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Kommentare: 2 | Lesungen: 322 | Bewertung: 7.68 | Kategorie: Wifesharing | veröffentlicht: 27.06.2026

Sollbruchstellen 08 - Objektivierung

von

Gudrun betrat die Villa gegen halb neun. Die Luft im Wohnzimmer stand schwer und stickig; sie roch nach abgestandenem Kaffee und Günters kühler Präsenz, die noch in den Möbeln zu hängen schien. Mit einer fahrigen Bewegung öffnete sie die Terrassentür weit. Die kühle Morgenluft strömte herein, doch sie brachte keine echte Erleichterung.


Ihr Körper fühlte sich bleiern an. Nicht sofort hinlegen, dachte sie und rieb sich die brennenden Augen. Wenn ich jetzt schlafe, bin ich um Mitternacht hellwach. Erst die Dusche, dann noch zwei Stunden wach bleiben, dann der Rhythmus für morgen.


Sie stieg die Treppe hinauf, zog sich mechanisch aus und ließ die Kleidung einfach auf den Fliesen des Badezimmers liegen. Dann stieg sie in die Kabine. Das heiße Wasser prasselte auf ihren Nacken, löste die Verspannungen der Nachtschicht, während der Dampf den Raum langsam in einen weißen Nebel hüllte.


Draußen, im Garten, bewegte sich Hagen wie ein Schatten. Er war um das Haus herumgegangen, hatte die Lage sondiert, bereit zu klingeln und seine Dominanz erneut zu behaupten. Doch dann sah er die offene Terrassentür. Ein lautloses Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Das Schicksal lieferte sie ihm auf dem Silbertablett aus.


Er betrat die Villa. Die Stille im Erdgeschoss wurde nur vom fernen Rauschen der Dusche im Obergeschoss unterbrochen. Hagen bewegte sich mit einer überraschenden Leichtigkeit für seine Statur. Auf der Treppe zog er sein iPhone aus der Tasche. Der Bildschirm leuchtete hell auf. Ein Tippen auf die Kamera-App, ein Wisch zu „Video“, ein Druck auf den roten Punkt.


00:01 - die Aufnahme war gestartet


Er hielt das Gerät ruhig vor sich, als er den Flur durchschritt. Leise, fast unmerklich, drückte er die Badezimmertür weiter auf. Durch den Dampf sah er die Umrisse ihres Körpers hinter dem Glas der Duschkabine. Hagen hielt das iPhone fest in der Hand, das Objektiv wie ein unbarmherziges Auge auf sie gerichtet.


Gudrun spürte plötzlich den Luftzug. Sie erstarrte, wischte sich die Augen frei und drehte sich langsam um. Durch die beschlagene Scheibe sah sie ihn. Dunkel, massiv – und das kleine, schwarze Rechteck, dessen Kameralinse auf sie starrte wie der Lauf einer Pistole. Das kleine rote Licht der Aufnahme leuchtete wie das Auge eines Raubtiers. Er sah, wie sie ihre Hand noch immer zwischen ihren Schenkeln hielt, sah das Beben ihrer Lippen und den verräterischen Blick in den Spiegel.


Ihre Empörung wich einer elektrisierenden Gewissheit. Ihr Fleisch empfand seinen Auftritt als Erlösung. Sie nahm die Hand nicht weg. Sie forderte das Auge der Kamera geradezu heraus.


„Du hast sie also wirklich mitgenommen“, flüsterte sie gegen das Rauschen des Wassers. „Meine Spielzeuge.“


Hagen grinste, während er das Video weiterlaufen ließ. Er hielt das Handy so, dass es sowohl sie als auch ihr Spiegelbild einfing. „Der Hagen nimmt sich, was er will, Gudrun. Und heute will er sehen, wie die Frau Doktor sich ohne ihr Plastik schlägt. Zeig es mir. Zeig es der Kamera.“


Gudrun stand wie versteinert unter dem prasselnden Wasser, während das rote Licht des iPhones ihre Nacktheit förmlich abtastete. Ihr kühler Intellekt, die Stimme der Oberärztin, die sonst über Leben und Tod entschied, schrie nach Protest, nach Scham, nach der Wahrung ihrer Würde. Doch dieser Schrei drang nicht nach außen. Er wurde erstickt von der rauen, animalischen Frequenz, die Hagen in den Raum brachte.


