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Kommentare: 3 | Lesungen: 618 | Bewertung: 8.08 | Kategorie: Sex Stories | veröffentlicht: 09.10.2026

Jana und Florian - Teil 2

von

Die Säge zischte durch den Eichenbalken, und Florian beobachtete, wie die feinen Späne in der Werkstattluft tanzten, bevor sie auf den staubigen Boden segelten. Seit dem Schützenfest waren drei Wochen vergangen, doch der Abend lag ihm noch immer wie eine halb vergessene Melodie im Ohr – die Art von Melodie, die man unwillkürlich vor sich hin summt, ohne es zu merken. Er schob die Schutzbrille hoch auf die Stirn und betrachtete das halbfertige Regal vor sich. Die Kundin, eine ältere Dame aus Kaarst, hatte etwas Besonderes gewollt: ein schwebendes Bücherregal mit versteckten Halterungen, das wie aus dem Nichts an der Wand kleben sollte.

„Das wird sie mögen", sagte Meister Weber hinter ihm, und Florian fuhr zusammen. Er hatte den alten Mann nicht kommen hören.

„Ich hoffe", erwiderte er und rieb sich mit dem Handrücken über die Nase, wo die Brille einen leichten Abdruck hinterlassen hatte. „Die Konstruktion ist etwas ungewöhnlich."

Weber trat näher, die Hände in den Taschen seiner abgewetzten Latzhose. Sein Blick wanderte über die Holzverbindungen, die Florian in mühsamer Kleinarbeit angefertigt hatte – japanische Zapfenverbindungen, die er aus einem Fachbuch kopiert hatte, das er sich bei der Stadtbibliothek ausgeliehen hatte.

„Unkonventionell", sagte Weber schließlich. Das Wort hing in der Luft, und Florian spannte sich an, bereit für Kritik. Aber dann nickte der Meister, langsam, wie er es immer tat, wenn er etwas ernsthaft abwog. „Aber solide. Und elegant. Das gefällt mir."

Florian spürte, wie sich seine Schultern ein wenig entspannten, ein Muskelzucken, das er kaum kontrollieren konnte.

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Zwei Tage später stand die Kundin in der Werkstatt, die Finger vor dem Mund gefaltet, die Augen feucht. Das Regal hing an der Wand des Ausstellungsraums, beladen mit schweren Kunstbänden, und schien tatsächlich zu schweben – kein sichtbares Trägerelement, nur Holz und Schatten und das Spiel von Licht auf der geölten Oberfläche.

„Das ist...", begann die Frau, und ihre Stimme brach. „Das ist genau das, was ich mir vorgestellt habe. Nein – besser."

Florian stand etwas abseits, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, und beobachtete, wie Weber mit der Kundin sprach, Preise nannte, Termine für die Montage in ihrem Haus vereinbarte. Er selbst sagte kaum etwas, wie immer, wenn Fremde anwesend waren. Aber als die Frau ging, drehte sie sich noch einmal um und suchte seinen Blick.

„Danke", sagte sie. „Wirklich. Das ist ein Kunstwerk."

Er nickte, das Kinn leicht gesenkt, und spürte, wie die Wärme in sein Gesicht stieg.

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„Fünfhundert Euro", sagte Weber am selben Abend, als sie die Werkstatt zusammen aufschlossen. Er hielt einen Umschlag hoch, dünn und unscheinbar. „Bonus. Für die deine tolle Arbeit."

Florian starrte den Umschlag an, als könnte er sich täuschen. „Das... das ist zu viel, Herr Weber."

„Quatsch." Der Meister drückte ihm den Umschlag in die Hand, die Finger kurz festhaltend, bevor er losließ. „Du hast eine Stammkundin gewonnen. Die wird noch viel bestellen. Und außerdem..." Er zögerte, suchte nach Worten, die ihm offenbar nicht leichtfielen. „Du fragst nach. Du liest Bücher über japanische Holzverbindungen. Du willst wissen, wie die Buchhaltung läuft." Er schnaubte, halb amüsiert, halb verwundert. „Die meisten Jungs deines Alters wollen nur ihren Lohn und ab nach Hause. Aber du, du willst alles verstehen."

Florian umklammerte den Umschlag fester, das Papier knisterte unter seinem Griff. Er wusste nicht, was er sagen sollte, also sagte er nichts.

