppe hinunter, vorbei an geschlossenen Läden. Mein Magen knurrte plötzlich laut. Wann hatte ich das letzte Mal gegessen? Gestern Mittag? Nachmittags im Café hatte ich nur ein paar Kekse genascht. Aber das war auch typisch ich, ich vergaß das Essen oft, als ob mein Körper kein Hungergefühl kennen würde. Und wenn ich dann was kriegte, fraß ich wie ein Schwein.


Mehmet. Mehmet hatte bestimmt noch auf. Wie spät war es eigentlich? Kurz nach zwei, vielleicht hätte ich ja Glück. Mehmet nahm es mit seinen Öffnungszeiten nicht so genau. Wenn nichts los war, schloss er seinen Laden auch schon mal bereits um Mitternacht, wenn viel los war, erst im Morgengrauen. Sein Dönerladen war nur sieben, acht Minuten von hier entfernt, in der Bahrenfelder Straße. Ich bog in die Straße ein, und tatsächlich, das Licht in Mehmets Laden brannte noch. Der Duft von gegrilltem Fleisch und Gewürzen wehte mir entgegen. Mein Magen knurrte lauter. Perfekt.


„Anouk!“ Mehmets Stimme war warm und tief, sein Lächeln breit. Er stand hinter der Theke, ein großer Mann Mitte fünfzig mit graumeliertem Haar und einem Bauch, der zeigte, dass er sein eigenes Essen mochte. „Meine Lieblingskundin! So spät noch unterwegs?“


„Du kennst mich doch“, sagte ich und grinste. „Und ich hab Hunger.“


„Aha.“ Er zwinkerte mir zu. „Sag nichts. Will ich gar nicht wissen. Das Übliche?“


„Das Übliche“, nickte ich. Mehmet machte sich an die Arbeit. Er schnitt das Fleisch vom Spieß, dünn und knusprig, legte es in die Teigtasche, Salat, Tomaten, Zwiebeln, nicht zu viel, nicht zu wenig. Dann seine spezielle Soße, scharf und cremig zugleich, die perfekte Mischung.


Ich zahlte, nahm den Döner und ging nach draußen. Die Straße war still, nur ein paar Autos fuhren vorbei, irgendwo bellte ein Hund. Ich lehnte mich an die Hauswand neben Mehmets Laden und biss in den Döner. Ich seufzte leise. Fuck, war das gut.


Ich nahm noch einen großen Bissen, lehnte den Kopf gegen die Wand. Hamburg, meine Stadt. Ottensen, mein Viertel. Mehmets Döner in der Hand, eine geile Zeichnung von mir selbst in der Papprolle, der Nachhall von gutem Sex noch in meinem Körper.


Das Leben war gut, einfach gut und unkompliziert gut. Frida hatte mal gesagt, ich wäre wie Treibgut: ich wurde durch Hamburg gespült und trieb mal hier und mal dort herum. Stimmte irgendwie, Treibgut trieb eben einfach so umher, hatte keine Pläne und kannte keine Verpflichtungen und keine Erwartungen.


Und hier und jetzt? Da gab es nur mich, die Nacht und einen verdammt gutern Döner. Ich aß den letzten Bissen, wischte mir die Hände an einer Serviette ab, warf die Tüte in den Mülleimer neben der Tür. Dann nahm ich die Papierrolle und machte mich auf den Weg nach Hause. Morgen würde ich die Zeichnung aufhängen. Und vielleicht würde ich David wiedersehen. Oder auch nicht, wer wusste das schon? Treibgut wusste auch nicht, wo es mal landete.


Die WG lag still und dunkel, als ich ankam. Frida schlief natürlich schon. Ich schlich leise in mein Zimmer, legte die Zeichnung vorsichtig auf meinen Schreibtisch, zog mich aus und ließ mich aufs Bett fallen. Ich schloss die Augen, erschöpft, satt, zufrieden. Das war ein guter Tag gewesen, ein wirklich guter Tag.

Kapitel 10: Im Kaifu-Bad


Ich wachte schon gegen neun auf, das Licht fiel warm durch die Vorhänge meines Zimmers. Die Wohnung war still und auch im Haus war nichts zu hören, was selten vorkam. Ich stand auf, zog mir ein Shirt über und tappte in die Küche. Frida war schon weg, ein Zettel lag auf dem Küchentisch: "Bin arbeiten, bis 18 Uhr. Milch ist alle. LG, F."


Ich setzte Kaffee auf und machte mir Toast, während ich überlegte, was ich mit dem Tag anfangen sollte. Draußen schien die Sonne, es würde wieder heiß werden. Nach der Nacht mit David fühlte ich mich entspannt, aber irgendwie auch unruhig, ohne den Grund dafür zu kennen. Oder kannte ich ihn vielleicht doch? Ich war neben ihm liegen geblieben, eine ganze Weile. Und das machte mir irgendwie ein bisschen Angst, es war so untypisch für mich. Soweit ging ich eigentlich nie. Zuviel Nähe. Ich fragte mich also, was das gewesen war. Ich wollte keinen Mr. Right, hatte aber das Gefühl, hier wurde mir einer aufgezwungen. Einfach deswegen, weil David eben so war, wie er war. Und wenn wir keinen Weg fanden, damit umzugehen, dann konnte ich mich auf die Dauer nicht mit ihm treffen.


Ich schob die Gedanken beiseite, es führte zu nichts, zu absolut gar nichts. Ich stand auf, holte die Papprolle mit der Zeichnung von mir und sah sie mir noch einmal an. Ich betrachtete die Linien, wie er das Licht eingefangen hatte, die Schatten. Sogar die kleine Narben an meinem Kinn und meinem Knie hatte er gezeichnet, obwohl man sie eigentlich kaum sah, die Sommersprossen auf meinen Schultern. Das war ich, nicht irgendeine idealisierte Version von mir, das war wirklich ich. Wow. Der Typ konnte wirklich zeichnen.


„Anouk nach dem Sex“, murmelte ich und grinste. „Nicht schlecht.“ Ich rollte die Zeichnung wieder zusammen und steckte sie in die Rolle. Würde gut an meiner Zimmerwand aussehen. Vielleicht über dem Bett. David hatte natürlich ein Foto von der Zeichnung gemacht. Für sein Portfolio, eine Frau direkt nach dem Sex hatte er noch nicht. Ich war also auf seinem Handy verewigt, irgendwie machte mich das an. Ich sollte mich nochmal von ihm fotografieren lassen.


Okay, die vergangene Nacht war vergangen. Aber was fing ich mit diesem Tag an? Ich musste später noch arbeiten, aber bis dahin war noch Zeit, was also tun? Bei diesem Wetter zu Hause rumhängen war keine Option. Dann fiel mir das Freibad ein. Das Kaifu-Bad lag nicht weit von hier entfernt, vielleicht zwanzig Minuten zu Fuß. Perfekt für so einen Morgen.


Ich suchte meinen schwarzen Bikini raus, knapp, ziemlich knapp und schon aufreizend, aber noch nicht vulgär. Dazu ein dünnes weißes Kleid zum Überziehen, Flip-Flops, meine Bag mit Handy, Schlüssel und dem Krams, den ich da immer drin hatte, eine kleine Sporttasche mit Handtuch, Sonnencreme und Wasserflasche.


Der Weg zum Freibad führte mich durch Ottensen, dann über die Brücke Richtung Eimsbüttel. Es war schön zu laufen, die Sonne war für mich noch gut auszuhalten, ich hatte mir ja auch Lichtschutzfaktor 50+ verpasst. Wie gesagt, Sonnenbrand brauchte ich nun wirklich nicht.


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Ich suchte mir einen freien Spind in der Umkleide, nachdem ich den Eintritt bezahlt hatte. Ich stopfte mein Kleid hinein und meine Bag, nahm vorher nur mein Handy und mit einem Grinsen zwei Kondome heraus und packte sie in meine Sporttasche. Man konnte ja nie wissen. Ich betrachtete mich kurz im Spiegel. Der Bikini war schon ganz schön frech, mein Hintern war fast unbedeckt. Ich setzte meine Sonnenbrille auf, nahm die Sporttasche und ging nach draußen


Das Kaifu-Bad war um diese Zeit noch nicht überfüllt, das würde sicherlich noch kommen, wenn es später und vor allem heißer wurde. Ein paar Rentner zogen ihre Bahnen, Mütter mit kleinen Kindern planschten im Nichtschwimmerbereich, im flachen Ende eines anderen Beckens spielte eine Gruppe junger Männer Wasserball, wahrscheinlich Studenten. Studenten in Hamburg schienen überall herumzuhängen, nur nicht in der Uni.


Das Wasser war angenehm kühl, aber nicht zu kalt. Ich schwamm ein paar Bahnen, spürte, wie sich meine Muskeln entspannten, wie das Wasser meine Haut kühlte. Schwimmen war für mich schon immer fast meditativ gewesen, nur ich, Wasser und meine gleichmäßigen Bewegungen. Aber besonders gut in Form war ich nicht mehr. Wenn ich überlegte, was ich mit sechzehn, siebzehn alles an Sport gemacht hatte, Volleyball, Handball, Schwimmen, Joggen, Radfahren, ein bisschen Leichtathletik, dann war ich heute eine totale Lusche. Schon nach etwa zehn Minuten musste ich eine Pause machen und hängte mich an den Beckenrand.


Im Nachbarbecken spielte die Gruppe Studenten immer noch Wasserball, allerdings die Variante, bei der man nur bis zur Hüfte im Wasser verschwand. Ich sah ihre nackten Oberkörper, sportlich bis hin zu richtig durchtrainiert waren sie alle, einige sogar echt gut aussehend. Alle Anfang bis Mitte zwanzig, alle laut und energiegeladen. Männer eben, zu viel Testosteron. Ich musste grinsen, stieg aus dem Wasser und legte mich auf eine der Holzliegen mit einem Sonnenschirm ein Stückchen von den Becken entfernt, auf der meine Badetasche und mein Handtuch mein Territorium markierten. Mein Handtuch, meine Liege, das war hier wie auf Mallorca. Ich schloss die Augen und versuchte, das Gejohle der Chaoten auszublenden.


Nur ein paar Sekunden später pfiff ein Ball nur Zentimeter an meinem Kopf vorbei, ich konnte tatsächlich den scharfen Luftzug spüren. Ich machte die Augen auf und zog leicht angesäuert die Augenbrauen zusammen. Konnten diese Idioten nicht aufpassen?


Einer stieg aus dem Wasser und kam nass und tropfend auf mich zu, groß, schlank, breitschultrig, braune Locken, Badeshorts. Er sah gut aus, hatte die Art von Muskeln, die nicht vom Gewichte pumpen kam. Sein Blick wanderte über mich.


„Sorry“, sagte er entschuldigend und lächelte, ein ziemlich smartes Lächeln. „Tut mir leid. Ich hab zwar nicht geworfen, das war Leon, der blonde Depp da hinten mit der roten Badehose. Tut mir trotzdem leid.“


Ich hob die Augenbrauen. „Ihr seid zwar echt Idioten, aber ist okay, ist ja nichts passiert“, antwortete ich möglichst cool. „Passt halt besser auf.“


Er lachte auf. „Komisch“, meinte er jetzt breit grinsend. „Das mit den ‚Idioten‘ hören wir öfter. Lust mitzuspielen?“


Ich schüttelte den Kopf. „Ich bin doch nicht so bescheuert und spiele mit einer Horde Vollhonks wie euch Wasserball, oder was das sein soll, und lasse mich mit Bällen bewerfen. Nee, danke.“


Er lachte wieder, sein Lachen klang wirklich nett. „Ist eher Handball im Wasser“, meinte er und ging vor mir in die Hocke. „Ach komm schon, wird bestimmt lustig. Und völlig ungefährlich. Ich bin übrigens Max.“


"Anouk", sagte ich und zierte mich noch ein bisschen, stand dann aber schließlich auf und trottete mit ihm zum Becken, in der seine Kumpel herumtollten wie ein Rudel junger Hunde, es sah ziemlich plan- und sinnlos aus und wenn es Regeln gab, dann keine, die ich auf den ersten Blick durchschaute.


Die nächsten zwanzig Minuten waren lustig und ziemlich chaotisch. Das Geheimnis von Handball im Waser war ganz einfach das, dass es keine großartigen Regeln gab. Die Typen hatten einfach nur Spaß. Die eine Hälfte warf einander den Ball zu, die andere Hälfte versuchte, irgendwie an den Ball zu kommen. Ich war nicht besonders gut, auch wenn ich mal Handball gespielt hatte, aber erstens war das Jahre her und zweitens was ganz anderes, wenn man das mit einem Dutzend Kerlen spielte, von denen kaum einer unter einsneunzig war und einige breit wie Kühlschränke. Aber die Jungs waren vorsichtig mit mir und ziemlich geduldig. Besonders Max, er war irgendwie immer in meiner Nähe und berührte mich ziemlich oft völlig „zufällig“. Ich hatte nichts dagegen, ich hatte ihn längst als potentiellen Kandidaten für einen netten, kleinen Fick markiert.


Trotzdem bekam ich hier und da was ab, einen Ellbogen an der Hüfte, einen Schlag gegen meine Schultern, eine Hand, die meinen Arsch oder meine Titten streifte, einen leichten Schuppser. Steckte ich alles weg, ich war schließlich kein Püppchen.


„Nicht schlecht“, sagte Max, als wir eine Pause machten. „Für eine Anfängerin.“ Er grinste breit. „Die meisten Mädels, die ich kenne, hätten Marvin für den Griff an deine… du weißt schon…“ Er deutete auf meine Oberweite. „… direkt eine geklatscht. Hut ab.“


„Ich bin eben nicht wie die meisten“, gab ich lachend zurück. „Fürs das Betatschen meiner Titten hab ich ihm unter Wasser die Eier umgedreht. Und bestimmt nicht sanft.“


Max lachte laut. „Ach deswegen musste der plötzlich aufs Klo“, grinste er. „Geschieht ihm recht.“ Er sah mich an. „Hör zu, wir machen am Samstag eine Pool-Party. Bei mir zu Hause, meine Eltern sind verreist, großer Pool, Grill, gute Musik. Hättest du Lust zu kommen?“


Ich überlegte kurz. Samstag war ja erst übermorgen und ich hatte noch nichts Konkretes vor. Frida schwächelte sowieso seit Ewigkeiten, mit der war im Moment nichts anzufangen und mich durch die Stadt treiben lassen konnte ich immer. Also warum nicht? „Klingt gut“, sagte ich. „Wo denn?“


"Blankenese. Ich geb dir gleich die Adresse." Er grinste. "Es werden coole Leute da sein, nicht nur wir Idioten."


"Ihr seid gar nicht so idiotisch", lachte ich. "Naja, vielleicht doch, aber okay, warum nicht?"


Wir stiegen aus dem Wasser, gingen zu meiner Liege und tauschten Nummern aus, das war für mich okay, Männern, mit denen ich noch nicht gevögelt hatte, gab ich meine Nummer eher, blockieren konnte ich die ja immer noch, wenn sie zu aufdringlich wurden. Und anders konnte Max mir ja kaum die Adresse schicken. Der Samstag war damit verplant. Blankenese also. Villen, gehobene Gesellschaft, Geld, viel Geld. Aber das interessierte mich nicht, mich lockten die Menschen, die da sein würden.


Kurz darauf zog der Trupp zusammen ab, Max winkte nochmal zu mir rüber. Ich winkte zurück und die Jungs winkten alle noch mal, johlten, knufften sich und schlugen sich gegenseitig auf die Schultern. Was für ein Haufen Chaoten. Ich grinste, Männer in dem Alter waren eben wie Kinder.