„Zieh dich aus“, flüsterte sie. Es war kein Befehl, es war ein Flehen ihres Körpers, der nach der Hitze verlangte, die er am Freitag gespürt hatte. Ihr Fleisch kannte keine Moral, es kannte nur den Hunger, der durch das Fehlen ihrer Spielzeuge ins Unermessliche gesteigert worden war.


Hagen lachte leise, ein dunkles, kehliges Geräusch. Er schaltete das Video nicht aus. Mit einer fast beiläufigen Grausamkeit suchte er nach einer stabilen Position für das Gerät. Er lehnte es gegen eine schwere Flasche Körperlotion auf dem geschlossenen Klodeckel. Die Linse war nun perfekt ausgerichtet – sie erfasste die Duschkabine, das beschlagene Glas und den Bereich davor.


„Der Hagen lässt sich Zeit, Gudrun. Wir wollen doch, dass alles gut drauf ist, oder?“


Gudrun sah auf das kleine Objektiv. Ein letztes Aufbegehren ihres Geistes flackerte auf – die Angst vor der Ewigkeit dieses Bildes, vor der Erpressbarkeit. Doch als Hagen begann, sich das Hemd aufzuknöpfen, brach der Damm. Sie stieß die Kabinentür auf, trat nackt und triefend vor Nässe auf ihn zu. Es ging ihr nicht schnell genug. Ihre Finger, die sonst so präzise Skalpelle führten, zitterten nun, als sie an seinem Gürtel rissen, als sie ihm halfen, sich aus der groben Kleidung zu befreien.


Hagen ließ sie gewähren. Er hielt seine Arme leicht gespreizt, wie ein Gott, dem ein Opfer dargebracht wird, während sein Blick immer wieder zur Kamera glitt. Er kalkulierte bereits. Er war nicht nur der Liebhaber; er war der Regisseur eines Verrats. In seinem Kopf formte sich bereits die Geometrie der nächsten Minuten. Er überlegte, wie er sie positionieren musste – vielleicht über den Rand des Waschbeckens gebeugt oder mit dem Rücken zum Spiegel –, damit das Auge der Kamera jedes Detail ihrer Unterwerfung einfing.


Gudrun merkte nicht, dass er sie bereits wie eine anatomische Studie betrachtete. Sie spürte nur die kühle Luft auf ihrer nassen Haut und die brennende Erwartung der Berührung. Ihr Intellekt hatte sich in die dunkelste Ecke ihres Bewusstseins zurückgezogen und schaute fassungslos dabei zu, wie die Frau Doktor zur Sklavin ihrer eigenen Biologie wurde.


Hagen war nun nackt. Er packte sie im Nacken, drehte ihren Kopf sanft, aber bestimmt in Richtung des iPhones auf dem Klodeckel.


„Schau rein, Gudrun“, raunte er ihr ins Ohr. „Lächeln für die Ewigkeit.“


Hagen wusste genau, was er tat. Er packte Gudrun an der Hüfte und zwang sie herum, sodass sie mit dem Rücken zur gläsernen Duschwand stand. Rechts von ihnen wachte das iPhone auf dem Klodeckel wie ein stummer Zeuge.


„Bein hoch“, befahl er rau.


Gudrun gehorchte. Ihre jahrelange Disziplin im Sport zahlte sich jetzt auf eine Weise aus, die ihr Verstand verfluchen musste: Sie hob das rechte Bein und stellte den Fuß auf den kühlen Rand des Waschbeckens. Die Dehnung öffnete sie vollständig, bot ihr „Allerheiligstes“ dem unerbittlichen Auge der Kamera dar, das genau in diesem Winkel alles erfassen konnte.


Hagen trat einen Schritt zurück, aus dem Fokus der Linse, sodass sie allein im Bild war. Er beobachtete, wie sich sein Glied langsam aufrichtete, eine dunkle Drohung im fahlen Licht des Badezimmers.