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Zu Hause, in seinem Zimmer über der Garage, öffnete er den Laptop. Der Bildschirm flackerte auf, bläulich im abendlichen Halbdunkel. Sein Depot bei der Online-Bank – ein Konto, das er seit seinem sechzehnten Geburtstag führte, angelegt mit Ersparnissen aus Gelegenheitsjobs und jetzt monatlich gefüttert mit dem Rest seines Ausbildungsgehalts – zeigte einen steten, langsamen Aufwärtstrend. ETFs, einzelne Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle er verstand. Nichts Spekulatives. Nichts, was ihn nachts wach hielt.

Die fünfhundert Euro teilte er auf: dreihundert in seinen thesaurierenden Welt-ETF, zweihundert in eine Einzelposition eines Möbelherstellers, dessen nachhaltige Produktionsmethoden er bewunderte. Die Zahlen scrollten über den Bildschirm, und er spürte dieselbe Befriedigung, die er empfand, wenn eine Holzverbindung perfekt passte – das Gefühl von Ordnung, von Kontrolle, von etwas, das wuchs, auch wenn er nicht hinsah.

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Der Rewe-Markt in Norf roch an diesem Samstagmorgen nach frischem Gebäck und nach der künstlichen Frische der Klimaanlage. Florian schob seinen halbleeren Einkaufswagen durch die Gänge, die Liste seiner Mutter im Kopf: Milch, Eier, Butter, das spezielle Vollkornbrot, das sein Vater mochte. Er hasste diese Einkäufe, hasste die Menschenmassen, die ihn an diesem Wochenende erwarteten. Seine Clique wollte zu einer Party nach Düsseldorf fahren, und er hatte zugesagt, ohne wirklich Lust zu haben.

An der schwarzen Korkwand neben der Kasse hingen die Aushänge: vermisste Katzen, Babysitter gesucht, Fahrgemeinschaften zur Uni. Er wollte schon vorbeigehen, als ein Zettel seine Aufmerksamkeit erregte.

*Nachhilfe in Mathematik gesucht – Lehramtsstudium Sport & Mathe. Bezahlung nach Vereinbarung. Jana, 19.*

Die Buchstaben standen in einer aufrechten, fast kindlichen Handschrift, mit einem pinkfarbenen Filzstifter geschrieben. Unter der Telefonnummer hatte jemand mit Bleistift einen kleinen Herzchen-Smiley gekritzelt, halb wieder wegradiert.

Florian blieb stehen. Der Einkaufswagen rollte einen halben Meter weiter, bevor er ihn festhielt. Seine Finger zitterten leicht, als er den Zettel losmachte, die Reißzwecken vorsichtig herausziehend, damit er nicht zerriss.

Jana. Die Jana, die er nach Hause gebracht hatte, deren Haar er gehalten hatte, die seine Wange geküsst hatte. Jana, die er seitdem nicht wieder gesehen hatte, deren Nummer er nicht hatte, deren Wege sich mit den seinen nicht gekreuzt mehr hatten in der kleinen Welt von Norf.

Er faltete den Zettel viermal, steckte ihn in die Hosentasche seiner Jeans. Durch den Stoff spürte er die Kanten des Papiers, eine kleine harte Stelle gegen seinen Oberschenkel.

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Er wartete bis zum Abend. Bis nach dem Abendessen, das er hastig hinuntergeschoben hatte, während seine Eltern über die Arbeit sprachen, über Nachbarn, über Dinge, die er nicht wirklich hörte. Dann ging er in sein Zimmer, schloss die Tür und setzte sich auf die Bettkante.

Das Handy lag schwer in seiner Hand. Er tippte die Nummer ein, löschte sie wieder, tippte sie erneut. Seine Daumen schwebten über der Anruf-Taste. Was sollte er sagen? *Hallo, ich bin's, der vom Schützenfest, der dir beim Kotzen geholfen hat* – nein. *Hi, ich hab gesehen, dass du Nachhilfe brauchst, und ich bin zufällig gut in Mathe* – zu aufgesetzt. *Jana? Florian. Ich kann dir helfen.*

Er drückte. Das Telefon klingelte einmal, zweimal. Er wollte gerade auflegen, als sie antwortete.

„Hallo?"

Ihre Stimme klang anders als in seiner Erinnerung – heller, weniger gedämpft. Im Hintergrund hörte er Musik, gedämpftes Gelächter.