Es wurde allmählich wärmer und ich würde wohl nicht mehr allzu lange bleiben. Ich lag eine Weile auf der Liege, schloss die Augen und nickte tatsächlich etwas weg. Als ich aufwachte, musste ich mich kurz orientieren und blinzelte hinter der Sonnenbrille. Wie lange war ich eingeduselt gewesen? Konnten nur ein paar Minuten gewesen sein. Ich gähnte, setzte mich auf und sah mich um. Auf einer Liege ein paar Meter von mir saß ein Mann, der mich ganzeindeutig beobachtete. Mitte dreißig schätzte ich, durchtrainiert, breite Schultern, schmale Hüften. Kurze blonde Haare, markantes Gesicht. Er sah aus wie jemand, der regelmäßig ins Fitnessstudio ging.


Ich grinste ihn an, er grinste zurück. Er war definitiv attraktiv, hatte diese selbstsichere Ausstrahlung, die ich mochte. Ich nahm meine Sporttasche, stand auf und ging an ihm vorbei in Richtung der Umkleide. Sein Blick streifte mich und ich nickte ihm zu. „Ich gehe duschen“, sagte ich leise und registrierte das Aufleuchten in seinen Augen. Er folgte mir, ich hörte seine Schritte hinter mir.


Ich erreichte die Duschen, die natürlich nach Männlein und Weiblein getrennt waren, aber in der Mitte gab es ein paar große Einzelduschen, wahrscheinlich für Rollstuhlfahrer, ein Zeichen dafür gab es auf der Kabinentür aber nicht. Ich ging rein und wartete. Die Kabine hatte genug Platz, ein Quadrat von vielleicht vier mal vier Metern, ein Duschkopf an der Stirnwand, helle Fliesen an Boden und Wänden, eine Lampe an der weißen Decke. Einen Moment später öffnete sich die Tür, er kam herein und schloss ab. Seine Augen wanderten über mich, begehrlich und gierig. Mein Puls beschleunigte sich, der Typ wusste, was er wollte und Männer, die wussten, was sie wollten und nicht lange rumeierten, machten mich an. Wir standen uns sehr nah gegenüber, ich spürte seine Wärme, roch sein Aftershave vermischt mit Chlor.


„Das ist riskant“, flüsterte ich, aber genau das war es ja, Ficken in der Öffentlichkeit, die Gefahr erwischt zu werden.


„Das ist geil“, sagte er nur und packte mich an den Hüften, drängte mich mit dem Rücken an die Wand, ich sah die deutliche Beule in seiner engen Badehose, hörte seinen erregten Atem. Ich zog seine Badehose nach unten, schob sie über seine Hüften. Er war sowas von hart und sowas von bereit. Meine Hand umschloss seinen Schwanz, bewegte sich schnell und hart am Schaft auf und ab. Ich hörte ihn keuchen und legte ihm einen Finger meiner freien Hand auf die Lippen. Immerhin war die Kabine unten offen.


Er knurrte nur, zwängte seine Hand in mein Bikinislip und dann in meine Möse. Ich biss mir auf die Lippen, als er einen zweiten dazu nahm, mich hart fingerte, aber ein lustvolles Wimmern konnte ich trotzdem nicht unterdrücken.


„Fuck, bist du nass“, murmelte er und biss mir halbsanft in den Hals. „Geiles Stück.“


Hitze durchströmte mich, ich mochte es, wenn ein Mann ein wenig dirty redete vor oder bei einem Fick, nicht immer, aber hier und jetzt machte es mich an, was er sagte. Seine Finger fickten mich weiter, sein Daumen presste meine Perle zusammen und ich musste mir echt Mühe geben, nicht vor Geilheit das Schwimmbad zusammenzuschreien.


"Kondom", keuchte er mit heiserer Stimme, sein Schwanz vibrierte unter meiner Hand.


„In meiner Sporttasche“, brachte ich heraus, massierte ihn weiter, es war kein sanftes Auf- und Abfahren, ich hatte ihn hart umfasst und machte es so schnell, als würde ich ihn zum Kommen bringen wollen. Wollte ich aber nicht, ich wollte, dass er seinen harten Schwanz in mich steckte und mich grob und schnell fickte.


Seine Finger verschwanden aus mir, er griff mach der Tasche, öffnete sie, fand ein Kondom. „Immer vorbereitet, was?“ sagte er mit rauer Stimme. „Du kleines, geiles Luder.“


Während er meine Finger wegschob und sich das Kondom überrollte, genoss ich meine Wirkung auf ihn, er wollte nichts anderes mehr als mich.


„Umdrehen, Süße“, befahl er leise. „Ich will dich von hinten. Los, mach schon!“


Ich gehorchte, drehte mich um und nahm die Beine auseinander. Ich beugte mich vor und stützte mich mit den Händen an den Fliesen ab. Er setzte an, ich spürte sein hartes Teil an mir, drang sofort in mich ein, hart und tief. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht aufzuschreien und ließ nur ein dumpfes Stöhnen zu. Von draußen hörten wir Stimmen, Schritte, das Klappern von Spindtüren.


"Sei leise", raunte er in mein Ohr und stieß grob in mich, kraftvolle, harte Schwünge seines Beckens. Er bewegte sich vor und zurück, wuchtig, rhythmisch. Seine Hände griffen meine Hüften, seine Finger drückten in meine Haut. Ich spürte jeden Muskel in seinem Körper, spürte seine Kraft.


"Oh Gott", keuchte ich. “Fick mich härter.“ Ich war so dermaßen geil, dass ich kaum wusste, wohin mit mir, ich durfte nicht vor Lust schreien, stöhnen und keuchen, wie ich wollte, stattdessen wimmerte ich nur leise, biss die Zähne zusammen. Seine Hand legte sich auf meinen Mund, als wäre ich immer noch zu laut.


Er gehorchte, sein Tempo wurde schneller, er stieß tief und hart in mich, sein Becken klatschte gegen meinen Hintern. Haut auf Haut. Ich presste meine Hände gegen die Wand, seine Stöße schüttelten mich durch und ich spürte, wie mein Unterleib zuckte, wie er zu kontrahieren begann, wie er Wellen aussendete.


Stimmen kamen näher, ein Mann und eine Frau, sie unterhielten sich und jemand probierte die Kabinentür aus. Ich erstarrte kurz, hielt den Atem an, aber er machte einfach weiter, stieß in mich, als ob da draußen nicht Leute wären. „Ist besetzt“, sagte der Mann. „Da ist jemand drin.“


„Aber was sind das für Geräusche?“ fragte die Frau in einem ziemlich naiven Tonfall. In diesem Moment stieß mein Fickgenosse einmal richtig hart in mich und ich konnte einen kleinen Aufschrei nicht unterdrücken. „Und was war das? Da hat doch jemand geschrien.“


„Ich hab keine Ahnung“, sagte der Mann belustigt und es klang eher so, als wüsste er sehr genau, was hier in der Kabine abging. „Lass gut sein, Schatz.“


Die Schritte entfernten sich wieder und ich atmete die Luft aus, die ich wohl angehalten haben musste. Genau das, dieses Risiko, erwischt zu werden, machte mich nur noch geiler. Vielleicht holten die beiden jetzt den Bademeister. Da draußen waren Menschen und wir vögelten hier, als hätten wir das ganze Schwimmbad allein für uns. Das war einfach geil, nur dass ich leise sein musste, gefiel mir nicht, das lag mir überhaupt nicht, ich zeigte gerne, wie geil ich war, ließ beim Sex gerne alles raus.


„Du kleine Schlampe bist so geil eng“, keuchte er und fickte mich unbeirrt weiter, als hätte da grad nicht jemand vor der Tür gestanden. Er stieß gnadenlos immer wieder hart in mich und fing mich damit wieder ein, holte mich zum Fick zurück. Ich biss mir auf die Lippen, meine Möse zog sich zusammen, meine Muskeln spannten sich an und die Wellen türmten sich auf und urplötzlich entlud es sich in mir, ich kam heftig und es durchfuhr wie ein Blitz, ließ mich zittern und verkrampfen. Ich presste meinen Mund an seine Hand vor meinem Lippen, um nicht zu schreien. Er kam kurz nach mir, sein Körper versteifte sich, ein ersticktes Stöhnen kam aus seiner Kehle. Er stieß ein letztes Mal tief in mich und verharrte dann.


Wir blieben einen Moment so stehen, ich atmete schwer, und stand trotz der Kühle in der Kabine total verschwitzt da. Er zog sich aus mir zurück, meine Beine zitterten leicht. Er klapste mir auf den Hintern. „Du bist wirklich ein geiles Stück“, sagte er leise und ich hörte, wie er seine Badehose hochzog.


„Ich weiß“, antwortete ich, drehte mich um und lehnte mich an die Fliesen. Mein Atem ging noch immer schnell, meine Wangen waren gerötet. Er sah mich an, sagte nichts, stellte keine Fragen, nicht, wie ich hieß oder ob wir Nummern tauschen wollten. Und ich fragte auch nicht.


Dann grinste er. „War ein geiler Fick“, sagte er nur. Dann entriegelte er die Tür und verließ die Kabine. Ich lachte leise, der Typ war wie ich, nur schlimmer. Ich stellte die Dusche an und brauste mich ausgiebig ab. Ich fragte mich, wo das Kondom geblieben war, es lag hier nirgendwo auf dem Boden. Hatte der Kerl es etwa mitgenommen? Als Souvenir oder so? Kurz stellte ich mir vor, wie er das benutzte Ding mit seinem Zeugs darin in seinem Keller zu vielen anderen Kondomen mit einer Wäscheklammer an eine Wäscheleine hängte. Mit einem kleinen Schild, auf dem „Das geile Stück aus dem Freibad“ stand. Ich musste lachen, stellte die Dusche aus, zog mich wieder an und verließ die Kabine…

Kapitel 11: Nachbarschaftshilfe


Ich machte mich auf den Heimweg. Ich hatte mein kurzes Kleid einfach wieder über den noch feuchten Bikini gezogen und marschierte langsam zurück, die Sporttasche über der linken, die Bag über der rechten Schulter. Meine Haare rochen trotz der Dusche immer noch nach Chlor. Keine Ahnung, welche Mengen die da ins Wasser kippten.


Es war inzwischen ziemlich heiß geworden, aber mir LSF 50+ kam sogar ich ganz gut durch. Ich grinste vor mich hin, der Fick in diese Kabine mit Mister Unbekannt war verdammt geil gewesen, aber ich musste sagen, also wenn ich mal so richtig drüber nachdachte, dass die ganze bisherige Woche voller geilem Sex gewesen war. Jan am Montag, der anonyme Jogger, der Typ im Abstellraum und Mika am Dienstag, Yuki, Rouven im Plattenladen und David gestern am Mittwoch, heute Mister Freibad. Und heute war noch lange nicht vorbei. Und die Woche schon gar nicht. Da konnte noch viel passieren.


Ich wusste nicht genau warum, aber ich schlug einen anderen Weg ein als auf dem Hinweg, und irgendwie führte mich dieser Weg fast wie von selbst zu Mikas Wohnung.


Die Tür unten stand offen, im Treppenhaus roch es noch immer nach frischer Farbe, meine Flipflops schlappten leise auf den Stufen. Im zweiten Stock blieb ich vor seiner Tür stehen und klingelte.


Drinnen hörte ich Geräusche, ein dumpfer Schlag, etwas fiel um, dann Schritte. Ich hörte einen leisen Fluch und kurz darauf wurde die Tür geöffnet.


„Anouk?“ Mika sah mich überrascht an und mir war sofort klar, dass er wohl ziemlich beschäftigt war, aber das interessierte mich nicht, ich würde ihn schon von seiner Beschäftigung wegkriegen. Ich sah ihn mit meinem liebsten Lächeln an. Er wirkte ein bisschen gestresst oder vielleicht eher genervt. Seine Haare waren zerzaust, das graue T-Shirt verschwitzt, an den Händen klebte Staub. Hinter ihm sah ich noch immer nicht ausgepackte Kartons, aber vielleicht ein paar weniger als beim letzten Mal. Er atmete tief durch. „Schön dich zu sehen.“


„War schwimmen“, sagte ich und deutete auf meine feuchten Locken. „Und hab gedacht, ich schau mal, was mein neuer Fast-Nachbar so macht.“


Seine Augen glitten kurz über mich, das dünne weiße Kleid war an einigen Stellen feucht vom Schweiß und klebte an meiner Haut. Ich sah, wie sich seine Augen kurz weiteten, bevor sie wieder zu meinem Gesicht wanderten.


„Nett von dir“, sagte er und trat zur Seite. „Ich versuch grad, meine Anlage anzuschließen, aber irgendwas stimmt nicht. Komm rein.“


Die Wohnung sah schon viel ordentlicher aus. Die Ledercouch stand jetzt an der richtigen Stelle, ein niedriger Holztisch davor, die Gitarre lehnte an der Wand. Aber in einer Ecke herrschte das blanke Chaos aus Kabeln, Verstärkern und Boxen. Mika folgte meinem Blick.


„Ich wollte endlich mal richtig Musik machen“, erklärte er. „Mit allen drum und dran. Aber diese Scheiß-Technik will nicht so, wie ich will.“


„Zeig mal“, sagte ich und ging zu dem Gewirr aus schwarzen, gelben, roten und blauen Kabeln. Ich hatte zwar null Ahnung von sowas, aber manchmal half ein anderer Blickwinkel von jemandem, der wie ich eben keine Ahnung hatte.


„Du kennst dich mit sowas aus?“ fragte er überrascht und kam näher, roch nach Schweiß und Anstrengung, nicht unangenehm, einfach männlich, sehr männlich.


„Nee, aber ich kann dir beim Fluchen helfen“, grinste ich. „Oder bei was anderem. Mach mal eine Pause bei der Hitze.“


Er sah mich an, als würde er zum ersten Mal richtig registrieren, dass ich da war. Er grinste schief. „Du hast recht. Willst du was trinken? Hab sogar Wasser, nicht nur Bier.“


„Ich nehm ein Bier“, sagte ich und ließ mich auf die Couch fallen, spürte das Leder an der Haut meiner Beine. Das feuchte Kleid klebte ein bisschen unangenehm an meinem Rücken.


Mika brachte zwei Astra und drückte mir eins in die Hand. Er setzte sich neben mich und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Es war zwar erst Mittag und ich trank tagsüber eigentlich keinen Alkohol, aber jetzt grade war mir danach.


„Boah, ist das stickig hier drin", sagte Mika und sah sich in seiner Wohnung um. Die Sonne knallte durch die großen Fenster, zwischen den Kartons staute sich die Hitze. „Ich hab einen Balkon. Ziemlich klein, aber da ist jetzt wenigstens Schatten. Und hoffentlich mehr Luft. Kommst du?"


Ich nickte und fragte mich sowieso, warum Mika bei der Hitze mit der Bastelei anfangen musste. Naja, Männer eben. „Klar. Hier drin ist es ja nicht auszuhalten."


Wir gingen durch die kleine Küche, auch hier hatte er Fortschritte gemacht seit Dienstag, ein paar Töpfe hingen an Haken, Gewürze standen aufgereiht auf der Arbeitsplatte. Die Balkontür stand offen, Luft strömte herein, warm, sehr warm aber immerhin Luft.


Der Balkon war wirklich winzig, gerade groß genug für zwei Klappstühle, einen kleinen Tisch dazwischen und ein paar Pflanzen in Töpfen, die schon ziemlich mitgenommen aussahen. Aber immerhin die Hälfte lag im Schatten, die andere noch in der prallen Sonne. Die Brüstung aus Metall glänzte im Licht.


„Perfekt", sagte ich und stellte mein Bier auf dem Tisch ab. Das feuchte Kleid klebte unangenehm an meiner Haut. „Ich muss das Ding loswerden, sonst dreh ich durch." Ich griff nach dem Saum und zog das weiße Kleid über den Kopf und stand im Bikini da. Ich hängte das Kleid über die sonnenbeschienene Brüstung.


„Trocknet da hoffentlich schnell", sagte ich und ließ mich auf einen der Klappstühle fallen.