„Bevor ich dir gebe, was du willst, zeigst du mir, wie du es ohne mich machst“, raunte er, und das iPhone fing jedes Wort seines Befehls ein. „Mach es dir selbst, Gudrun. Ich will hören, wie du feucht wirst. Ich will sehen, wie du dich für mich vorbereitest.“


Gudrun starrte in den Spiegel über dem Waschbecken. Sie sah sich selbst – die nassen Haare, die gespreizte, schutzlose Haltung und den dunklen Schatten von Hagen am Bildrand. Ihr Geist versuchte noch einmal, sich hinter der Maske der Oberärztin zu verstecken, doch als ihre Finger dem Befehl folgten und die Kamera das erste, schlüpfrige Geräusch ihrer Lust einfing, gab es kein Zurück mehr. Sie war jetzt die Hauptdarstellerin in einem Film, dessen Ende nur Hagen kannte.


Gudrun stand da, das Bein auf dem kühlen Porzellan des Waschbeckens, und spürte, wie ihr Körper eine Entscheidung traf, die ihr Intellekt längst verloren hatte. Es war ein fast mechanischer Vorgang: Ihr Gehirn, das sonst im OP-Saal unter Hochdruck blitzschnelle Synapsenverbindungen knüpfte und jede Kapillare kontrollierte, wurde plötzlich schlechter durchblutet. Das Blut, die Essenz ihrer kühlen Logik, wurde nach unten abgezogen, als hätte jemand eine Schleuse in ihrem Inneren geöffnet.


Es war ein hormoneller Sturmlauf. Über den Nervus pudendus jagten Signale in ihr Becken, die eine massive verstärkte Blutfüllung auslösten. Das Blut staute sich dort, wo es nun gebraucht wurde, um die Gewebe auf das Unvermeidliche vorzubereiten.


Äußerlich wurde dieser Prozess mit einer fast schmerzhaften Deutlichkeit sichtbar, die das iPhone unerbittlich einfing. Ihr Venushügel schwoll an, wurde prall und fest, während das Gewebe der äußeren Schamlippen durch den massiven Bluteinstrom förmlich aufblühte. Sie schoben sich auseinander, gaben den Widerstand auf, sahen aus wie eine aufgeplatzte Orange und gaben den Blick auf das Innere frei.


Dort, im feuchten Glanz des Badezimmerlichts, entfalteten sich die inneren Lippen wie die Flügel eines Schmetterlings, der gerade erst aus seinem Kokon geschlüpft war – bereit, sich von der Schwere der Erde zu lösen und in den weiten, grenzenlosen Himmel der Lust aufzusteigen. Und inmitten dieser Entfaltung, ganz oben am Scheitelpunkt dieses fleischernen Altars, schob sich keck und fordernd die kleine Knospe hervor. Sie war nun dunkelrot, pulsierend vor Erwartung und gierig darauf, jede noch so kleine Schwingung der Lust in eine Explosion zu verwandeln.


Gudrun sah im reflektierenden Glas, wie sich ihr Körper unter Hagens Blick und dem Auge der Kamera veränderte. Sie sah die klinische Perfektion ihrer eigenen Erregung. Die Frau, die eben noch über Aortenrisse nachgedacht hatte, existierte nicht mehr. Es gab nur noch dieses pulsierende Zentrum, diesen Schmetterling, der nach dem Sturm verlangte.


Hagen trat Zentimeter um Zentimeter näher, das Handy, das er vom Klodeckel genommen hatte, immer noch fest in der Hand. Er zoomte leicht hinein, hielt die Linse direkt auf das pulsierende Gewebe. „Siehst du das, Gudrun?“, raunte er, und seine Stimme klang wie das Grollen eines heraufziehenden Gewitters. „Das ist kein Skalpell. Das ist das Leben. Und die Kamera vergisst nichts.“


Hagen ließ das iPhone nicht sinken. Er genoss die Macht, die ihm die Technik verlieh – das Wissen, dass er Gudruns totale Entblößung für immer konservierte. Er trat so nah an sie heran, dass sie die Hitze seines nackten Körpers spüren konnte, während das kühle Metall des Handys fast ihre Haut berührte.


„Und jetzt“, raunte er, während er die Kamera stabil auf den „Schmetterling“ gerichtet hielt, der zwischen ihren Schenkeln bebte, „nimmst du deine Finger weg. Ich will sehen, wie du dich mir öffnest, ganz ohne Hilfe.“


Gudrun gehorchte. Es war, als hätte er einen Schalter in ihrem vegetativen Nervensystem umgelegt. Ihre Finger lösten sich von ihrem Fleisch. Das Bein auf dem Waschbecken zitterte leicht vor Anspannung und Erregung. Sie war nun vollkommen exponiert. Das Blut pulsierte so heftig in ihrem Unterbauch, dass sie das Gefühl hatte, jeder Herzschlag müsse auf dem Video als rhythmisches Beben der Schamlippen sichtbar sein.