„Äh... hi." Er räusperte sich. „Ich... hier ist Florian. Wir haben... vor ein paar Wochen... beim Schützenfest..."

Eine Pause. Dann, erkennbar in ihrer Stimme: „Oh. Florian." Ein Lächeln, das man hören konnte. „Der Held im rechten Moment."

Sein Gesicht wurde heiß. „Ich... ich hab deinen Zettel gesehen. Im Rewe. Für die Nachhilfe."

„Und?"

„Ich..." Er schluckte. „Ich bin gut in Mathe. Sehr gut, eigentlich. Ich hatte immer eine Eins in der Schule. Und ich..." Die Worte stockten, trieben davon wie Holzspäne im Wind. „Ich könnte dir helfen. Wenn du willst."

Die Pause diesmal länger. Er hörte sie atmen, hörte die Musik im Hintergrund verstummen, als würde eine Tür geschlossen.

„Das ist... das ist nett von dir", sagte sie schließlich. Nicht ablehnend, aber auch nicht enthusiastisch. Vorsichtig. „Bist du sicher? Das ist nicht gerade Grundschulmathe. Analysis, lineare Algebra..."

„Ich weiß." Er spürte, wie sich etwas in ihm straffte, eine seltene Sorte von Mut. „Ich hab die Bücher. Ich lerne das manchmal, nebenbei. Für... für mich selbst."

„Ernsthaft?" Jetzt lag echtes Interesse in ihrer Stimme, überrascht, fast berührt. „Du lernst Mathe in deiner Freizeit?"

„Ja."

Ein Lachen, kurz, nicht spöttisch. „Okay. Das ist... das ist irgendwie süß, Florian."

Süß. Das Wort hing in der Luft, und er wusste nicht, was es bedeutete, wusste nur, dass er es nicht analysieren durfte, nicht jetzt.

„Wann?", fragte er.

---

Sie verabredeten sich für den nächsten Dienstagabend. Die Adresse kannte er ja bereits von dem Abend am Schützenfest.

Die Tage bis dahin dehnten sich. Er arbeitete an einem neuen Projekt in der Werkstatt, einem Schreibtisch mit integriertem Kabelmanagement, und fand sich dabei, immer wieder die gleiche Stelle zu schleifen, obwohl sie schon glatt war. Timo schrieb ihm mehrfach auf WhatsApp, wollte wissen, warum er so abwesend war beim Zocken, aber Florian antwortete nur mit kurzen Sätzen, mit Emojis, die nichts bedeuteten.

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Dienstagabend. Er stand vor dem Spiegel in seinem Zimmer, zog das schwarze T-Shirt aus, zog es wieder an, wechselte zu einem dunkelblauen Hemd, das er seit Monaten nicht getragen hatte, entschied, dass das zu formell war, zog wieder das T-Shirt an. Jeans, Sneaker, die schwarze Brille sauber geputzt. Er steckte seinen alten Schulrechner ein, einen TI-84, den er seit der zehnten Klasse besaß, und zwei Blöcke mit kariertem Papier.

Sein Fahrrad stand in der Garage, das Schloss klebrig von altem Öl. Die Luft war kühl für Anfang September, Sommer und Herbst im Streit. Er fuhr langsam, die Beine schwerer als sonst.

Janas Haus war größer als in seiner Erinnerung, eine weiße Front mit großen Fenstern und einem gepflegten Vorgarten. Er stellte sein Fahrrad an die Hecke, überprüfte zweimal, ob es standfest war, schloss es ab und ging zum Eingang.

Die Tür öffnete sich, bevor er klingeln konnte. Jana stand im Türrahmen, die Haare zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, mit einem silberfarbenen Haargummi, das im Schein der Haustürlampe kurz aufleuchtete. Sie trug eine enge dunkle Jeans und ein weißes Top, darüber eine offene Strickjacke in einem sanften Roséton. Ihr Make-up war dezent, aber präsent, wie er es schon kannte – Lidschatten, Wimperntusche, ein Hauch von Lipgloss.

„Hey", sagte sie. „Du bist pünktlich."

„Ich bin immer pünktlich."

„Ich dachte mir das schon." Sie lächelte, ein schnelles Zucken der Mundwinkel, und trat zur Seite. „Komm rein. Meine Eltern sind nicht da, die sind ins Theater gefahren."