Mika stand noch immer in der Balkontür, seine Augen glitten kurz über mich, verweilten an den richtigen Stellen, dann grinste er. „Mach es dir bequem", sagte er trocken und setzte sich auf den anderen Stuhl.


Ich nahm einen großen Schluck von meinem Bier, lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen. Die Luft war warm, aber erträglich hier draußen. Irgendwo unten auf der Straße hupte ein Auto, Stimmen drangen herauf, das normale Treiben der Stadt.


„Und? War das Schwimmen gut?", fragte Mika und ich hörte sein Grinsen heraus, als ob er ahnen würde, was ich da getrieben hatte.


„Sehr gut", sagte ich und öffnete die Augen. „Das Kaifu-Bad. Kennst du das?"


„Noch nicht. Bin ja erst seit ein paar Tagen hier." Er trank von seinem Bier. „Lohnt sich das? Hübsche Mädels oder nur alte Schrapnellen?“


„Hab nur hübsche Jungs gesehen“, erwiderte ich. „Insgesamt alles okay da, das Wasser ist angenehm kühl und insgesamt ist es nicht zu voll." Ich grinste. „Und die Duschen sind auch… annehmbar."


Er lachte leise. „Klingt nach einer Empfehlung."


„Auf jeden Fall“, bestätigte ich. „Können ja mal zusammen hingehen.“


„Hmmm“, machte Mika, hatte nun die Augen geschlossen. Wir schwiegen eine Weile, tranken unser Bier. Es war alles sehr entspannt, einfach nur zwei… Freunde, die im Schatten saßen, Bier tranken und der Hitze entkamen. Okay, vielleicht eher Freund plus.


„Noch eins?", fragte Mika, als ich meine Flasche ausgetrunken hatte.


„Warum nicht", sagte ich. „Ich muss erst um fünf arbeiten.“


Er verschwand in der Küche, kam mit zwei neuen Flaschen zurück. Wir stießen an, tranken. Die Sonne wanderte langsam weiter, der Schatten auf dem Balkon wurde größer.


„Deine Anlage funktioniert also nicht?", fragte ich nach einer Weile.


„Nö, aber das ist mir jetzt grad ziemlich egal." Er grinste schief. „Mit dir hier abhängen ist auf jeden Fall besser."


Ich lachte leise, ich fühlte mich wohl, etwas müde von der Wärme. „Gute Erkenntnis“, sagt ich und ließ meinen Blick schweifen, über den Balkon, über die Dächer der Nachbarhäuser, über Ottensen, das im frühen Nachmittag vor sich hin döste. Ich spürte das Bier in meinem Kopf, eine leichte Benommenheit, angenehm und entspannend.


Und dann merkte ich, wie Mikas Blick auf mir ruhte. Nicht aufdringlich, nicht gierig, einfach nur... naja, vielleicht doch ein bisschen gierig.


Ich drehte den Kopf zu ihm und hob meine Augenbrauen. „Was denn?" fragte ich.


„Nichts", sagte er. „Du siehst nur so... entspannt aus. Zufrieden."


„Bin ich auch", sagte ich. Und das stimmte ja auch. Hier zu sitzen, in der Sonne, in der langsam mein Kleid auf dem Metallgeländer trocknete, mit einem kalten Bier in der Hand und einem Mann, der nicht nervte, das war gut. „Ich denk nicht mal an Sex.“


„Ich schon", gab er mit einem schiefen Grinsen zu. „Wie auch nicht? Du sitzt hier in einem Bikini, der ja wirklich nicht viel nicht zeigt. Und… naja, du machst mich halt an, dafür musst du gar nichts machen.“


„Ernsthaft jetzt?“ lachte ich und beugte mich vor. „Ich mach dich also geil, ja?“


Er nickte. „Ist eben so. Aber lass mal, Sex bei der Hitze ist sowieso viel zu anstrengend.“


Er beugte sich ebenfalls vor und unsere Blicke trafen sich. Und in diesem Moment wusste ich, dass es doch passieren würde. Nicht weil ich hergekommen war, um mit ihm zu vögeln. Sondern einfach, weil es sich richtig anfühlte.


Ich setzte mein Bier ab, stand auf. Mika sah mich fragend an, aber er sagte nichts. Ich stellte mich vor ihn, unsere Blicke hielten sich fest. Dann kniete ich mich zwischen seine Beine, die er bereitwillig öffnete. „Findest du wirklich?“


„Anouk...", begann er, aber seine Stimme klang schon rau vor Erregung. „Was wird das?“


„Pscht", machte ich und öffnete seinen Gürtel, er hob den Hintern an und ich zog an seinen Shorts, nahm dabei seine Boxer mit und ließ beide nach unten rutschen. Er war schon verdammt hart. Ich nahm seinen Schwanz in die Hand und leckte genüsslich über seine Eichel. Er zuckte zusammen und keuchte unterdrückt auf. „Du armer Mann hast Notstand. Und ich hab den verursacht, da muss ich ja wohl was gegen tun.“


Ich nahm seine Eichel zwischen die Lippen und nuckelte daran wie an einem Eis und genoss das Wissen, dass ich ihn anmachte. Mika keuchte und ich ließ ihn tiefer in meinen Mund, bewegte dann meinen Kopf langsam vor und zurück und presste meine Lippen eng um seine Härte.


„Fuck“, keuchte er leise und seine Hand fuhr in meine noch feuchten Haare, nicht drängend, eher so, als würde er Halt suchen. Ich veränderte immer wieder das Tempo, mal schnell, dann langsam, nahm ihn mal tief auf, mal nur seine Eichel, entließ ihn zwischendurch ganz, tanzte mit der Zunge auf seiner Spitze, leckte das Bändchen darunter entlang. Seine Finger in meinem Haar krümmten sich, seine andere Hand klammerte sich an die Armlehne des Klappstuhls, die Knöchel weiß.


„Kondom?" presste er hervor, seine Stimme angespannt, erregt. Ich mochte es, wenn ein Mann in diesem Zustand war. Und noch mehr, wenn ich es war, die ihn in diesen Zustand brachte.


Ich ließ kurz von ihm ab, sah zu ihm hoch. „Hast du eins greifbar?"


Er schüttelte den Kopf. „Nicht hier draußen. Ich müsste..."


„Schon gut", unterbrach ich ihn und nahm seinen harten Schwanz wieder in den Mund. Ich wollte nicht, dass er jetzt aufstand, ins Schlafzimmer lief und die Stimmung kaputt machte. Ich wollte es genau hier, genau jetzt genauso zu Ende bringen.


Ich steigerte das Tempo, nahm ihn tiefer. Sein Atem wurde schneller, unregelmäßiger. Ich spürte, wie sich sein ganzer Körper anspannte.


„Anouk, ich...", keuchte er, seine Hände gruben sich tiefer in mein Haar. Ich machte genauso weiter und als ich spürte, dass er kurz davor war, als sein ganzer Körper vibrierte und er sich unter mir wand, unterdrückt keuchte und stöhnte, wurde ich richtig langsam, quälend langsam, zögerte es heraus, bewegte meinen Kopf ganz langsam.


„Oh Fuck“, stöhnte er, er sah zu mir runter und sein Blick ging mir durch und durch, so viel Geilheit und Lust in seinen Augen. Ich wurde nicht schneller, aber wenige Augenblicke später kam er mit einem dumpfen Aufschrei in meinem Mund und ich schluckte seinen Erguss herunter


Ich blieb noch einen Moment vor ihm, sah zu, wie seine Härte erschlaffte, dann richtete ich mich auf und sank in meinen Stuhl zurück. Er sah mich an und ich leckte mir genüsslich über die Lippen.


„Nachbarschaftshilfe", sagte ich grinsend und nahm mein Bier, trank einen langen Schluck.


Mika lachte, zog seine Shorts hoch. „Du bist echt eine Nummer", sagte er und schüttelte den Kopf. „Einfach so, mitten am Tag, auf dem Balkon..."


„Warum nicht?", sagte ich achselzuckend. „Es ist heiß, wir trinken Bier, ich mag dich und du warst geil. So what.“


Er lachte wieder, lauter diesmal. „Okay, ich mag deine Nachbarschaftshilfe und deinen… ähm… Pragmatismus.“


Ich beugte mich vor und sah ihn direkt an. „Heute im Bad hat mich jemand ‚Geiles Stück‘ genannt“, sagte ich grinsend.


Mika schmunzelte. „Ich hätte das jetzt nicht so ausgedrückt, aber genau das bist du. Hat das der gesagt, mit dem du im Bad gevögelt hast?“


„Hey“, sagte ich gespielt empört. „Wer sagt, dass ich im Bad Sex hatte? Sowas mache ich nicht, ich bin eine ehrbare Frau.“


„Ist klar“, grinste Mika. „Wenn du nicht schon gevögelt hättest heute, hättest du mich garantiert ein Kondom holen lassen.“ Er lehnte sich entspannt und selbstzufrieden in seinem Stuhl zurück. „Du kannst gerne öfter herkommen, nachdem du Sex hattest. Du bläst nämlich verdammt gut.“


„Idiot“, lachte ich. „Hol lieber noch ein Bier. Los, schieb ab.“


„Jawohl, noch ein Bier", wiederholte er und stand auf. „Kommt sofort."


Als er in der Küche verschwand, lehnte ich mich zurück und schloss die Augen. Hamburg summte unter mir und ich fühlte mich ziemlich gut. Mika war cool, er stellte keine Erwartungen an mich, ich keine an ihn. Ich sah über die Dächer der Nachbarschaft, mein Kleid hing immer noch über der Brüstung, sollte inzwischen wohl trocken sein.


Mika kam mit dem dritten Bier zurück, setzte sich wieder. Wir tranken schweigend, genossen die Ruhe. Irgendwann sah ich auf mein Handy. 14:37 Uhr.


„Scheiße", murmelte ich und streckte mich, ich fühlte mich herrlich träge und hatte überhaupt keine Lust, mich aufzuraffen. „Ich muss noch arbeiten heute.


„Wann denn?", fragte Mika und sah mich über seine Bierflasche hinweg an.


„Siebzehn Uhr. Und dann bis zweiundzwanzig Uhr durchziehen“, seufzte. „Lange Schicht."


„Hast du schon was gegessen?" fragte er. ‚,Ich nämlich nicht. Und ich hab Kohldampf.“


Ich überlegte. Das Frühstück heute Morgen war... wann war das gewesen? Irgendwann. Toast mit Marmelade, glaube ich. „Nicht wirklich."


„Ich könnte was machen", sagte Mika und stand auf. „Einfache Pasta. Dauert nicht lang. Wenn du magst."


Ich sah zu ihm hoch. Pasta klang gut. Eigentlich klang das sogar sehr gut. „Einfache Pasta?"


„Ganz einfach. Knoblauch, Olivenöl, Chili, Parmesan. Aglio e Olio. Kann ich im Schlaf." Er grinste. „Und ich hab tatsächlich alle Zutaten da."


„Okay", sagte ich. „Warum nicht. Aber ich muss wirklich um halb fünf spätestens los."


„Kein Problem“, meinte er. „Ist ja erst zwanzig vor drei, das schaffen wir dicke.“ Er verschwand in der Küche. Ich blieb auf dem Balkon sitzen, trank mein Bier aus, hörte ihn drinnen hantieren. Töpfe klapperten, Wasser rauschte, der Geruch von Knoblauch und Olivenöl zog nach draußen.


Ich stand auf, nahm mein inzwischen trockenes Kleid von der Brüstung und hängte es über die Lehne eines der Stühle. Dann ging ich in die Küche.


Mika stand am Herd, rührte in einer Pfanne. Neben ihm ein Topf mit kochendem Wasser, in dem Spaghetti vor sich hin blubberten. Er sah konzentriert aus.


„Riecht gut", sagte ich und lehnte mich gegen den Türrahmen, betrachtete ihn


„Wird auch gut." Er sah kurz zu mir. „Magst du es scharf?"


„Beim Sex ja“, grinste ich. „Beim Essen eigentlich auch, aber nicht bei der Hitze.“


Mika lachte. „Typische Anouk-Antwort“, sagte er und streute rote Flocken in gemäßigter Menge in die Pfanne, nicht zu viel. Der Geruch wurde intensiver und mein Magen knurrte laut.


„Du hast also Hunger, oder?", lachte Mika. „Wusste ich’s doch.‘


„Jetzt schon", gab ich zu. Ich hatte mal wieder nicht gemerkt, dass ich mal was essen musste. „Aber wir essen draußen, ja? Dein Gebrutzel macht’s hier drin nicht unbedingt kühler.“


„Ich brutzel nicht, ich koche“, rief er mir hinterher, als ich auf den Balkon zurückging. „Du Banausin!“ Ich grinste und pflanzte mich wieder auf meinen Klappstuhl.


Wenige Minuten später kam er heraus, zwei dampfende Teller in den Händen. Pasta und es roch göttlich. Knoblauch, Olivenöl, eine Spur Chili, frischer Parmesan darüber gerieben.


Ich nahm den ersten Bissen. „Ohja", sagte ich mit vollem Mund. „Das ist einfach geil. Besser als Sex.“ Ich schaufelte die Nudeln ungeniert gierig in mich rein.


„Hab ich doch gesagt." Er grinste und rollte gekonnt Spaghetti auf seine Gabel. „Und du isst genauso gierig, wie du Sex hast.“


Ich lachte. „Aus deinen Mund klingt das ja fast galant.“


Dann aßen wir schweigend, fast konzentriert, als hätten wir seit Tagen nichts zu essen gekriegt. Die Pasta war genau richtig, al dente, nicht zu ölig, nicht zu trocken.


„Wo hast du das gelernt?", fragte ich, als mein Teller halb leer war.


„Von einer Mitbewohnerin in Berlin. Italienerin. Die hat mir beigebracht, wie man sowas richtig macht. Also so, wie ein Italiener das kocht, nicht das, was den Touris vorgesetzt wird.“ Er zuckte mit den Schultern. „Aglio e Olio war das erste. Und irgendwie auch das beste."


„Definitiv", sagte ich und schaufelte die Pasta weiter in mich rein. „Du kannst also fantastisch kochen und noch besser ficken. Du spielst Gitarre und kannst singen. Hast du sonst noch Qualitäten, die ich kennen sollte?“


Er grinste breit. „Da hast du das wichtigste schon zusammen“, sagte er. „Den Rest kriegst du vielleicht nach und nach raus.“


„Hoffentlich“, nuschelte ich zwischen zwei Bissen und stopfte jede einzelne Nudel in mich. Als ich fertig war, lehnte ich mich zurück und seufzte zufrieden. „Danke. Das war genau das, was ich gebraucht hab. Wusste ich nur nicht.“


„Gern geschehen." Er lächelte versonnen, ein Lächeln, das ihm noch besser stand als sein schiefes Grinsen. „Nachbarschaftshilfe, weißt du."


Ich musste lachen. „Aha, also helfen wir uns gegenseitig? Ich befriedige deine Gelüste und dafür kochst du für mich?“


Er grinste. „Ist doch ein guter Deal, oder? Und Gelüste befriedigen, da bist du echt gut drin.“


„Gibt sicher schlimmeres“, gab ich mit einem leisen Lachen zurück. „Auch wenn das ein bisschen weird klingt, wenn du das so sagst.“


Er grinste. „Nur die Wahrheit“, sagte er und zuckte mit den Achseln. „Sex ist für dich so… essentiell wie Atmen, Essen und Trinken, oder? Ist doch okay. Mehr als okay. Wäre gut, wenn viel mehr Leute so leben würden. Wer viel vögelt, stellt vielleicht keinen anderweitigen Blödsinn an.“


„Jetzt wird’s aber echt philosophisch“, lachte ich und dachte, wie schnell er mich irgendwie… naja, nicht durchschaut, vielleicht eher erkannt hatte. „Krieg ich noch ein Bier?“ Es war kurz nach halb vier und ich spürte den Alkohol natürlich, wahrscheinlich würde meine Schicht noch nerviger werden, ich hasste es sowieso, bis zehn Uhr abends zu arbeiten. Aber grade war mir das sowas von scheißegal.