Hagen positionierte sich hinter ihr, ohne die Aufnahme zu unterbrechen. Er hielt das iPhone über ihre Schulter hinweg, sodass das Display im Spiegel vor ihr auftauchte. Sie sah sich selbst im Spiegel – nackt, nass, das Bein hochgestellt – und gleichzeitig sah sie auf dem kleinen Bildschirm das vergrößerte, feuchte Detail ihres eigenen Begehrens. Es war eine doppelte Spiegelung, die ihren Verstand endgültig ausschaltete.


„Schau dir an, wie bereit du bist“, flüsterte er. „Schau genau hin, denn das hier ist für jemanden, der dich so noch nie gesehen hat.“


Die Drohung in seinen Worten war wie ein elektrischer Schlag, doch sie löste keinen Widerstand aus, sondern eine noch tiefere Kapitulation. Als Hagen das Handy schließlich mit einer Hand fest hielt und mit der anderen ihren Oberschenkel packte, um sich den Weg zu bahnen, schloss Gudrun die Augen.


Hagen hielt das iPhone unerbittlich über ihre Schulter, die Linse auf den Punkt gerichtet, an dem sein Fleisch nun den Raum einnehmen sollte, den Gudrun ihm flehentlich anbot. Er spürte ihre Hitze, das Zittern ihres hochgestellten Beins auf dem Waschbecken und das feuchte Glänzen ihres „Schmetterlings“, der in Erwartung des Schmerzes und der Erlösung bebte.


Er setzte an. Er wollte das Eindringen als den ultimativen Sieg für die Kamera festhalten. Doch in diesem Moment geschah etwas, das in Hagens Weltbild nicht vorgesehen war.


Sein Körper, der ihn bisher nie im Stich gelassen hatte, verweigerte den Dienst. Die Nacht zuvor mit seiner flatterhaften Freundin – die gierigen Stunden der Entleerung, die er als bloße Routine abgetan hatte – forderte nun ihren Tribut. Das Blut, das eben noch in seinen Lenden pulsierte, schien plötzlich fahrig zu werden. Die harte, unnachgiebige Spannung wich einer weichen, unbrauchbaren Trägheit.


Stille erfüllte das Badezimmer, nur unterbrochen vom Rauschen des Wassers in der Duschkabine hinter ihnen.


Hagen starrte auf das Display des iPhones. Er sah dort seine eigene Schlaffheit, vergrößert und gnadenlos scharf dokumentiert durch die 4K-Linse. Er versuchte, sich mit der freien Hand zu stimulieren, wollte die Erektion erzwingen, doch je mehr er sich anstrengte, desto mehr zog sich sein Körper zurück. Das rote Licht der Aufnahme leuchtete weiter – ein hämischer, digitaler Zeuge seines Versagens.


Gudrun spürte das Ausbleiben des Stoßes. Sie öffnete die Augen und sah in den Spiegel. Sie sah Hagens verbissenes Gesicht, die Schweißperlen auf seiner Stirn und das iPhone, das nun ein Dokument seiner Ohnmacht aufzeichnete.


Ein gefährlicher Moment der Stille entstand. Ihr kühler Intellekt, der eben noch wie betäubt war, schaltete sich blitzschnell wieder ein. Sie sah den „großen Hagen“, den animalischen Herrscher, wie er plötzlich klein und verunsichert vor ihr stand.


„Was ist los, Hagen?“, flüsterte sie. In ihrer Stimme schwang kein Mitleid mit, sondern eine Mischung aus enttäuschter Gier und einer neu erwachten, grausamen Überlegenheit. „Ist die Kamera dir zu viel? Oder bin ich dir zu viel?“


Hagen fluchte leise. Die Demütigung brannte heißer als jede Lust. Er hielt das Handy immer noch fest, als könne er das Bild durch bloßen Willen korrigieren. Er wusste, dass Günter dieses Zögern, dieses Erschlaffen sehen würde. Aus dem triumphalen Beweisvideo wurde plötzlich ein Zeugnis seiner Schwäche.