Er folgte ihr durch den Flur, vorbei an Familienfotos an den Wänden – Jana als Kind auf einem Pferd, Jana im Abiballkleid, Jana mit einer Gruppe von Freundinnen, alle lächelnd, alle schön. Die Treppe war aus hellem Holz, Eiche oder Buche, und er fand sich dabei, die Verarbeitung zu bewundern, die sauberen Fugen.

Ihr Zimmer lag im Obergeschoss, nach hinten hinaus. Es war größer als sein eigenes, heller, dekoriert mit Postern von Musikfestivals, einem großen Spiegel mit Lichterkette, einem überladenen Schminktisch. Auf dem Bett lagen Bücherstapel, Kleidung, ein Laptop.

„Entschuldige die Unordnung", sagte sie, ohne wirklich entschuldigend zu klingen. „Ich hab versucht, aufzuräumen, aber..."

„Schon gut." Er setzte sich auf den Stuhl, den sie ihm an den Schreibtisch geschoben hatte – ein einfacher IKEA-Stuhl, nichts Besonderes. Der Tisch selbst war aus Glas, mit Metallbeinen, und er musste sich zusammenreißen, um nicht die Verarbeitung zu kritisieren. Jana ließ sich auf das Bett fallen, die Beine untergeschlagen, und zog ein dickes Mathebuch auf den Schoß.

„Also", sagte sie. „Analysis. Grenzwerte. Ich verstehe einfach nicht, warum das wichtig sein soll für eine Sportlehrerin."

Er öffnete seinen Block, zog den Kugelschreiber aus der Hosentasche. „Weil es um das Verständnis von Veränderung geht", sagte er, und seine Stimme klang fremd in seinen Ohren, sicherer als sonst. „Wie sich etwas entwickelt, wenn man immer näher an einen Punkt kommt. Das ist... das ist überall. In der Physik, in der Wirtschaft, in der Biologie."

Sie sah ihn an, die blauen Augen leicht zusammengekniffen, als würde sie ihn neu bewerten. „Du klingst wie mein Professor. Nur jünger. Und..." Sie zuckte mit den Schultern. „Netter."

Er spürte die Wärme wieder, starrte auf seinen Block. „Zeig mir, wo du steckst."

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Die erste Stunde verging seltsam schnell und seltsam langsam zugleich. Er erklärte, sie hörte zu, unterbrach mit Fragen, die manchmal scharfsinnig waren, manchmal offenbarten, dass sie gar nicht zugehört hatte. Er zeichnete Graphen auf seinen Block, erklärte Definitionen, die sie nicht verstand. Sie lehnte sich vor, um besser sehen zu können, und ihre Schulter streifte seine, ein kurzer Kontakt, der ihn erstarren ließ für einen halben Herzschlag.

„Sorry", murmelte sie und rückte ab.

„Schon gut", sagte er, und seine Stimme klang zu hoch.

Sie arbeiteten weiter. Einmal, als sie nach einem Stift griff, den er ihr reichen wollte, berührten sich ihre Finger, und sie zog die Hand zurück, als wäre sie verbrannt. Er tat so, als hätte er es nicht bemerkt, aber er spürte die Berührung noch minutenlang, eine kleine elektrische Erinnerung an der Innenseite seines Handgelenks.

Die Aufgaben wurden schwieriger, und sie frustrierter. „Das ergibt keinen Sinn", sagte sie und warf den Stift auf das Bett. „Warum muss ich das können? Ich will doch nur Kindern im Turnunterricht Bewegung lehren."

„Du willst Lehrerin sein", sagte er leise. „Das ist... das ist wichtig. Man sollte verstehen, was man lehrt. Auch wenn man es nicht jeden Tag braucht."

Sie sah ihn an, lange. „Du glaubst wirklich an diese Dinge, oder? An das, was du tust."

Er zuckte mit den Schultern, die Schultern, die ihm immer zu schwer wurden, wenn er unsicher war. „Ich versuche es."

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Gegen neun Uhr machten sie eine Pause. Jana ging nach unten und kam mit zwei Gläsern Apfelschorle zurück. Er trank, und das Getränk prickelte auf seiner Zunge, kühl und süß.

„Warum Schreiner?", fragte sie plötzlich, das Glas in beiden Händen, die Ellbogen auf die Knie gestützt. „Du könntest studieren. Du bist schlau genug."