Mika holte noch zwei Astra, das vierte. Wir redeten noch eine gute Stunde über alles mögliche, über Gott und die Welt, über alles und über gar nichts. Es war so herrlich einfach und entspannt mit Mika. Wenn ich einen Mister Right suchen würde, wäre er ziemlich nahe an meinem Idealbild.


Irgendwann würde es Zeit für mich, ich sah auf mein Smartphone. 16:23 Uhr. „Ich muss wirklich los. Muss noch nach Hause, mich umziehen“, sagte ich seufzend. Ich hatte absolut keine Lust, aber kneifen und krankmelden war keine Option. Darunter würden meine Kolleginnen leiden. Und das ging gar nicht, sowas machte ich nicht. Ich mochte sehr auf mein Vergnügen fixiert sein, aber meine Mädels ließ ich nicht im Stich.


„Okay“, sagte Mika. „Ich bring dich noch raus.“ Wir standen auf, ich zog mit das Kleid an und schlüpfte in meine Flipflops. Wir gingen durch die Küche in sein Wohnzimmer.


„Deine Anlage übrigens“, sagte ich und deutete zu dem Kabelsalat in der Ecke. „Das rote Kabel gehört nicht zum gelben Anschluss an dem Teil da. Wie heißt das? Garantiert nicht.“


Mika blieb stehen, sah mich verwundert und mit gerunzelter Stirn an. „Verstärker“, sagte er. „Aber woher weißt du das?“


Ich grinste. „Reine Intuition“, antwortete ich. „Seit wann kommt ein rotes Kabel an einen Anschluss mit gelber Farbe? Ist doch unlogisch, oder nicht?“


Mika schlug eine Hand gegen seine Stirn. „Ich Idiot“, lachte er. „War wohl einfach zu heiß, da kann mein Gehirn nicht mehr arbeiten.“


Er schüttelte den Kopf und öffnete mir die Tür, lehnte sich an den Rahmen. „Schön, dass du da warst“, sagte er.


Ich grinste „War sicher nicht das letzte Mal." Ich stand schon im Flur, unser Blicke trafen sich, aber ich sah in seinem nichts, was mir nicht gefiel. „Danke für die Pasta. Und das Bier."


„Jederzeit." Er küsste mich zum Abschied auf die Wange. „Viel Spaß bei der Arbeit."


„Danke. Wird bestimmt ein Spaß, fünf Stunden servieren bei der Hitze“, seufzte ich. Ich hatte vorhin auf meine Wetter-App geschaut, Hamburg stand wohl eine weitere tropische Nacht bevor.


„Du schaffst das", sagte er mit seinem schiefen Grinsen und zwinkerte mir zu.


Ich ging die Treppe runter, Draußen war es immer noch heiß, die Sonne brannte vom Himmel. Aber ich fühlte mich gut. Oder doch nicht? Mein Kopf fühlte sich leicht an und schwer zugleich. Vier Bier bei der Hitze waren vielleicht keine so gute Idee gewesen. Die Schicht würde ätzend werden. Aber jetzt war es zu spät.

Kapitel 12: Madeleine


Ich kam tatsächlich grad noch einigermaßen pünktlich im Café an, 16:58 Uhr, für mich eher spät, meistens war ich eine Viertelstunde vorher da. Und auch das hatte ich nur geschafft, weil ich auf die Dusche verzichtet und mich nur umgezogen hatte.


Teresa nickte mir zu, als ich durch die Hintertür ins Café kam. „Hallo Anouk", sagte sie und musterte mich prüfend wie immer. Ich ging wohl durch, auch wenn ich sicher nicht so frisch aussah wie sonst und mich auch nicht so fühlte. Vier Bier am Nachmittag waren vielleicht doch keine gute Idee gewesen. War aber jetzt nicht mehr zu ändern.


Ich zupfte mir das kurze Sommerkleid zurecht, hellblau mit winzigen weißen Blümchen, ärmellos, mit einem V-Ausschnitt, der anständig genug war. Fand ich zumindest. Der Rock endete knapp über meinen Knien, alles luftig genug für die Hitze. Meine Haare hatte ich heute zu einem lockeren Dutt hochgesteckt, ein paar Strähnen fielen mir ins Gesicht. Machte ich selten, Ich trug sie eigentlich lieber offen, aber dafür hätte ich sie waschen müssen.


Ich band mir die weiße Schürze um die Hüften, holte das Tablet für die Bestellungen, warf mir eine Minzpastille gegen den Geruchsmix aus Bier und Knoblauch in meinem Atem ein, ich würde heute wohl ein bisschen Abstand halten müssen, und ging raus in den Außenbereich.


Das Café war gut besucht, wie eigentlich immer, zwischen fünfzehn und zwanzig Uhr brummte es in der Woche einfach, danach wurde es dann meistens weniger. Deswegen mochte ich genau diese Schicht am liebsten, die Zeit ging am schnellsten um. Was morgens los war, wusste ich nicht wirklich, ich arbeitete nie morgens.


An den Tischen saßen die üblichen Verdächtigen, Studenten mit Laptops, ältere Damen beim Kaffeeklatsch, ein Paar, das sich leise, aber angeregt unterhielt. Ich sah Herrn Matthiesen an seinem Tisch und winkte ihm zu. Die erste Stunde verlief wie immer. Bestellungen aufnehmen, servieren, kassieren, Tische abräumen. Ein Lächeln hier, ein Spruch da, aber ich merkte schnell, dass ich nicht gut drauf war, irgendwie lahm, viel lahmer als sonst. Und diese verdammte Hitze ließ sich nicht nach. Ich spürte den Schweiß unter meinen Achseln, zwischen meinen Brüsten, zwischen meinen Beinen. Ich trug schon immer möglichst knappe Slips und das hatte nicht nur mit sexy sein zu tun, sondern auch damit, dass sich für mich so wenig Stoff dicht am Körper angenehmer anfühlte. Das Kleid klebte an meinem Rücken.


Aber solange es voll war, funktionierte ich, wenn auch nicht so gut wie sonst. Mir war es immer lieber, wenn es voll war, wenn ich keine Zeit zum Rumstehen hatte, sondern in Bewegung bleiben musste. Ich hasste es, wenn ich nicht genug zu tun hatte, ich kam mit zu viel zu tun besser klar als mit zu wenig zu tun. 120 Prozent waren besser als 80 Prozent.


Aber gegen acht Uhr wurde es ruhiger, sogar ruhiger als sonst an einem Donnerstag. Die meisten Gäste waren gegangen, nur ein paar saßen noch an ihren Tischen, tranken ihren Wein und plauderten leise.


Und ab da wurde die Schicht die Hölle. Ich hatte weniger zu tun, fuhr ein bisschen runter und wurde paradoxerweise unruhig. Mein Kopf dröhnte jetzt, das Bier von vorhin machte sich so richtig bemerkbar. Ich vergaß zwei Bestellungen ganz, verwechselte Tisch vier mit Tisch fünf und brachte die falschen Getränke. Ich war auf einmal gereizt, schaffte aber, es mir nicht allzu sehr anmerken zu lassen. Zum Glück war das hier alles Routine, vertraute Routine. Gut, dass ich hier schon so lange arbeitete. Bei einem neuen Job hätte ich das nicht durchgezogen gekriegt, hätte wahrscheinlich jetzt gesagt, mir ginge es nicht gut und wäre verschwunden. Aber das Café war ein sicherer Hafen, selbst wenn ich nicht so ganz bei mir war wie heute.


Gegen Viertel vor neun sah Fiona mich fragend an. "Alles okay?" wollte sie wissen, ihr Blick war fast fürsorglich.


„Ja, ist nur die Hitze“, log ich zuerst, atmete dann tief durch und setzte hinzu: „Nein, mir geht’s nicht gut, ich hab echt üble Kopfschmerzen.“ Von meiner plötzlichen Unruhe erwähnte ich nichts. Und auch nichts vom Bier heute bei Mika. Ich nahm mir fest vor, dass nie wieder zu tun, aber sowas nahm ich mir öfter vor und hielt mich dann doch nicht dran.


„Dann nimm zwei Aspirin“, sagte Fiona. „Hat ja keinen Sinn, wenn du dich da bis Schichtende durchquälst. Oder geh nach Hause, ich schaff das hier schon.“


Ich schüttelte den Kopf. „Nee“, sagte ich. „Ich bleib hier, Aspirin wird schon reichen. Bin gleich wieder da.“ Ich ging rein, am Tresen vorbei in den Personalraum, hier gab es eine Hausapotheke. Ich wühlte darin herum, fand Aspirin und löste zwei Tabletten in Wasser auf. Nachdem das Sprudeln aufgehört hatte, trank ich das Glas in einem Zug aus. Ich seufzte, wie blöd war ich eigentlich? Ich hatte die ganze Zeit nichts getrunken. Warum vergaß ich sowas bloß ständig? Genau wie das mit dem Aspirin, hätte ich auch selber drauf kommen können.


Ich machte mich wieder am die Arbeit, es ging auf neun Uhr zu. Nur noch eine Stunde, meine Kopfschmerzen waren weg und ich fühlte mich insgesamt besser, aber topfit war was anderes. Das Café leerte sich immer mehr, es gab kaum noch Gäste, die nach irgendwas verlangten. Also suchte ich mir Beschäftigung.


Ich wischte gerade einen Tisch ab, zum dritten oder vierten Mal, als ich das Klackern hoher Absätze hörte, ich drehte mich um. Es war eine Frau, Mitte zwanzig, schlank, lange dunkel-, fast schokoladenbraune Haare, die hochgesteckt waren, nur ein paar Strähnen fielen ihr locker ins Gesicht. Haselnussbraune Augen, ein schmales Gesicht, volle Lippen. Sie trug ein kurzes schwarzes Etuikleid und schwarze High Heels. Dezenter Schmuck, eine Goldkette, kleine Ohrringe. Sie sah atemberaubend aus, aber in ihrem Gesicht lag etwas Angespanntes, etwas Verärgertes. Nein, eigentlich sah sie verdammt angepisst aus.


Ich erkannte sie erst beim zweiten Hinsehen, das war Madeleine, die Studentin, die gestern oder vorgestern hier gewesen war. Mich interessierten nicht viele Frauen, aber wenn, dann waren es außergewöhnliche Frauen. So wie Yuki. Oder eben Madeleine. Ja, sie hatte was.


Sie sah sich um, ihr Blick wanderte über den Außenbereich, blieb an mir hängen. Etwas in ihrem Gesicht entspannte sich ein bisschen, aber das Angepisste blieb. Sie schien mich zumindest erkannt zu haben. War sie wegen mir angepisst? Ich konnte mich nicht erinnern, ihr einen Grund dafür gegeben zu haben.


Sie kam direkt auf mich zu, ihre Absätze klackten auf dem Boden. ‚Hallo", sagte sie, ihre Stimme klang nicht so warm wie beim letzten Mal. Eher frustriert. „Du arbeitest also tatsächlich um diese Zeit."


„Hab ich doch gesagt", gab ich zurück und sparte mir mal, dass ich normalerweise um diese Zeit schon wieder weg war. Ich musterte sie. „Wow. Du siehst umwerfend aus. Besonderer Anlass?"


„Hätte es sein sollen." Sie lachte, aber besonders froh klang es nicht. „Party bei Freunden. Oder ehemaligen Freunden. Ich weiß es grad nicht so ganz genau." Sie strich sich eine Strähne hinter ihr Ohr. „Ich wurde ausgeladen. Grade eben, kurz vor Beginn. Per WhatsApp. Kannst du dir das vorstellen?"


„Scheiße", sagte ich. „Das ist echt mies."


„Allerdings." Sie atmete tief durch. „Ich war schon fertig. Und dann... das. Ich hab keine Ahnung, was da los ist.“ Sie sah mich an. „Hast du... einen Moment Zeit?"


Ich sah mich um, das Café war fast leer, drinnen stand Teresa an der Kasse und sortierte irgendwas. „Einen kleinen", sagte ich. „Setz dich. Was möchtest du trinken?"


„Einen Weißwein, wenn du hast“, erwiderte sie. „Ihr habt doch noch geöffnet, oder?“


„Haben wir." Ich ging zur Bar, schenkte ein Glas Sauvignon Blanc ein und kam zurück zu ihr.


Sie hatte sich an einen der kleinen Tische am Rand gesetzt, abseits der anderen Gäste, von denen es sowieso nicht mehr viele gab. Als ich ihr das Glas hinstellte, lächelte sie mich an. „Danke. Kannst du dich kurz zu mir setzen?"


Ich zögerte einen Moment, Teresa sah sowas nicht gern andererseits war ja nun wirklich nicht mehr viel los. „Ein paar Minuten", sagte ich und ließ mich mit einem Seufzer auf den Stuhl ihr gegenüber fallen.


„Langer Tag?", fragte sie und trank einen großen Schluck Wein.


„Geht so. Bin seit fünf hier." Ich strich mir eine Locke aus dem Gesicht. „Aber dein Tag war wohl echt beschissen."


„Kann man so sagen." Sie lachte wieder, diesmal echter, zumindest ein bisschen. „Ich hab mich echt gefreut. Die Party sollte richtig gut werden, Leute, die ich ewig kenne und mag, gute Musik, schöne Location. Und dann..." Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. „Abgesagt. Wegen irgendwelcher Beziehungsdramen, von denen ich nicht mal was wusste."


„Und jetzt sitzt du hier“, stellte ich fest, legte den Kopf schief und lächelte sie an.


„Und jetzt sitze ich hier." Sie sah mich an. „Aber ehrlich gesagt... ist das vielleicht gar nicht so übel. Ich hatte sowieso Lust, dich zu treffen. Aber wir haben keine Nummern getauscht.


Ihre Direktheit überraschte mich, den Eindruck, direkt zu sein, hatte sie auf mich nicht gemacht. Aber vielleicht lag das jetzt daran, dass diese Party nicht stattfand und sie eben sauer war. „Stimmt, haben wir nicht", sagte ich grinsend.


„Ich hoffe, ich bin nicht zu... aufdringlich." Ihre Verärgerung wich einer seltsamen Unsicherheit. „Ich weiß, wir kennen uns kaum. Aber ich hab seit gestern immer wieder an dich gedacht."


„Nein", sagte ich, sie war also gestern hier gewesen. „Ich hab ja auch an dich gedacht." Stimmte zwar nicht, aber eine kleine Schwindelei half anderen ja manchmal. Und ihr half es eindeutig, ihr hübsches Gesicht hellte sich nämlich auf.


„Wirklich?" fragte sie, scheinbar überrascht. „Cool.“


„Klar. Du bist interessant." Ich sah sie direkt an. Und das war nicht gelogen, ich fand sie absolut interessant. „Und ziemlich hübsch.“


Sie lächelte ein bisschen verlegen. Oder sie spielte es gut. „Danke“, sagte sie schlicht, aber erfreut.


„Anouk?", rief Teresa von drinnen durch die offene Tür. „Tisch drei will zahlen."


Ich seufzte. „Ich muss weiter", sagte ich zu Madeleine. „Ich hab um zehn Feierabend. Du kannst hier auf mich warten oder wir treffen uns nachher irgendwo."


„Ich bleibe hier“, sagte sie. „Ich warte auf dich. Sind ja nur noch…“ Sie sah auf ihre Uhr am linken Handgelenk. „… achtundvierzig Minuten.‘


Ich lachte und stand auf, ihre Hand streifte kurz meine und irgendwie kribbelte es. Es war anders als mit einem Mann, bei Männern schaltete ich einfach in den Paarungsmodus, wenn mir einer gefiel. Danach war es dann leicht. Mit Frauen funktionierte das nicht unbedingt, bei vielen sogar nicht. Ich zwinkerte Madeleine zu. „Bis gleich“, sagte ich leise und zog von dannen.