Gudrun nahm langsam ihr Bein vom Waschbecken. Sie stand nun ganz nah vor ihm, nackt und nass, und blickte auf sein schlaffes Glied hinunter. Ein kurzes, trockenes Lachen entwich ihrer Kehle.


„Vielleicht“, sagte sie und griff mit ihren kühlen Fingern nach dem iPhone in seiner Hand, „solltest du das Filmen den Profis überlassen und dich erst mal um deine Hausaufgaben kümmern.“


Gudrun spürte, wie die kühle Klarheit ihres Verstandes zurückkehrte, als hätte jemand den Dunst im Badezimmer mit einem einzigen Windstoß vertrieben. Das Blut floss zurück in ihr Gehirn, und mit ihm kam die gewohnte Präzision ihrer Gedanken. Sie sah Hagen an, der immer noch fassungslos auf seine eigene Mitte starrte, und empfand kein Mitleid – nur die kühle Distanz einer Frau, die eine Fehlfunktion diagnostiziert hat.


Sie nahm ihm das iPhone mit einer fließenden Bewegung aus der Hand. Er leistete keinen Widerstand. Dann schlüpfte sie in ihren flauschigen, weißen Bademantel, der sie sofort wieder in die Aura der Hausherrin hüllte.


„Dusch dich ausgiebig, Hagen“, sagte sie mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete, während sie den Gürtel des Mantels fest knotete. „Du siehst mitgenommen aus. Wenn du fertig bist, komm ins Wohnzimmer. Ich erwarte dich dort.“


Ihr Blick fiel auf den Hocker. Dort lag der blaue Samtbeutel, den er offensichtlich mitgebracht hatte, um seine Macht zu zementieren. Ein kurzes, rätselhaftes Lächeln glitt über ihre Lippen. Sie griff nach dem Beutel – ihrem Eigentum, das er entwendet hatte – und verließ das Bad, ohne sich noch einmal umzusehen.


Hagen blieb zurück. Das Rauschen der Dusche klang jetzt wie ein hämischer Applaus für seine Schmach. Er trat unter das Wasser, doch es konnte das Gefühl der Erbärmlichkeit nicht abwaschen. Sein Stolz, dieses massive Bollwerk aus Muskeln und Sprüchen, hatte Risse bekommen, durch die nun die nackte Verunsicherung sickerte. Sein Gang, als er schließlich aus der Kabine stieg und sich abtrocknete, war nicht mehr der eines Jägers. Er wirkte schwerfällig, fast gebrochen, als er die Treppe zum Wohnzimmer hinunterstieg.


Während er duschte saß Gudrun in ihrem Arbeitszimmer. Das MacBook leuchtete bläulich in der gedämpften Vormittagssonne. Mit der Routine einer Frau, die täglich hochkomplexe Daten verwaltet, schloss sie das iPhone an. Der Ladebalken des Kopierfensters war der einzige Taktgeber in der Stille.


Film kopiert.


Sie schob die Datei in ihren verschlüsselten Privatordner. Dann löschte sie das Video unwiderruflich von Hagens Smartphone, leerte den Papierkorb des Geräts und schaltete es komplett aus. Das schwarze Display spiegelte ihr Gesicht wider – ruhig, konzentriert, überlegen.


Sie legte das tote iPhone auf den Couchtisch im Wohnzimmer und setzte sich. Den Samtbeutel platzierte sie direkt daneben. Als sie Hagens schwere Schritte auf der Treppe hörte, schlug sie die Beine übereinander und wartete. Die Machtverhältnisse in der Villa waren in den letzten zehn Minuten radikal neu geordnet worden.


Gudrun saß unbewegt da, als Hagen das Wohnzimmer betrat. Er wirkte in seinen eigenen Kleidern nun fast wie ein Fremder, die Schultern leicht hängend. Sie schob ihm das ausgeschaltete iPhone über den Tisch zu, behielt den Samtbeutel jedoch fest in ihrer Nähe.