Er drehte sein Glas in den Händen, beobachtete, wie die Bläschen aufstiegen. „Ich wollte etwas Sinnvolles Machen. Etwas Greifbares. In der Schule... da war immer alles so weit weg. Theorien, die niemand brauchte. Aber wenn ich ein Regal baue..." Er suchte nach Worten, die nicht pathetisch klingen würden. „Dann existiert es. Es steht da. Es hält Bücher sicher und fest."

„Und Mathe?"

„Mathe ist..." Er lächelte, zum ersten Mal an diesem Abend, ein kleines Zucken, das er nicht kontrollieren konnte. „Mathe ist auch greifbar. Nur anders. Es gibt Antworten, die stimmen. Das ist selten."

Sie nickte, als hätte er etwas Wichtiges gesagt, und für einen Moment saßen sie schweigend da, die Musik von ihrem Handy, das sie auf Lautsprecher gestellt hatte. Irgendein Pop-Song, den er nicht kannte.

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Die nächste Stunde war produktiver. Sie löste drei Aufgaben allein, langsam, mit vielen Fehlern, aber sie löste sie. Er korrigierte, erklärte erneut, versuchte, geduldig zu bleiben. Seine Geduld war eine Sache, die er trainiert hatte, wie andere Muskeln – in der Werkstatt, wenn etwas zum dritten Mal nicht passte, in Gesprächen mit seinem Vater, der seine Entscheidung nie wirklich verstanden hatte.

Als sie die letzte Aufgabe geschafft hatte, war es halb zehn. Sie streckte sich, die Arme über den Kopf, und ihr Top rutschte ein Stück hoch, enthüllte einen schmalen Streifen Haut am Bauch. Er sah weg, zu schnell, und hoffte, dass sie es nicht bemerkt hatte.

„Danke", sagte sie. „Das war... das war wirklich hilfreich. Besser als die Vorlesung."

„Wir können es wiederholen", sagte er und begann, seine Sachen zusammenzupacken. „Wenn du willst."

„Ja." Sie stand auf, glättete ihre Jeans. „Ich will sehr gerne."

Im Flur, an der Tür, zögerte er. Die richtigen Worte existierten nicht, oder er kannte sie nicht. *Ich hab dich nicht vergessen seit dem Fest. Ich denke an dich, wenn ich Holz säge. Dein Haar riecht nach Apfel, und ich weiß nicht, warum.*

„Dienstag wieder um die gleiche Zeit?", fragte er stattdessen.

„Dienstag gleiche Zeit", bestätigte sie.

Er ging hinaus in die kühle Nacht, sein Fahrrad wartete an der Hecke, genau wie er es zurückgelassen hatte. Er fuhr langsam, die Straßenlaternen warfen lange Schatten, und er spürte den Zettel in seiner Hosentasche, den er immer noch nicht weggeworfen hatte, obwohl er die Nummer längst in seinem Handy gespeichert hatte.

Hinter ihm, im hell erleuchteten Fenster ihres Zimmers, stand sie am Glas, sah ihm nach. Er drehte sich nicht um, aber er wusste es trotzdem.

Kommentare


sirgu
dabei seit: Mär '25
Kommentare: 158
schrieb am 09.10.2026:
»Da hat jemand wirklich Spass an Mathematik, weiß ihre Klarheit, die Schönheit einer Gleichung und die Eleganz des Lösungsweges zu schätzen. Der Autor ist offensichtlich in sie verliebt.
Auf dieser Website erwartet man allerdings zumindest eine Prise Sex. Her damit in der nächsten Fortsetzung! Ich freue mich schon darauf.«

Juergen47
dabei seit: Jun '26
Kommentare: 23
Jürgen47
schrieb am 09.10.2026:
»Wie der erste Teil super geschrieben. Mir gefällt es sehr, wie sich die Beziehung zwischen den beiden langsam entwickelt. Von mir aus kannst du dir mit den eindeutigen Szenen ruhig noch Zeit lassen, Hauptsache, der ruhige und einfühlsame Erzählstil ändert sich nicht,

herzliche Grüße
Jürgen47«

ottavio
dabei seit: Jun '02
Kommentare: 7
schrieb am 12.10.2026:
»Schön geschrieben. Ein Punkt ist aber sehr unrealistisch: Sie müsste ihn doch zumindest fragen, was sein Honorar für die immerhin sehr hochklassige Nachhilfe ist. Daraus ließe sich im nächsten Teil natürlich ein guter Aufhänger basteln. :-)«


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