Die letzte Dreiviertelstunde zog sich wie Kaugummi, aber ich war trotzdem besser drauf, viel besser. Ich kassierte die letzten Gäste ab, trug Gläser in die Küche, reinigte die Tische. Und ab und zu sah ich zu Madeleine rüber. Sie saß an ihrem Tisch, trank ihren Wein, inzwischen das zweite Glas, las etwas auf ihrem Smartphone. Ihre Verärgerung war wohl verflogen, sie wirkte völlig entspannt.


Um zehn Uhr schloss Teresa die Tür des Cafés ab, die letzten Gäste, zwei eindeutig mehr als angetrunkene Frauen Anfang vierzig, waren vor fünf Minuten gegangen. Sie kicherten wie Teenager, die etwas taten, was ihre Eltern ihnen verboten hatten. „Feierabend", sagte sie. „Geh zu deiner Freundin. Ich glaub, die wartet schon sehnsüchtig…“ Sie deutete mit dem Kinn in Madeleines Richtung. „Fiona und ich machen den Rest.“


„Danke, Chefin“, sagte ich, legte das Tablet auf die Theke und ging in den Personalraum. Ich zog die Schürze aus, hängte sie auf, nahm meine kleine Tasche. Zwischendurch abgerechnet hatte ich schon, zum Glück hatten alle danach mit Karte bezahlt. Die paar Euro Trinkgeld, die mir flöten gingen, konnte ich verschmerzen.


Madeleine wartete an der Hintertür. Sie sah wirklich verdammt gut aus in ihrem Kleidchen und den High Heels und diese schokobraunen Haare waren wirklich ein Hingucker.


„Bereit?", fragte sie mit einem Lächeln.


„Wofür genau?", fragte ich zurück und grinste.


„Ich hab nachgedacht. Die Party mag abgesagt sein, aber warum soll ich deswegen zu Hause rumhocken? Ich bin gestylt, hab gute Laune, naja, jetzt jedenfalls und..." Sie sah mich an. „Ich hätte Lust, mit dir auszugehen. Also, wenn du magst."


„Ausgehen?“ wollte ich wissen. „Was schwebt dir vor? Was trinken und reden. Oder feiern und tanzen? Was ruhiges oder einen draufmachen?“


Sie lachte. ‚Keine Ahnung. Irgendwo tanzen? Ein Club? Können wir ja gleich spontan entscheiden." Sie trat einen Schritt näher. „Hast du Lust?"


Ich sah sie an. Das schicke schwarze Kleid, die High Heels, ihre kunstvoll frisierten Haare. Sie sah verdammt gut aus. Und tanzen klang nicht schlecht.


„Ich muss mich aber umziehen", sagte ich. „In dem Kleid hier kann ich nirgendwo auftauchen. Ich käme wahrscheinlich nicht mal rein."


„Wir gehen zu dir", sagte Madeleine. „Du ziehst dich um, und dann sehen wir weiter. Okay?“


„Okay", bestätigte ich. „Dann los."


Wir gingen zusammen die Ottenser Hauptstraße entlang, es hatte sich natürlich abgekühlt, aber es war die laue Sommernacht, die meine Wetter-App angekündigt hatte. Bestimmt noch zwei- oder dreiundzwanzig Grad. Das Leben summte um uns herum, Leute auf den Straßen, Musik aus Kneipen, Autos, die vorbeifuhren. Ich hatte mich gefangen, der Stress, den ich vorhin plötzlich gefühlt hatte, war verflogen. Wäre Madeleine nicht aufgetaucht, wäre ich wahrscheinlich zu Mika gegangen. Aber sie war aufgetaucht und alles war gut.


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Wir liefen durch die Straßen, vorbei an Bars, Kneipen und Restaurants, an Leuten, die draußen saßen und den Abend genossen. Nach zehn Minuten standen wir vor dem Haus mit meiner und Fridas kleiner WG. Ich schloss auf, wir gingen die Treppe hoch.


„Frida, meine Mitbewohnerin, ist nicht da", sagte ich, nachdem ich die Wohnungstür geöffnet und das Licht im Flur angeschaltet hatte. Ich erkannte das daran, dass ihre Lieblingssandalen, die sie bei diesem Wetter immer anzog, nicht an ihrem Platz standen. „Wahrscheinlich arbeiten."


Die Wohnung war still und dunkel. Ich machte Licht in der Küche. „Mach‘s dir bequem", sagte ich zu Madeleine. „Ich spring kurz unter die Dusche und zieh mich um. Dauert nicht lang."


„Kein Problem", sagte sie und ließ sich auf die alte Couch fallen. „Nimm dir Zeit."


Ich ging ins Bad, ein ziemlich kleiner Raum, aber mir und Frida reichte er. Ich duschte schnell, Haare nass machen, shampoonieren, abspülen, Körper waschen, fertig. Sieben, acht Minuten, maximal. Ich rubbelte mich trocken, wickelte das Handtuch um mich.


In meinem Zimmer stand ich vor meinem Kleiderschrank und überlegte. Madeleine sah aus wie aus einem Modemagazin. Wenn wir irgendwo hingingen, wo sie mit ihrem Etuikleid und den High Heels nicht deplatziert wirkte, musste ich mithalten können. Ich wollte ja nicht völlig neben ihr untergehen.


Ich kramte in meinen Sachen. Mein Blick fiel auf das rote Wickelkleid, das ich im Vintage-Shop gekauft hatte. Ich holte es raus, hielt es hoch, betrachtete es. Schön, definitiv. Aber irgendwie... zu brav für heute Abend. War eher etwas für andere Anlässe. Ich suchte weiter, fand das schwarze Minikleid, eng anliegend, mit einem asymmetrischen Ausschnitt, der meine linke Schulter freiließ. Genau richtig für heute. Ich zog es an, natürlich ohne BH und nur einem So-gut-wie-gar-nichts von Tanga darunter.


Dann suchte ich Schuhe heraus, ich besaß so einige Paar High Heels, auch wenn ich sie nicht oft trug, in der Woche meistens gar nicht. Für heute wählte ich die goldenen mit den dünnen Riemchen, die meine Beine schön lang wirken ließen. Ich schlüpfte hinein und schnallte sie zu. Zehn Zentimeter Absatz. Sieben bis zehn Zentimeter konnte ich gut händeln, darüber wurde es heikel, das war dann eher dekoratives Herumstehen.


Ich wählte Schmuck aus meiner kleinen Schatulle aus. Große, fast bis zu den Schultern reichende goldene Creolen, eine dünne Kette um den Hals und ein paar Armreifen. Dann legte ich ein bisschen Make-up auf, ich hatte ja nicht viel Zeit, also nur das Nötigste, Foundation, Mascara, Eyeliner, dunkelroter Lippenstift. Meine Haare föhnte ich schnell durch, ließ die Locken dann einfach wild fallen, wie sie wollten. Fertig.


„Okay", murmelte ich zu meinem Spiegelbild. „Let's go." Ich nahm meine kleine schwarze Clutch, packte das Nötigste rein, was frau halt so brauchte. Handy, Schlüssel, Geld, Lippenstift, Kondome. Man wusste ja nie.


Als ich ins Wohnzimmer kam, sah Madeleine auf. Ihre Augen weiteten sich. „Wow", sagte sie. „Du siehst... wow aus."


„Danke", sagte ich und lachte. „Muss ja mit dir mithalten, sonst geh ich neben dir ja völlig unter.“


„Das hast du hiermit geschafft“, antwortete sie und stand auf. „Wo gehen wir denn jetzt hin? Das Ankerlicht ist zu casual für unsere Aufmachung, oder?"


„Definitiv“, gab ich zurück. „Lass uns erstmal Richtung Kiez gucken. Hat da nicht dieser neue Club aufgemacht? Hab ich doch irgendwo im Netz gelesen.“


Madeleine holte ihr Handy raus, scrollte ein bisschen herum. „Du hast recht“, sagte sie. „Das 'Velvet'. Hat vor zwei Wochen aufgemacht. Hat ganz gute Rezensionen. Spielen hauptsächlich House, Deep House, ein bisschen Soul. Ziemlich schick, aber nicht snobby. Und heut ist Ladies Night." Sie sah mich an. „Wollen wir?"


„Warum nicht", sagte ich. „Klingt doch ganz okay. Wo ist der?"


„Nähe Große Freiheit“, sagte Madeleine. „Eine von den Seitenstraßen. Kann nicht weit vom Tunnel Club sein, ist auf Maps aber noch nicht eingetragen.“


„Okay. Werfen wir schon finden“, nickte ich. „Dann lass uns fahren."

Kapitel 13: Im Velvet


Die S-Bahn hielt am Bahnhof Reeperbahn. Wir stiegen aus, um uns herum Stimmen, Lachen. Die Abendluft war warm. Wir liefen die Reeperbahn entlang, über den Beatles-Platz, in die Große Freiheit, vorbei an Kneipen und Clubs, an Leuten, die rauchend vor Türen standen, an Touristen, die Fotos machten.


„Da", sagte Madeleine und zeigte auf eine schmale Zuwegung rechts. „Glaub, da ist es."


Wir bogen ab, dann ein schlichtes schwarzes Schild mit silberner Schrift: „Velvet".


Davor stand ein Türsteher, groß, breitschultrig, in schwarzem Hemd. Zwei Handvoll Leute in einer lockeren Warteschlange, nicht allzu sehr viele, vielleicht zehn oder elf.


Wir stellten uns hinten an. Der Türsteher ließ die Leute einzeln, paar- oder gruppenweide rein. Ich beobachtete ihn, er musterte jeden kurz, nickte dann oder schüttelte den Kopf. Zwei Typen in zerrissen Jeans und Kapuzenpullis wurden abgewiesen, zwei andere in Hemd und Chinos und drei in Frauen in kurzen Kleidern durften rein. Ich grinste, Dresscode also.


Nach ein paar Minuten waren wir dran. Der Türsteher sah uns an, sein Blick glitt kurz über Madeleine, dann über mich. Ein kaum merkliches Nicken.


„Ihr zwei zusammen?“ fragte er, seine Stimme klang tief und dunkel, weder freundlich noch unfreundlich.


„Ja", lächelte Madeleine, legte ihren Arm um meine Taille und zog mich an sich. Ich hob kurz die Augenbrauen, sagte aber nichts.


„Okay", meinte er, trat zur Seite und hielt uns sogar die schwere Tür auf. „Viel Spaß."


„Danke", sagten wir gleichzeitig und gingen hinein, zahlten an der Kasse, hinter der eine Frau mit blonden Haaren saß, jede zehn Euro Eintritt, bekamen einen Stempel auf den Unterarm und drei schwarze Chips, auf denen in Silber „Velvet“ stand.


„Drei Freigetränke“, erklärte die Blondine. „Ladies Night heute.“


Wir schlüpften durch den schwarzen Vorhang, dahinter war es dunkel. Ein schmaler Gang mit gedämpftem roten Licht führte geradeaus. Die Wände waren mit dunklem Samt bespannt, sah zumindest so aus. Unsere Absätze klackerten auf dem Boden, leise Musik drang zu uns, Madeleine legte wieder den Arm um meine Taille, ich meinen nun um ihre. Sie war kleiner als ich, logisch, mit meinen Heels kam ich auf einsneunzig, aber nicht sehr viel. Ihr Körper fühlte sich warm und seltsamerweise vertraut an.


Am Ende des Gangs hing noch ein Vorhang, dahinter öffnete sich der Raum. Der Club war größer, als man von außen sehen konnte. Links eine lange Bar aus dunklem Holz, dahinter Regale voller Flaschen. Rechts eine Tanzfläche, nicht riesig, aber auch nicht zu klein. Vielleicht fünfzehn oder zwanzig Leute tanzten im Rhythmus der Musik. Darüber schwebten bunte Lichter, langsam wechselnd, nicht hektisch flackernd, eher fließend.


An den Wänden standen niedrige Sitzgruppen mit Samtsofas in Dunkelrot und Schwarz, kleine Tische davor. Die meisten Plätze waren besetzt, Leute tranken, unterhielten sich, beobachteten die Tanzfläche.


Die Musik war genau wie Madeleine vorhin gesagt hatte, Deep House, smooth, mit Soul-Elementen. Nicht si laut, dass man sich nicht unterhalten konnte, aber laut genug zum Tanzen. Ich mochte es lieber rockiger, aber damit konnte ich leben.


„Wow", sagte Madeleine neben mir. „Nicht schlecht."


„Stimmt", gab ich zu. Der Club hatte schon Stil, nicht übertrieben schick, aber auch nicht billig.


„Erst was trinken?", fragte sie, wartete meine Antwort aber gar nicht ab und zog mich Richtung Bar. Der Barkeeper, ein Typ Ende zwanzig mit tätowierten Unterarmen lächelte uns an.


„Was darf's sein?" wollte er wissen. Madeleine bestellte einen Mojito, ich einen Gin Tonic. Er mixte und stellte die Gläser vor uns ab.


„Cheers", sagte Madeleine und stieß mit mir an.


„Cheers", sagte ich und trank. Der Drink war gut, nicht zu viel Tonic. Ich hasste es, wenn ein Gin Tonic fast nur aus Tonic bestand.


Wir lehnten uns mit dem Rücken an die Bar, beobachteten den Club. Das Publikum war gemischt, Mitte zwanzig bis Mitte dreißig größtenteils, ein paar älter, kaum jemand jünger, ich fiel alterstechnisch nach unten raus, aber das störte mich nicht, war oft so. Ich sah insgesamt mehr Frauen als Männer, vielleicht wegen der Ladies Night. Alle gut gekleidet, niemand in Jeans und T-Shirt.


„Gefällt‘s dir?", fragte Madeleine und lehnte sich ein bisschen gegen mich.


„Ja", sagte ich grinsend und fragte mich, was es wohl bedeutete, dass sie schon ziemlich offensichtlich meine Nähe suchte, erst ihr Arm vorhin um meine Taille, jetzt das dichte Anlehnen. „Gute Wahl für einen Donnerstag.“


Ein Mann, um die dreißig, gutaussehend in weißem Hemd, kam auf uns zu. „Hallo. Darf ich euch beiden einen Drink ausgeben?“ fragte er mit einem netten, sehr charmanten Lächeln, das für Schwiegermütter auf jeden Fall geeignet war, Madeleine aber scheinbar kalt ließ.


„Wir haben schon", sagte sie freundlich, aber bestimmt.


„Vielleicht später dann?" wollte er wissen


„Vielleicht", sagte sie unverbindlich, aber es klang schon ziemlich deutlich nach „eher nicht“.


Er nickte, lächelte noch einmal, etwas weniger charmant, und verzog sich.


„Das war jetzt einfach", sagte ich amüsiert.


„Donnerstag", sagte Madeleine. „Weniger verzweifelte Typen als am Wochenende."


Ich musste lachen. Sie hatte absolut recht, freitags und samstags wurde frau die arg anhänglichen Typen oft nicht so schnell und einfach los.


Die Musik wechselte zu einem schnelleren Beat. Madeleine stellte ihr Glas ab, nahm meine Hand und zog mit sich auf die Tanzfläche. Der Bass vibrierte unter unseren Füßen, die Lichter flossen über unsere Körper. Ich schloss kurz die Augen, ließ mich von der Musik tragen. Wir tanzten nebeneinander, manchmal näher, manchmal weiter auseinander, meistens aber näher. Es kam mir vor, also würde Madeleine mich nicht allzu weit von sich weg haben wollen, als suchte sie immer noch meine Nähe. Ich lächelte vor mich hin, ich würde ja herausfinden, worauf das hinauslaufen würde. Wir ließen uns einfach treiben. Die Tanzfläche war gut gefüllt, aber nicht übervoll, man konnte sich noch bewegen, ohne ständig jemanden anzurempeln.