„Der Beutel bleibt hier, Hagen“, sagte sie kühl. „Es ist schließlich mein Eigentum. Und was uns beide angeht: Wenn ich wieder das Bedürfnis nach... fleischlicher Zerstreuung habe, werde ich dich anrufen. Ich erwarte dann allerdings, dass du wieder so funktionierst wie am Freitag auf dem Teppich.“


Ein kurzer Flashback schoss ihr durch den Kopf: Die animalische Wucht, mit der er sie von hinten genommen hatte, die vollkommene Unterwerfung ihres Körpers unter seine rohe Kraft. Damals war er der Herr gewesen. Jetzt war er nur noch ein Werkzeug, das eine Fehlfunktion hatte.


„Du kannst jetzt gehen“, entließ sie ihn mit einer Geste, die man sonst einem Assistenten nach einer misslungenen Präsentation schenkte.


Hagen nahm sein Handy, ohne ein Wort zu sagen. Er fühlte sich klein, fast kastriert. Der Gang zum Wagen war der schwerste seines Lebens. Er brauchte jetzt Alkohol, viel davon, um den Geschmack dieser Niederlage aus seinem Mund zu vertreiben.


In der „Goldenen Krone“ angekommen, bestellte er sich sofort einen Doppelten und ein großes Helles. Er setzte sich in die dunkelste Ecke. Er musste den Film sehen. Er wollte wenigstens die ersten Minuten retten, die Bilder ihres „Schmetterlings“, um Günter etwas vorwerfen zu können. Die Schmach am Ende wollte er wegschneiden. Er entsperrte das iPhone und suchte in der Galerie.


Nichts. Er suchte im Papierkorb. Nichts.


Ein kaltes Entsetzen kroch seinen Nacken hoch. „Dieses Luder...“, knurrte er und starrte auf das schwarze Display. „Dieses verdammte Luder hat mich eiskalt ausgetrickst!“ Er begriff erst jetzt, dass sie nicht nur sein Ego, sondern auch seine einzige Waffe gegen Günter vernichtet hatte.


In diesem Moment ging die Tür der Kneipe auf. Günter trat ein, das Gesicht hell vor Erwartung, fast schon ekstatisch vor dem Schmerz, den er sich von den Beweisfotos erhoffte. Er steuerte direkt auf Hagen zu.


Hagen schaltete blitzschnell. Sein Gehirn, gewohnt an das Überleben auf der Straße, produzierte die nächste Lüge, noch bevor Günter am Tisch war.


„Und?“, presste Günter hervor, während er sich setzte. „Hagen, zeig mir, was du hast!“


Hagen lehnte sich mit einer gespielten Lässigkeit zurück, die seine inneren Krämpfe mühsam verbarg. „Nichts ist, Günter. Deine Frau muss eine verdammt harte Nacht hinter sich gehabt haben. Ich hab Sturm geklingelt, aber sie hat wohl tief und fest geschlafen wie ein Stein. Ich bin nicht reingekommen.“


Günter starrte ihn an. Ein kurzer Moment der Enttäuschung, der fast sofort von einem triumphierenden Gefühl der Erleichterung abgelöst wurde.


„Aber keine Sorge“, fuhr Hagen fort, wobei seine Stimme wieder das alte, raue Prahlen annahm. „Ich liefere dir den Beweis noch. Ich werde sie anrufen und ein Schäferstündchen ausmachen, wenn sie richtig ausgeschlafen ist. Dann gibt es kein Entkommen.“


Günter nickte, fast mitleidig. Er bezahlte Hagens Deckel und verließ die Kneipe mit einem leichten, fast beschwingten Schritt. Dieser Prahler, dachte er bei sich, während er zum Auto ging. Große Fresse, aber wenn es drauf ankommt, kriegt er die Tür nicht auf. Vielleicht ist er doch keine so große Gefahr.


Er fuhr nach Hause, überzeugt davon, dass seine Welt noch in Ordnung war – ahnungslos, dass der wahre Beweis seines Verrats bereits sicher verschlüsselt auf dem MacBook seiner Frau lag.

Kommentare


Novizin
dabei seit: Dez '05
Kommentare: 148
schrieb am 29.06.2026:
»Danke für die Info zu Teil 6«

hanshinterbich
dabei seit: Jul '13
Kommentare: 1
schrieb am 30.06.2026:
»Ich finde die Geschichte sehr gelungen - aber was war "am Freitag auf dem Teppich"?«


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