Nach ein paar Songs gingen wir zurück zur Bar, bestellten die nächste Runde, Mojito und Gin Tonic. Wir wechselten zwischen Tanzfläche und Bar, tanzten ein paar Lieder, egal, was gespielt wurde, nun so nahe beieinander, dass wir uns fast berührten, manchmal nur Zentimeter zwischen uns. Dann saßen wir an der Bar, redeten, lachten, tranken. Die Drinks summierten sich, waren es nun schon drei oder vier? Mein Kopf war angenehm benebelt, alles fühlte sich leichter an. Ich sah ihre Blicke, dieses Leuchten in ihren Augen, und hatte das Gefühl, sie würde gerne etwas tun, was sie sich nur nicht traute.


Also tat ich etwas, was ich sonst selten tat, zumindest bei Männern: ich übernahm die Initiative. Ich sorgte dafür, dass wir uns noch näher kamen auf der Tanzfläche, ein Streifen ihres Armes, ihres Hinterns, wie zufällig in Drehungen, ein kleiner Stolperer, ein Festhalten an ihren Schultern, Finger, die wie ungewollt ihre Brust berührten, dann meine Hand auf ihrer Hüfte. Blicke, die sich trafen und nicht sofort wieder lösten.


Irgendwann an der Bar, bei unserem fünften Drink, sah sie mich nicht mehr nur an, ihre Hand lag auf meinem Oberschenkel, genau dort, wo der Saum meines Kleides endete. Lange, rote Fingernägel auf blasser Haut, Fingernägel an Fingern, die mehr wollten. Wir sprachen nicht mehr, wir sahen uns nur an, ich sah Lippen, die mehr wollten, aber bevor sie sich mehr holen konnten, stand ich auf und zog sie wieder auf die Tanzfläche


Ein langsamer Beat lief, als ich mich beim Tanzen dicht an sie schmiegte, meine linke Hand auf ihrer Hüfte, meine rechte strich sanft über ihre Wange, legte sich dann in ihren Nacken, zog ihr Gesicht näher an meins. Und dann küsste ich sie, einfach so, mitten auf der Tanzfläche, sanft, weich, nicht fordernd, aber intensiv genug, dass mein Herz schneller schlug. Und ihres auch, ich spürte ihren Herzschlag. Oder bildete es mir zumindest ein.


„Das war schön", flüsterte Madeleine, ihre Lippen noch nah an meinen.


„Ja", raunte ich zurück. „War es."


Wir tanzten weiter, noch enger jetzt, ihre Arme um meine Taille, meine um ihren Nacken. Noch ein Kuss, diesmal länger, mehr als nur Lippen auf Lippen, meine Zunge spielte mit ihrer, ihr Körper dicht an meinem.


Ich wusste, dass man uns zusah, vor allem die Männer, Männer schauten bei sowas immer zu, sicher nicht wenige mit einem harten Schwanz in der Hose. Zwei Frauen in kurzen Kleidern und High Heels regten ihre Fantasie an. Aber es war mir sowas von egal. Es war nach halb zwei, der Club leerte sich nun, auf der Tanzfläche nur noch die, die nie ein Ende fanden.


„Ich will mehr“, sagte Madeleine nach einem langen, sehr intensiven Kuss, ihre Stimme etwas schwer vom Alkohol. „Viel mehr.“


„Lass uns gehen", sagte ich schlicht, löste mich von ihr und nahm ihre Hand, zog sie mit mir zum Eingang, dann nach draußen. Die Luft war immer noch warm. Wir liefen zur Station, unsere Absätze klackten auf dem Pflaster. Ich spürte den Alkohol in meinem Kopf, aber ich war nicht betrunken, eher angenehm beschwingt.


„Lass uns ein Taxi nehmen“, sagte Madeleine leise, als wir die Station Reeperbahn erreichten. „Ich möchte nicht mit der S-Bahn fahren. Ich zahle.“


---


Wir hatten Glück, an der Ecke Silbersackstraße ließ ein Taxi gerade ein Pärchen aussteigen. Ich winkte und der Fahrer blieb stehen. Wir glitten auf den Rücksitz. „Ottensen, Bahrenfelder Straße“, sagte Madeleine.


Das Taxi fuhr los, der Motor summte leise, als wir uns von der Reeperbahn entfernten. Bunte Neonlichter glitten über unsere Gesichter, warfen flackernde Schatten ins Innere des Wagens. Wir saßen dicht beieinander, so dicht, dass kein Blatt Papier zwischen uns gepasst hätte. Madeleines Hand lag heiß auf meinem Oberschenkel, ihre langen, rot lackierten Fingernägel gruben sich leicht in meine Haut, ihre Fingerspitzen spielten mit dem Saum meines Kleides. Meine Hand umfasste ihre Hüfte, ich spürte die Hitze ihrer Haut durch den Stoff und zog sie noch enger an mich.


„Endlich", keuchte sie leise in mein Ohr, als ob wir plötzlich allein wären, als ob der Fahrer nicht zählen würde. Ihre Augen funkelten dunkel im Dämmerlicht des Taxis. Sie kam förmlich über mich, ihre Lippen pressten sich auf meine und in diesem Kuss lag nichts Sanftes, nichts Vorsichtiges mehr, nur noch fordernd und ganz schön gierig. Ihre Lippen waren weich, schmeckten nach Mojito, Minze, Rum und Zucker.


Ihre Hände glitten über mich, keine Zurückhaltung mehr, gar keine. Es war, als wäre sie im Club noch nicht ganz aus sich herausgekommen, aber jetzt ließ sie den letzten Rest fallen. Ihre Zunge drang in meinen Mund, tanzte wild mit meiner, als hätten wir keine Zeit zu verlieren. Ihre Lippen waren heiß, feucht und unersättlich.


Meine Hand glitt von ihrer Hüfte nach oben, über ihre schmale Taille, griff nach ihrer Brust durch den dünnen Stoff ihres Kleides. Sie keuchte im Kuss, als ich über ihre harten Nippel strich, die sich deutlich abzeichneten. Kein BH, nur Haut unter dem Kleid


Ihre Hand wanderte höher auf der nackten Haut meines Oberschenkels, ihre Finger krallten sich in mein Fleisch, stahlen sich unter den Saum. Ich keuchte unterdrückt auf, der leichte Schmerz machte mich nur noch geiler. Hitze breitete sich in meinem Unterleib aus, meine Nippel waren steinhart.


Der Taxifahrer räusperte sich nicht, sagte nichts, fuhr einfach weiter, als wäre das, was auf seinem Rücksitz passierte, das Normalste der Welt. Ob er uns im Rückspiegel beobachtete, wusste ich nicht und es war mir scheißegal. Ich hatte die Augen geschlossen, verlor mich in Madeleines Kuss, in der Hitze ihres Körpers, der sich an meinen presste.


Das Taxi bog ab, die Bewegung ließ uns zur Seite rutschen, aber wir lösten uns nicht voneinander. Im Gegenteil, wir küssten uns weiter, noch wilder, noch roher. Himmel, was war das? Ich hatte schon öfter Frauen geküsst, Sex mit Frauen gehabt, aber das hier war so anders, so hemmungslos und völlig ungeniert. Madeleine schien alles um sich herum vergessen zu haben, für sie gab es nur noch sie und mich. Ich hatte es noch nie erlebt, dass eine Frau so geil war wie sie in diesen Momenten, in denen das Taxi durch Hamburg fuhr und wir uns küssten.


Ich spürte ihre Brüste an meinen, fühlte ihren gehetzten Atem, der heiß und schnell ging. Das Auto beschleunigte auf einer geraden Strecke, die Lichter der Straßenlaternen zogen draußen vorbei wie ein verschwommener Film. Dann bremste der Fahrer an einer Ampel, wir wurden nach vorne geschoben, unsere Körper wurden noch dichter aneinander gepresst.


Madeleines Lippen lösten sich von meinen, nur um sich sofort auf meinen Hals zu legen, kurz weich und sanft. Dann biss sie in meine Haut, saugte, leckte über meinen wild pochenden Puls. Ich keuchte laut auf, meine Finger gruben sich in ihre Schultern, meine Nägel krallten sich durch den Stoff in ihre Haut.


„Fuck", stöhnte ich laut auf, so laut, dass der Fahrer es gehört haben musste. „Madeleine..."


Ihre Hand auf meinem Oberschenkel war noch höher gewandert, ich öffnete meine Beine und es war mir völlig egal, dass wir nicht alleine waren. Ihre Finger schoben den Stoff meines Tangas beiseite, berührten meine Schamlippen, ein Finger drückte sich in mich. Ich zuckte zusammen, mein Becken hob sich unwillkürlich ihrer Hand entgegen.


„Du bist so nass", flüsterte sie an meinem Ohr, ihre Stimme heiser und rau vor Geilheit. „So schön nass."


„Gib mir deine verdammten Finger", keuchte ich leise, meine Hand glitt unter ihr Kleid, über ihren Oberschenkel nach oben. „Fick mich damit. Jetzt..."


Sie stöhnte laut auf, biss mir härter in den Hals. Ihre Finger drangen in mich, ein Finger, dann zwei, hart und fordernd. Ich biss mir auf die Lippen, um nicht laut aufzuschreien, presste meine Hand vor meinen Mund, verzog das Gesicht vor Geilheit.


Das Taxi bog in eine ruhigere Straße ein, aber davon bekam ich nichts mit. Der Typ hätte auch nach Timbuktu fahren können, es wäre mir in diesem Moment verfickt egal gewesen. Wir waren in unserer eigenen kleinen Welt, in der irgendwelche Taxifahrer überhaupt nicht existierten.


Madeleine fickte mich mit ihren Fingern, schnell und hart, irgendwie fand ihr Daumen in der Enge meine Perle und legte sich auf sie, massierte sie mit Druck und ich wurde endgültig weich wie Butter unter ihr.


„Oh Gott, bitte“, seufzte ich leise, wenn sie auch nur noch zwei Minuten weiter machte, dann würde ich kommen auf dem Rücksitz eines Taxis, das uns durch Hamburg kutschierte. Was machte diese Frau bloß mit mir? Das hatte ich noch nie erlebt, dieses Wilde und Rohe von einer Frau, dieses völlig Hemmungslose, das ich nur vom Sex mit einem Mann kannte. Ich hatte Männer kennengelernt, denen ich es zutraute, mich im Fonds eines Taxis zu vögeln, während der Fahrer in seinem Rückspiegel alles sah. Aber eine Frau? Das war neu. Und es war geil.


„Gleich da", flüsterte Madeleine, ihre Finger in mir, die Kuppe ihres Daumens auf meiner Perle, nun langsamer, aber da, so wie das Taxi gleich da war. Aber ich war woanders, absolut und vollkommen woanders. Mir war so heiß, so verdammt heiß.


Als das Taxi schließlich in die Bahrenfelder Straße einbog und langsamer wurde, zog sie ihre Finger aus mir. „Da vorne“, sagte Madeleine mit erstaunlich ruhiger Stimme. Das Taxi hielt, Madeleine zahlte eilig, viel zu viel Trinkgeld, aber das war ihr offensichtlich egal. Wir stiegen aus dem Taxi, meine Beine fühlten sich weich an.


„Viel Spaß noch, Ladies“, sagte der Fahrer, ich hörte sein Grinsen heraus und lachte laut auf. Hatten wir das grade wirklich gemacht?

Kapitel 14: Du gehörst mir


Madeleine nahm meine Hand und zog mich zur Haustür, unsere Absätze klackten hohl in der Nacht. Mir war immer noch so verdammt heiß, obwohl es etwas kühler geworden war, aber diese Hitze in mir hielt ich kaum noch aus, ich musste raus aus diesem Kleid, das sich plötzlich so eng anfühlte.


„Verdammt", fluchte sie leise, als der Schlüssel nicht sofort ins Schloss wollte. Ich stand hinter ihr, presste mich an ihren Rücken, küsste ihren Nacken, biss sanft in die weiche Haut dort. Sie seufzte auf, der Schlüssel fiel ihr fast aus der Hand.


„Anouk", sagte sie mit einem kleinen Lachen. „Hör auf, sonst kommen wir nie rein."


„Ich will aber nicht aufhören", murmelte ich, meine Hände glitten über ihre Hüften, auf ihren Hintern, tiefer bis zum Saum ihres Kleides, stahlen sich darunter und strichen über ihre weiche, warme Haut.


Endlich klickte es und die Tür öffnete sich. Wir stolperten ins Treppenhaus, das etwas nach stickiger, abgestandener Luft roch. Die Stufen knarrten hohl unter unseren Absätzen, als wir die Treppe hochstöckelten. Vor der Tür ihrer Wohnung wiederholte sich das Gefummel mit dem Schlüssel, aber diesmal ging es immerhin schneller. Die Tür schwang leise auf und wir taumelten in den Flur. Madeleine warf ihre Clutch achtlos auf den Boden und kickte ihre Heels von den Füßen. Ich machte dasselbe und meine goldenen landeten irgendwo neben ihren schwarzen Schuhen.


Und dann veränderte sich etwas an Madeleine. Sie kam auf mich zu, sehr sicher und sehr bestimmend und da war kein Zögern in ihrer Haltung. Ihre Augen funkelten dunkel im schemenhaften Licht, das von draußen durch irgendein Fenster in ihre Wohnung drang und bis in den Flur gelangte. Ihr Blick lag intensiv auf mir, dann packte sie mich an den Schultern und schob mich rückwärts gegen die Wand des Flurs.


„Und jetzt gehörst du verfickt noch mal mir!“ knurrte sie leise, ihre Stimme eine Mischung aus Erregung und Selbstverständlichkeit. Einen Moment war ich etwas perplex, ich stand nicht darauf, wenn man mir so kam, aber sie ließ mir keine Chance, etwas darauf zu antworten. Ihre linke Hand griff in meine Haare und zog meinen Kopf grob in den Nacken. Ihr Knie schob sich zwischen meine Beine und drückte gegen meinen Schoß, ihr rechter Unterarm legte sich knapp unter meinem Hals auf meinen Brustkorb und fixierte mich an der Wand. Sie küsste die weiche Haut unter meinem gereckten Kinn und ich kam mir gefangen vor, aber es fühlte sich gleichzeitig so intensiv und dicht an. Sie lockerte ihren Griff in meinen Haaren, ließ aber nicht los und presste ihre Lippen fordernd und besitzergreifend wieder auf meine. Ihre Zunge glitt in meinen Mund, den ich ohne Zögern öffnete, und forderte meine zum Spiel heraus. Und ich spielte mit, das Ganze machte mich an, ob ich das wollte oder nicht. Ihre Art, ihr Verhalten, ihre Bestimmtheit, ihr Selbstverständnis und dieses Besitzergreifende, was sie sagte und wie sie es sagte, erregten mich. Sie kam über wie eine Urgewalt und mein Herz schlug schneller, mein Puls beschleunigte sich und mein Atem wurde hektischer. Ich ließ es geschehen, weil es mich anmachte.


Sie ließ meine Haare los, ihre Hände glitten über meinen Körper, griffen den Saum meines Kleides und zogen es nach oben, über meine Hüften, meinen Oberkörper und schließlich meinen Kopf. Sie ließ das Stück Stoff achtlos auf den Boden fallen. Ich stand nur noch in meinem schwarzen Nichts von String vor ihr. Sie starrte mich an, musterte mich intensiv, ihr Blick ging mir durch und durch. Dann packte sie meine Handgelenke, presste sie an die Wand, hielt mich daran fest, zwängte ein Bein wieder zwischen meine Schenkel, drückte es fest an meinen Schoß. Sie beugte sich vor, biss in meinen Hals, und ich keuchte laut, ein Mix aus Schmerz und Lust. Sie saugte meine Haut ein und es würde einen dicken Knutschfleck geben, das wusste ich sofort, aber es war mir völlig scheißegal.


Dann leckte und küsste sie von meinen Hals über mein Brustbein bis zu meinen Brüsten hinunter, sog meinen harten rechten Nippel ein, knabberte daran und biss schließlich herzhaft zu. Ich schrie laut auf, der Biss tat weh und der Schmerz schoss durch mich und trieb mir die Tränen in die Augen. Es war weit über dem, was ich eigentlich mochte, das hatte ich zumindest bis jetzt geglaubt, aber der Schmerz sackte ein paar Etagen tiefer und tat sich mit meiner Geilheit zusammen. Mein Schoß kochte, Hitze und Strom raste durch meine Nervenbahnen.


„Madeleine", keuchte ich, mein Herz wummerte in meiner Brust und ich wusste nicht, was ich fühlen sollte. Ich mochte es nicht, wenn man über mich bestimmen wollte, hätte jedem Typen, der sich das heraus nahm, mein Knie in die Eier gerammt und ihm wahrscheinlich die Augen ausgekratzt, aber das hier fühlte sich anders an, ganz anders, so erregend und so verdammt geil.


„Halt die Klappe", sagte sie nur und biss wieder in meinen Hals, Sog wieder meine Haut zwischen ihre Lippen und bescherte mir ganz sicher einen zweiten Knutschfleck. Ich stöhnte langgezogen, ich wusste nicht, wohin mit meinem Empfindungen.


„Hände da oben lassen“, befahl sie, ließ meine Handgelenke los und ich gehorchte schwer atmend. Sie küsste mich wieder hart und fordernd, fast grob, aber ich genoss es. Und wie ich es genoss, diese Hitze, die durch mich strömte und sich in meinem Schoß sammelte. Oh Gott, warum fühlte sich das so geil an? Ich ließ nie zu, dass jemand über mich bestimmte, nicht so. Warum jetzt? Weil sie eine Frau war?


Eine ihrer Hände wanderte meinen Körper hinunter, zwängte sich in meinen Tanga, die andere glitt zu meiner Brust und zwirbelte meinen Nippel. Und dann stieß sie einen Finger hart in meine Nässe und drehte gleichzeitig meinen Nippel hart herum. Ich schrie in den Kuss, mir blieb die Luft weg. Es tat weh, aber ich mochte es, verdammt, ich mochte, was sie mit mir tat.


Dann war ihr Mund an meinem Ohr. „Soll ich aufhören, Anouk?“ raunte sie, während sie mich weiter mit ihrem Finger fickte und meinen Nippel verdreht festhielt. „Sag mir jetzt, ob ich aufhören oder weitermachen soll. Deine Entscheidung!“


„Nein“, keuchte ich. „Nicht aufhören, bitte bloß nicht aufhören.“ Wenn sie jetzt aufhörte, würde ich es bereuen und mich immer fragen, wie es wohl gewesen wäre.


Sie lachte leise und dunkel an meinem Ohr. „Gut“, flüsterte sie. „Ich mag gehorsame Mädchen. Wirst du schön gehorsam sein?“


„Oh Gott, ja“, brachte ich heraus. Und ich meinte es wirklich so, ich wollte erleben, was sie noch mit mir tun würde.


Wieder dieses dunkle Lachen, dann löste sie sich von mir, zog mich von der Wand und schob mich weiter aus dem Flur in einen großen, offen gehaltenen Raum mit Küche, Essecke und Wohnbereich. Von dort aus drängte sich mich nach links in einen kleinen Flur und durch eine geöffnete Tür in ihr Schlafzimmer. Ich stolperte rückwärts, sie trieb mich vor sich her wie eine Jägerin ihre Beute.


Sie stieß sie mich mit einem dunklen Lachen aufs Bett. Ich fiel auf die Matratze und sah zu ihr hoch. Sie stand in ihrem schwarzen Kleid über mir, ihre Haare waren leicht zerzaust, und ein wissendes Lächeln lag auf ihren feuchten, roten Lippen. Von draußen fiel ein Lichtschein herein, die Vorhänge waren zugezogen, aber zu dünn, um das Licht anzuhalten. Vielleicht kam es von Straßenlaternen, vielleicht vom Mond, das konnte ich nicht erkennen und es war mir auch egal. Das Licht malte Streifen über das Bett, über meine Haut und über ihr Gesicht. Schatten und Licht spielten auf uns.


Sie öffnete langsam den Reißverschluss ihres Kleides und ihre haselnussbraunen Augen ließen mich nicht los, lagen auf mir und ich sah das Funkeln darin. Ihr Kleid glitt zu Boden, sie trat aus dem Stoff und wischte ihn mit dem Fuß beiseite, als sei er ihr im Weg. Sie trug keinen BH, nur einen dunkelroten Tanga, der nicht sehr viel verdeckte. Das Licht von draußen fiel auf ihre harten Nippel.


„Du bleibst liegen und bewegst dich nur, wenn ich es dir erlaube", flüsterte sie. Ich nickte nur, ich fühlte mich unfähig zu sprechen. Diese Seite von ihr fing mich ein und ich hätte nie gedacht, dass die so unschuldig wirkende Madeleine so sein konnte. Und noch weniger, dass ich es mögen würde.


Sie kam aufs Bett, krabbelte über mich und setzte sich auf meine Hüften. Ihre Hände legten sich um meine Handgelenke und drückten sie über meinen Kopf aufs Bett.


„Verschränk sie im Nacken und lass sie da", befahl sie leise. Ich gehorchte, natürlich gehorchte ich. Ich war so dermaßen erhitzt, erregt und willig, ich hätte sie hier und jetzt fast alles mit mir tun lassen.


Sie beugte sich vor, küsste mich wieder, tief und fordernd. Dann glitt sie mit ihren Lippen nach unten, über meinen Hals und mein Schlüsselbein zu meinen Brüsten. Sie nahm einen Nippel zwischen die Zähne und biss wieder zu, wieder nicht sanft, absolut nicht sanft.


Ich schrie auf, halb vor Schmerz, halb vor Lust. Ich zerfloss unter ihr, ich wollte, ihre Finger, ihre Lippen, ihre Zunge, ihre Zähne. Ich wollte alles. Ich wollte, dass sie mit mir tat, was sie tun wollte.


„Gefällt dir das?", fragte sie, ihre Stimme dunkel, rau, bestimmend.


„Ja", keuchte ich. „Fuck ja. Mach mit mir, was du willst.“ Hatte ich das wirklich gesagt? Oh Gott, ja, das hatte ich.


Sie lächelte düster, widmete sich meiner anderen Brust, biss in meine Nippel, in die weiche Haut meiner Brüste. Es war so verdammt intensiv, so erregend und lustvoll. Ich atmete schnell, mein Brustkorb hob und senkte sich unter ihren Bissen und Küssen, mit denen sie über mich herfiel. Es tat weh, es war sanft, immer abwechselnd. Und ich verging, ich verging tatsächlich vor Geilheit. Ich wollte nur noch ihre Finger in meiner nassen Möse spüren. Gerne hätte ich in ihre Haare gegriffen, darin herum gewühlt, um mich an etwas festzuhalten, aber sie hatte es mir nicht erlaubt mich zu bewegen, also ließ ich meine Hände dort, wo sie waren.


Sie küsste sich tiefer, über meinen Bauch, biss auch hier in die weiche Haut, leckte mit der Zunge über die Bisse, küsste sie. Ihre Finger fanden den Rand meines Strings, zerrten ihn nach unten. Ich hob die Hüften, half ihr. Dann lag ich nackt vor ihr


„Beine auseinander", befahl sie leise. Ich öffnete mich für sie, spreizte meine Schenkel, und sie kniete sich dazwischen, ihre Hände strichen über meine Oberschenkel, fest, besitzergreifend, bestimmend, die lange Nägel schrappten über die empfindliche Haut, hinterließen rötliche Bahnen, die schnell verblassten.


Dann senkte sie den Kopf, ihre Zunge schleckte über meine Schamlippen, runter und wieder hoch. Ich seufzte wohlig. „Du bist so nass", murmelte sie und es klang irgendwie zufrieden. „So bereit."


Ihre Zunge kreiste um meine Perle, tanzte auf ihr, ihre Lippen sogen sie ein, dann spürte ich ihre Zähne. Ich keuchte laut auf, meine Hände krampften sich in das Kissen unter meinem Kopf.


„Oh Gott", stöhnte ich, mein Becken wölbte sich ihr, ihr entgegen, ich konnte nicht stillliegen, ich konnte es einfach nicht, alles war so intensiv, so roh, so beherrschend.


Sie lachte leise, nahm ihre Lippen von meiner geschwollenen Lustperle und biss mir fest in die weiche Haut meiner Oberschenkelinnenseiten. Ich schrie auf, der Schmerz flutete durch meinen Körper und schoss in mein Rückenmark, raste meine Wirbelsäule empor und landete irgendwo in meinem Stammhirn. Es tat weh und war zugleich dermaßen geil, dass mein Schrei in lustvolles Wimmern überging.


„Hab ich dir nicht gesagt, du sollst stillhalten, Anouk?“ raunte sie leise und küsste die Stelle, in die sie grade noch ihre Zähne gegraben hatte.


Ich antwortete nicht, zumindest nicht schnell genug, und sie biss noch einmal zu, noch härter und wieder schrie ich lauthals und wieder vereinten sich Schmerz und Lust und ich wusste überhaupt nicht mehr, wo links und rechts war.


„Habe ich es dir gesagt oder nicht?“ fragte Madeleine noch einmal und ließ ihre Lippen sanft über das neue Bissmal gleiten.


„Ich… ich…“, wimmerte ich. „Ja, du hast das gesagt, aber…“ Oh Gott, mir war so heiß, so verdammt heiß, meine Haut brannte, meine Möse kochte, ich wollte nur noch, dass die ihre Finger in mich bohrte, mich mit ihnen fickte, zwei Finger, drei Finger, von mir aus ihre ganze verdammte Hand. Lecken reichte mir nicht, reichte mir nie, ich brauchte etwas in mir, nur ihre Zunge würde mich nicht zum Orgasmus bringen und mich nicht fliegen lassen.


„Nichts aber“, sagte sie sanft. „Ich habe es gesagt und du bist doch ein gehorsames Mädchen. Also gehorche. Halt einfach still und genieße es, okay? Wenn du nicht gehorchst, dann höre ich auf. Willst du das?“


„Nein!“ schrie ich fast. Wenn sie jetzt aufhören würde, dann… nein, das ging nicht, das würde ich nicht ertragen. „Bitte hör nicht auf… Madeleine, bitte… ich halte auch still. Wirklich.“


Sie lachte wieder, dieses dunkle Lachen, das mit durch Mark und Bein ging. „Gutes Mädchen“, hauchte sie und dann kam sie wieder über mich. Ihre Zunge, Lippen und Zähne an meiner Perle, dann ihre Finger, die in mich eindrangen, erst einer, dann zwei, schließlich drei, mich ausfüllten, mich dehnten.


„Oh verfickt", keuchte ich. „Fuck. Das ist…“ Meine Stimme zerfiel, löste sich auf, wurde zu einem gierigen, lüsterfüllten Wimmern. Sie fickte mich mit ihren Fingern, tief und hart, während ihre Zunge auf meiner Perle tanzte. Das Licht von draußen spielte auf ihrem Rücken, auf meinen Beinen, warf helle Streifen an die Wand.


Ich spürte, wie sich alles in mir zusammenzog, wie die Wellen sich auftürmten. Mein ganzer Körper spannte sich an, meine Hände hinter meinem Kopf krallten sich in den Stoff des Kissens. Ich wollte ihr meinen Unterleib entgegen pressen, wollte noch mehr spüren, aber ich blieb still liegen. Sie hatte es mir verboten und so komisch es klang, ich wollte ein gutes Mädchen sein. Oh Gott, was war das? Was, verdammt noch mal, war das? Ich wollte kommen, ich wollte nur noch kommen, wollte erlöst werden, aber ich wollte ihr auch gefallen.


Ihre Finger fickten mich weiter, ihre Lippen sogen an meiner Perle, Fingernägel kratzen über die Haut meiner Schenkel, hinterließen Spuren, die nicht sofort verblassten, die eine Weile bleiben würden. Lust vermischte sich mit Schmerz, ich war nur noch ein zitterndes Stück Frau unter ihr. Ich konnte nicht mehr, ich war so voller Geilheit, die mich zerfließen ließ, die mich fliegen ließ, die mich in reine Lust verwandelte.


„Komm für mich", hörte ich sie leise sagen, nun sanft und einfühlsam. „Jetzt!“


Und ich kam, als hätte ich diese Worte gebraucht, ich kam hart, heftig und lange, mein Körper bäumte sich auf, meine Hände rissen am Kissen, meine Nägel gruben sich ins Laken. Ich schrie auf, laut, sehr laut. War es ein Höhepunkt, waren es mehrere, die sich aneinander reihten? Egal, ich fühlte nur noch, meine Ratio war ausgelöscht. Ich schrie, keuchte, stöhnte und wimmerte. Madeleines Finger fickten mich durch diesen ewigen Orgasmus, gnadenlos, hörten nicht auf, bis ich zitternd und keuchend zusammensackte und mir mit einem lauten Lustschrei schwarz vor Augen wurde. Ich war einfach weg, tatsächlich weg…

Kapitel 15: Am nächsten Morgen


Ich wachte auf und wusste sofort, dass ich nicht in meinem Bett lag. Das Licht war nicht richtig, es fiel von der falschen Seite durchs Fenster und schimmerte rosig-golden durch einen hellen Vorhang, der im leichten Durchzug wehte. Morgengrauen, schätzte ich, kurz vor fünf oder so. Sonnenaufgang.


Die Bettwäsche roch nach Waschmittel oder Weichspüler, vielleicht auch beidem. Auf jeden Fall ein Geruch, den ich nicht kannte, der nicht meiner war. Etwas Blumiges mit einer Note von Vanille. Das Laken fühlte sich weich an, nicht so wie meins, vielleicht sollte ich mit Frida mal über Weichspüler reden.


Und mein Körper fühlte sich anders an. Irgendwie erschöpft, auf eine Art, die bei mir so nicht oft vorkam, selbst nach langen Nächten nicht. Klar schlief ich nach langen Nächten auch gerne lang, wer tat das nicht gerne, aber ich fühlte mich selten körperlich erschöpft so wie jetzt. Irgendwie schwer. Aber vielleicht war das gar nicht körperlich, sondern spielte sich in meinem Kopf ab.


Ich lag auf dem Rücken und sah an die weiße Decke, auf der sich Lichtflecken bewegten, wo auch immer die herkamen. Neben mir atmete Madeleine ruhig und gleichmäßig, mir den Rücken zugewandt, ihre schokobraunen Haare ausgebreitet auf dem weißen Kissen wie dunkle Tinte auf Papier. Eine Schulter nackt, der Rest von ihr in der Bettdecke verborgen, ihre Haut hell im Morgenlicht.


Die Erinnerung kam zurück. Nicht langsam, sondern auf einmal, wie der Gedanke an etwas, das man tun wollte, dann aber vergaß, bis es einem plötzlich siedend heiß einfiel. Ihre Zähne an meinem Hals, an meinen Brüsten, Nippeln und Oberschenkeln. Bisse und Küsse, Schmerz und Lust. Ihre Finger in mir, ihre Lippen an mir. Ihre Stimme, dunkel, erregt und bestimmend, ihre Befehle: „Halt die Klappe!“, „Du bleibst liegen!“, „Beine auseinander!“, „Komm für mich!“ Und ich hatte gehorcht, jedes Mal. Puuh.


Ich dachte an ihre Ansage am Anfang im Flur; „Und jetzt gehörst du verfickt noch mal mir!“ Nochmal puuh… Hörte sich heftig an, war es dann ja auch gewesen.


Ich musste pinkeln. Dringend. Ich drehte vorsichtig den Kopf, sah zur Tür. Das Bad musste ja irgendwo sein. Ich stand leise auf und spürte jeden Muskel in meinem Körper, als hätte ich gestern zu viel Sport gemacht. Hatte ich ja auch, sozusagen. Ein leichtes Grinsen huschte über mein Gesicht.


Die Luft im Zimmer war kühl auf meiner nackten Haut. Ich tastete mich durchs dämmrige Schlafzimmer zur Tür, öffnete sie leise, landete in der Wohnküche, sah eine Sitzecke mit Couch, Tisch und Sessel, ein Fernseher an der Wand, einen Esstisch mit Stühlen, die kleine Küchenzeile. Madeleines Wohnung war größer als unsere WG, aber genauso verbaut. Ich fand den Weg in den Flur, er lag im Halbdunkel, aber ich sah meine Sachen. Mein schwarzes Kleid lag auf dem dunklen Parkettboden, daneben meine silbernen High Heels, einer umgekippt, einer aufrecht, Madeleines ein Stück weiter weg, halb auf meiner Clutch. Nur von meinem Tanga keine Spur, wo war der denn geblieben? Ach ja, den hatte sie mir im Schlafzimmer vom Leib gerissen. Sogar zerrissen, erinnerte ich mich dunkel.


Das Bad war gleich rechts. Klein, aber ordentlich. Weißer Fliesenboden, eine Dusche mit Glastür, ein Waschbecken, darüber ein großer Spiegel, mehr war bei dem Licht nicht erkennbar. Ich schaltete die Beleuchtung im Bad auch nicht ein, ließ die Tür angelehnt und setzte mich aufs Klo. Ich pinkelte gefühlt ewig, meine Blase musste echt randvoll gewesen sein.


Erst als ich fertig war und meine Hände waschen wollte, drückte ich auf den Lichtschalter. Und verharrte sofort und betrachtete mit offenem Mund mein Gesicht im Spiegel. Verschmierte Wimperntusche unter den Augen, Reste von Lippenstift, die Haare völlig chaotisch. Und dann sah ich weiter runter. Mein Hals. Zwei dunkle Knutschflecken, nicht zu übersehen, einer links, einer rechts, als hätte Madeleine mich markiert. Bissspuren an meinen Brüsten, rötlich und deutlich sichtbar, kreisförmig um meine Brustwarzen, einige mit kleinen blauen Flecken drumherum. Ich sah an mir herunter, noch mehr Bissmale an meinen Oberschenkeln, Kratzspuren, rote Linien auf blasser Haut, die sich von den Innenseiten bis fast zu den Knien zogen.


Ich berührte vorsichtig eine der Stellen an meinem Hals. Ich zuckte zusammen, tat noch weh, genug, um mich daran zu erinnern, was in der Nacht passiert war.


Ich musste grinsen. Okay. Das war wohl... heftig gewesen. Mehr als heftig, ich sah aus, als hätte ich mich mit einem wilden Tier angelegt. Oder eben mit einer Frau, die eher wie ein scheues Reh rüber kam als wie die böse Wölfin.


Die beiden Knutschflecken waren wirklich nicht zu übersehen. Teresa würde vermutlich mit ihrem wissenden Blick die Augenbrauen hochziehen. Zum Glück musste ich heut nicht arbeiten. Frida würde mich mit diesem besorgten Blick, den sie manchmal drauf hatte, fragen: „Anouk, was ist denn mit dir passiert?" Oder so ähnlich.


Ich würde... keine Ahnung. Ich musste leise lachen. Was würde ich? Einen Schal umbinden? Bei der Hitze? Lächerlich. Überschminken? Würde wohl kaum was bringen. Egal. Ich würde mir irgendwas überlegen. Oder auch nicht. Wahrscheinlich musste ich einfach dazu stehen. Warum auch nicht, war mir letztlich völlig schnuppe.


„Mach mit mir, was du willst“, murmelte ich meinem Spiegelbild zu. Hatte ich das wirklich gesagt? Zu ihr? Ich, die immer bestimmte, die immer die Kontrolle hatte? Zumindest fast immer? Und wenn ich sie abgab wie bei David, dann immer noch irgendwie kontrolliert. Ich hatte das also gesagt? Ja. Hatte ich. Und ich hatte es so gemeint.


Noch mal puuh… Ich drehte das kalte Wasser an, ließ es über meine Handgelenke laufen, dann in meine Handflächen, ins Gesicht. Das Wasser war eiskalt, aber das war jetzt okay, ich merkte nämlich, dass ich unruhig wurde. Noch kein Kaffee, das war für mich nach dem Aufstehen nie gut.


Ich säuberte mein Gesicht, die Reste von Lippenstift und Wimperntusche verschwanden. Ich hatte seltsamerweise nicht die Spur von Kopfweh, trotz der sechs oder sieben Gin Tonic und den nur zwei, drei Stunden Schlaf. Okay. Was jetzt? Ich trocknete mich mit dem weichen Handtuch ab, das am Handtuchhalter hing und nach dem gleichen Waschmittel roch wie die Bettwäsche. Dann ging ich zurück ins Schlafzimmer.


Madeleine schlief noch, hatte sich auf den Rücken gedreht, ein Arm über ihrem Kopf, das Laken bis zur Hüfte runtergerutscht. Ich betrachtete sie einen Moment, ihre Brüste, die größer waren als meine, mit den dunklen Nippeln und den etwas helleren Vorhöfen, ihre schmale Taille, ihren flachen Bauch. Im Morgenlicht, das durch den dünnen Vorhang fiel, sah sie aus wie die Madeleine vom Café. Hübsch. Sehr hübsch. Sehr unschuldig.


„Von wegen“, murmelte ich. Ihr Mund mit den vollen Lippen und den weißen Zähnen dahinter, stand ein wenig offen. Ich dachte an diese Zähne, an den Schmerz, der zu Lust geworden war. Ich sollte gehen, nein, ich musste gehen. Nicht nur, weil es meine Regel war, nach dem Sex zu gehen, immer und ohne Ausnahme, sondern weil ich nicht mit ihr reden wollte, nicht heute morgen. Gehen meine Regel hatte ich sowieso schon verstoßen, ich hatte quasi bei ihr übernachtet. Ich wurde schluderig, was das anging, ich war ja schon bei Mika und David nicht sofort verschwunden. Ich musste jetzt raus hier.


Aber ich stand da und überlegte. Einfach so verschwinden? Ohne ein Wort? Bei Männern war das eigentlich kein Problem, aber bei Madeleine fühlte es sich... anders an. Warum, das wusste ich selber nicht so genau. Vielleicht weil sie eine Frau war. Vielleicht weil das gestern... intensiver gewesen war als fast jeder Sex bisher. Oder vielleicht auch, weil ich sie mochte. Ein bisschen zumindest.


Fuck it. Ich ging zurück in den Flur, sammelte meine Clutch vom Boden auf, holte meinen dunkelroten Lippenstift heraus und schlüpfte ins Bad. Der Spiegel über dem Waschbecken war groß und sauber. Perfekt. Ich grinste und schrieb mit dem Lippenstift meine Handynummer darauf. Große Ziffern, deutlich lesbar und nicht zu übersehen. Darunter ein geschwungenes „A“. Mehr nicht, das musste reichen.


Ich starrte das Geschriebene an. Auch meine Handynummer verteilte ich in letzter Zeit ziemlich großzügig, als ob ich Kay, diesen Idioten, und seine penetrante Nerverei per WhatsApp vergessen hatte. Aber Madeleine war nicht Kay. Nicht so... bedürftig. Hoffte ich wenigstens, optimistisch wie ich nun mal war. Ich verließ das Bad, steckte den Lippenstift zurück in meine Clutch und sammelte im Flur meine Sachen ein. Das Kleid zog ich an, glättete es, so gut es ging. Die High Heels nahm ich in die linke Hand. Mein Tanga war wohl irgendwo im Schlafzimmer, aber da würde ich jetzt nicht wieder reingehen und am Ende noch Madeleine wecken. Also drauf geschissen.


Ich stand da, fertig zum Gehen, barfuß, zerzaust und mit Knutschflecken am Hals. Ich dachte noch einmal an Madeleine, als ich die Wohnungstür öffnete. Sie war schön, wirklich wunderschön. Ich war hübsch und mit meinen roten Haaren und meiner Größe auffällig, aber Madeleine war schön. Und sie hatte mit mir Dinge gemacht, die... fuck. Keine Ahnung. Ich hatte keine Worte dafür. Es war geil gewesen. Verdammt geil. Das intensivste, was ich je erlebt hatte. Erschreckend intensiv. Ich hatte die Kontrolle abgegeben, komplett, und das hatte ich noch nie getan, nicht so, nicht mit dieser... Hingabe.


„Bye", flüsterte ich so leise, dass es niemand außer mir hören konnte. Dann ging ich.


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Im Treppenhaus war es still, nur das leise Summen eines Gerätes irgendwo, das Haus war noch nicht erwacht. Die Holzstufen knarrten leise unter meinen bloßen Füßen und fühlten sich rau an.


Draußen war es noch kühl, die Morgensonne stand tief am Himmel und warf lange Schatten auf die Straße. Die Luft roch nach Sommer und nach Hamburg. Nach dieser Mischung aus Wasser, Hafen und Stadt. Die Straßen waren fast leer. Ein Jogger lief an mir vorbei, Kopfhörer in den Ohren, er sah mich kurz an und dann schnell wieder weg. Ein Mann mit Hund nickte mir zu, der Hund schnüffelte an einem Laternenpfahl und hob dann das Bein daran.


Ich ging barfuß die Bahrenfelder Straße entlang, die High Heels in der Hand. Musste wirken wie ein Walk of Shame, so wie ich aussah, aber Scham fühlte ich nicht. Nicht nur nicht wirklich, sondern so gar nicht, überhaupt nicht. Warum auch? Es war geil gewesen. Verdammt geil. Das Geilste, was ich je erlebt hatte. Ich fühlte mich eher... keine Ahnung. Vielleicht ein bisschen durcheinander, ein bisschen verwirrt. Als hätte sich etwas verschoben. Neu war’s auf jeden Fall gewesen und es hatte sich richtig angefühlt. Ob es sich beim nächsten Mal, falls es ein nächstes Mal gab, wieder richtig anfühlen würde? Keine Ahnung, würde ich ja sehen. Vielleicht rief sie an. Vielleicht nicht. Vielleicht wollte ich, dass sie anrief. Vielleicht nicht. Fuck, ich wusste es nicht, aber das war okay. Musste ich ja auch nicht sofort wissen.


Nach zehn Minuten war ich zu Hause. Die Haustür quietschte wie immer, das Treppenhaus roch wie immer. Im zweiten Stock Kinderlachen, um diese Uhrzeit schon wach. Die Wohnung war still und Frida nicht da. Wahrscheinlich arbeiten oder in der Bibliothek.


Ich ging in mein Zimmer, warf die Clutch auf den Schreibtisch, die High Heels daneben. Dann streifte ich das Kleid ab, ließ es auf den Boden gleiten. Ich ließ mich nackt ins Bett fallen und zog die dünne Decke über mich. Ich rollte mich auf die Seite, zog die Beine an, zuppelte die Decke zurecht. Ich war verdammt müde, aber trotzdem drehten sich meine Gedanken im Kreis. Das konnte ich ziemlich gut, wenn das Karussell erstmal lief und richtig in Schwung kam, konnte ich mich in Dinge völlig reinsteigern, meist komplett übertrieben, oft stellte sich das Ganze am Ende als viel einfacher und gar nicht so kompliziert dar. Ich fragte mich immer wieder, was das gewesen war, warum ich es zugelassen und auch noch genossen hatte. Ich mochte weder Schmerz noch, dass jemand mir Befehle gab. Ich erinnerte mich an ihre Lippen, ihre Zunge, ihre Zähne, konnte alles geradezu auf mir spüren. Und an ihre Finger in mir, mit denen sie mich roh und hart gefickt hatte, ganz anders als bei der Art von Sex mit Frauen, den ich kannte. Der war meist ruhiger und sanfter als der mit Männern, aber vielleicht hatte ich da bisher auch einfach nur etwas verpasst.


„Gutes Mädchen“, hatte sie zu mir gesagt. Nächstes Puuuh, aber ein ganz langgezogenes. Wäre es vielleicht geil, ab und zu bei Madeleine ein gutes Mädchen zu sein? Ja, warum nicht? Andererseits verstieß das gegen alles, was ich war. Oder was ich sein wollte. Ich war die Bitch, die mit jedem vögelte, der ihr gefiel, die sich ihre Befriedigung holte und dann ging, nicht mehr darüber nachdachte, wer der Mensch war, mit dem sie grade gefickt hatte. Aber das haute seit dieser Woche, die noch nicht mal zu Ende war, irgendwie sowieso nicht hin. Mika und David passten ja schon so gar nicht in mein Schema, beiden hatte ich mehr von mir gezeigt, als ich eigentlich gewollt hätte. Bei Mika war das okay, ungewöhnlich für mich, aber okay. Mika und ich, das war unkompliziert und würde es bleiben, da war ich sicher, Mika war kein Typ für Drama. Bei David hatte ich dieses Gefühl der Leichtigkeit nicht und genau deswegen war ich noch nicht auf die Idee gekommen, mich irgendwie bei ihm zu melden, obwohl der Sex richtig gut gewesen war. Aber das war der Sex mit Mika auch und es fühlte sich mit ihm viel einfacher an. Und jetzt noch Madeleine obendrauf. Ich sollte bei Männern wie Mika und bei spontanen Fickbegegnungen wie mit dem Jogger im Park und dem Typen im Kaifu-Bad bleiben. Keine Namen, kein Gelaber, nur Ficken.


Ich seufzte und öffnete die Augen. Konnte dieses Gekreise in meinem Kopf mal aufhören? Ich war müde, ich wollte schlafen, verdammt. Draußen erwachte Ottensen allmählich. Ein Auto fuhr vorbei, dann noch eins. Irgendwo bellte ein Hund, Leute auf dem Gehweg. Eine Frau, die laut telefonierte, ihre Stimme gedämpft durch die geschlossenen Fenster. Es war zum Wahnsinnigwerden, ich war erschöpft, irgendwie erschlagen und wenn dieser Tag noch was werden sollte, dann musste ich endlich mal in den Schlaf finden.


Aber nach einer Weile wurde mir klar, dass das so nichts werden würde. Also stand ich auf, öffnete meinen Kleiderschrank und suchte in dem obersten Fach über der Kleiderstange nach der Packung Stilnox, ein Schlafmittel, das meine Ärztin mir vor ein paar Jahren verschrieben hatte, als ich oft mitten in der Nacht um drei oder vier aufgewacht war und nicht mehr einschlafen konnte, weil meine Gedanken um das kreisten, was mir damals passiert war. Der ganze Scheiß, den ich veranstaltet hatte, um auf mich aufmerksam zu machen, das halbe Jahr, das ich kaum zur Schule gegangen war, weil mich alles angekotzt hatte, weil ich gelitten hatte unter dem Mobbing, den anderen Mädchen, die mich nicht verstanden und mich deswegen fertig gemacht hatten. All die Gründe, warum ich hier in Hamburg lebte und nicht in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen war, warum ich mein Abi in Hamburg gemacht hatte. Die Zeit, die Frida und mich für immer und endgültig zusammengeschweißt hatte, für immer und ewig.


Ich hatte diese Zeit überwunden, mit Therapie und Medikamenten, sie beeinträchtigte mich nicht mehr. Und Frida auch nicht. Aber das Stilnox hatte ich noch und benutzte es ab und an, wenn ich so gar nicht schlafen konnte. So wie jetzt. Es würde mich für drei bis vier Stunden zur Ruhe bringen und dann erholt aufwachen lassen. Ich fand die Packung, löste eine Tablette heraus und nahm sie mit einem großen Schluck aus einer der vier Wasserflaschen, die angebrochen in meinem Zimmer herumstanden. Ich grinste leicht, nur vier? Frida hatte doch schon lange nicht mehr aufgeräumt, hätten also mehr sein müssen.


Ich stellte das Fenster auf Kipp, legte mich wieder hin und wartete auf die Wirkung, dachte an Mika, um nicht an Madeleine zu denken. Ich war echt müde, richtig müde und nach vielleicht zehn Minuten schlief ich endlich ein.

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